Nun auch in Hessen: Studiengebühren für alle

Udo Corts Fanclub 05.05.2006 14:55 Themen: Bildung
In diesen Minuten gibt die hessische Landesregierung die Kabinettsbeschlüsse zur Einführung allgemeiner Studiengebühren in Hessen bekannt. Studenten sowie deren gewählten Vertretern und sonstiger Öffentlichkeit wurde die Teilnahme an der Pressekonferenz untersagt.
Offenbar wird es nun auch in Hessen allgemeine Studiengebühren ab dem 1. Semester für alle geben. Die Kabinettsbeschlüsse werden in diesen Minuten auf einer Pressekonferenz der hessischen Landesregierung bekanntgegeben. Eine Teilnahme von Studierenden sowie deren gewählten Studierendenvertretern wurde verboten. Unkommentierte Meldungen besagen, daß die Gebühren von anfangs 500 Euro wohl schon im Wintersemester 2007 eingeführt werden. Damit schließt sich Hessen Niedersachsen, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Würtemberg an, wo es ebenfalls Studiengebühren ab dem 1. Semester geben soll.
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Ergänzungen

Bis zu 1.500 Euro pro Semester

... 05.05.2006 - 20:14
---snip---
Für Zweitstudiengänge, Promotionen, bei "besonders qualifizierten Masterstudiengängen" sowie von nicht aus der EU stammenden Ausländern können Hochschulen richtig hinlangen und gleich bis zu 1500 Euro nehmen.
---snap---
(quelle: Spiegel)

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 10 Kommentare

@daniel emopunk

Udo Corts Fanclub 05.05.2006 - 16:28
Nee, die Spacken haben durch ein Gutachten einen Trick genutzt, das ganze an der Verfassung vorbei zu schieben. Genaueres findest Du hier

 http://hessen.uebergebuehr.de/

ach die 500 Euro

1.Welt-Bewohner 05.05.2006 - 16:53
Die 500-1000 Euro kriegen wir auch noch zusammengekratzt.
Wenn "die Studenten" und "die jungen Leute" - von Heute, ohnehin alles kalt lässt was in Richtung Sozialabbau und Arbeitsmarktbeschiss geht, so kratzt der karrieregeile TAZ-Leser - von Heute! auch diese lächerlichen paar Euro zusammen.

Spacken

Martin 05.05.2006 - 18:12
...ist ein anderes Wort für Spasties und das ist kein Schimpfwort. Es wäre schön, wenn du es nicht mehr benutzen würdest. Danke trotzdem für den Artikel.

@Martin

Udo Corts Fanclub 05.05.2006 - 18:52
Ui, das wußte ich nicht. Sorry for that.

Wer entscheidet in diesem Staat?

studi 05.05.2006 - 18:55
So langsam müssen wir uns fragen, in was für einem Land wir leben, wenn permanent über unsere Köpfe hinweg entschieden wird.

.

udo corts 05.05.2006 - 21:06
die zuwanderung von studenten in die hochschulsysteme muss eben begrenzt werden und so, jaja, das kennen wir, herr corts.
die frage ist nur, was die zweckmäßigkeit dieser politik darstellt. mal abgesehen natürlich von anderen finanziellen prioritäten (unterirdische sektkellerei, galopprennbahn, staatskanzlei) und rolands hass auf die 68er, die ihn nie mit nackig baden gehen ließen.
wenn auf der einen seite also das studenten-gesocks in eine strebsame armee assimilierter bwl-er bereinigt werden soll und auf der anderen seite keine verwertbarkeit auf dem ersten arbeitsmarkt besteht (oder kaum ausbildungsplätze) und in sachen hartz 4 die daumenschrauben noch enger gezogen werden sollen (das recht auf existenz, welche eben nur monetär realisierbar ist, wird relativiert durch kürzungen und sanktionen):
was wird hier produziert? eine reservearmee für einen über typisch deutsch-bürokratische hartz-umwege staatlich subventionierten niedriglohnsektor?
hinblicklich dem festhalten des selektiven dreigliedrigen schulsystems, das ja ursprünglich eine elitäre minderheit zu akademikern und den rest zu gewöhnlichem arbeits- und steuervieh heranziehen sollte, könnte die paralelle sein, dass bestehende soziale unterschiede und machtverhältnisse zementiert und langfristig gesichert werden sollen. aber genau wie der kapitalismus ist das doch ein in die länge gezogener abwärtstrend. und oligarchen haben eben naturgemäß keine mehrheit hinter sich, sollte man hoffen. :(

Interessante Argumentation

Udo Corts 05.05.2006 - 21:23
„Wir müssen aufpassen, dass unsere hessischen Hochschulen auf Grund dieser Entwicklung nicht überlaufen. Darunter würde die Qualität der Lehre leiden“.

Dies kommt aus dem Munde von Christean Wagner, dem Vorsitzenden der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag. Dies zeigt, daß Geld als Mittel genutzt wird, die Hochschulen nicht allen zugänglich zu machen. Verfrorener kann deren verfickte Argumentation nicht mehr sein. Wer sich die Pressemitteilung von Udo Corts zu seinen Studiengebühren durchliest, dem/der wird schlecht. Es ist unglaublich! Leider werden die Studis es wieder nicht schaffen, eine Bewegung à la Anti-CPE (so sehr sie auch kritisiert werden kann) aufzubauen.

Nun denn, bei der hessischen CDU Landtagsfraktion könnt Ihr Euch bedanken: danke ät corts-fanclub.de

Betr. Minderheiten

böser bube 05.05.2006 - 21:47
Jaja, die Luft wird enger. Selbstbestimmtes Leben, auch wenn es nur für die Studienzeit praktiziert werden konnte, hat ein Ende. Eben Methode Panda - friss oder stirb.
Aber die Sektierer von der RAF bestanden auch nur aus nen paar Leutchen, und selbst die wußten 25% der Jugendlichen hinter sich.
Solidarität heute? Auweia, da kannste aber böse versauern. Ich drücke allen Studis trotzdem die Daumen. Und wenn ihr schon was auf dem Kicker habt, dann geht an die Basis und sprecht mal mit den alleinerziehenden Müttern im Land, mit den Hartz IV-Empfängern. Es sind mehr als ihr denkt. Die meisten haben doch zwei gesunde Arme und Beine. Chancen nutzen, und zwar außerhalb der kapitalistischen Verwertungslogik!

Und nicht vergessen: 9. Mai 2006 - 30. Todestag von Ulrike!

Ui Spontanprotest, na und jetzt

Barrikadennostalgiker 06.05.2006 - 11:07
Brav! Kaum ist der hessische Kabinettsbeschluss durch, werden spontane Protestspaziergänge (ähm -demos meinte ich) der Studentenschaft veranstaltet.

 http://hessen.uebergebuehr.de/de/aktuell/news/meldung/ansicht/2006/05/darmstadt-spontandemo-gegen-studiengebuehren/

"Insgesamt war es eine eher ruhige Demo, aber wichtig für den Anfang!" (wieso kann man hier denn keine rofl-smileys einfügen???)

Eure Spaziergänge könnt ihr Euch sparen, denn ob ihr mit 20 Leuten spontan oder eine Woche später mit 2.000 oder einen Monat später mit 20.000 Leuten geordnet und gesittet den polizeilich genehmigten Marschrouten folgt, wird im Ergebnis leider keinen Unterschied machen. Aber darum geht es ja auch längst nicht mehr, denn das wahre, unausgesprochene (da studentenpolitisch unkorrekte) Motiv für derlei Faschingsveranstaltungen lautet coole Leute beim gemeinsam Durch-die-Strassen-Ziehen zu treffen. Bei schlechtem Wetter nimmt übrigens die Teilnahme an derlei Veranstaltungen rapide ab, klar, an so Tagen macht's angraben auch keine Laune und zudem bleiben alle hübschen Miezen ohnehin lieber daheim.

Das Hauptmotiv hat also mit Protest gegen Grundrechte und Verteidigung sozialer Errungenschaften nichts zu tun, es ist heutzutage rein sexueller Natur. In dem Moment wo es brenzlig wird, das wäre zum Beispiel ein kollektives Nichtbeachten/Durchbrechen der von der Polizei vorgegebenen Demonstrationsroute, Einsatz von Pflastersteinen, Molotowcocktails usw., in diesem Moment trennt sich die Spreu vom Weizen - und heutzutage existiert so gut wie nichts als Spreu, abgesehen von ein paar mickrigen Ausnahmen.

Ihr Spontanprotestler, macht euch mal ernsthaft Gedanken, wie die Franzosen es geschafft haben, die Politik in ihre Schranken zu verweisen. Gewalt ist grundsätzlich keine schöne Sache, aber hin und wieder leider unumgänglich, um überhaupt erst auf die Ernsthaftigkeit einer problematischen politischen Situation hinzuweisen. Im Übrigen - und das solltet Ihr Euch fett hinter Eure Löffel schreiben - geht die SOZIALE Gewalt hier und heute zu allererst vom Staat bzw. seinen Erfüllungsgehilfen aus, die mit der Massnahme kollektiver Studiengebühren bewusst einkommensschwache Familien von Bildung und damit von eigener Entwicklung und Wohlstand ausschließen wollen!

@barrikadennostalgiker

udo corts 06.05.2006 - 11:30
das ist ja prinzipiell richtig was du sagst. nur wem wirfst du das vor? denen die da waren? oder denen die nicht da waren? nicht da waren nämlich genau die, die meinen so krass druff zu sein wie du. ansonsten musst du der realität ins auge blicken, energie wie in Frankreich kommt nie in Demos rein in diesem Land. Und wenn mal Energie da ist, ist es szeneinternes Geprolle mit gelegentlichem Katz-und-Maus Spiel mit der Bullerei, und nix revolution!