Update Verhaftungen nach Mayday in Paris
Am Ende der mayday in Paris wurde eine Gruppe von italienischen Genossen, die ueberwiegend aus Bologna kamen, polizeilich festgesetzt. Morgen* wird zwei von ihnen im Eilverfahren der Prozeß gemacht.
Federico vom Kollektiv Clash in Bologna und Nicola vom C.A.M. in Modena sind am Ende der Mayday in Paris verhaftet worden. Morgen sollen sie im Schnellvervahren wegen Noetigung**, Verwuestung und Pluenderung vor Gericht kommen.
Die Fakten:
Um einem Aufruf der franzoesischen Bewegung gegen die Prekaritaet zu entsprechen, war eine Gruppe von Genossen aus verschiedenen Staedten (Bologna, Torino, Milano, Roma, Padova, usw.) in Paris eingetroffen, um sich an der Mayday zum 1. Mai und an dem europaweiten Plenum am Folgetag zu beteiligen.
Trotz den Erwartungen erwies sich die Demo bei einer vollkommen unterdimensionierten Beteiligung von insgesamt 4000-5000 Leuten aber unterhalb derselben, mit extrem wenig Organisation und sehr niedriger Kommunikationsfaehigkeit. Entlang der Route gab es vereinzelt auch einige von franzoesischen Kids zerschlagene Scheiben, eher ritualmaeßig, gerade so, um an das Echo der glorreichen vorausgegangenen Wochen zu erinnern, wobei es keinerlei Eingreifen seitens der Polizei gab, die auf Abstand geblieben war, um zu kontrollieren, oder welche Auseinandersetzung auch immer.
Mitten drin sprang die italienische Delegation ins Auge, die sich aus 300-400 Personen zusammensetzte und mit einem Mindestmaß an Realismus und Geschlossenheit versuchte, mit Parolen und Sprechchoeren den Sinn ihrer Beteiligung zu kommunizieren.
Am Ende der Demo sind die Leute ohne Probleme in aller Ruhe abgezogen, außer etwa dreißig Italiener, die auf der Place de la Republique haengen geblieben waren.
Obwohl sie die Absicht hatten, mit der U-Bahn zu fahren, um den Ort zu erreichen, der ihnen Unterkunft bieten sollte, empfahl ihnen eine franzoesische „Genossin“ dagegen, ihr zu folgen, mit der Begruendung, dass sie sie ueber Schleichwege durch die Straßen des Stadtzentrums gefuehrt haette.
Als sie den Platz verlassen und in eine Nebenstraße eingebogen waren, fanden sie sich wortwoertlich von Bullen umzingelt, ohne jeden Fluchtweg, auch weil offensichtlich war, was die vor hatten (Merke: die Tante hatte sich derweil in Luft aufgeloest). Spaeter erklaerte man den Genossen, dass es bei den Franzoesischen Bullen Brauch ist, das Ende der Demos abzuwarten, um dann die Mitzunehmen, die in Reichweite geraten, unabhaengig von Verantwortlichkeiten oder Verhaltensweisen, die sich in gedankliche Verbindung mit Auseinandersetzungen oder Verhaftungen bringen lassen.
Fakt ist, dass die Gruppe angehalten, durchsucht, gefesselt und zur Gendarmerie gebracht wird, wo die ueblichen Kontrollen durchgefuehrt wurden.
Nur am spaeten Abend kamen sie frei, außer Federico und Nicola.
Ein Zivilbeamter soll sie anhand der von ihnen getragenen Kapuzenpullis als die Urheber einer zerschlagenen Scheibe identifiziert haben, obwohl sie auf dem Praesidium zugaben, dass die Filmaufnahmen, die sie darstellen, verloren gegangen sind…
Fest steht, dass sie jetzt im Knast sitzen und dass man ihnen morgen den Prozess machen will. Zwei Genossen sind in Paris geblieben, um an der Sache dran zu bleiben, aber die Situation ist, zwischen dem Paradoxen und dem Komischen der Geschichte mehr als ernst.
Das ist die schlichte Chronik. Kommentare und UEberlegungen jedweder Art lassen wir aus.
Hoechste Solidaritaet,
Freiheit fuer Federico und Nicola !!
Jetzt und sofort!!
[Ende der UEbersetzung]
* „Morgen“ koennte „Heute“ heißen, der Artikel wurde um 00:41 gepostet.
** „Violenza“ kann je nach dem, was fuer ein Zusatz mit dem Wort einher geht unterschiedliche Bedeutungen haben. Vermutlich ist Noetigung gemeint, wenn nicht, vielleicht Koerperverletzung.
Die Fakten:
Um einem Aufruf der franzoesischen Bewegung gegen die Prekaritaet zu entsprechen, war eine Gruppe von Genossen aus verschiedenen Staedten (Bologna, Torino, Milano, Roma, Padova, usw.) in Paris eingetroffen, um sich an der Mayday zum 1. Mai und an dem europaweiten Plenum am Folgetag zu beteiligen.
Trotz den Erwartungen erwies sich die Demo bei einer vollkommen unterdimensionierten Beteiligung von insgesamt 4000-5000 Leuten aber unterhalb derselben, mit extrem wenig Organisation und sehr niedriger Kommunikationsfaehigkeit. Entlang der Route gab es vereinzelt auch einige von franzoesischen Kids zerschlagene Scheiben, eher ritualmaeßig, gerade so, um an das Echo der glorreichen vorausgegangenen Wochen zu erinnern, wobei es keinerlei Eingreifen seitens der Polizei gab, die auf Abstand geblieben war, um zu kontrollieren, oder welche Auseinandersetzung auch immer.
Mitten drin sprang die italienische Delegation ins Auge, die sich aus 300-400 Personen zusammensetzte und mit einem Mindestmaß an Realismus und Geschlossenheit versuchte, mit Parolen und Sprechchoeren den Sinn ihrer Beteiligung zu kommunizieren.
Am Ende der Demo sind die Leute ohne Probleme in aller Ruhe abgezogen, außer etwa dreißig Italiener, die auf der Place de la Republique haengen geblieben waren.
Obwohl sie die Absicht hatten, mit der U-Bahn zu fahren, um den Ort zu erreichen, der ihnen Unterkunft bieten sollte, empfahl ihnen eine franzoesische „Genossin“ dagegen, ihr zu folgen, mit der Begruendung, dass sie sie ueber Schleichwege durch die Straßen des Stadtzentrums gefuehrt haette.
Als sie den Platz verlassen und in eine Nebenstraße eingebogen waren, fanden sie sich wortwoertlich von Bullen umzingelt, ohne jeden Fluchtweg, auch weil offensichtlich war, was die vor hatten (Merke: die Tante hatte sich derweil in Luft aufgeloest). Spaeter erklaerte man den Genossen, dass es bei den Franzoesischen Bullen Brauch ist, das Ende der Demos abzuwarten, um dann die Mitzunehmen, die in Reichweite geraten, unabhaengig von Verantwortlichkeiten oder Verhaltensweisen, die sich in gedankliche Verbindung mit Auseinandersetzungen oder Verhaftungen bringen lassen.
Fakt ist, dass die Gruppe angehalten, durchsucht, gefesselt und zur Gendarmerie gebracht wird, wo die ueblichen Kontrollen durchgefuehrt wurden.
Nur am spaeten Abend kamen sie frei, außer Federico und Nicola.
Ein Zivilbeamter soll sie anhand der von ihnen getragenen Kapuzenpullis als die Urheber einer zerschlagenen Scheibe identifiziert haben, obwohl sie auf dem Praesidium zugaben, dass die Filmaufnahmen, die sie darstellen, verloren gegangen sind…
Fest steht, dass sie jetzt im Knast sitzen und dass man ihnen morgen den Prozess machen will. Zwei Genossen sind in Paris geblieben, um an der Sache dran zu bleiben, aber die Situation ist, zwischen dem Paradoxen und dem Komischen der Geschichte mehr als ernst.
Das ist die schlichte Chronik. Kommentare und UEberlegungen jedweder Art lassen wir aus.
Hoechste Solidaritaet,
Freiheit fuer Federico und Nicola !!
Jetzt und sofort!!
[Ende der UEbersetzung]
* „Morgen“ koennte „Heute“ heißen, der Artikel wurde um 00:41 gepostet.
** „Violenza“ kann je nach dem, was fuer ein Zusatz mit dem Wort einher geht unterschiedliche Bedeutungen haben. Vermutlich ist Noetigung gemeint, wenn nicht, vielleicht Koerperverletzung.
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Ergänzungen
Noch eine Frage zu den Zahlen
Danke für die Übersetzung!
@ ...
Ob dann eher bei der Gewerkschaftdemo 30000 waren weiß ich nicht. Ich bin weder in Paris noch in Italien und muss wie alle die Infos aus dem Netz ziehen. Italienische Freunde die da mehr wissen, bestaetigen jedenfalls eher magere mayday Zahlen für Paris, wenn auch nicht so extrem wie das hier zur Sprache kommt. Andererseits gibts hier in D, wenn auch nicht zur mayday, auch sehr heftige Zahlenrelativierungen (Stichwort Berlin), oder? Ich denke, das kann auch bei mayday Berichten passieren... Übrigens finde ich, dass Zahlen echt viel zu stark zum Maßstab aller Dinge gemacht werden. Zumindest wird viel zu viel um Zahlen gestritten bzw nach ihnen geguckt aber Inhalt und Qualitaet der Dinge die passieren werden nur selten halbwegs ernsthaft beachtet. Bei der Sache hier stoesst der Ablauf auf und dass sie offenbar die Ebene "internationale Vernetzung" angegriffen haben, die ja die wesentliche mayday Weiterentwicklung 2005 und 2006 darstellt. Das scheint mir erstmal wichtiger als das Zahlenproblem.
Anmerkungen zu Zahlen
Für den Mayday gibt es von AktivistInnen Zahlen von 3000-5000.
Die "vereinzelten zerschlagenen Scheiben" habe ich als sehr gezielt gegen Zeitarbeitsfirmen (min.5) und Banken (min. 15) gerichtete Aktionen gesehen.
Zu den Festgenommenen: Diese wurden nicht in einer Seitestrasse verhaftet sondern in der Avenu de la Republik, einer Hauptstrasse. Wir haben ca. 46 Leute gezählt die mitgenommen wurden.
Die 2 hocken in U-haft
dem Antrag auf verschiebung der verhandlung ist stattgegeben worden,
der prozess wird am 29. mai stattfinden, bis dahin sitzen sie in U-Haft.
Wohlgemerkt ohne beweise!!