Landesvorstand der WASG-Berlin geräumt

WASG-Berlin lebt! 14.05.2006 18:36
WASG-Bundesvorstand setzt Berliner Landesvorstand ab. Klaus Ernst setzt Kommissare aus Linksfraktion ein. Linke Opposition mobilisiert zum Widerstand. WASG-Mitglieder versammeln sich in Berliner Innenstadt. „Wir werden Anweisungen nicht Folge leisten.“ Auch Landesvorstand Meck-Pomm abgesetzt. Bundesweite Versammlung der Opposition in Kassel.
Berliner Landesvorstand der WASG abgesetzt. Diese Nachricht überbrachte Helge Meves, Fusionsbeauftragter von WASG und Linkspartei und Ex-Funktionör der PDS dem Berliner Landesverband. Grund für die Absetzung des Landesverbandes ist die Weigerung der Berliner „Abweichler“ ihre Wahlanzeige zur Berliner Abgeordentenhauswahl zurückzuziehen. Unterdessen zeigte sich die Berliner PDS befriedigt. Gegen ihre Politik richtete sich der Konkurrenzwahlantritt der Berliner WASG. Als kommissarischen Leiter des renitenten Berliner WASG-Landesverbandes wurde der nordrheinwestfälische Bundestagsabgeordnete Hüseyin Aydin eingesetzt. Aydin ist in der WASG umstritten, da er eine Bochumer WASG-Gruppe aus streikenden General-Motors Arbeitern ausgeschlossen hatte.

Ebenfalls für abgesetzt erklärt wurde der Landesvorstand der WASG Mecklenburg-Vorpommern.

Am Sonntag Abend versammeln sich die Mitglieder der Berliner WASG um 19 Uhr in Berlin-Mitte/ Kreuzberg in der „Alten Feuerwache“ um den Widerstand zu zu organisieren. Der Alleinantritt zur Berliner Abgeordnetenwahl in Konkurrenz zur PDS soll nicht zurückgezogen werden. Ein noch vom abgesetzten Landesvorstand für Dienstag im Seniorenheim am Berlin-Kreuzberger Moritzplatz einberufene Landesparteitag soll ebenfalls trotzdem stattfinden. Es wird davon ausgegangen dass der Bundesvorstand dann Bezirksvorstände absetzt, Mitglieder ausschließt sowie die Auflösung des Berliner Landesverbandes anordnet.

Während sich in Berlin Widerstand formiert, verlassen dagegen erste Mitglieder die Partei. In Hamburg erklärte Tilo Schönberg vom Hamburger Landesvorstand der WASG seinen Austritt. „Ich sehe mich außerstande die Politik, die der Bundesparteitag der WASG in Ludwigshafen beschlossen hat umzusetzen. Was jetzt innerhalb der WASG stattfindet ist eine Treibjagd auf Kritiker der Politik der L.PDS in Berlin und überall dort, wo diese Partei in der Regierungsverantwortung ist. Das ist nicht meine Politik! Das ist auch Nicht mehr mit dem Gründungskonsens der WASG zu vereinbaren. Den Persilschein, den Klaus Ernst vom Bundesparteitag für seine Jagd auf die Berliner- als Etwas anderes kann man das nicht bezeichnen - erhalten hat, habe ich schon Für äußerst fatal gehalten. Die Rücktritte von Bischoff, Lösing und Radtke Waren eine Bestätigung dessen. MIT EINEM RÜCKZUG DER WAHLANZEIGE DURCH DEN BUVO HÄTTE ICH LEBEN KÖNNEN! Aber Klaus Ernst will die Widerspenstigen plattmachen. Ihm geht es nicht um nur um eine Rücknahme der Wahlanzeige, hier soll ein Exempel statuiert werden!
Ich kann und will diese "Politik" nicht mittragen. Wir sind angetreten, dem Neoliberalismus in Deutschland energischen Widerstand etgegenzusetzen. Diese Politik ist mit der L.PDS nicht zu machen, jedenfalls nicht dort, wo sie in Regierungsverantwortung ist oder diese
anstrebt. Innerhalb der L.PDS sind die Neo-Cons um Wolf und Consorten auf dem Vormarsch, die linken Kräfte werden an den Rand gedrängt. Klaus Ernst stärkt in der WASG, unter massiver Einflussnahme von Lafontaine und Maurer, den SPD-nahen Gewerkschaftsflügel und drängt die Linke
innerhalb der WASG ebenfalls aus Ämtern und der Partei - mit dem Rückenwind eines Bundesparteitagsbeschlusses, der in seiner Formulierung in der deutschen Parteien-Landschaft wohl einmalig ist. Eine Frage zum Schluss, die jeder für sich selbst beantworten soll und muss: Wenn ich gegen Sozialabbau bin, wen ich mich gegen die irren Preiserhöhungen
bei lebenswichtigen Grundlagen, wie Strom und Wasser wehren will, wenn
ich verhindern will, das selbst in staatlichen Einrichtungen der
Lohndumping Einzug hält, wenn ich möchte, das Ausländer hier in diesem Land auch bleiben können, ohne ständig von Abschiebung bedroht zu werden -wenn ich das alles will, welche Partei soll ich als "Berliner" dann wählen? Bis heute gab es noch eine Alternative, eine Wahlalternative - jetzt nicht mehr ... Mit sofortiger Wirkung lege ich mein Amt im Landesvorstand der WASG Hamburg nieder und trete aus dieser Partei aus. Gleichzeitig erlischt meine Einzugsermächtigung für den Mitgliedsbeitrag. Ich wünsche Euch für Euren weiteren "Parteibildungsprozess" alles Gute.
Wenn ihr mich sucht - ihr findet mich links von Euch."

Michael Prütz vom abgesetzten Berliner Landesvorstand erklärte, keine der vom Bundesvorstand angeordneten Massnahmen werde akzeptiert, geschweige denn umgesetzt. "Wir bitten alle Bezirksvorstände ihre Arbeit fortzusetzen." Zeitgleich erklärten mehrere Berliner Bezirksverbände ihre Bereitschaft zum Widerstand.

Dazu sagte Lucy Redler, abgesetztes Mitglied des geschäftsführenden Landesvorstands der WASG Berlin und Spitzenkandidatin zu den Abgeordnetenhauswahlen: "Nicht der Landesverband Berlin der WASG, sondern der Bundesvorstand verstößt gegen die Grundsätze der Partei. Die WASG wurde als breite, demokratische Sammlungsbewegung gegen den Neoliberalismus gegründet. Das Gründungsprogramm schließt eine Teilnahme an Regierungen, die Sozialabbau und Privatisierungen betreiben, aus. Die eigenständige Kandidatur der WASG Berlin steht im Einklang mit den Grundsätzen der Partei. Sie ist eine traurige Notwendigkeit aufgrund der unsozialen Politik des SPD/Linkspartei.PDS-Senats in der Stadt. Sie wird - wie die schnelle erfolgreiche Sammlung von 2300 Unterstützungsunterschriften bezeugt - von vielen BerlinerInnen begrüßt. Der Bundesvorstand geht mit Ordnungsmaßnahmen gegen einen Landesverband vor, der nur das Recht für sich in Anspruch nimmt, selbständig über Landespolitik zu entscheiden. Dieses Vorgehen hat nichts mit der demokratischen Kultur der neuen Linken zu tun; es zeugt vielmehr von der autoritär-zentralistischen Kultur, an der die "alte" Linke gescheitert ist. Ich bin sicher, dass diese Maßnahme vor Gericht keinen Bestand hat. Der Landesparteitag der WASG Berlin wird am kommenden Dienstag über die Absetzung des demokratisch gewählten Vorstandes befinden und endgültig über die Frage der eigenständigen Kandidatur entscheiden. Es geht nicht um einen Konflikt zwischen dem Berliner Landesverband und dem Rest der WASG. 48 Prozent der Delegierten des Bundesparteitags hatten sichgegen administrative Maßnahmen ausgesprochen. Mit seinem rücksichtslosen Vorgehen bringt der Bundesvorstand die Partei an den Rand der Spaltung und agiert gegen eine größtmögliche Einheit der Linken. Ich rufe alle WASG-Mitglieder auf, in der Partei zu bleiben und gemeinsam für eine demokratische und konsequent anti-neoliberale Partei zu kämpfen.Das ist eine wichtige Voraussetzung, um eine vereinigte neue Linke zu schaffen, die diesen Namen auch verdient."

Auch bundesweit formiert sich Wiederstand: Am 20 Mai will sich die WASG-Linke in Kassel zu "antikapitalistischem Widerstand" zusammenfinden. In Berlin werden über die Woche zahlreiche spontane Aktionen gegen den Abschuss des Landesvorstand erwartet.
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Ergänzungen

Dokumente der Entsolidarisierung unter Linken

ccc 14.05.2006 - 23:47
Die Kommentare hier, die diesen Konflikt als Sektenkrieg und Karrieristen-Zwist einordnen und die Tatsache dass die Mods diesen Artikel nicht der "Startseite würdig befinden" zeugt irgendwie von Tunnelblick. Man blickt nur auf sein kleines Antifadorf, ansonsten hört die Welt auf. Warum sollten sich dann nicht-Antifas für Antifaarbeit interessieren, warum für radikale linke Politik, frage ich mich?

Und irgendwie haben die Mods ja auch ganz schön Macht, denn ob ein Artikel gelesen wird und sich Leute damit auseinandersetzen, hängt sehr davon ab ob er im open-posting ist oder auf der Startseite. Macht Macht Spaß, oder?

Es ist doch so: Was gerade in Berlin stattfindet, hat es schon in den 80er Jahren bei den Grünen gegeben. Als die Linken rausgedrängt wurden haben Linksradikale auch frohlockt. Letztendlich wurde aber die Bewegung durch das Ende der Linken in den Grünen in keinster Weise gestärkt. Im Gegenteil, die Linken resignierten, gingen nicht in die Bewegung zurück sondern privatisierten. Gleichzeitig wurden die sozialen Bewegungen noch schwächer. Und viele Linksradikale stiegen über die Leichen der Linken auf der Grünen Karriereleiter nach oben.

Bereits jetzt ist es so, dass Leute aus der Bewegung und den Montagsdemos als Mitarbeiter im Parlament sitzen und Erklärungen unterschreiben müssen, die den Kurrs von Ernst und Gysi unterstützen. Die Entmachtung des Berliner Landesvorstands ist der Anfang eines Disziplinierungsprozesses der die Linke insgesamt bedroht. Als nächstes wird der gesamte Landesverband geschlachtet. Aber Klaus Ernst und Co will die Linken komplett raus aus der WASG haben. Das Ziel des Vorgehens gegen die Berliner ist doch letzenendes, 1. die Kritik an der neoliberalen Politik der PDS zu beenden, 2. die Linke Regierungsfähig zu machen. Es ist ein Trugschluss zu glauben diese Disziplinierungsprozesse werden vor linken Strukturen und den sozialen Bewegungen haltmachen. Der nächste Schritt wird sein, die Bewegungen z. B. über die "Bewegungsbüros" der Linkspartei und andere Maßnahmen in ihrer Zielrichtung zu lenken, die Bewegung zu kontrollieren und zu hemmen. Neulich winkte zum Beispiel Evrim Baba von der Linkspartei, auf eine Kritik von einer Arbeitslosenini mit der "Raumfrage". In dem Stil geht das dann weiter. Kritik an uns? Bitte: Geld für Plakate weg, Raum weg, Haus weg. Die Disziplinierungswelle wird vor radikalen Linken Projekten nicht halt machen.

Die "Erledigung der Berlin-Frage" ist für Linke also kein Grund zur Schadenfreude.

Verlinkung

Linker 15.05.2006 - 01:07

Link zu Lustigem: "Endlich Ruhe in der WASG"

"Widerstand ist zwecklos" 15.05.2006 - 12:31
"Endlich Ruhe in der Berliner WASG. Ernst und Gysi setzen Panzer ein." "Widerstand ist zwecklos, assimilieren sie sich, ihre spezifische Besonderheit wird unserer Matrix hinzugefügt".
Lustige Grafiken! Zum Vergrößern und Ausdrucken, Grafiken anklicken.  http://www.de.indymedia.org/2006/05/146810.shtml

Das Kapital ist der Gegner nicht die SAV

Karl Radek 15.05.2006 - 18:22
Alle alten antitrotzkistischen Reflexe des Stalinismus werden durch Lederer, Ernst und sonstige sozialdemokratische "Poststalinisten" wiederbelebt. Dagegen sollte über die Politik der sozialen Grausamkeiten des Berliner Senats gesprochen werden. Die Linkspartei trat zusammen mit der SPD vor einigen Jahren aus der Tarifgemeinschaft der Länder aus. In Berlin gibt es 34.000 Jobs zu 1. Euro. Das Blindengeld wurde unter diesem Senat gekürzt, dafür aber die Gläubiger des Berliner Bankenskandals umstandslos bedient. Vor einem Jahr lobte die neoliberale "Initative Neue Soziale Marktwirtschaft" den Linkspartei Senator Wolf für seine "investitionsfreundliche Standortpolitik". Kein Wunder in Berlin gibt es einen wesentlich niedrigeren Gewerbesteuersatz als z.b. in Potsdam. Die Liste läßt sich beliebig fortsetzen. Die Linkspartei Fraktion hat eine Broschüre für den Wahlkampf herausgegeben unter dem Titel: " Fortsetzung folgt". Es handelt sich demzufolge um ein Gerücht, dass die neoliberalen Kräfte um Liebich, Lederer und Wolf sich geändert hätten. Tatsache ist die Politik des Senats zugunsten des großen Geldes verdient Opposition. Der Feind ist die neoliberale Politik des Senats und nicht die SAV oder der Trotzkismus. Es ist irritierend erleben zu müssen, wie klassisch stalinistisch antitrotzkistische Argumente und Methoden zur Rechtfertigung einer bürgerlichen Politik benutzt werden. Der Trotzkismus "im Auftrag der CSU oder der CIA" in den dreißiger Jahren wurden Trotzkisten und ehrliche Kommunisten von Stalin mit ähnlichen Argumenten dem Henker überstellt. Der Linksruck macht sich einfach mit neoliberalen Gestalten im linken Gewand gemein. Die Einheit der Linken kann nur im Gegensatz zu Staat und Kapital verwirklicht werden. Das ist der Kern des Konflikts- nebenbei gesagt stand Leo Trotzki immer gegen die Unterordnung der Arbeiterbewegung unter das Kapital.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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Neuer Spielplatz — ein Syndikalist

Spalterei - cui bono? — Der Nüchterne

Wer hat uns verraten? — Major Tom

SAV und Linksruck — Kat F.

@SAV-"Erich Mielke" — Kät Francois

Gruppe Arbeitermacht — Gott Igor

Arbeitermacht — Antideutsch

@Karl Radek — Kat

wem gehört die linkspartei — mein name ist hase

vermisst — kurt brumme