Demo gegen Studiengebühren in Darmstadt

katharina 26.05.2006 13:33 Themen: Bildung
Am Mittwoch, den 24. Mai demonstrierten Tausende gegen die anstehenden Studiengebühren in Darmstadt.
Bei Anfangs strahlenden Sonnenschein zog ab ungefähr zwei Uhr der laute und mit massig Trillerpfeifen ausgestattete Demozug durch Darmstadt. Los ging’s bei der TU Darmstadt – den Auftakt habe ich wegen Verspätung leider nicht mitbekommen. Mit Parolen wie: ‚Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!’ drückte mensch den Unmut über die nahenden Studiengebühren, die 500 bis 1500 (!) Euro nach Wünschen der hessischen Regierung betragen sollen, aus.
So weit man blicken konnte zog eine riesige Menschenmenge durch Darmstadt die so laut war, dass man kaum sein eigenes Wort verstehen konnte. Überraschend wenig PolizistInnen begleiteten die Demonstration, das änderte sich aber schnell, als nach einer Zwischenkundgebung circa die Hälfte der Leute beschloss, die Kreuzung zu besetzten, auf welcher wir gerade lagerten, anstatt mit den anderen zurück zur TU zu ziehen um die Demonstration zu beenden. Ab diesem Zeitpunkt bildete die Polizei eine Absperrung, die verhinderte, dass wir auf die Autobahn gelangten. Versuche hindurch zu brechen scheiterten. Also blieben wir bei Sonnenschein auf der Kreuzung und ließen die Bitten der Polizei ungehört, die uns klar machen wollten, das die Demonstration längst aufgelöst sei und wir doch nach Hause gehen sollten. Nach sicherlich einer Stunde oder noch länger hatten aber die Frauen und Männer in Grün die Nase voll, ziemlich unliebsam räumten sie die Straße nach dem sie ein Friedensangebot in Form einer Blume von einem Studenten ablehnten. Grob mussten wir uns vorwärtsstumpen lassen um bald zwei brennende Müllcontainer auf der Straße liegen zu sehen. Spätestens hier kehrte bei einigen die gute Laune zurück.
Nach einigen Zwischenstopps und viel guter musikalischer Untermalung von den vielen TrommlerInnen und TrillerpfeiflerInnen gelangten wir wieder zu einem neuen Rastplatz – auch eine Kreuzung. Dort blieben wir jedoch nicht lang und brachen zum Luisenplatz auf.
Dort war das Polizeiaufgebot enorm aber der Kampfgeist ungebrochen. Jedoch wurden dort meines Wissens mehrere Leute festgenommen- einer weil er sich auf ein Auto setzte und eine Durchsage mit dem Megaphon machen wollte. Danach wuchs die Wut von Seiten der Demonstrierenden gegenüber den grünen Beamten.
Es ist inzwischen kurz vor acht, nicht mehr viele der DemonstrantInnen sind anwesend doch die Anti- Studiengebühren Fahne war gehisst – dafür büßte die Sparkasse eine ihrer wunderbaren Fahnen ein.
Hier bleibt noch die Frage: ‚Roland Koch – siehst du das?’

Für Ergänzung wäre ich dankbar!
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Ergänzungen

französische Verhältnisse

now 26.05.2006 - 14:37
Am Abend war am Lui noch der Oberbürgermeister von Darmstadt und wollte uns beruhigen. Nach dem wir aber seine Rede mit einem lauten Pfeifkonzert unterbrochen haben (mehrmals) ging er wohl weg. Er sagte zwar, dass er es vresuchen wird die Leutz ausm Kessel zu holen- aber naja hole Worte- die wenig übrig geblieben Demonstranten legten sich dann noch einigemale mit den bullen an.
Es gab auch noch mehrere Festnahmen am ganzen Tag. Ich habe potenziell 5 Festnahmen mitbekommen- eine Bulle hat diese Zahl durch gesagt. WAren wohl aber nur Festnahmen um die Demonstranten ab zu schrecken.
Lustig war auch die Rennerei hoch zum Lui- als eine Schreibtisch Bullenkette durchbrochen wurde. Sie haben zwar versucht ein paar zu schnappen- haben sie allerdings nicht geschafft. Das BFE ist dann hinter den Demonstranten hinterher.
Selbst würde ich sagen, dass es etwa 3.000 Demonstranten waren.
Hier möchte ichauch nochmal den Asta leuten sagen- ihr zerreißt die Demonstranten. Der Kessel am Lui war nur möglich weil ihr wolltet das wir von den Gleisen gehen- um den Verkehr wieder zu ermöglichen! Das geht so nicht- und das nächstes mal werden wir euch auch wenn es nötig wird- die megaphone abnehmen und unter andere kontrolle geben! Aso die leutz im Kessel hatten nur Platzverweise bekommen- keine Festnahmen.

Ehm gibts noch was zu sagen.....
naja sicherlich- sollte aber als erstes mal langen

Schafft französische Verhältnisse hier& jetzt!

festnahmen...

...gab es... 26.05.2006 - 14:39
einige. Angeblich ca. 27 sogar. Diese waren aber nach meinem Eindruck meistens sehr willkürlich. Viele Leute wurden festgenommen, ohne dass ihnen was konkretes vorgeworfen wurde. Nachher wurden sie abends noch freigelassen mit der Begründung: "Ja du bist frei, das war Sicherheitsverwahrung." (dürfen sie).

Insgesamt recht nette Blockaden, wobei ich finde, dass an einigen Punkten einfach zu lange blockiert wurde. Man muss ja nicht alle Sympathien VOLLKOMMEN verspielen. Und außerdem hat Darmstadt noch viiiieeeel mehr Kreuzungen zu bieten als die 4-5 da, die blockiert wurden. Jede so 20min... in Bewegung bleiben, Protest durch Sachschaden usw. usw. (das war keine Aufforderung, sondern nur die Erkenntnis, dass sowas auch passieren kann oder auch passiert ist!).

Ärgerlich war, dass am Luisenplatz aufgrund von Megaphondurchsagen einer Studentin(? ist auch egal) die Leute unkontrolliert schnell zum Brunnen gingen und dann mehr als 20 (?) Leute von der Polizei einfach schnell gekesselt werden konnten. Da wurd schnell ne "Schreibtischbullen"-Reihe* dazwischen gezogen und das BFE war auch schnell dazwischen und der Kessel war zu. Sau unsolidarisch, aber wohl nicht beabsichtigt.

Aber move on...
500€ ? Ihr kriegt noch viel mehr... an Kosten !
(oder wie es das nette Transpi der Autonomen Studenten sagen würde:
Eure 500 "Steine" könnt ihr haben! ;-) )


*als Schreibtischbullen beschreibe ich mal diese Bullen, die so aussahen, als wären wir hier noch in den 80ern (von der Ausrüstung her). Wurden wohl schnell zusammengezogen, grünen Strampler an, Schlagstock in die Hand, StartbahnWest-Helm aufgesetzt und los. :D

Bitte um

Auskunft 27.05.2006 - 14:12
über die tatsächliche Teilnehmerzahl. Im Bericht ist von mehreren Tausend die Rede... kann das jemand weiter eingrenzen?
Vielen Dank schonmal im Vorraus
Solidarischen Gruß aus Hamburg
Weiter so! Bundesweit!

die verhältnisse zum tanzenbringen

träumer 27.05.2006 - 15:03
Die demo am mittwoch war allein von der größe her sehr eindrucksvoll. Meine schätzung lag bei 6000. Sicherlich einer der größten demonstrationen der letzten 2 dekaden in darmstadt. Allenfalls demonstrationen gegen den golfkrieg in den 90 ern oder gegen die startbahn in den 80ern waren größer, ich lasse mich aber auch eines besseren belehren.
Schön war auch das es sehr viele unterschiedliche menschen waren. Auch ältere, schülerInnen und menschen mit migrantischem hintergrund die offensichtlich keine studis unterwegs waren.
Leider aber von einer breite wie in frankreich und Französichen verhältnissen, wenn wir sie denn als positiven bezugspunkt nehmen weit entfernt.
Fordern und sie sich wünschen und davon träumen ist in richtig und wichtig, ja grundlage, doch sie kommen nur wenn sie auch entstehen dürfen und organisert werden, nicht von oben sondern von unten. Von reflektierten menschen die ihre erfahrung austauschen und weiterentwickeln.
Was die „wünscherInnen“ für französische Verhältnisse meinen ist sicherlich eine bewegung, vielleicht sogar eine soziale bewegung, die sich aber dadurch auszeichnet das über den tellerrand geschaut und auch so gehandelt wird. (träumer !)
Eine soziale bewegung wo unteschiedliche menschen in bewegung sind, von den hartz 4 überflüssigen, den von sondergesetzen drangsalierten und ausgegrenzten migrantInnen und flüchtlingen (auch bei den studiengebühren gibt es diese rassistische sonderbehandlung 1500 €, statt 500 € für die inländischen studierenden)., den unbrauchbar gewordenen arbeiterInnen und angestellten, der sich wandelten und sterbenden fabriken und dienstleistern, menschen die als krank, alt und unnütz angegriffen werden, die für ihre behandlung bald selbst bezahlen sollen, die ihre rente real selbst einbezahlt haben, doch diese nun gekürzt und vorenthalten bekommen(nicht rechtsstaatlich einklagbar mit inbegriffen). hartz 4gibt es bald nur noch für wirklich bedürftige, (zwangsumgezogen und durch abschiebungen ausgedünnt), wer ist denn mit bedürftig noch gemeint?
eine soziale bewegung wo die ärtzeInnen nicht nur um ihre besitzstände kämpfen sondern wirkliche gerechtigkeit wollen. Eine gerechtigkeit die von grund auf gerecht meint, wo der raubzug der gierigen menschen sofort beendet wird, allen den zugang zu reichtum, aber auch armut ermöglicht wird und seine erweiterten menschenrechte garantiert werden.
Stichwort ist da für mich das garantierte und uneingeschränkte grundeinkommen.
Ob das auf einer welt geschieht wo in teilen das betreten von rasen als gewalt angesehen wird, möglich sein kann wird die geschichte schreiben.
Klar ist nur solange wir uns spalten lassen in gute und böse, gewaltbereit und friedlich, studentInnen gegen arbeiterInnen, migrantInnen und Inländer; krank, unnütz und arbeitsfähig und fleissig , wird es keine bewegung geben, die dafür und darum kämpft.
Schlußendlich würde sie sich gegeneinander bekämpfen, auch das zeigt die geschichte.
Diese erfahrung zieht sich durch die ganze menschheitsgeschichte und reproduziert und entwickelt sich in allen politischen (kapitalistischen) systemen und im eigentlichen im menschen selbst.
Allen voran durch die sucht nach macht und herrschaft, teile und herrsche ist die devise auf dem weg des raubzuges.
Überlasst nicht die geschicke den selbsternannten oder gewählten (ver)führern
Machen wir selbst geschichte und schliessen uns zusammen – the future is unwritten

Demonstrantenanzahl...

...in Darmstadt 27.05.2006 - 17:34
6000 ist übertrieben. meine Schätzung würde bei 3000-3500 liegen. maximal 4000. allerdings nur anfangs auf dem offiziellen, angemeldeten Demoweg. an Sitzblockaden etc beteiligten sich - länger als 15 minuten - alles in allem vielleicht 1000 bis 1500, die sich zur Räumung auf mehrere Gruppen zu je 250-300 Leuten verteilt hatten. Bei der Räumung wurden dann die Gruppen aufeinander geschoben, so daß zum Schluß immer noch ca 800 Leute da waren.
für Darmstadt wären aber auch schon 3000 wohl die größte Demo der letzten 10 Jahre.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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Franz. Verhältn.

Antirassist 26.05.2006 - 15:46
Französische Verhältnisse lassen sich nur dann schaffen wenn verschiedene Interessengruppen zusammenarbeiten bzw. demonstrieren.

Beispiel: Arbeitslose, Rentner, Studenten, Schüler und Arbeiter gehen gemeinsam demonstrieren.

SOLIDARITÄT IST EINE WAFFE!

am HBF

Burschis 27.05.2006 - 14:09
am abend habe ich noch 2-3 Burschis am HBF aussteigen gesehen