Sozialrevolutionäre 1. Mai Demo in Hamburg

Juppjupp 02.05.2006 16:41 Themen: Soziale Kämpfe
Ca. 900 TeilnehmerInnen nahmen in Hamburg an der 1. Mai-Demo teil, zu der ein Bündnis sozialrevolutionärer Gruppen aufgerufen hatte.
Damit war die TeilnehmerInnenzahl um einiges höher als in den vorangegangenen Jahren und auch höher als das Bündnis erwartet hatte.

Um 17 Uhr versammelten sich die DemonstrantInnen und das hier in Hamburg übliche monströse Bullenaufgebot bei dem am 1. Mai hier normalen warmen Wetter und Sonnenschein an der U-Bahn Feldstr.

Entgegen dem hier in Hamburg schon mittags stattfindenden Mayday, hatte die Demo eine klar antikapitalistische Ausrichtung. Die Reden auf der Demonstration behandelten in erster Linie soziale Themen und den Klassenkampf.

Eine kleine Neuheit in Sachen ha-ha-ham wirs euch mal wieder gezeigt war die Forderung der Bullen, der Demoanmelder solle doch bitte die `Ordner´ persönlich in ihre `Rechte und Pflichten´ einweisen, nachdem das Verlesen der üblichen Auflagen nicht ganz ernst genommen worden worden war.

Ansonsten verlief die Demo unter vielen schwarz-roten, schwarzen und einigen roten Fahnen mit wanderndem Grüngürtel, aber im Ganzen zum Glück ruhiger als wir nach den verschiedenen militanten Aktionen in Hamburg in den vergangenen Tagen (u.a. wurde das Arbeitsamt Eimsbüttel komplett entglast....) Drei Personen wurden während der Demo u.a. aufgrund angeblicher Sachbeschädigung festgenommen, dabei kam es jeweils zu einem kleineren Gerangel.

Anbei noch drei Fotos
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Ergänzungen

Notwendige Korrektur zum Artikel

Anmerker 02.05.2006 - 21:37
"Entgegen dem hier in Hamburg schon mittags stattfindenden Mayday, hatte die Demo eine klar antikapitalistische Ausrichtung"

Der Mayday ist Teil einer europaweiten, antikapitalistischen Vernetzung und hat als solches auch eine klare antikapitalistische Aussage. Nur eben nicht auf dem Szeinzeit-ML-Niveau wie ihr ihn drauf habt, der Mayday entstammt einer jüngeren Bewegung (der von Seattle, Genua usw) und hat daher einen anderen Ausdruck, als die Retro-Autonomen. Ich sehe keine Problem, daß es beide Demos gibt. Aber das Spaltertum ist wohl wichtiges ideologisches Werkzeug bei Hamburger Kommies?

Bericht zum Hambburger Mayday:  http://de.indymedia.org/2006/05/145306.shtml


Präzisierung eines "kleineren Gerangels"

Teilnehmer 02.05.2006 - 23:16
In mindestens einem Fall hat es sich bei dem "Gerangel" um übelste Polizeigewalt gehandelt.
Ein Freund von mir kam in einer Gruppe von 8 Personen verspätet zur Demo und wollte sich am Neuen Pferdemarkt dem Demozug anschließen. Noch bevor die Gruppe den Demozug erreicht hat wurden aber drei von ihnen ohne ersichtlichen Grund von den Bullen festgehalten. Eine Mädel wurde dann von drei Bullen verprügelt, während mindesten 20 Bullen sie abschirmten.
Nach längerer Diskussion wurden die beiden anderen freigelassen und eine Anwältin durfte zu der Verhafteten.
Nähere Infos über den Verbleib habe ich leider noch nicht bekommen.

Bad Style...

nixgut 02.05.2006 - 23:48
Also ich finde diesen Seitenhieb auf die Mayday-Aktion ziemlich peinlich. Beides hat momentan seine Berechtigung und sollte sich eher ergänzen anstatt gegenseitig anzupissen. Genausogut könnten die Mayday-leute sagen: "andere Demo hatte keine klare antirassistische Ausrichtung". Blödsinn, oder? Verschiedene gruppen setzen sich halt verschiedene Schwerpunkte und wenn die radikale Linke irgandwann mal dafür sorgen will Nation Staat und Kapitalismus zu überwinden, dann sollte sie sich in ihren Kämpfen gegenseitig kritisch-solidarisch unterstützen und ergänzen...No Antifa without anticapitalism without antiracism without.....without....without....

Wer demonstriert denn da?

F 03.05.2006 - 13:01
Wer wissen möchte, wer zur Revolutionären 1. Mai-Demo aufgerufen hat (und mit welchen Inhalten), mache sich selbst ein Bild unter www.revo1mai.de.tt.

Ich fands zwar auch ganz nett...

autonoma 03.05.2006 - 14:43
...aber realistisch gesehen haben wir eher die Bullen ein bischen Gassi geführt als revolutionär demonstriert.

1.) Vorneweg: Das beiderseitige teilweise kleinkarierte Verhältniss von Euromayday und revolutionärer Demo nervt. Das ist echter Kinderkram! Tragt eure persönlichen Streitigkeiten doch einfach am Kneipentisch aus, auf selbigem Niveau sind sie nämlich auch.

2.) Die Einschätzung das die Bullen nicht so gestresst haben, kann man vermutlich nur haben, wenn man während der recht brutalen Festnahme an der Weidenallee und während des kurz vor einer massenkeilerei stehenden Gerangels mit Tonfaeinsatz, im Lauti sass und in völlig unsolidarischer Weise, die Demo dazu aufgefordert hat weiterzugehen, mit der Bemerkung sich "nicht provozieren" zu lassen. Das war echte Mistgrütze! Die Bullen waren Scheiße und haben das geschehen durch zahlreiche Festnahmen diktiert. Es gab zwar durchaus auch contra von wütenden TeilnehmerInnen, aber eigenständige Konfrontationspunkte z.B. gegen den Wanderkessel wurden nicht gesetzt. Es gibt also keinerlei Veranlassung jetzt Erfolge abzufeiern.

3.) Die Bullen haben direkt im Anschluß der Demo noch eine Person aus der Kneipe Omas Apotheke gezogen. 6-8 BFEler blockierten den Eingang während andere drinnen ihren Festnahmemißhandlungen nachgingen. Eine weitere Person wurde am Schulterblatt mitgenommen. Also aufpassen auf dem Nachhauseweg, auch Kneipen sind natürlich kein sicherer Ort, wobei wir uns dabei das Abschlußbier natürlich auch in Zukunft nicht vermiesen lassen.

4.) Revo ist super alles andere Quark!

pseudokadern von SoL

masolta 04.05.2006 - 21:59
Hallo! Was geht mit unserer Linken in Hamburg? anstatt sich über die Vielfalt zu freuen, wird alles schlecht gemacht!
Es stimmt nicht, dass nur Leute von SoL sozialistisch waren, denn auf der Demo waren viele rote Fahnen zu sehen und diese waren nicht von der SoL!
( Rote Fahen, Udssr-Fahen, eine Thälmann-Fahne ….)
Also die "Pseudokader" von SoL sind zwar leninistisch aber sind keine Kader, da SoL eine Jugendorganisation ist die sich allgemein mit dem Sozialismus beschäftigt. Dies sollte auch ein weltfremder Autonomer tolerieren und es gut finden, dass sozialistische Kräfte auf eine anarchistisch angehauchte Demo gehen, denn Spaltertum bringt keinem was, als unserem gemeinsamen Feind.
Oder ist die revolutionäre 1.Maidemo nur für weltfremde Kleinbürger?
Aber wenn man solche Verbündete hat, wer braucht da denn noch Feinde?

kampf der Verblödung von Links

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Heteronomische Revolutionäre sind bunt

A.M.A. 02.05.2006 - 17:39
EINE ANEKTODE:

Je weniger ein Tun im Austausch mit den anderen reflektiert wird, und je mehr es auf kleinfamiliäre Privatheit zurückgeworfen ist, desto weniger verdient es, nicht nur im öffentlichen Diskurs, sondern auch in unserem politischen Selbstverständnis, die Bezeichnung Handeln.
Gleichzeitig gibt es sehr wohl Dimensionen des Tuns, die zwischen Agieren, Reflektieren und Handeln sinnstiftend und damit gesellschaftsgestaltend wirken, so etwa der radikalen Frauenbewegung, dem martialisch-kaderartig organisierten Handeln der von Männern beherrschten Antifa-Bewegung neue Versammlungs- und Handlungsformen entgegenzusetzen. Aus derartigen Erfahrungen sowie aus der Entwicklung neuer politischen Handlungsbedingungen konnten und können immer wieder neue Handlungsweisen hervorgebracht werden, die dem Ausagierten und Auszuagierenden Rechnung tragen, ohne sich in der Angst um politischen Kontrollverlust zu beschließen. Dieses Agieren manifestiert sich zugleich aus, für aber auch gegen Unterdrückung, Heteronomie und Herabminderung. Wo die Stimmung nicht nur im Sinne der 'bierseligen'Abstimmung (die in angemessener Anwendung zweifelsohne wichtig ist) politisch relevant ist, kann sie im Hinblick auf reflektiertes und evtl .konzertiertes Agieren wirken. Wenn Feministinnen, Lesben, Schwule, Transgenders, MigrantInnen und andere 'Andere' sich gegen ihre Ausgrenzung aus den Sphären der expliziten Machtausübung und Ressourcenverteilung formieren, und wenn sie sich dabei ihrer unbewussten Motivation bewusst zu werden beginnen, können sie daraus reflektierbare und im Anti-Sexismus, dem entscheidenen Moment, einsetzbare politische Macht machen und sich/einander in eine globale und polyphone Emanzipationsbewegung integrieren. Mögen wir dies mit der hegel'schen bzw. marxschen Kategorie der Für-Sich-Werdung oder mit der eines politischen bzw. eines Klassenbewusstseins belegen können oder nicht, es scheint uns nach wie vor eine unumgängliche Bedingung für eine bessere Verwirklichung des Kampfes um Phantasie.

Smash Patriarchy, Destroy Fascism, Equal all

@ Anmerker

.. 02.05.2006 - 22:43
Die Demo war abgesehen von den Pseudokadern von "SoL" nicht leninistisch, sondern anarchistisch. Bitte erst informieren.

Du schreibst weiter, dass der Euromayday antikapitalistisch sei. Wo denn? Ich sehe keinen antikapitalistischen Inhalt. Zeig mal her.

diskussion und kritik

talibanischka 03.05.2006 - 01:53
klasse diskutiert!
ihr bemerkt ja nichtmal mehr, wenn boese faschos auf euren demos auftauchen und sich beömmeln!

@ talibanischka

bla 03.05.2006 - 02:08
netter versuch, fascho!