Initative für Genfeld-Befreiung in GI startet

yeah yo 09.05.2006 22:59 Themen: Ökologie
Ein Genfeld neben dem Uni-Campus, zehn Minuten von der Innenstadt entfernt - ein schlechter Scherz? Nein. In Giessen ist das seit einigen Wochen Wirklichkeit: Am Alten Steinbacher Weg 44 - direkt auf dem stadtnahen Gelände des Philosophikum I - führt das Institut für Phytopathologie (Pflanzenkrankheiten) und angewandte Zoologie der Uni Gießen seit Anfang Mai den ersten Freilandversuch der BRD mit transgener Gerste durch, verbunden mit einer ungewohnt offensiven Öffentlichkeitsarbeit - wurde doch Mitte der 90er kaum ein Genfeld von Besetzungen und Zerstörungen "verschont". Inzwischen regt sich in Widerstand gegen das Genfeld; seit Montag gibt es die Initiative, für Pfingsten 2006 vielfältige Aktionen und eine öffentliche Feldbefreiung durchzuführen, parallel zu einer weiteren Aktion der Kampagne "Gendreck weg!" ( http://www.gendreck-weg.de/)
Das Feld liegt gut sichtbar zwischen Alten Steinbacher Weg, Uni-Parkplätzen und der Uni-Bibliothek unter einem mit grünem Vogelnetz bespannten Holzgerüst (Bilder:  http://www.projektwerkstatt.de/gen/unigen_lage.html). Auf ca. 12 qm wurden innerhalb einer Versuchsfläche von insgesamt 400 qm rund 5.000 Gerstenpflanzen ausgesät. Ziel des Versuches ist herauszufinden, ob die gentechnisch veränderten Pflanzen negativ auf die für die Pflanzen wichtigen Bodenpilze wirken
( http://www.projektwerkstatt.de/gen/haupt.html#infos). Außerdem sollen sie resistent gegen bestimmte Herbizide sein und eine verbesserte Eigenschaft für das Bierbrauen aufweisen ( http://www.taz.de/pt/2006/04/26/a0134.1/text). Trotzdem behaupten die Verantwortlichen, dass es keinerlei Verbindungen zu wirtschaftlichen Interesse gäbe: "Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt "zur biologischen Sicherheit gentechnisch veränderten Getreides" (Biosafety), das rein universitären Charakter habe und nicht von der Wirtschaft unterstützt werde, wird ebenfalls im Rahmen des Biosicherheitsprogramms der Bundesregierung "Biologische Sicherheit gentechnisch veränderter Pflanzen" gefördert. Neben dem Institut für Phytopathologie und angewandter Zoologie der Universität Gießen, ist an diesem Projekt der Lehrstuhl für Biochemie an der Universität Erlangen-Nürnberg beteiligt.“ (Giessener Anzeiger, 25.04.2006,  http://www.giessener-anzeiger.de/sixcms/detail.php?template_id=2917&id=2035332&_zeitungstitel=1133842&_resort=1103636).


Weitere Felder in Hessen

Giessen ist nicht der einzige Standort in Hessen, an dem die Gentechnik-Lobby sich wieder nach Vorne wagt. Nach Informationen von Greenpeace ( http://www.greenpeace.de/themen/gentechnik/anbau_genpflanzen/gen_mais_anbau_in_deutschland_2006/) gibt es auch in Weilmünster-Möttau und Hammersbach ( http://www.fr-aktuell.de/frankfurt_und_hessen/lokalnachrichten/aktuell/?em_cnt=874598&sid=f203782bc2056b3384c8ca0b26bdde04,  http://www.fr-aktuell.de/frankfurt_und_hessen/lokalnachrichten/aktuell/?em_cnt=875503) Genfelder – Grund genug für entschiedenen Widerstand. Spannend wäre, wenn viel Austausch und gegenseitige Unterstützung zwischen den Initiativen in den einzelnen Regionen entstehen würde.


Aktivitäten gegen Genfeld in Giessen geplant

Für Giessen ist in Planung, an Pfingsten 2006 wollen Aktionstage rund um das Versuchsfeld durchzuführen, darunter die Ankündigung, den Genversuch zu beenden. Parallel zu einer weiteren Aktion der Kampagne „Gendreck weg!“ soll auch in Giessen der Versuch einer Feldbefreiung gestartet werden, um eine hohen Aufmerksamkeitskorridor zu schaffen. Ab sofort werden Ankündigungen, sogenannte „Absichtserklärungen“ gesammelt, mit der möglichst viele Menschen schon jetzt ihre Entschlossenheit zeigen und ihre Beteiligung an der Feldbefreiung öffentlich kundtun. Dazu gibt es ein Flugblatt ( http://www.projektwerkstatt.de/gen/downloads/flyer1.pdf), eine besondere Internetseite mit Formular ( http://www.projektwerkstatt.de/gen/befreiung.html) sowie ein Wiki ( http://deu.anarchopedia.org/index.php/Gendreck_Giessen:Mitmachen), auf dem Leute sich eigenständig als FeldbefreierInnen oder UnterstützerInnen eintragen können.

Der Text des Aufrufes lautet: „Wir, die UnterzeichnerInnen, kündigen an, Pfingsten 2006 den Genversuch der Uni Gießen am Alten Steinbacher Weg 44 zu beenden. Veränderte Gene sind aus der Natur nicht mehr rückholbar, die Risiken werden bereits geschaffen, während sie untersucht werden. Konkret betroffen sind alle Menschen, besonders aber LandwirtInnen, GartenbesitzerInnen und alle, die selbst mit dem Boden, Pflanzen und Tieren umgehen. Eine solche Technologie dient nicht den Menschen, sondern vor allem Konzernen, die damit
Profite machen wollen. Da auch die Gesetze Eigentum und Profit über die Menschen stellen und gleichberechtigte Beteiligungsmöglichkeiten nicht vorgesehen sind, haben wir uns entschlossen, soziale Notwehr zu leisten und mit einem not-wendigen Akt zivilen Ungehorsams das Feld zu besuchen und den Versuch zu beenden. Sollte unser Handeln von denen kriminalisiert werden, die solche Genversuche schützen und durchsetzen, so werden wir das nutzen, um unsere Motive öffentlich zu benennen.“

Neben der Feldbefreiung soll es weitere Aktionen in der Innenstadt und am Genfeld, Workshops zum Thema nahe dem Gelände, Filme und Musik, Theater
und mehr geben. Alle GentechnikkritikerInnen sind eingeladen, sich mit eigenen Veranstaltungen und Aktionen zu beteiligen, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Insbesondere die relativ stadtnahe Lage des Versuchfeldes eröffnet viele Möglichkeiten für vermittlungsreiche Proteste. Eine offene, jederzeit erweiterbare Sammlung von Aktionen existiert bereits ( http://deu.anarchopedia.org/index.php/Direct_Action:Aktionsideen_Gentechnik). Termine für Anti-Gentechnik-Aktivitäten rund um Giessen und Umgebung können ebenfalls über ein Wiki ( http://deu.anarchopedia.org/index.php/Gendreck_Giessen:Termine) veröffentlicht werden.

Alle weiteren Infos, Materialien und Termine zu nächsten Treffen finden sich unter:  http://www.gendreck-giessen.de.vu/
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Ergänzungen

Förderer und Ziele?

Kiela 10.05.2006 - 00:37
1) Ein Genfeld ist kein Problem - alles Leben enthält Gene - auch Du - darum gleich die Abschaffung fordern ist Blödsinn!
Also bitte ein wenig präziser formulieren, um Missverständnisse zu vermeiden (gibt schon genügend Menschen, die keine Gentomaten wollen. :-(

2) Feldbefreiungen etc. schön und gut - unterstütze ich.
Aber nicht ohne Hintergrundinfos.

Aus Eurem Atikel lese ich nur öffentliche Förderer, so dass man die Hoffnung haben kann, dass die Ergebnisse ehrlich sind und vielleicht zu einem kritischeren Umgang mit dem Anbau gentechnisch veränderter Organismen führt, bzw. auch klar stellt, dass diese alles andere als unproblematisch sind.

Also infomiert Euch (und uns) doch mal über die beteiligten Professoren - sind es kritische Menschen oder Befürworter der Gentechnik bei Kulturpflanzen?
Das ausgewiesene Ziel klingt eher nach einem kritischen Ansatz.

Wie sieht es mit der Drittmittelförderung am Institut allgemein aus? Gibt es verdeckte Förderung durch die Gentechindustrie?

Sollte sich hier ein verdacht herauskristallisieren, dass die Ergebnisse der Versuche bereist vorher feststehen, dann mit aller Kraft weiter.
Ansonsten sollte überlegt werden, ob kritische Forschung in dem Bereich nicht eher hilfreich als eine Gefahr ist.

Aktionsidee

Unterstützer 15.05.2006 - 11:03
Vielleicht passt ja auch noch ein Fusballspiel in euer Programm:  http://www.fussballMAISterschaft.de.tk/

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Und Warum? — sapalot

Warum — Biologe