Lucy Redler gab auf - bei Sabine Christiansen
Zugegeben, es ist nicht einfach, in der Höhle des Löwen als Rebellin aufzutreten. Man muss sich dem dort herrschenden Konsens fügen. Doch Lucy Redler hatte schon vorher aufgegeben.
Schon im Lucy Redlers Ankündigungstext zur talk show ist vom „Versagen der Politik, neue Arbeitsplätze zu schaffen“ die Rede. Im ersten Wortbeitrag beschwört sie dann so oft das ominöse „wir“ („wir müssen Arbeitsplätze schaffen... usw.), dass der Herrenrunde schnell klar wird, dass man milde wird lächeln dürfen über die brav vorgetragenen Argumente der zukünftigen Jungpolitikerin. Handelt es sich doch hauptsächlich um „alte Gewerkschaftsforderungen“, wie sie selbst, fast beschwörend, anfügt.
Kein Wort von gesellschaftlichen Gegensätzen und kollidierenden Interessen, die in Harz4 ihren Ausdruck finden. Kein Wort davon, dass „Arbeitslosigkeit“ ganz anders zu erklären ist, als mit einem „Versagen der Politik“, die sich seit Bestehen der Bundesrepublik für zuständig erklärt und mit den immer gleichen Argumenten (Kapitalförderung vs Konsumförderung) die stetig ansteigende Arbeitslosigkeit bekämpfen will. Kein Wort davon, dass die die Benutzung von Menschen zum Zwecke der Vermehrung abstrakten Reichtums (Arbeitsplätze) zwar die Sorge eines braven deutschen Staatsbürgers, aber nicht das Problem vernünftiger Menschen sein kann. Keine Rede vom Irrsinn der Standortlogik, die die Bevölkerung fit macht und verheizt für den imperialen Konkurrenzkampf.
Stattdessen schliesst sie sich der Suche nach dem „Missbrauch“ der Sozialgesetzgebung an. Wer den Missbrauch ahndet ist vom tieferen Sinn des „Ge“brauchs überzeugt. Das hat der Herr vom Magazin Stern auch schnell gemerkt, der ihr ans Herz legt, sie solle ihre „Klientel“ doch besser vor dem Vorwurf des Missbrauches schützen. Dem kommt sie kräftig nach, indem sie Missbrauch bei Hartz4-Empfängerinnen nicht entdecken kann, dafür aber umso mehr bei den Reichen. Dort müsse das Geld geholt werden, meint sie, wofür sie Szenenapplaus bekommt. Auch bei den Mitarbeitern des Arbeitsamtes könne man die Effizienz verbessern. Hurtig macht sie im selben Satz noch den konstruktiven Vorschlag, man solle die Mitarbeiter der Jobcenter weniger mit Spitzeldiensten, und dafür mehr mit ihrer eigentlichen Aufgabe, dem Vermitteln von Arbeit, beschäftigen.
Nachdem die jeweiligen Schuldigen am Versagen der sozialen Sache gefunden wurden, darf Lucy Redler noch mit Zahlen aus der Welt der Arbeitslosen und Arbeitsplätze in Berlin brillieren, die prompt vom Herrn vom Stern mit anderen Zahlen konterkariert werden. Der Vorschlag, mit „Investionsprogrammen Arbeitsplätze zu schaffen“ und der Appell, das „wir“ die „Arbeit besser verteilen müssen“, wird schlussendlich von der Moderatorin S. Christiansen gelobt, aber mit einem Seufzer kommentiert: „wer solls denn immer bezahlen“.
Alles in allem habe ich eine oberlangweilige Runde von Politikern aller Altersklassen gesehen, die sich darum Sorgen machen, dass in Deutschland zu wenig gearbeitet wird und zuviel schmarotzt wird – aus der Sicht der Unternehmer oder aus der Sicht der Nation. An diesem Konsens hat auch Lucy Redler nichts geändert, sondern sich ihm unterworfen. Wir wünschen viel Glück für die weitere Laufbahn als (linksradikale) Charaktermaske des Kapitals.
Ändern würde sich mit ihrer Wahl nichts, ausser dass eventuell den Erwerbslosen „eine Stimme im Parlament" geben würde. Fragt sich nur was für eine.
Im Gegenteil: je mehr Hoffnung in solche Figuren gesteckt wird, die sich - um des Mitmachens willen - der herrschenden Meinung unterwerfen, umso weiter entfernen „wir“ uns von der tatsächlichen Möglichkeit gesellschaftlicher Veränderung.
Kein Wort von gesellschaftlichen Gegensätzen und kollidierenden Interessen, die in Harz4 ihren Ausdruck finden. Kein Wort davon, dass „Arbeitslosigkeit“ ganz anders zu erklären ist, als mit einem „Versagen der Politik“, die sich seit Bestehen der Bundesrepublik für zuständig erklärt und mit den immer gleichen Argumenten (Kapitalförderung vs Konsumförderung) die stetig ansteigende Arbeitslosigkeit bekämpfen will. Kein Wort davon, dass die die Benutzung von Menschen zum Zwecke der Vermehrung abstrakten Reichtums (Arbeitsplätze) zwar die Sorge eines braven deutschen Staatsbürgers, aber nicht das Problem vernünftiger Menschen sein kann. Keine Rede vom Irrsinn der Standortlogik, die die Bevölkerung fit macht und verheizt für den imperialen Konkurrenzkampf.
Stattdessen schliesst sie sich der Suche nach dem „Missbrauch“ der Sozialgesetzgebung an. Wer den Missbrauch ahndet ist vom tieferen Sinn des „Ge“brauchs überzeugt. Das hat der Herr vom Magazin Stern auch schnell gemerkt, der ihr ans Herz legt, sie solle ihre „Klientel“ doch besser vor dem Vorwurf des Missbrauches schützen. Dem kommt sie kräftig nach, indem sie Missbrauch bei Hartz4-Empfängerinnen nicht entdecken kann, dafür aber umso mehr bei den Reichen. Dort müsse das Geld geholt werden, meint sie, wofür sie Szenenapplaus bekommt. Auch bei den Mitarbeitern des Arbeitsamtes könne man die Effizienz verbessern. Hurtig macht sie im selben Satz noch den konstruktiven Vorschlag, man solle die Mitarbeiter der Jobcenter weniger mit Spitzeldiensten, und dafür mehr mit ihrer eigentlichen Aufgabe, dem Vermitteln von Arbeit, beschäftigen.
Nachdem die jeweiligen Schuldigen am Versagen der sozialen Sache gefunden wurden, darf Lucy Redler noch mit Zahlen aus der Welt der Arbeitslosen und Arbeitsplätze in Berlin brillieren, die prompt vom Herrn vom Stern mit anderen Zahlen konterkariert werden. Der Vorschlag, mit „Investionsprogrammen Arbeitsplätze zu schaffen“ und der Appell, das „wir“ die „Arbeit besser verteilen müssen“, wird schlussendlich von der Moderatorin S. Christiansen gelobt, aber mit einem Seufzer kommentiert: „wer solls denn immer bezahlen“.
Alles in allem habe ich eine oberlangweilige Runde von Politikern aller Altersklassen gesehen, die sich darum Sorgen machen, dass in Deutschland zu wenig gearbeitet wird und zuviel schmarotzt wird – aus der Sicht der Unternehmer oder aus der Sicht der Nation. An diesem Konsens hat auch Lucy Redler nichts geändert, sondern sich ihm unterworfen. Wir wünschen viel Glück für die weitere Laufbahn als (linksradikale) Charaktermaske des Kapitals.
Ändern würde sich mit ihrer Wahl nichts, ausser dass eventuell den Erwerbslosen „eine Stimme im Parlament" geben würde. Fragt sich nur was für eine.
Im Gegenteil: je mehr Hoffnung in solche Figuren gesteckt wird, die sich - um des Mitmachens willen - der herrschenden Meinung unterwerfen, umso weiter entfernen „wir“ uns von der tatsächlichen Möglichkeit gesellschaftlicher Veränderung.
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Ergänzungen
einmal darfste raten,
bjk
Forum:
Links zum Thema:
Iraq Ausschreibung 3M Clementsack
Meine Abende mit S. Christiansen
Und in diesem Sinne ist auch jegliche Einladung als Talkgast in diese Sendung zu verstehen. Wer auch immer die höheren Weihen erhält, an dem abendlichen Palaver bei Christiansen teilnehmen zu dürfen, gehört in jedem Falle in irgendeiner Weise "zum Club". Da darf von niemandem erwartet werden, den dort vorherrschenden Grundkonsens (z.B. was das Arbeits-Dogma betrifft) ernsthaft in Frage zu stellen oder nachhaltig zu erschüttern... wer auch immer da mit quasseln darf - in jedem Falle ist immer sicher gestellt, dass am Ende der Sendung der Zuschauer ins Bett sinkt, totgequatscht, um keine Idee schlauer... und mit der Gewissheit, dass die derzeit herrschende Politik absolut alternativlos ist.
Ganz groß
Re:
Sie hat die Mißbrauchsvorwürfe zurückgewiesen, auf den Armut verursachenden Charakter von Hartz IV hingewiesen, gefordert Arbeit zu schaffen statt Arbeitslose zu drangsalieren, Arbeitszeitverkürzung zur gerechteren Verteilung von Arbeit vorgeschlagen, ein Zukunftsinvestitionsprogramm angemahnt und dessen Finanzierung durch eine höhere Besteuerung der Unternehmen und Reichen eingefordert. Nebenbei hat sie noch Werbung für eine Demonstration gemacht. Alles ganz solide sozialdemokratisch.
Warum schlagen einige Leute aus der loinksradikalen Szene dennoch derat hysterisch auf Lucy Redler ein? Vermutlich aus Eifersucht, weil sie selber keinen geraden Satz hervorbringen, den die arbeitenden und arbeitslosen Menschen verstehen würden.
@ warum
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
@bdk
sorry übrigens, dass die Anführungszeichen im Text zu Fragezeichen geworden sind.
Indy goes Kindergarten
@pisa oder wie
Hier wurde sich anscheinend nur darüber gewundert, wie schnell ein trotzkistisches U-Boot zur Kapitalistenfregatte wird und sich deren Probleme zu eigen macht.
@Zuschauer
Ich habe die Sendung auch gesehen. Der Auftritt von L. Redler war "solide sozialdemokratisch", da hast du auch recht. Deshalb wähle ich auch Linkspartei.
Was erwartest Du?
Sie sind und bleiben die wahren Sozialdemokraten...
Scheiss WASG
also ich finde die
Re:
> Ich habe die Sendung auch gesehen. Der Auftritt von L. Redler war "solide sozialdemokratisch", da hast du auch recht. Deshalb wähle ich auch Linkspartei.
Das verstehe ich nicht. Die Politik der PDS in Berlin ist doch gerade NICHT sozialdemokratisch, sondern neoliberal. Wenn Du sozialdemokratische Politik unterstützen möchtest, solltest Du WASG wählen.
Kalle Blick´ts
aber schwach
Wenn du bei Christiansen auftrittst, kannst du auch nichts krasseres als das bringen. Egal was deine wirkliche Meinung ist. Leute, bei denen du mit Antikap-Rhetorik, die über "Heuschrecken" hinausgeht etwas reißen würdest schauen sich den Schund eh nicht an.
Ideologisch also solide genug, um in der Christiansen-Kamarilla nicht direkt weggelacht zu werden. Aber stilistisch... boah, so was von schwach!
Mensch wünscht sich direkt den ollen Bebel zurück. Der war zwar auch arbeitsgeil, aber immerhin hatte er eine dermaßen scharfe Zunge, daß er mal vor versammeltem Reichstag den Kanzler, Bethmann-Hollweg war das damals, so konsequent zur Sau gemacht hat, daß dieser n Herzinfarkt bekam und rausgeschafft werden mußte.
Wäre schön, wenn das mal jemandem bei "Christiansen" gelingen würde.
Trotzki, Redler & Noske
So wie die christliche kath. Kirche nichts mehr mit Zimmermann und Wanderprediger Jesus Christus aus Nazereth des Jahres NULL zu tun hat, so hat "Trotzkistin" Lucy Redler nichts mehr mit dem revolutionären Kommunisten Trotzki des Jahres 1917 zu tun. Eher mit den Sozialdemokraten Bernstein, Ebert und Scheidemann des Jahres 1917.
Die Redler ist bei den Ex-Gewerkschaftssekretären, Ex-Kommunisten und Ex-SPDlern der WASG und neue Linkspartei bestens aufgehoben. Sie muß nur noch ein Ex- vor die "Trotzkistin" machen.
Warum?