Aktion zum Jahrestag der Räumung der Yorck59

observer 24.05.2006 17:00 Themen: Freiräume
Fast ein Jahr nach der brutalen Räumung des linken Hausprojektes Yorck59 in Berlin-Kreuzberg fand gestern in den frühen Morgenstunden eine Farbei- und Glasbruch-Aktion am Gebäude statt. Die Investoren Marweld und Walter lassen das geräumte Hinterhaus leerstehen und sollen durch die Aktion sowohl an die von ihnen verursachte Räumung erinnert werden als auch an einem Verkauf oder Vermietung des Hinterhauses gehindert werden.
Am 6.6.2006 jährt sich die Räumung des linken Hausprojektes Yorck59 in Berlin-Kreuzberg. Vor einem Jahr wurden die 60 BewohnerInnen und mehrere Hundert UnterstützerInnen von 5 Hundertschaften Bullerei aus dem Haus und als Sitzblokade vor dem Haus brutal geräumt. Die neuen Eigentümer Gregor Marweld und Marc Walter hatten Räumungsklage gestellt und die SPD/PDS-Regierung Innensenator Körting das OK für den Einsatz gegen das seit 18 Jahren bestehende Hausprojekt gegeben. Im Hinterhaus war nicht nur Platz für mehrere große Wohngruppen, sondern auch Veranstaltungsflächen, Raum für politische Arbeit, Sport, Theater und feste Büros wie die ARI (Antirassistische Initiative) oder Libertad.
Seit nunmehr einem Jahr steht das geräumte Hinterhaus leer, nur die selbst errichteten Wohn- und Büroräume des Projektes sind herausgerissen. Das Gelände ist gesichert mit Stacheldraht, Wachschutz, gesichertem Eingangstor und einzelne erreichbare Fenster sind vermauert. Im Untergeschoß sitzt nach wie vor die Firma SERABAG, die die Arbeit für die Hausverwaltung von Marweld erledigt. So wohl auch am gestrigen Morgen, nachdem durch einen Farbeierregen des Nachts die Fassade zahlreiche bunte Flecken erhielt. Auf den Fotos ist zu sehen, dass bereits ein großer Teil der Verschönerungsmaßnahme von ihnen übermalt wurde. Die Backsteinfassade des Hinterhauses, wo sich das Hausprojekt befand, ist allerdings noch mit schwarzen Flecken versehen und der Glasbruch an einigen Fenstern zeugt vom nächtlichen Besuch.
Der rasche Versuch die Spuren zu beseitigen hinterläßt die Gewissheit, den richtigen Nerv getroffen zu haben. Publizität war noch nie das Interesse von Marweld und Walter. Also ein gutes Zeichen für weitere Aktivitäten, sollen sie doch ihre Verantwortung für diese Räumung nie vergessen!
Am 6.6. wird es zudem eine kämpferische Demonstration zum Jahrestag der Räumung geben. "Wir sind wütend - was seid ihr?" ist ihr Motto und sie soll um 18 Uhr am Rathaus in der Yorcksraße beginnen und am Abend vor der Yorck59 enden.

Zum Schluß noch Grüße an die mutigen NachtarbeiterInnen und die Dokumentation ihrer in Kreuzberg kursierenden Aktionserklärung:

Ein Jahr nach der Räumung - und ihr denkt es ist vorbei?!

Gestern, am 22.5.2006 haben wir die Fassaden des Vorder- und des
Hinterhauses der Yorck59 mit Farbe eingedeckt. Den beiden Immobilienhaien Marweld und Walter haben wir dabei im leeren Hinterhaus auch Glasbruch hinterlassen.
Fast ein Jahr danach machen wir euch, Gregor Marweld, Kantstr. xxx und
Marc Walter, Mommsenstr. xxx immer noch für die Räumung des linken
Hausprojektes Yorck59 am 6.6.2005 verantwortlich. An diesem Tag wurden
mehrere Hundert solidarische Menschen in und vor dem Haus mit einem
krassen Bulleneinsatz geräumt.
Das Haus steht seitdem leer!!!
Wir werden nicht zulassen, dass ihr auch nur einen cent daran verdient. Es trifft euch nicht zum ersten mal und es war bestimmt auch nicht das letzte Mal.
Miethaie zu Fischstäbchen!

Radikale Linke - Abteilung 59
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Ergänzungen

Feature zur Yorck59

ejal 24.05.2006 - 18:45
Kampf um Freiräume: Yorck59 in Berlin (Juni 2005)
 http://de.indymedia.org/2005/05/117830.shtml

Verständnisfrage

Frager 24.05.2006 - 21:44
Eine Gruppe von Menschen drang in ein Gebäude ohne Einverständnis des Besitzers ein und lebte darin (so zumindest definiere ich das, was gemeinhin "Besetzung" genannt wird, die konkreten Hintergründe kenne ich nicht), wurde nach einiger Zeit vom aktuellen Besitzer mit einer anscheinend rechtsgültigen Räumungsklage gebeten, das Gebäude wieder zu verlassen. Dem kamen die Besetzer nicht nach, das wiederum führte zu einem Polizeieinsatz, so dass mit entsprechender ordnungsbehördlicher Unterstützung die gerichtlich verfügte Räumung durchgesetzt wurde.

Dies scheint insgesamt rechtmäßig gewesen zu sein, denn von einem Widerspruch oder ähnlichem gegen die Räumungsverfügung von Seiten der Besetzer oder einer nachträglichen gerichtlichen Rücknahme kann man nichts lesen - obwohl mittlerweile ein Jahr verstrichen ist.

Zum Jahrestag begeben sich "Unbekannte" erneut zum besagtem Haus, begehen Straftaten (Sachbeschädigung) und deuten an, die Immobilienbesitzern auch zukünftig rechtswidrig zu belästigen.

Was soll das? Kindische Rache?

inhaltliche ergänzung

nx 25.05.2006 - 18:08
Die Yorck59 in der Yorckstr. 59 war 16 Jahre lang nicht besetzt, bis Anfang 2004 ein neuer Hauseigentümer kam und mal eben die doppelte Miete haben wollte. Dagegen wurde auf vielen Ebenen agiert, auch auf der gerichtlichen. Der Hauseigentümer lenkte nicht ein und ging keinen der vorgeschlagenen Lösungswege - wie ein Verkauf des Hauses an die BewohnerInnen oder den Tausch mit einem Ersatzobjekt der Stadt. Die BewohnerInnen verhandelten mit der Stadt um ein Ersatzobjekt - doch die Behörden+PolitikerInnen waren schließlich nicht bereit, die Räumung aufzuschieben, um einen Umzug in ein Ersatzobjekt zu ermöglichen.

Eine relativ kurze Zusammenfassung is auf wikipedia, mit Links zu ganz verschiedenen Quellen:  http://de.wikipedia.org/wiki/Yorck59

Zur Demo am 6.6. gibtz inzwischen Aufruf + Flyer + Plakat hier:  http://www.yorck59.net/aktuell.htm


(Zum Bethanien läuft gerade ein BürgerInnenbegehren gegen die Privatisierung des Gebäudes und für ein offenes soziales, politisches + kulturelles Zentrum darinnen. Gleichzeitig wird für ein solches Zentrum von Unten ein Konzept entwickelt, wobei sich bisher auf 4 offenen Ideenwerkstätten mehr als 100 Leute an der Ideenentwicklung beteiligt haben ( http://bethanien.info))

Video zur Räumung

yetzt 25.05.2006 - 20:24
Ein Video zur Räumung gibts hier:

Ansehen:  http://veg.gs/de/video/watch/8
Runterladen:  http://streaming.veg.gs/yorck59.rm

Farbbeutel gegen die Yorckstraße 59

Berliner Zeitung, 26.05.2006 26.05.2006 - 13:19
Knapp ein Jahr nach der Räumung des Hauses Yorckstraße 59 in Kreuzberg haben Unbekannte das Gebäude mit Farbbeuteln beworfen. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung. Am 6. Juni vergangenen Jahres hatte die Polizei dort ein alternatives Wohnprojekt geräumt. 150 Bewohner mussten das Hinterhaus verlassen. Der Eigentümer hatte die Räumung durchgesetzt, weil die Bewohner keine höheren Mieten zahlen wollten. Einige der Ex-Bewohner halten seitdem den Südflügel des Künstlerhauses Bethanien in Kreuzberg besetzt. (kop.)

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 2 Kommentare

@Frager

egal 24.05.2006 - 23:42
darauf wirst du keine antwort erhalten, sind nur frusttaten.
yorck 59 ist in erster linie heraus aufgrund eigener fehler verloren gegangen.
das will mensch nicht warhaben.
bethanien ist auch bald dran, und da sind dann auch wieder die anderen schuld....


jaja, das leben kann so einfach sein ;-)

Voll der Rave

acidburn 25.05.2006 - 17:33

Boah... seid ihr krass radikal drauf, voll strange was ihr euch so traut