20 Jahre Tschernobyl

Atomkraft nein danke 26.04.2006 14:49 Themen: Atom Weltweit Ökologie
Am 26.4.1986 explodierte Block 4 im Atomkraftwerk Tschernobyl. Das Kühlwassersystem wurde getestet. Die Notabschaltung misslang und der Reaktor geriet außer Kontrolle. Der Unfall hatte und hat weitreichende Folgen, auch in Westeuropa. Bis heute sterben Menschen an der Katastrophe, die bereits sehr viele Todesopfer gefordert hat, vor allem auch in Weißrußland, das kein einziges Atomkraftwerk hat.

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Erst drei Tage später informierte damals die sowjetische Nachrichtenagentur lapidar über einen Reaktorschaden. Die ExpertInnen streiten sich um die Zahl der Todesopfer. In einem Greenpeace- Bericht werden UN-Angaben widerlegt, dass die Gesamtzahl der Menschen, die an der Verstrahlung durch die Tschernobyl-Katastrophe gestorben sind oder sterben können, 4000 bis 9000 betragen würde. Greenpeace verweist auf die Untersuchungen weißrussischer, russischer und ukrainischer Fachleute, die besagen, dass im Zeitraum 1986-2056 in den drei Ländern an strahlungsbedingten Krankheiten über 93000 Menschen, darunter etwa 22000 in Belarus, sterben können. In Weißrußland können von 31000 Menschen, die an Schilddrüsenkrebs erkrankt sind, etwa 14000 sterben, von 3000 Leukämiekranken etwa 2000 (mehr).

Um das Atomkraftwerk wurde ein vorläufiger Beton-Sarkophag gebaut, der aufgrund von Rissen erneuert werden muss. Die Todeszone rund um Tschernobyl in der Nähe von Pripjat in der Ukraine ist heute evakuiert. In radioaktiv belasteten Gebieten leben zwei Millionen Menschen, davon 300000 Kinder. Viele Menschen erkranken erst nach 10-20 Jahren an Schilddrüsenkrebs infolge der radioaktiven Strahlung, und das radioaktive Cäsium 137 hat eine Halbwertszeit von 30 Jahren, d.h. erst nach 30 Jahren ist die Hälfte davon abgebaut.

Kinder in Westeuropa erinnern sich heute an den schönen Apriltag, der plötzliche Veränderungen mit sich brachte. Etwas ganz Schlimmes war passiert, der Sandkasten wurde plötzlich gesperrt und der Sand ausgetauscht. Hierzulande war vor allem Bayern stark betroffen, und 85 Prozent des Gebietes der Schweiz. Der Milch wurde die H-Milch vorgezogen, viele Lebensmittel wie Kopfsalat, Pilze und Wild waren verstrahlt und wurden vernichtet, die EU erließ ein Einfuhrverbot für landwirtschaftliche Produkte. In der DDR wurde die Bevölkerung eher beschwichtigt. Bis heute sind erhöhte radioaktive Isotope wie Cäsium, Strontium 90 und Plutonium in der Nahrung zu finden.

Bereits vor Tschnernobyl protestierte ein internationaler Widerstand gegen Atomkraftwerke und gegen eine Technologie, die 25000 Jahre lang radioaktiven Müll hinterläßt. Heute wird vermehrt behauptet, diese Energie sollte angesichts der Klimaveränderungen genutzt werden, um CO2 einzusparen (seit Tschernobyl ging europaweit ein einziges neues AKW in Finnland ans Netz), obwohl bis heute weltweit kein sicheres Endlager für hochradioaktiven Müll existiert.

Links

Artikel bei de.indymedia.org

27.04.2006: Tschernobyl-Jahrestag in Lüneburg
27.04.2006: potsdam- nie wieder tschernobyl
27.04.2006: Neckarwestheim - 20 Jahre Tschernobyl
27.04.2006: Video: Tschernobylgedenken in Magdeburg
27.04.2006: 250 Leute auf Tschernobyl-Demo in Münster
27.04.2006: Kleine Schwarzwaldaktion - Nie wieder Tschernobyl
26.04.2006: Spielplätze in GÖ wegen Verstrahlung gesperrt
26.04.2006: Ca. 500 auf Tschernobyl Demo in Bremen
25.04.2006: Frankreich: Renaissance der Antiatombewegung

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Ergänzungen

AKWs nach Tschernobyl

egal 27.04.2006 - 20:16
Kurze Berichtigung des obigen Artikel. Nach Tschernobyl ist in D-Land noch das 1986 im Bau befindliche AKW Neckarwestehim II in Betrieb genommen worden (Januar 1989). In Finnland ist im vergangenen Jahr mit dem Bau des ersten neuen AKW vom Typ EPR begonnen worden.

Artikel zum Thema Tschernobyl

Bernd Drücke 28.04.2006 - 13:40
In der Graswurzelrevolution, Monatszeitung für eine gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft, Nr. 308 (April 2006) findet sich ein interessanter Tschernobyl-Schwerpunkt.
Einiges davon findet sich auch auf der GWR-Homepage:

 http://www.graswurzel.net/308/tschernobyl.shtml
 http://www.graswurzel.net/308/tschernobyl2.shtml
 http://www.graswurzel.net/news/tschernobyl20.shtml

Zeitbombe Atomenergie

egal 28.04.2006 - 17:20
Rückblick und Auswirkungen des "gesonderten Sicherheitstests im Kühlwassersystem" des Reaktors IV in Tschernobyl fasst die IPPNW Ulm auf ihrer Seite zusammen.

gedenken verboten!

110 30.04.2006 - 22:49

auf den gedenk- und protestveranstaltungen in weissrussland, dass von fallout 1986 noch mehr betroffen war als ukrainisches gebiet selbst, wurden am samstag abend erneut mehrere menschen verletzt und festgenommen.

unter der verhafteten befindet sich auch der oppositionsführer, den eine haftstrafe von bis zu 30 tagen wegen "aufrufs zur teilnahme an einer illegalen demonstration" erwartet.

die demonstrationen in weissrussland richteten sich nicht nur gegen atomkraft, sondern vor allem auch gegen die verschleierungs- und lügenpropaganda der regierung - 1986, und heute.

für die nächten tage sind weitere veranstaltungen der ausserparlamentarischen opposition in weissrussland geplant.

.

neben ländern wie italien und deutschland sind auch in den USA oder in pakistan langfristige ausstiegsprogramme in planung.

derzeit wollen nur noch china und iran neue atomkraftwerke bauen.



audio-beiträge

radio gnome 01.05.2006 - 18:20
auf  http://www.freie-radios.net finden sich einige beiträge zum thema:

Klang-Dokumentationscollage zum 18. Jahrestag des Super-GAUs in Tschernobyl  http://freie-radios.info/mp3/20040425-klangdokume-06691.mp3
(preisgekrönter beitrag der redaktion restrisiko vom bermudafunk aus dem jahre 2004 - eine geringfügig korrigierte version aus dem jahr 2005 findet ihr auf  http://restrisiko.castor-stoppen.de/tschernobyl.mp3 )

weitere beiträge findet ihr über die suchfunktion von  http://freie-radios.net ( z.b. tschernobyl eingeben ... )

Atommüllendlager in Salzgitter

Stephan Bauer 04.05.2006 - 13:35
Da es ja jetzt eine Endlagerstätte hier bei uns in Salzgitter gibt,
wird sich ja die Atomstromproduktion noch wietere Jahrzehnte hinziehen.
warscheinlich wird ja Salzgitter zum Atommüllendlager für ganz Europa.
Und das warscheinlich nicht nur für schwach radioaktiven Atommüll.
Der Ausstieg aus der Atomstromproduktion wird dann wohl auch in gänze hinfällig,da ja die Atomstromproduzenten ihr Endlagernachweis haben.
so wird das Risiko auf die breite Masse der Bevölkerung abgewälzt.

Reportgae aus der verbotenen Zone

http://www.ostblog.de/ 06.05.2006 - 19:13
Tatiana und ihre Familie wohnen heute, wie viele andere Evakuierter aus Pripjat, in Troieschjna - einem Stadtviertel von Kiew. Die Hauptstadt der Ukraine liegt circa 100 Kilometern südlich von Tschernobyl. Zwischen den Blocks der grauen Plattenneubauen starren Augen lebloser Männer: „Troieschjna: das sind 44000 EinwohnerInnen, 4000 Invaliden und 250 Krebskranke“, erzählt Alexei Sergueiev, der orthodoxe Pop des Viertels. Der im Ort geschätzte Man wurde - wie viele andere - bei der „Liquidation“ der Zentrale eingesetzt.

Die ganze Reportage kann man auf dem Ostblog nachlesen:
 http://www.ostblog.de/2006/04/der_rest_ist_schweigen.php

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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