1.Mai Streetparade in Osnabrück

TJ 02.05.2006 02:13 Themen: Antirassismus Soziale Kämpfe
Am 1. Mai veranstaltete ein Zusammenschluss von verschiedensten linksradikalen und sozialrevolutionären Gruppen mit Kulturschaffenden aus Osnabrück innerhalb der Kampange 200X eine Streetparade unter dem Motto „Du bist die soziale Revolution“. Die Veranstaltung war mit 250 Teilnehmenden gut besucht und zeichnete sich durch das subkulturell breite Spektrum und die entspannte Stimmung aus, was wohl maßgeblich an der minimalen Polizeipräsenz lag.
Nachdem die Demo losging machte sie an nach ein paar hundert Meter schon an der Bruchstraße Station, wo am 26.12.2004 ein Haus besetzt wurde, welches heute abgerissen ist. Dort hielt ein Vertreter der AZ-Gruppe einen Redebeitrag und bekräftigte noch einmal die Notwendigkeit nach einen Autonomen Zentrum in Osnabrück, wofür weiter auf allen Ebenen gestritten wird. Danach ging es weiter unter eine paar Brücken hindurch (Booom, Booom) zum Arbeitsamt, wo ein Sprecher der Freien ArbeiterInnen Union eine Redebetrag über Klassenkampf von Oben und soziale Gegenwehr zum Besten gab. Dabei wurde auch auf den „Stammtisch der glücklichen Arbeitslosen“ hingewiesen (Info:  fauos@fau.org), sowie auf die Gegenaktivitäten zum Naziaufmarsch in Münster am 06.05. Anschließend setzte sich die Streetparade weiter in Bewegung und machte bei der Ausländerbehörde im Stadthaus halt. Dort gab es einen antirassistischen Redebeitrag zum Thema Flucht, Illegalität und Lagerpolitik, wobei die Schließung des Flüchtlingslagers Bramsche-Hesepe gefordert wurde. In diesem Zusammenhang wurde auch noch auf die Premiere (Eintritt frei) der Dokumentation „Der Lagerkomplex – Flüchtlinge, Bramsche-Hesepe und die Freiwillige Ausreise“ hingewiesen, welche am Fr. den 12.05. in Bramsche im Universum um 14.00 Uhr und am Sa. den 13.05. in Osnabrück im Hasetorkino um 12.00 Uhr stattfindet. Außerdem wird es am 22.05. eine inhaltliche Veranstaltung zum Thema „Bramsche-Hesepe“ vom Referat für Internationales geben und vom 05.-07.06. ein Aktioncamp in Bramsche (Info: www.nolager.de). Nach dem Stopp bei der Ausländerbehörde ging es mitten in die Innenstadt, wo die aussterbende Mittelklasse beim Eisessen bewundert werden konnte. Die Abschlusskundgebung gab es auf zentralen Verkehrknotenpunkt „Neumarkt“, welche durch eine spontane Transpihängaktion unterstützt wurde. Der Redebeitrag war internationalistisch ausgerichtet und beschäftige sich mit globaler Ungerechtigkeit und den Opfer des Kapitalismus durch Hunger und Krieg, sowie eine widerständigen Perspektive von Unten. Abschließend wurde der Bezug zu den europa- und weltweit stattfindenden 1.Maiveranstaltungen hergestellt und solidarische Grüße zu den Aufständischen in Chiapas und Nepal entsendet.
Im Anschluss an die Streetparade gab es noch leckeres Essen und den Film „Precarity“ im café mano negra sowie nach einer Verschnaufpause ein rauschendes Abschlussfest mit den üblichen Verdächtigen & Mehr Styles. Das Schönste an der Streetparade war, dass durch ungewöhnliche Zusammenarbeit der verschiedenen subkulturell und politisch Aktiven, etwas Neues entstanden ist, welches mehr ist, als die Summe seiner Teile.
Dabei machen die verschiedenden Styles und Subkulturen in Kombination mit emanzipatorischer Politik Lust auf mehr. „Du bist die soziale Revolution“ - Die Verhältnisse zum Tanzen bringen!
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Ergänzungen

@revolutionäre kritiker

abc 02.05.2006 - 13:08
Schlechter hätte man die Streetparade wohl nicht beschreiben können.
Wie der Name "Streetparade" schon sagt, war dies keine normale Demo.
Was ist dagegen zu sagen, wenn die Linke mal aus ihrem eigenen Sumpf rauskommt und auch andere Menschen anspricht(fast 300 Teilnehmer), die auch Rassismus, Sexismus, Kapitalismus etc. kritisieren, aber keinen Bock ständig die gleichen Punk Klassiker zu hören wie schon vor 20 Jahren. Ich habe selten eine demo erlebt, auf der eine so gute Stimmung war, die so viel Spass gemacht hat und dabei in Redebeiträgen und einer umfangreichen Demozeitung sehr fundierte Inhalte rüberbringen konnte.
Super Demo, super Orga, danke schön!
Nächstes Jahr bitte wieder!

Genial Organisation / Bunte Mischung

Soziale Revolution 02.05.2006 - 13:57
Vielleicht einige Anmerkungen:
Zum einen war es Schade, dass das beste Banner am Bauwagen der am Trecker hing abgefallen ist. Das Transpi hätte dem ganzen vielleiht noch eine politiche Nachricht mehr gegeben.
Ansonsten war die Organisation einfach perfekt, die Stimmung ausgelassen und die politische Nachricht hat auch nicht gefehlt. Nächstes mal einfach mehr Banner und mehr Fahnen. Denn der Trecker am Ende mit dem Wichtigsten kam nicht wirklich zur Geltung.
Nächstes Jahr wieder. Die Anreise hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Was ist eigentlich sozialrevolutionär?

Gustav Landauer 02.05.2006 - 16:43
O.K., den Barrikadenkontest haben wir nicht gewonnen. Aber das war auch gar nicht unser Ziel. Wir wollten die Verhältnisse zum Tanzen bringen, was durchaus wörtlich zu verstehen war. Unser Konzept war es linksradikale Inhalte mit Musik zu verbinden und so vielleicht einen linksradikalen Pop oder selbstbestimmte Kultur zu schaffen, die auch über unser kleines Szeneghetto hin ansprechend und vermittelbar ist. Deswegen haben wir u.a. auch die Form der Streetparade gewählt. Dabei haben wir inhaltlich in nichts zurückgesteckt, was die Boykottierung der lokalen bürgerlichen Medien zur Folge hatte.
Das eigentlich sozialrevolutionäre an diesem Projekt ist, dass verschiedenste politische und subkulturelle Gruppen zusammengekommen sind und auf der Basis von freier Kooperation und Selbstorganisation die Streetparade und das anschließende Fest organisiert haben. Jenseits von Konsum- und Verwertungszwang wurde einen (temporärer) Raum geschaffen, wo die Leute sich kennenlernen können, Spaß haben, aber auch ihre gemeinsamen Interessen erkennen können. Der sozial-kommunikative Prozeß ist revolutionär. Lokal können wir sagen, dass wir echt was dazugewonnen haben. Wir können uns hier in Osnabrück nicht auf lange, gewachsene bzw. größere Strukturen ausruhen, sondern wir müssen etwas aufbauen und dafür müssen wir mit anderen kommunizieren. Damit haben wir zwar kapitalistischen Grundkategorien wie Staat, Geld, Markt und Arbeit nicht abgeschafft, aber wir haben viel mehr erreicht, als wenn wir die übliche 50-100 Leute Black-Block-Demo mit 3 Hundertschaften Polizei gemacht hätten. Dabei will ich nicht sagen, das Massenmilitanz per se falsch ist, sondern das sie sinnvoll und vermittelbar sein muss. Aber die wirklichen sozialen Bedingungen verändert man nicht dadurch, dass man sich schwarz uniformiert und den Aufstand zelebriert. In diesem Moment werden nur Beziehungen eingerissen, aber keine neuen geschaffen.

„Staat ist ein Verhältnis, ist eine Beziehung zwischen den Menschen, ist eine Art, wie die Menschen sich zueinander verhalten; und man zerstört ihn, indem man andere Beziehungen eingeht, indem man sich anders zueinander verhält.“ Gustav Landauer

bzgl münsters Naziaufmarsch

xyz.... 02.05.2006 - 17:22
die nazis gehen am 6.05. nicht in ms hbf los sondern in Münster Hiltrup am bhf !!!!!
ALSO 06.05. 9:00 BHF MÜNSTER HILTRUP ___Y___Y___Y_

Unpolitisch?

Klaus-Bärbel 02.05.2006 - 21:51
Für einige KritikerInnen scheint sich die "politische Aussagekraft" nur in Auseinandersetzungen mit Team Green (bzw. darkblue) und durch möglichst viel Randale auszudrücken, wozu es bei der Streetparade einfach nicht kommen konnte, weil nur etwa 10 Bullen da waren. Nach anfänglichen "BRD, Bullenstaat..."-Chören hat der Black-Block schnell die Lächerlichkeit solcher Parolen erkannt. Zu anderen Sprechchören wie z.B. "Hundert Jahre DGB tut dem Kapital nicht weh!" in direkter Nähe zur DGB-Bier-und-Bratwurst-Veranstaltung stieg von denen jedoch keiner ein (wahrscheinlich zu unpolitisch - gerade am 1. Mai).
Auch kommt es mit so vor, als ob niemand von den KritikerInnen den Reden (Inhalte siehe oben) zugehört hat, ansonsten wären hier nicht so lächerliche Postings gelandet.
Hier sind wohl einige beleidigt und enttäuscht, dass ihre "Revo-Phantasien" (vielleicht genährt von Berichten über den 1. Mai in X-Berg) nicht befriedigt wurden.

...

Rosa 02.05.2006 - 23:04
ich fand die demo sehr gut - es wurde schliesslich ascii-disko gespielt!;-)

traurig war, dass die drei bullen trotz allem videoaufnahmen machen mussten, vor allem als die demo über den neumarkt zog... gefahr ging ja nun wirklich nicht von uns aus...üble tanzende mörderhorde!

Demo oder Party?

Zu Jung 04.05.2006 - 15:23
Also ich fand die Demo nicht ganz so berauschend.. Vorne beim Transpi waren die Punker und ein paar linke in schwarz und hinten war der Partybus mit der schlechten Musik (Musste es denn umbedingt Techno sein?). Die Redebeiträge waren zwar gut, aber mir kam es so vor, als ob da niemand wirklich zuhören würd und alle nur dadrauf warteten, dass die Musik wieder angeht. Ich glaube nicht, dass die Demo viel gebracht hat. Denn welcher Stadtrat denkt über ein AZ nach, wenn ein paar linke ne Miniloveparade organisiern? Alle Versuche, sich zu benehmen wie auf ner Demo (Sitzblockaden & co) wurden von der Demoanmelderin mit lautem Gezetere beendet. Sehr schade. Für jemanden, der nicht auf Technomusik steht wars mit Sicherheit ziemlich langweilig. Die Redebeiträge und der Humor der lieben Punkerkollegen waren allerdings sehr erheiternd..

@Zu Jung

... 04.05.2006 - 23:18
Was hätten Deiner Meinung nach denn "Sitzblockaden & co" gebracht? Bzw. wozu macht man denn überhaupt Sitzblockaden? Antwort: Um etwas zu blockieren. Was aber hätte man blockieren sollen? Die 2-3 Autos, die an einem 1. Mai durch Osnabrück gurken? Sinnlos, nicht wahr? Und ansonsten? Etwa Angriffe auf die paar Büllchen, die da waren? Siehste...
Ein gelungener Protest muss sich doch nicht immer durch gelungene Randale und soviel zivilen Ungehorsam wie möglich auszeichnen (auch wenn mir natürlich bewusst ist, dass solcher oft von Nöten ist). Du (wie auch viele andere) sollten sich die Frage stellen, warum sie auf eine Demo gehen. Willst Du Randale nur ihrer selbst willen, oder willst Du gegen etwas protestieren bzw. etwas verhindern (bspw. im Falle einer Gegendemo zu 'nem Nazi-Aufmarsch), wobei das Risiko von Stress, welcher Form auch immer, besteht, dem man aber trotzdem, wenn es geht und die gesetzten Ziele trotzdem erreicht werden können, aus dem Weg gehen sollte?
Tja, und wenn Dir die Musik nicht passt: Dein Pech, das nächste Mal genauer auf den Flyer schauen!

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