Lucy Redler gab auf - bei Sabine Christiansen

fernsehguckerin 29.05.2006 16:01
Zugegeben, es ist nicht einfach, in der Höhle des Löwen als Rebellin aufzutreten. Man muss sich dem dort herrschenden Konsens fügen. Doch Lucy Redler hatte schon vorher aufgegeben.
Schon im Lucy Redlers Ankündigungstext zur talk show ist vom „Versagen der Politik, neue Arbeitsplätze zu schaffen“ die Rede. Im ersten Wortbeitrag beschwört sie dann so oft das ominöse „wir“ („wir müssen Arbeitsplätze schaffen... usw.), dass der Herrenrunde schnell klar wird, dass man milde wird lächeln dürfen über die brav vorgetragenen Argumente der zukünftigen Jungpolitikerin. Handelt es sich doch hauptsächlich um „alte Gewerkschaftsforderungen“, wie sie selbst, fast beschwörend, anfügt.

Kein Wort von gesellschaftlichen Gegensätzen und kollidierenden Interessen, die in Harz4 ihren Ausdruck finden. Kein Wort davon, dass „Arbeitslosigkeit“ ganz anders zu erklären ist, als mit einem „Versagen der Politik“, die sich seit Bestehen der Bundesrepublik für zuständig erklärt und mit den immer gleichen Argumenten (Kapitalförderung vs Konsumförderung) die stetig ansteigende Arbeitslosigkeit bekämpfen will. Kein Wort davon, dass die die Benutzung von Menschen zum Zwecke der Vermehrung abstrakten Reichtums (Arbeitsplätze) zwar die Sorge eines braven deutschen Staatsbürgers, aber nicht das Problem vernünftiger Menschen sein kann. Keine Rede vom Irrsinn der Standortlogik, die die Bevölkerung fit macht und verheizt für den imperialen Konkurrenzkampf.

Stattdessen schliesst sie sich der Suche nach dem „Missbrauch“ der Sozialgesetzgebung an. Wer den Missbrauch ahndet ist vom tieferen Sinn des „Ge“brauchs überzeugt. Das hat der Herr vom Magazin Stern auch schnell gemerkt, der ihr ans Herz legt, sie solle ihre „Klientel“ doch besser vor dem Vorwurf des Missbrauches schützen. Dem kommt sie kräftig nach, indem sie Missbrauch bei Hartz4-Empfängerinnen nicht entdecken kann, dafür aber umso mehr bei den Reichen. Dort müsse das Geld geholt werden, meint sie, wofür sie Szenenapplaus bekommt. Auch bei den Mitarbeitern des Arbeitsamtes könne man die Effizienz verbessern. Hurtig macht sie im selben Satz noch den konstruktiven Vorschlag, man solle die Mitarbeiter der Jobcenter weniger mit Spitzeldiensten, und dafür mehr mit ihrer eigentlichen Aufgabe, dem Vermitteln von Arbeit, beschäftigen.

Nachdem die jeweiligen Schuldigen am Versagen der sozialen Sache gefunden wurden, darf Lucy Redler noch mit Zahlen aus der Welt der Arbeitslosen und Arbeitsplätze in Berlin brillieren, die prompt vom Herrn vom Stern mit anderen Zahlen konterkariert werden. Der Vorschlag, mit „Investionsprogrammen Arbeitsplätze zu schaffen“ und der Appell, das „wir“ die „Arbeit besser verteilen müssen“, wird schlussendlich von der Moderatorin S. Christiansen gelobt, aber mit einem Seufzer kommentiert: „wer solls denn immer bezahlen“.

Alles in allem habe ich eine oberlangweilige Runde von Politikern aller Altersklassen gesehen, die sich darum Sorgen machen, dass in Deutschland zu wenig gearbeitet wird und zuviel schmarotzt wird – aus der Sicht der Unternehmer oder aus der Sicht der Nation. An diesem Konsens hat auch Lucy Redler nichts geändert, sondern sich ihm unterworfen. Wir wünschen viel Glück für die weitere Laufbahn als (linksradikale) Charaktermaske des Kapitals.

Ändern würde sich mit ihrer Wahl nichts, ausser dass eventuell den Erwerbslosen „eine Stimme im Parlament" geben würde. Fragt sich nur was für eine.

Im Gegenteil: je mehr Hoffnung in solche Figuren gesteckt wird, die sich - um des Mitmachens willen - der herrschenden Meinung unterwerfen, umso weiter entfernen „wir“ uns von der tatsächlichen Möglichkeit gesellschaftlicher Veränderung.
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Ergänzungen

einmal darfste raten,

Bernd Kudanek alias bjk 29.05.2006 - 16:20
welche fiese Absicht und welche Kreise hinter dem Verriß Lucy Redlers stehen! Kein Wort zur widerlichen Volksverhetzung durch Christiansen und Kompagnons, kein Wort zur Bereicherungs- und Mißbrauchslüge von ALG-II-EmpfängerInnen! fernsehguckerin, ick hör dir trapsen ... ... ...

bjk
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Iraq Ausschreibung 3M Clementsack

Thema war: 29.05.2006 - 18:06

Meine Abende mit S. Christiansen

Pamela 29.05.2006 - 18:21
Zum Thema Sabine Christiansen gibt es ein ganz nettes Buch, mit dem Titel "Meine Abende mit Sabine Christiansen" von Walter van Rossum. Amüsant und sehr kurzweilig zu lesen... bringt die Funktion der Christiansen-Show genau auf den Punkt: "die Wünsche der Chefetage werden an das Volk durchgereicht". So isses!

Und in diesem Sinne ist auch jegliche Einladung als Talkgast in diese Sendung zu verstehen. Wer auch immer die höheren Weihen erhält, an dem abendlichen Palaver bei Christiansen teilnehmen zu dürfen, gehört in jedem Falle in irgendeiner Weise "zum Club". Da darf von niemandem erwartet werden, den dort vorherrschenden Grundkonsens (z.B. was das Arbeits-Dogma betrifft) ernsthaft in Frage zu stellen oder nachhaltig zu erschüttern... wer auch immer da mit quasseln darf - in jedem Falle ist immer sicher gestellt, dass am Ende der Sendung der Zuschauer ins Bett sinkt, totgequatscht, um keine Idee schlauer... und mit der Gewissheit, dass die derzeit herrschende Politik absolut alternativlos ist.

Ganz groß

Peter G. 29.05.2006 - 18:22
auch von Lucy Redler, daß sie gleich im ersten (ihrer durchweg butterweichen) Beiträge (Lafontaine ist ein Haudegen dagegen) ihrer Beiträge auf den Hickhack in Berlin eingeht und damit der Fernsehnation aufs Brot schmiert, daß es die Linken wegen ihrer Krümelkackerei sowieso nicht auf die Reihe kriegen, im übrigen hat sie das thematisiert, ohne gefragt wordn zu sein. Damit ist klar, daß die Perspektive Redlers für die WASG nicht über die Berliner Lokalpolitik hinausgeht. Nicht, daß ich die berliner PDS Klasse finde, aber warum muß man denn sonen Lattenschuß starten, wenn man weiß, daß 95 % der Leute keinen Plan haben, wovon die redet? Um sich zum Eumel zu machen oder was? Warum muß die Redler zuerst den Wahlkampf gegen die PDS thematisieren, während die große Koalition einen üblen, asozialen oder rassistischen Vorstoß nach dem anderen macht, während die Merkel nicht nur den Konzernen und dem Kapital, sondern auch dem Bush so tief in den Arsch kriecht, wie´s noch keiner geschafft hat? Warum macht die Redler keine Stimmung? Also, für die Chance, bei Christiansen ein paar Millionen mal für kurze Zeit klare Sicht zu verschaffen, war das echt ein Witz und vollkommen kontraproduktiv. Aber Hauptsache im Fernsehen. Die 10 Minuten Fame.

Re:

Zuschauer 29.05.2006 - 19:19
Ich finde, Lucy Redler hat sich tapfer geschlagen:

Sie hat die Mißbrauchsvorwürfe zurückgewiesen, auf den Armut verursachenden Charakter von Hartz IV hingewiesen, gefordert Arbeit zu schaffen statt Arbeitslose zu drangsalieren, Arbeitszeitverkürzung zur gerechteren Verteilung von Arbeit vorgeschlagen, ein Zukunftsinvestitionsprogramm angemahnt und dessen Finanzierung durch eine höhere Besteuerung der Unternehmen und Reichen eingefordert. Nebenbei hat sie noch Werbung für eine Demonstration gemacht. Alles ganz solide sozialdemokratisch.

Warum schlagen einige Leute aus der loinksradikalen Szene dennoch derat hysterisch auf Lucy Redler ein? Vermutlich aus Eifersucht, weil sie selber keinen geraden Satz hervorbringen, den die arbeitenden und arbeitslosen Menschen verstehen würden.

@ warum

Peter G. 30.05.2006 - 20:00
Weil nicht die WASG gefragt wurde, sondern Lucy Redler. Sie war nicht als WASG-Vertreterin eingeladen sondern als Vertreterin der Oppositionsströmung in Berlin, um die Linke vorzuführen. So einfach ist das.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 11 Kommentare an

@bdk — das war nicht Thema

Indy goes Kindergarten — Pisa oder wie?

@pisa oder wie — falscher Artikel

@Zuschauer — naja

Was erwartest Du? — Kommunist

also ich finde die — lucy war

Re: — Zuschauer

Kalle Blick´ts — Kommt noch

aber schwach — tagmata

Warum? — ..