Repression gegen Studis im Iran

Val Danestani 29.05.2006 02:54 Themen: Bildung Repression Weltweit
Verhaftungswelle gegen Studiaktivist/innen im Iran
in den letzten Tagen gab es rege oppositioelle Aktivitäten in den iranischen Universitäten. Begonnen in der Polytechnischen Uni Tehrans. gab es eine Welle von Aktionen gegen die Verstärkung von autoritären und polizeilichen Massnahmen in den Unis.
Seit letzte Woche begannen dann Verhaftungen von bekannteren Aktivisten. Am Sonntag kam es zu einer größeren Verhaftungswelle, in der viele Aktivist/innen der islamischen Studentenverbands (der seit einigen Jahren fest in den Händen opposiionellen und linken Kräften ist) von Polizei und Geheimdienst verhaftet wurden.
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Ergänzungen

Vier Tote, 43 Verletzte und unzählige Festnah

iran boy 29.05.2006 - 19:45


Iran-Now Network schreibt


Vier Tote, 43 Verletzte und unzählige Festnahmen
Aserbaidschanische Minderheit protestiert - Streit um Personalwechsel an der Uni Teheran - mehrere Studentensprecher verhaftet - 54 Bahai-Anhänger festgenommen.

Bei einer Demonstration der Minderheit der Aseris im Nordwesten des Iran sind vier Menschen getötet und weitere 43 verletzt worden. Die Protestkundgebung in der Stadt Nagadeh richtete sich gegen die Veröffentlichung einer Karikatur in einer staatlichen Zeitung, die die Aseris als beleidigend empfinden, wie ein örtlicher Polizeikommandant der Nachrichtenagentur Irna am Sonntag sagte.

Nagadeh liegt in der iranischen Provinz Aserbaidschan-e-Gharbi, wo überwiegend Kurden und Angehörige des Volkes der Aserbaidschaner - die Aseris - leben. Der Polizeichef der Provinz, Hassan Karami, sagte nicht, wann die Proteste in Nagadeh stattfanden und wie die Menschen ums Leben kamen oder verletzt wurden. Er gab lediglich an, auch "zwei bewaffnete Mitglieder der kurdischen Arbeiterpartei PKK" hätten sich in der Menge der Demonstranten aufgehalten. Die Protestkundgebung fand demnach vor einem öffentlichen Gebäude statt.

Veröffentlicht hatte die Karikatur vor rund zwei Wochen die Zeitung "Iran". Das Blatt wurde geschlossen, der Zeichner und ein Redakteur wurden festgenommen. Laut Chefredakteur der Zeitung "Iran" dürfe man die große nationale Tageszeitung jedoch nicht für die Karrikatur zur Verantwortung ziehen, da die Veröffentlichung im wöchentlichen Ableger "Iran Jome" abgedruckt worden sei, welcher in einer weitaus niedrigeren Auflage erscheine und von einer eigenständigen, von "Iran" unabhängigen, Redaktion betrieben werde. Dennoch entschuldigte sich der Chef-Redakteur bei der Öffentlichkeit und wies darauf hin, dass etwa 25 Aseri-sprachige Mitarbeiter zur eigenen Redaktion gezählt und hoch geschätzt werden.

In der Hauptstadt Teheran protestierten am Sonntag erneut rund 200 aserische Studenten gegen die Karikatur, die einen Aseri als Kakerlake darstellt, wie die studentische Nachrichtenagentur Isna berichtete. Die protestierenden Studenten wurden von der Polizei auseinander getrieben. Sie hatten auch Unterricht in aserischer Sprache gefordert. Der geistliche Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, bezeichnete die Demonstration vor dem Parlament als "Versuch, ethnische Spannungen zu provozieren". Dies werde nicht gelingen.


Plakat: Lasst Yashar frei! Yashar Ghajar, Studentensprecher der Polytechnik, wurde am Sonntag, 28. Mai, festgenommen.Gleichzeitig herrscht in den Universitäten weiterhin Unmut und Empörung über Eingriffe und Einmischungen der paramilitärischen Basij-Organisation in universitäre Verwaltungsangelegenheiten. Am Dienstag Abend randalierten einige Studenten auf dem Universitätsgelände und in den Studentenwohnheimen in Teheran. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete, die Proteste hätten sich gegen einen Wechsel von Unirektoren und die Pensionierung von Professoren gerichtet. Aufgrund dieser und weiterer Konflikte kam es heute und in den vergangegen Tagen zu mehreren Verhaftungen von Studenten und Dozenten der Universitäten Teheran, Tabriz, Kermanshah, Orumieh und Maraghe.




Demonstration mit etwa 10.000 Teilnehmern in Tabriz, Montag, 22. Mai 2006INN-Informationen zufolge kam es am Freitag in Tabriz, der Hauptstadt der Provinz Aserbaidschan-e-Sharghi, erneut zu einer Demonstration, an der etwa 2000 Menschen teilnahmen und ethnische Diskriminierungen verurteilten. Bereits am 22. Mai waren in Tabriz infolge einer Groß-Demonstration mehrere Behörden und öffentliche Gebäude angegriffen und zum Teil in Brand gesetzt worden. Eine Bank brannte dabei vollständig aus. Auch in Orumieh und Ardabil endeten Demonstrationen gewalttätig.




Diskriminierungen und Menschenrechtsverletzungen
an der Tagesordnung

Aufgrund ethnischer Diskriminierungen und Einschränkungen in Religion und Sprache herrschen aktuell auch in der süd-östlichen Provinz Sistan-va-Balutschestan Unruhen. Nähere Informationen sind jedoch sperrlich zugänglich. Im Iran leben etwa eine Million Belutschen, die zum größten Teil Sunniten sind. Der Bau sunnitischer Schulen oder Moscheen wird ihnen von der Regierung verwehrt.

Von den religiösen Minderheiten leiden auch die Baha'i unter systematischer Diskriminierung und Verfolgung. Sie müssen mit Enteignungen und Berufsverboten rechnen und sind von der Universitätsbildung ausgeschlossen. Laut der Bahai-Gemeinschaft in New York, wurden am 19. Mai 54 Bahai-Anhänger in Shiraz verhaftet.

Das europäische Parlament wies im Oktober 2005 auf Menschenrechtsverletzungen und Diskriminierungen unterschiedlicher Arten durch die Islamische Republik Iran hin und verurteilte unter anderem die Behandlung von Minderheiten wie etwa den Kurden, die wegen ihrer religiösen Überzeugung und ihres ethnischen Hintergrunds schikaniert werden. In der Provinz Kordestan war es in den vergangenen Monaten wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Sicherheitsbeamten gekommen.

Bewohner des Gebiets um Ahwaz, Hauptstadt der von ethnischen Arabern dominierten Provinz Khuzestan, wurden laut Aussage von Miloon Kothari, UN-Sonderberichterstatter zum Recht auf angemessenes Wohnen, aus ihren Dörfern vertrieben. Auch in Ahwaz herrschen weiterhin Spannungen.
(INN/APA/AFP)

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