Spanien auf neuen Höhen beim Kioto-Verstoß

Ralf Streck 24.04.2006 13:22 Themen: Weltweit Ökologie
Schon lag Spanien in der EU an der Spitze beim Verstoß gegen das Klimaprotokoll von Kioto. Nach neuesten Zahlen verzeichnet das Land weitere Steigerungsraten und ist 2005 bei 52,88 Prozent angelangt. Eine Strategie fehlt, was dem Land teuer zu stehen kommen wird. Man setzt offenbar auf neue AKWs  http://de.indymedia.org//2006/01/136791.shtml jedoch entdecken Banken und Großkonzerne das Sonnenland als Geldanlage.
Nach zwei Jahren hat nun auch die sozialistische Regierung eine miese Umweltbilanz bescheinigt bekommen. Die größte Gewerkschaft Arbeiterkommissionen (CCOO /  http://www.ccoo.es) und die Umweltzeitschrift World Watch ( http://www.nodo50.org/worldwatch) haben neue Zahlen über den Ausstoß von Klimagasen vorgelegt. Nach der Studie  http://www.ccoo.es/publicaciones/0604_emisiones.pdf lag Spanien 2005 schon 52,88 % über der Marke von 1990. Im Klimaschutzabkommen war dem Land sogar ein Zuwachs von 15 % bis 2012 zugestanden worden, doch liegt es nun etwa 3,5fach darüber. „Spanien ist das industrialisierteste Land wo der Ausstoß an Klimagasen am stärksten steigt”, sagte der Verantwortliche der CCOO für Umweltschutz Joaquín Nieto.

Allein 2005 betrug der Anstieg 3,39 % gegenüber 2004. Der Energieverbrauch stieg um 3 %, der Verbrauch fossiler Energieträger um 5,26%. Ein Teil der Zunahme wird auch der Dürre letztes Jahr zugeschrieben:  http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21921/1.html „2005 war ein schlechtes hydraulisches Jahr, in der die Energieerzeugung durch Wasserkraft 40 % unter der des Jahres 2004 lag“. Der Konsum von Kohle habe sich um 1,5 % erhöht und der von Gas und 17,8 %.

Für den Anstieg sei vor allem der Energiesektor verantwortlich, der für 78,4 % der Emissionen ausmache. 1990 waren es noch 61,5 %. Hier stechen die Stromgewinnung (30,5 %) und der Transport auf der Straße (28 %) heraus. Der Konsum der Industrie (22%) liegt nur auf dem dritten Platz.

Erstaunlich ist, dass der Generalsekretär für Klimaschutz im Umweltministerium darauf hofft hat, dass die „vielen ergriffenen Maßnahmen der Regierung“ Wirkung zeigten.  http://www.elperiodico.com/default.asp?idpublicacio_PK=5&idioma=CAS&idnoticia_PK=297313&idseccio_PK=11&h=060420 Erst kürzlich hatte Arturo Gonzalo Aizpiri noch heftige Kritik an der „Ineffizienz" geübt.  http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21808/1.html

Auch diese Studie kritisiert, dass im Bereich erneuerbarer Energien zu wenig getan werde. Nach Angaben der bisher umfassendsten Energiestudie könnte das Sonnenland die für 2050 benötigte Energiemenge mehrfach darüber decken.  http://www.greenpeace.org/raw/content/espana/reports/renovables-2050-presentaci-n.pdf Kritisiert wird, dass die Energieeffizienz nur leicht steige und es an einer umfassenden Strategie fehle. „Alle Mittel, Pläne und Schritte müssen einen kohärenten strategischen Gesamtplan bilden, der alle Ministerien ernsthaft verpflichtet“, wird gefordert. Konkret wird eine Umorientierung im Transportsektor und die Erhöhung der Energieeffizienz bei Wohnungen gefordert, wo 40 % aller Energie verbraucht werde. Statt mehr Autos, LKWs und mehr Straßen, müsse der öffentliche Transport gefördert werden. Mit der urbanistischen Planung müsse Verkehr vermieden werden.

Schon jetzt wird vorgerechnet, dass Spanien seine Politik teuer bezahlen wird. In den nächsten fünf Jahren müsse das Land Emissionsrechter für mindestens 3,5 Milliarden Euro für aktuell 30 Euro pro Tonne CO2 kaufen. Macht es das nicht droht eine Strafe über 100 Euro pro Tonne durch die EU. Waghalsige Ideen, wie Klimagas unter die Erde zu schaffen, helfen nicht.  http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20882/1.html

Derweil hat die Banco Santander und der Ölmulti BP angekündigt, in dem Sonnenland die größte Fotovoltaikanlage Europas bauen zu wollen. „Es handelt sich um die größte Investition in die Fotovoltaik in Europa“, kündigte der Investmentdirektor der Banco Santander Marcos Sebares an. Die Gesamtleistung der insgesamt 278 Anlagen soll zwischen 18 und 25 Megawatt (MW) betragen. Jede einzelne soll zwischen 90 und 100 Kilowatt (KW) Leistung bringen. Mit dem Bau soll schon im Mai begonnen werden, damit das Projekt Ende 2007 abgeschlossen werden kann.

Die Anlagen sollen an 10 bis 15 Orten in verschiedenen Regionen konzentriert werden. Besitzer sollen Einzelanleger werden. Die sollen dafür insgesamt 160 Millionen Euro aufbringen. Die Bank verspricht ihnen dafür eine Rendite von 10 % und kümmert sich um die Finanzierung des Projekts. Der Ölmulti BP kümmert sich dagegen um die Realisierung, Genehmigungen, Installation, usw.

Das Projekt ist mehr als Geldanlage angelegt, statt vor allem auf Energieeffizienz oder ökologische Kriterien ausgerichtet zu sein. BP, als einer der größten Hersteller von Solarmodulen, fördert so gleichsam die eigene Produktion und wirbt für sich, während die Bank ein neues Geschäftsfeld erschließt. Bei Großanlagen wäre der Bau von solarthermischen Anlagen sinnvoller, weil die Energieausbeute höher und der Flächenverbrauch geringer ist. Sicher ist es sinnvoller, Solarpanels auf bestehenden Gebäuden zu installieren, statt damit große Flächen zuzupflastern.

© Ralf Streck, den 24.04.2006
Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen