"Bleiberechtsregelung jetzt!"

g. 21.04.2006 15:28 Themen: Antirassismus
In Deutschland leben etwa 200.000 Flüchtlinge mit dem äußerst prekären Aufenthaltsstatus der "Duldung", viele von ihnen schon seit vielen Jahren. Auf der Innenministerkonferenz Anfang Mai in Garmisch wird eine Bleiberechtsregelung wieder einmal auf der Tagesordnung stehen. Flüchtlingsorganisationen mobilisieren im Vorfeld zu einem bundesweiten Aktionstag am Samstag, den 22. April.

Berichte über Demonstrationen in Herne (21.4.) | Göttingen (22.4.) | Berlin/Potsdam (22.4.) | Wiesbaden (22.4.) | Nürnberg (22.4.)
papiere-fuer-alle.org - Aufrufe, Termine, Infos | www.bleiberecht.info | proasyl.de | hier.geblieben.net
Die Duldung ist der unsicherste Aufenthaltsstatus, sie bedeutet nur, dass die Abschiebung vorübergehend ausgesetzt ist. Sie ist maximal sechs Monate gültig, oft auch nur ein paar Wochen, und muss dann aufs neue verlängert werden - doch das Damoklesschwert der Abschiebung schwebt immer über den Betroffenen. Zusätzlich sind sie mit diversen Sondergesetzen konfrontiert, die ihnen das Leben erschweren - Residenzpflicht, gekürzte Sozialleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, Arbeitsverbot und Sammelunterbringung (wobei dies nicht alle in gleichem Maße betrifft, manche dürfen arbeiten - wenn auch nur mit nachrangigem Arbeitsmarktzugang - , manche haben eine eigene Wohnung, die Residenzpflicht kann sich auf den Landkreis oder auch das Bundesland beziehen - je nach Laune der zuständigen Ausländerbehörde). Dies ist ein untragbarer Schwebezustand, der eine extreme psychische Belastung mit sich bringt, was bei oftmals vorhanden traumatischen Vorfluchterfahrungen gravierende Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der Betroffenen haben kann.

In Deutschland leben etwa 200.000 Geduldete, die allermeisten schon seit vielen Jahren. Nach Auskunft der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linken im Bundestag leben mehr als 120.000 der Geduldeten schon seit fünf Jahren und länger in Deutschland, 50.000 sogar schon länger als elf Jahre (Statistik aufgeschlüsselt nach Herkunftsländern, Aufenthaltsdauer und Bundesländern: http://dip.bundestag.de/btd/16/003/1600307.pdf - 4,5MB!). Die Gründe, warum Menschen bloß "geduldet" werden, sind vielfältig: Oft handelt es sich um Menschen, die aus Bürgerkriegsregionen geflohen sind, jedoch keine Flüchtlingsanerkennung bekommen haben und die nach Beendigung der eigentlichen Kampfhandlungen in die völlig zerstörten Gebiete zurückgeschickt werden sollen wie nach Kosovo, Afghanistan oder in die kurdischen Gebiete der Türkei. Viele können aufgrund von Krankheit nicht abgeschoben werden, wieder anderen fehlen die Passpapiere (sie sind entgegen der Erwartungen deutscher Bürokraten vor ihrer Flucht nicht erst bei den Behörden ihres Heimatlandes vorbeigegangen, um sich einen Pass zu besorgen). Gleichzeitig werden auch immer neue Gruppen von Menschen aus einem sicheren Aufenthaltsstatus in die Duldung hineingedrängt: so laufen derzeit massenhaft Widerrufsverfahren gegen Flüchtlinge v.a. aus dem Irak, um ihnen das zugesprochene Asyl wieder abzuerkennen. Derzeit finden zwar (noch) keine Abschiebungen in den Irak statt, den Flüchtlingen wird der sichere Aufenthalt aber schon mal vorsorglich "auf Vorrat" entzogen, um sie "abschiebungsreif" zu machen (mehr Infos dazu: www.proasyl.de/texte/2005/Widerruf_Faltblatt.pdf).

Viele der langjährig Geduldeten sind Familien mit Kindern, die hier geboren und / oder aufgewachsen sind und die das Land, in welches sie "zurückkehren" sollen, nur vom Hörensagen kennen und das trotzdem nach Ansicht der Behörden ihr Heimatland ist. Sie gehen hier zu Schule und in Sportvereine, haben hier ihre FreundInnen und können die Sprache des Landes oft nur noch rudimentär. Bei einer Abschiebung stehen sie buchstäblich vor dem Nichts.

Aber überall in Deutschland haben sich große und kleine Initiativen gebildet, um gegen die Abschiebung ihrer FreundInnen, NachbarInnen, KlassenkameradInnen oder ArbeitskollegInnen anzukämpfen (ein paar Beispiele aus Hessen: internationales-zentrum-friedberg.de, www.bleiberecht.info, www.ahmet-soll-bleiben.de). Oft sind es Schulen, die sich geschlossen für einE SchülerIn einsetzen, Unterschriften sammeln, Petitionen einreichen, Demonstrationen organisieren. Manchmal haben sie Erfolg und erreichen es für die eine Familie, dass eine Lösung gefunden wird, oft scheitern sie aber auch an den Mühlen des deutschen Ausländerrechts - von diejenigen, die das Pech haben, keine so aktive Lobby vor Ort zu haben, ganz zu schweigen.

Aus diesem Grund fordern Flüchtlingsorganisationen und Wohlfahrtsverbände seit langem eine allgemeine Bleiberechtsregelung für die geduldeten Flüchtlinge (Infos zur Bleiberechtskampagne: proasyl.de). Leider wurde im Zuwanderungsgesetzes eine solche nicht mit aufgenommen, die Situation hat sich für viele Betroffene seitdem sogar noch erheblich verschärft und der Abschiebungsdruck zugenommen. Zwar gibt es seit kurzem in den meisten Bundesländern so genannte "Härtefallkommissionen", doch darüber haben bislang nur einige wenige Geduldete einen Aufenthalt bekommen und sie sind von den Kapazitäten her auch nicht darauf ausgelegt, eine große Anzahl von Fällen zu lösen.

Mittlerweile hat auch die Politik das Problem erkannt und es wird ernsthaft über eine solche Regelung debattiert, zuletzt war es Innenminister Schäuble, der sich dahingehend äußerte (www.aufenthaltstitel.de/zuwg/1211.html). Auch auf der letzten Innenministerkonferenz im Dezember in Karlsruhe war eine Bleiberechtsregelung das beherrschende Thema und erstmals gab es auch Vorschläge von Innenministern CDU-geführter Bundesländer für ein Bleiberecht. Trotzdem wurde das Thema ohne Einigung vertagt, da v.a. die Innenminister aus Bayern und Niedersachsen, Beckstein und Schünemann sich einer Regelung verweigert hatten. Allerdings sind die meisten der diskutierten Regelungen mit vielen Ausschlusskriterien versehen wie z.B. die Unabhängigkeit von Sozialleistungen - durch das faktische Arbeitsverbot der meisten Geduldeten eine perfide Idee. Zusammenstellungen der aktuellen Debatten um Bleiberecht finden sich im Netz unter www.fluechtlingsrat-berlin.de/publikationen.php#aktuell.

Anfang Mai findet die nächste Innenministerkonferenz in Garmisch-Patenkirchen statt. Hierzu sind vielfältige Aktionen geplant, um das Thema "Bleiberecht" wieder in die öffentliche Debatte zu bringen und den InnenministerInnen die Dringlichkeit des Anliegens noch einmal vor Augen zu führen. Denn jede weitere Verschiebung bedeutet, dass viele Menschen, die vielleicht von der Regelung profitieren könnten, am Ende doch noch abgeschoben werden und für den Rest der Betroffenen, dass sie weitere bange und krankmachende Monate vor sich haben.

Den Auftakt der Aktionen bildet ein bundesweiter Aktionstag für Bleiberecht am Samstag, 22. April. Es wird Demonstrationen und Aktionen in Berlin, Potsdam, Wiesbaden, Hamburg, Göttingen, Köln, Erfurt und Herne geben (Übersicht über die geplanten Aktionen: www.papiere-fuer-alle.org). Am 3. Mai, dem Vorabend der Innenministerkonferenz, wird es eine bundesweite Demonstration in München geben (Aufruf: hier.geblieben.net/aktuellpresse/pdf/Bleiberecht_dt.pd), in der Zwischenzeit noch viele kleinere Aktionen und Veranstaltungen (z.B. Podiumsdiskussion zum Bleiberecht am 25.4. in Frankfurt/M: www.dwhn.de). Parallel zur IMK organisiert die Initiative Jugendliche ohne Grenzen (JOG) eine Konferenz in Garmisch-Patenkirchen, an der aus fast allen Bundesländern Delegationen von geduldeten Jugendlichen teilnehmen werden, um sich zu vernetzen und auszutauschen und um vor Ort Aktionen und Pressekonferenzen zu veranstalten (mehr Infos: hier.geblieben.net).



Hier noch die einzelnen Treffpunkte für den 22. April:

Berlin:
11:00 Uhr Am Alexanderplatz (Weltzeituhr)

Erfurt
11-14 Uhr Aktionen in der Innenstadt

Göttingen:
11:00 Uhr Am alten Rathaus

Hamburg:
11:00 Uhr Am Hauptbahnhof

Herne (21. April!)
10:00 Uhr Forellenstraße

Köln
12:00 Uhr Friesenplatz

Potsdam:
12:30 Uhr Am Hauptbahnhof

Wiesbaden
12:00 Uhr Am Innenministerium (gegenüber vom Hauptbahnhof)

Nürnberg
14:00 Uhr Lorenzkirche


Bundesweite Demonstration in München
3. Mai 17:00 Uhr Marienplatz
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Ergänzungen

dolle ergänzung @ a.

klugscheisser 21.04.2006 - 18:53
Man man man, menschen rechter gesinnung sind wahrscheinlich auf so ziemlich jeder demo mit dabei mal mehr mal weniger offensichtlich. da brauch man doch nicht extra drauf hinweisen, als ob die demoteilnehmer nicht selbst mit so einer situation umzugehen wüssten.

Bericht zu Herne

g. 21.04.2006 - 22:07

Radiobeitrag dazu...

radio corax 21.04.2006 - 22:08
Wenn derzeit Diskussionen über Einbürgerung und Integration geführt werden, bleiben diejenigen ungenannt denen nicht einmal das Recht auf dauerhaften Aufenthalt zugestanden wird. Viele Flüchtlinge und deren Familienangehörigen sind hier seit Jahren integriert und müssen dennoch jederzeit mit einer Abschiebung rechnen. Denn entsprechende Regelungen gibt es in keinem deutschen Gesetzbuch. Um auf diese unmenschlichen Zustände hinzuweisen, veranstalten viele Organisationen am kommenden Samstag, den 22. April in zahlreichen Städten Aktionstage. Im Vorfeld der Innenministerkonferenz am 3./4. Mai in Garmisch-Partenkirchen, will man auch symbolische Zeichen setzen.

Hörbeitrag:  http://freie-radios.info/portal/content.php?id=12365

was soll das denn??

papiere für alle! 21.04.2006 - 23:04

Der Bericht geht deutlich in die Irre - in mehreren Städten, die angegeben sind, stehen die Proteste unter dem Motto "papiere für alle!" und beziehen sich bewußt nicht an die Vorschläge zu Bleiberechtsregelungen an, wie sie bei der IMK diskutiert werden.

@papiere für alle

klausi 22.04.2006 - 00:39
Nun ja, "deutlich in die Irre" halte ich nun doch für etwas übertrieben.
Erstens beschreibt die Autor/in die Situation der Geduldeten und spannt den Bogen der dazugehörigen Kampagne etwas größer als nur mit dem Fokus 22.4., denn andere Organisationen machen diese Kampagne schon einige Jahre (Pro Asyl, Flüchtlingsräte, hiergeblieben! etc.).
Außerdem haben die meisten der Demos schon den Fokus darauf, von der IMK ein Bleiberecht für die Geduldeten zu fordern - ob man das jetzt unter dem Label "Papiere für alle" oder "Bleiberecht jetzt" macht, ist dann doch ziemlich Banane, zumal in dem Artikel auf die Seite papiere-fuer-alle.org verwiesen wurde.
Und wenn man das in Göttingen unbedingt "gegen die IMK" nennen muss, geschenkt - ob man damit was bewirkt, steht natürlich auf einem anderen Blatt...


PS: Du weißt auch, dass ein nicht unerheblicher Teil der Geduldeten nur deshalb noch hier ist, weil sie KEINE Papiere haben? (Tschuldigung, konnte ich mir jetzt nicht verkneifen)

Demo Wiesbaden

antirassist 22.04.2006 - 19:16
super demo in wiesbaden, über 500 leute, sehr gute stimmung und klasse rahmenprogramm (reden und musik).
am ende leider ne doofe verzögerung durch die unfähigkeit der bullen.

Theater von hiergeblieben.net

TigiMan 24.04.2006 - 19:34
Pressemitteilung

Am Sonntag, den 07. Mai 2006, um 15 Uhr gibt eine Theatergruppe des GRIPS Theaters (StudentInnen der UdK) im Rahmen der Kampagne Hier geblieben! Für ein Bleiberecht von Kindern, Jugendlichen und deren Familien , in Neuruppin ein Gastspiel im JFZ, Fehrbelliner Straße 135

Noch immer muss die Familie Kutlu um ein endgültiges Bleiberecht in Deutschland bangen. Während wir und die Familie noch Hoffnung haben, wurden und werden gleichzeitig Tag für Tag andere ausländische Mitmenschen unbemerkt in Länder, aus denen sie nicht grundlos geflüchtet sind, abgeschoben.

In Berlin hat sich im Rahmen der Kampagne Hier geblieben! Für ein Bleiberecht von Kindern, Jugendlichen und deren Familien eine Gruppe von Studenten der UdK zusammengefunden, um die Abschiebung von ausländischen MitbürgerInnen in einem Theaterstück zu thematisieren.

Erzählt wird die authentische Geschichte eines Mädchens, das im letzten Jahr aus dem Unterricht geholt und zu ihrer Familie in Abschiebehaft gebracht wurde. Dem Einsatz ihrer Klasse war es zu verdanken, dass die Abschiebung von Tanja und ihrer Mutter bis heute nicht voll-zogen wurde. Die Klasse wurde dafür auch mit dem Mete-Eksi-Preis ausgezeichnet. Tanjas Geschichte steht exemplarisch für die Situation von 200.000 sogenannten "Geduldeten" Flüchtlingen in Deutschland.

Die Gruppe des GRIPS Theaters gibt

am Sonntag, den 07. Mai 2006,
um 15 Uhr
in 16816 Neuruppin
ein Gastspiel im JFZ, Fehrbelliner Straße 135
Eintritt beträgt 2 Euro, 1 Euro Soli für Familie Kutlu!

AktionsGruppe Kutlu bleibt!
Infos unter kutlubleibt.de

Demo am 3. Mai in München

http://carava.net 25.04.2006 - 14:29
Anlässlich der Innenministerkonferenz findet
am 3. Mai in München eine internationale Demonstration für ein dauerhaftes Bleiberecht der geduldeten Flüchtlinge und Migrant/in statt. Am 4. Mai sollen dann auch Aktionen in Garmisch-Partenkirchen (dem Tagungsort) stattfinden.

 http://carava.net/article.php?story=20060324175021105

Aktion in Garmisch-Patenkirchen 4. Mai, 5. Ma

http://carava.net 26.04.2006 - 13:46
Aufruf zum

Spiel für´s Bleiberecht!
und
Demonstration für Bleiberecht und UNO-Kinderrechte

in Garmisch-Partenkirchen am 4. und 5. Mai 2006

4.Mai 2006:

Spiel für´s Bleiberecht!

Die Welt zu Gast bei Freunden?!
FAIR PLAY AUCH IN DER ZUWANDERUNGSPOLITIK!
Aus diesem Grund veranstalten die Jugendlichen ohne Grenzen³ ein
Fußballspiel für´s Bleiberecht. Geladen sind die Innenminister aller
Länder, um mit einem gemeinsamen Team gegen junge Flüchtlinge aus
ganz Deutschland ein Spiel um eine Bleiberechtsregelung auszutragen.
Man darf gespannt sein, ob die Politiker gewillt sind Auge in Auge mit
den Betroffenen zu treten...
Wir laden alle ein, uns durch fußballgerechte Atmosphäre (Tröten,
Trikots und sportliches Outfit) und Energie bei dieser Aktion zu
unterstützen. Vorher ist ein Umzug geplant, der die WM vorzeitig
eröffnen soll und uns zum Austragungsort führt.

Treffpunkt : Donnerstag der 4. Mai 2006, 15. 30 Uhr, Richard Strauss Platz,
Garmisch-Partenkirchen

Im Anschluss an das Spiel wird das Stück Hier geblieben³ des GRIPS
Theaters Berlin aufgeführt.
Jugenherberge von Garmisch-Partenkirchen
Alpiner Studienplatz
Jochstr. 10
82467 Garmisch-Partenkirchen

am 4.5.2006 um 19.30 Uhr

Gäste sind herzlich willkommen - der Eintritt ist frei Spenden für
das Aktionsprogramm aber selbstverständlich erwünscht.


5.Mai 2006

Demonstration für Bleiberecht und UNO-Kinderrechte
in Garmisch-Partenkirchen am 4. und 5. Mai 2006

Die jugen BotschafterInnen von "Jugendliche ohne Grenzen" aus den
einzelnen Bundesländern, demonstrieren am Freitag, 05. Mai 2006 ab
11:30 auf dem Richard Strauss Platz für ein dauerhaftes Bleiberecht
und die vollständige Anerkennung der UNO Kinderrechte.
Mit allen Mitdemonstranten geht es auf zur Innenministerkonferenz wo
um 14:00 das Ergebnis der Beratungen zur Bleiberechtsregelung bekannt
gegeben wird.
Demonstriert mit uns für Bildungsfreiheit, Arbeitsrecht,
Bewegungsfreiheit, UNO-Kinderrechte und Bleiberecht!

Treffpunkt : Freitag der 5. Mai 2006, 11. 30 Uhr, Richard Strauss Platz,
Garmisch-Partenkirchen

Auch im Anschluss an die Demonstration wird das Stück Hier geblieben³
des GRIPS Theaters Berlin aufgeführt.
Jugenherberge von Garmisch-Partenkirchen
Alpiner Studienplatz
Jochstr. 10
82467 Garmisch-Partenkirchen

am 5.5.2006 um 15.00 Uhr

Gäste sind herzlich willkommen - der Eintritt ist frei Spenden für
das Aktionsprogramm aber selbstverständlich erwünscht.
Hintergrund:
Bleiberecht wird wieder Thema auf der nächsten Innenministerkonferenz
am 4./5. Mai 2006 in Garmisch-Partenkirchen
Bundesweit leben fast 200.000 Menschen mit einer Duldung.- Viele
wurden im letzten Jahr abgeschoben und einer ungewissen Zukunft
ausgesetzt.
Auf den letzten beiden Innenministerkonferenzen in Stuttgart und
Karlsruhe wurde die Chance vertan, ein Bleiberecht zu verabschieden
und die Kinderrechte vollständig umzusetzen. Dies ist unter anderem
ein Grund, warum Kinder- und Menschenrechtsverletzungen in der
Bundesrepublik Deutschland leider noch immer alltäglich sind.
Wir fordern hiermit die InnenministerInnen und die Parteien erneut
auf, sich aktiv für eine gerechtere Bundesrepublik einzusetzen und
sowohl auf der Innenministerkonferenz in Garmisch-Partenkirchen am
4./5.06 ein umfassendes Bleiberecht als auch im Bundestag die
vollständige Umsetzung der UNO-Kinderrechte zu beschließen.
Im Fußball spielen Menschen unterschiedlicher Herkunft in einem Team
mit den gleichen Regeln und Rechten zusammen. Warum sollte das nicht
auch außerhalb des Spielfeldes möglich sein?
Die Welt zu Gast bei Freunden" heißt das Motto der WM 2006 in der
Bundesrepublik. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Mit großer
Besorgnis sehen wir, dass das Zuwanderungsgesetz nicht für ein
Zusammenwachsen der gemeinsamen Welt steht, sondern für Abschiebung,
Selektion und eine höhere Mauer um Europa.
Auch in der Bundesrepublik Deutschland wird durch die offizielle
Politik der Parteien in Regierung und Opposition die Spaltung der
Menschen in In- und Ausländer manifestiert, statt grundlegende
politisch machbare Entscheidungen für die Integration und das
Zusammenleben zu treffen. Wir sind der Meinung, dass für die so
genannten "geduldeten" Flüchtlinge umgehend ein Bleiberecht
verabschiedet und dass die UNO - Kinderrechtskonvention endlich ohne
Vorbehalt von Deutschland anerkannt werden muss. Eine
Bleiberechtsregelung sollte keine Personengruppen ausschließen und
auch die Alleinstehenden sowie die Eheleute ohne Kinder erfassen.
Deshalb fordern wir einen sofortigen Abschiebestopp!!! - und
unterstützen den Appell der Kinder und Jugendlichen, der schon an die
Innenministerkonferenzen in Stuttgart und Karlsruhe und den Bundestag
gerichtet wurde:

HIER GEBLIEBEN!

Wir sind Kinder und Jugendliche dieser Welt. Auch wenn wir alle
unterschiedlich sind, leben wir zusammen auf dieser Erde. Deshalb
wollen wir uns gemeinsam für eine bessere Welt für alle Menschen
einsetzen und fangen bei uns zu Hause damit an.

Ihr nennt uns die Zukunft, wir sind aber auch die Gegenwart und deshalb
fordern wir:

Alle Kinder und Jugendliche, die in Deutschland zur Schule oder in den
Kindergarten gehen, die hier leben, hierher geflohen oder hier geboren
sind, sollen weiterhin das Recht erhalten, mit ihren Eltern und
Verwandten in der Bundesrepublik Deutschland zu leben. Ihre Eltern
sollen arbeiten dürfen, um für ihre Kinder sorgen zu können. Die
Kinder sollen später einen Beruf lernen dürfen. Auch ihnen soll
erlaubt sein zu arbeiten, zu reisen und weiterhin hier zu leben.
Kranken, Alten und Hilfsbedürftigen sowie durch Krieg und andere
Ereignisse geschädigten Menschen muss geholfen werden. Auch sie sollen
hier bleiben dürfen! Familien sollen gemeinsam hier leben dürfen.
Die Innenministerkonferenz und der Bundestag sollen für die rund 200
000 nur "geduldeten" Flüchtlinge endlich ein Recht auf Bleiberecht
verabschieden und sich für die vollständige Anerkennung der UNO -
Kinderrechte einsetzen.
Darüber hinaus fordern wir:

Unsere seit dem 23.06.2005 - also seit unserem ersten Appell zur
Innenministerkonferenz in Stuttgart - abgeschobenen Freunde sollen in
ihre Heimat - die Bundesrepublik Deutschland - zurückkehren dürfen!
weitere Informationen unter: www.hier.geblieben.net

Tübingen

g. 27.04.2006 - 14:29
Kundgebung für ein Bleiberecht für langjährig Geduldete in Tübingen am 29.04.06

Mit der Forderung nach der Verabschiedung einer humanen Bleiberechtsregelung auf der Innenministerkonferenz am 4. und 5. Mai in Garmisch veranstalten das Asylzentrum Tübingen, das Asylcafé und Asylpfarramt Reutlingen am Samstag, 29. April, 11 Uhr, eine Kundgebung auf dem Tübinger Holzmarkt. Sprechen werden auf der Kundgebung u. a.: Brigitte Russ-Scherer (Oberbürgermeisterin der Stadt Tübingen), Prälat Claus Maier (Prälat der ev. Landeskirche in Württemberg); Ahmed Güler (lebte im Kirchenasyl in Tübingen), u. a.

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g. 28.04.2006 - 12:41

Bericht Hamburg

g. 28.04.2006 - 12:42

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