Wir tanzten und wir lachten
Qas meine Augen gesehen habe - wo doch immer alle so schimpfen, über den 1.Mai
Zum ersten mal seit Monaten stand ich aufrecht. Mitten auf der Oranienstrasse. Es loderten Flammen 5 Meter hoch, teerig schwarzer Qualm stieg auf, bekannt aus Bildern von Kriegen von woanders. Hinter mir stampfte der Ska, um mich rum tanzten alle mit strahlenden Gesichtern. Kein fieses Lachen, wie man es bekommt, wenn man einen Hund quält, oder der Dicken im Bus mal sagt was Sache ist, sondern ein beglücktes Anlachen. Befreit und glücklich! Zumindest schien es mir so... Weiter vorne flogen leere Bierdosen und einzelne gefundene Flaschen auf grüne Trauben von riesigen Robocops.
Neben mir steht ein berlinischer Amerikaner, in der Hand eine auberginefarbene Fahne mit irgendwelchen Aufklebern darauf. Eine postmoderne Fahne! Ein braunhäutiger Junge mit Hakennase und blütenweissem Rollkragenpulli kommt lächelnd angelaufen und fragt höflich „darrff isch mal Deine Fahne haben? Isch muss misch damit vorr das Feuerr stellen!“ Der Berlinamerikaner mit „Gentlemanmütze“ (die, die Gentleman immer auf hat) und Frack gibt sie ihm. Eine hervorragende Idee! Er rennt damit vor, stellt sich auf irgendwas, bildet eine fahnentragende Silhouette vor dem Feuer und sieht aus wie ein würdiges Gemälde aus alten Zeiten wo Aufstände noch cool waren: wunderschön! Nachdem ihn 200 Leute gefilmt und fotografiert haben, kommt er zurückgerannt, überreicht die Fahne wieder und sagt, „hey danke, Mann!“
Hinter mir steht ein Mädchen in deren Gesicht ich Verwirrung zu sehen glaube. Ich lese darin: 1. ich bin doch eigentlich gegen die Gewalt am ersten Mai. 2. aber irgend was gefällt mir daran, ich weiss aber nicht was.
Ich will hier nicht einsteigen in die ewig gleichen Zwei Seiten;
die einen, die sagen, die Krawalle seien einfach dumm, und die Krawallmacher noch viel dümmer und überhaupt nicht politisch, und
die andere Seite, die sagt, dass das progressive Volksaufstände sind.
Natürlich haben beide Seiten recht. Viele Polizisten sind Polizisten, weil sie Gutes tun wollen, die Menschen beschützen, vor anderen bösen Menschen.
Ich bin oft froh, dass es die Polizisten gibt, und ich bezweifle, dass wir eine Welt ganz ohne böse Menschen schaffen können, vor denen wir uns schützen müssen, und ein „Rechtsstaat“ ist da wohl die beste Möglichkeit.
Die Krawallmacher sind in der Regel unpolitisch und hauen einfach auf den Putz!
Doch geht es hier nicht einfach nur um Gewalt. Die Leute kloppen sich nicht untereinander, obwohl die Stimmung enthemmt ist und viele Betrunkene an einem Ort sind. Ich bin mehrmals angerempelt worden und es kam jedesmal eine höfliche Entschuldigung. Es geht gegen den Staat und die Polizei. Heute wissen wir nicht, wozu wir Ja sagen wollen, darum ist auch das Nein-Sagen so schwierig geworden. Am 1.Mai wird aber Nein gesagt. Irgend etwas macht die Menschen da wahnsinnig glücklich dabei, und ich glaube nicht, dass es die allgemeine Lust an der Brutalität ist.
Ich kann mir das nur mit der „enge-Schuhe-Theorie“ erklären; angenommen, man ist ein Leben lang in etwas eingebunden, was einem eigentlich weh tut, wenn dies plötzlich gelöst wird, dann fühlt sich das befreiend an. Wie wenn man einen zu engen Schuh öffnet. Man braucht einen Vergleich, um etwas so zu sehen wie es ist. Hier hinkt der Vergleich mit dem Schuh, wir wissen nämlich, wie es ist, so barfuß, oder mit guten Schuhen. Gesellschaftlich wissen wir das nicht. Wir können nur davon träumen. Oder wir haben kurze, ungenaue Momente, in denen sich der Schleier lüftet. Dann, wenn wir Nein brüllen, zu einer unfassbar übermächtigen Maschine, deren grüner Arm die Polizei ist.
Politisch wäre, wenn alle bewusst den „schlechten Schuh“ öffnen würden und ihn durch einen besseren ersetzen, sofern sie einen brauchen. Die meisten „Krawallmacher“ tun es nicht bewusst, und es führt erst mal nirgendwohin, aber sie öffnen ihn, und sie fühlen es. Es ist nicht bewusst politisch, aber es ist versteckt politisch. Es ist so befreiend, dass alle lachen müssen als hätten sie das größte Geschenk bekommen.
Aber das ist nur meine kleine enge-Schuh-Theorie.
Nur mal angemerkt: ich war weder auf „E“, noch auf Bier. Ich war völlig nüchtern, und JA! Ich bin Schwabe! Aber auch halber Araber – gleicht das meine Schwäbischheit aus?
Neben mir steht ein berlinischer Amerikaner, in der Hand eine auberginefarbene Fahne mit irgendwelchen Aufklebern darauf. Eine postmoderne Fahne! Ein braunhäutiger Junge mit Hakennase und blütenweissem Rollkragenpulli kommt lächelnd angelaufen und fragt höflich „darrff isch mal Deine Fahne haben? Isch muss misch damit vorr das Feuerr stellen!“ Der Berlinamerikaner mit „Gentlemanmütze“ (die, die Gentleman immer auf hat) und Frack gibt sie ihm. Eine hervorragende Idee! Er rennt damit vor, stellt sich auf irgendwas, bildet eine fahnentragende Silhouette vor dem Feuer und sieht aus wie ein würdiges Gemälde aus alten Zeiten wo Aufstände noch cool waren: wunderschön! Nachdem ihn 200 Leute gefilmt und fotografiert haben, kommt er zurückgerannt, überreicht die Fahne wieder und sagt, „hey danke, Mann!“
Hinter mir steht ein Mädchen in deren Gesicht ich Verwirrung zu sehen glaube. Ich lese darin: 1. ich bin doch eigentlich gegen die Gewalt am ersten Mai. 2. aber irgend was gefällt mir daran, ich weiss aber nicht was.
Ich will hier nicht einsteigen in die ewig gleichen Zwei Seiten;
die einen, die sagen, die Krawalle seien einfach dumm, und die Krawallmacher noch viel dümmer und überhaupt nicht politisch, und
die andere Seite, die sagt, dass das progressive Volksaufstände sind.
Natürlich haben beide Seiten recht. Viele Polizisten sind Polizisten, weil sie Gutes tun wollen, die Menschen beschützen, vor anderen bösen Menschen.
Ich bin oft froh, dass es die Polizisten gibt, und ich bezweifle, dass wir eine Welt ganz ohne böse Menschen schaffen können, vor denen wir uns schützen müssen, und ein „Rechtsstaat“ ist da wohl die beste Möglichkeit.
Die Krawallmacher sind in der Regel unpolitisch und hauen einfach auf den Putz!
Doch geht es hier nicht einfach nur um Gewalt. Die Leute kloppen sich nicht untereinander, obwohl die Stimmung enthemmt ist und viele Betrunkene an einem Ort sind. Ich bin mehrmals angerempelt worden und es kam jedesmal eine höfliche Entschuldigung. Es geht gegen den Staat und die Polizei. Heute wissen wir nicht, wozu wir Ja sagen wollen, darum ist auch das Nein-Sagen so schwierig geworden. Am 1.Mai wird aber Nein gesagt. Irgend etwas macht die Menschen da wahnsinnig glücklich dabei, und ich glaube nicht, dass es die allgemeine Lust an der Brutalität ist.
Ich kann mir das nur mit der „enge-Schuhe-Theorie“ erklären; angenommen, man ist ein Leben lang in etwas eingebunden, was einem eigentlich weh tut, wenn dies plötzlich gelöst wird, dann fühlt sich das befreiend an. Wie wenn man einen zu engen Schuh öffnet. Man braucht einen Vergleich, um etwas so zu sehen wie es ist. Hier hinkt der Vergleich mit dem Schuh, wir wissen nämlich, wie es ist, so barfuß, oder mit guten Schuhen. Gesellschaftlich wissen wir das nicht. Wir können nur davon träumen. Oder wir haben kurze, ungenaue Momente, in denen sich der Schleier lüftet. Dann, wenn wir Nein brüllen, zu einer unfassbar übermächtigen Maschine, deren grüner Arm die Polizei ist.
Politisch wäre, wenn alle bewusst den „schlechten Schuh“ öffnen würden und ihn durch einen besseren ersetzen, sofern sie einen brauchen. Die meisten „Krawallmacher“ tun es nicht bewusst, und es führt erst mal nirgendwohin, aber sie öffnen ihn, und sie fühlen es. Es ist nicht bewusst politisch, aber es ist versteckt politisch. Es ist so befreiend, dass alle lachen müssen als hätten sie das größte Geschenk bekommen.
Aber das ist nur meine kleine enge-Schuh-Theorie.
Nur mal angemerkt: ich war weder auf „E“, noch auf Bier. Ich war völlig nüchtern, und JA! Ich bin Schwabe! Aber auch halber Araber – gleicht das meine Schwäbischheit aus?
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Ergänzungen
Besoffene Hools als revolutionäres Subjekt?
Und nicht vergessen: der neue revolutionäre Schlachtruf heisst "Gröhöhöl... Randahalaleööhh"
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Weg damit — .
leg dir doch... — g.langweilt
cooler kommentar — mein
Schwaben und so — ..
keine ergänzung — .....
so — ein
Oh Mann — DJ Bobo