Orwell lässt grüßen

Birgit Gärtner 13.04.2006 13:31 Themen: Repression
Fußball-Weltmeisterschaft dient - nicht nur - in Hamburg als Vorwand für umfangreiche Überwachungs- und Sicherheitsmaßnahmen
Überm Dach die Aufklärungsflugzeuge AWACS, vorm Haus die Bundeswehr beim Inlandseinsatz, ringsum Deutschlandfahnen in Schaufenstern und auf Balkonen, dazwischen grölende Fußballfans - dieses Szenario erwartet im Juni Millionen Menschen in den deutschen WM-Städten. Doch während AWACS, Bundeswehr und grölende Fans nach der WM wieder verschwinden - die Fahnen hoffentlich auch - werden einige Dinge dauerhaft erhalten bleiben. In Hamburg werden das u.a. ein eigens für die WM errichtetes Polizeigefängnis sein und die durchgängige Videoüberwachung der Reeperbahn, die am vergangenen Donnerstag begann.
In der Hansestadt werden vier Vorrundenspiele sowie ein Viertelfinalspiel stattfinden, dazu werden mehr als 300.000 Fans aus aller Welt erwartet. Dass Fußballfans nicht nur Gutes im Schilde führen, ist gemeinhin bekannt. Entsprechend umfangreich sind die Vorkehrungen, die seitens der Hamburger Innenbehörde getroffen werden, um auch in dieser Ausnahmesituation Recht und Ordnung durchzusetzen. Hilfreich ist dabei das Polizeigesetz vom Juni 2005, dass es erlaubt, Personen zur Gefahrenabwehr vorübergehend in Gewahrsam zu nehmen. „Vorübergehend“ heißt maximal 14 Tage, statt bisher 24 Stunden - außer Hamburg hat lediglich Bayern ein derart restriktives Polizeirecht. Laut Innensenator Udo Nagel (parteilos) werden die Kosten für die Sicherheit den Etat der Hansestadt mit etwa 8,8 Mio. € belasten.
150 Plätze zur Unterbringung von Personen, von denen „akut potentielle Gefahr ausgeht“, will die Innenbehörde in einem Sammelknast schaffen. Dazu wird die Waschanlage der ehemaligen Polizeidirektion West in der Stresemannstraße für ca. 300.000 € umgebaut, die Höhe der entstehenden Betriebs- und Personalkosten ist nicht bekannt. Die Abgeordnete der Grün-Alternativen-Liste (GAL), Antje Möller, veranlasste das zu einer kleinen Anfrage an den Senat. Sie möchte u.a. wissen, welche Kosten über den Umbau hinaus anfallen und aus welchen Haushaltstiteln diese beglichen werden sollen.
Erst kürzlich hat die Anti-Folter-Kommission des Europäischen Rates Hamburg wegen mangelnder Rechts- und Sicherheitsstandards in den dortigen Knästen gerügt. Möller fragt deswegen nach, ob die Vorgaben der Kommission in Bezug auf Rechtsbeistand, medizinische Versorgung, Besuchsmöglichkeiten, etc. in dem neuen Sammelgefängnis eingehalten werden. Die Abgeordnete interessiert u.a., ob den Gefangenen die Möglichkeit für einen regelmäßigen Aufenthalt im Freien gegeben wird. Diese Frage lässt sich durch einen Blick auf das vorgesehene Areal leicht beantworten: Der Komplex liegt in einem Dichtbebauten Wohn- und Industriegebiet, zwischen einem großen Hotel und einer Tankstelle, direkt an der berühmt, berüchtigten Stresemannstraße, einer der am meisten befahrenen Straßen Nordeuropas mit entsprechenden Schadstoffemissionen. Zwar gibt es einen kleinen gepflasterten Innenhof, doch der ist dem Fuhrpark der Wache vorbehalten.
Außerdem fragt Möller nach, aufgrund welcher Erkenntnisse dieser Sammelknast überhaupt gebaut wird, da es sich um ein Modell handelt, dass z.B. in Berlin wegen mangelnder Auslastung geschlossen worden sei. Die Berliner Behörden setzen auf dezentrales Einbuchten, d.h., sechs kleinere Sammelstellen wurden eingerichtet, die von allen Orten in Berlin in höchstens 15 Minuten erreichbar sind. Berlins Innensenator Erhart Körting (SPD) sieht der WM scheinbar gelassen entgegen. Die Berliner Polizei habe mit Ereignissen wie z.B. dem 1. Mai genügend Erfahrungen gesammelt, erläuterte er gegenüber den Medien.
Das lässt aufhorchen. Richtig, auch in Hamburg geht es im Kern nicht um Fußballfans, sondern um ein „Basisinstrument“ (Möller) der Polizei, missliebige Personen wegzusperren. „Die WM ist nicht der Grund, sondern der Anlass für den Umbau“, bestätigte der Pressesprecher der Innenbehörde Marco Haase gegenüber den Medien. Er unterstrich, dass die Einrichtung auch nach der WM bei Demonstrationen und Großveranstaltungen genutzt werden soll.
Die WM dient der Hamburger Innenbehörde indes nicht nur als Vorwand zur Errichtung des Polizeigefängnisses, sondern auch für die lückelose durchgehende Videoüberwachung der Reeperbahn. Am Donnerstag begann die Testphase: An 12 Standorten sind Videokameras installiert, die mittels Schwenk- und Zoomfunktionen jeden Winkel der Amüsiermeile filmen werden. Das Material wird in der Polizeidirektion gesammelt und vier Wochen lang aufbewahrt. Die Aktion ist die erste Totalüberwachung eines kompletten Straßenzuges in Hamburg. Orwell lässt grüßen. Angeblich können die Kameras zwischen „privat“ und „öffentlich“ unterscheiden. Laut Innenbehörde sollen die Bildschirme in der Zentrale schwarz und die Datenübertragung umgehend gestoppt werden, sobald z.B. ein Wohnzimmerfenster ins Visier gerät. Die offensichtliche bunte Mischung aus Privat- und Geschäftsräumen auf der Reeperbahn lässt daran jedoch starke Zweifel aufkommen.
Als Begründung für diese Maßnahme gab Nagel Kriminalitätsprävention an: Gewalttaten, vor allem im Zusammenhang mit Alkohol- und Drogenkonsum sollen so verhindert werden. Dass dieses Konzept greift, wird von Experten bezweifelt. Der Hamburger Kriminologe Stefan Czerwinski prognostiziert, dass geplante kriminelle Aktivitäten sich dann einfach auf andere Plätze verlagern werden. Affekttaten könnten durch Videokameras sowieso nicht verhindert werden, betont Czerwinski. Für ihn bedeutet Nagels Präventionsmaßnahme eine massive Einschränkung demokratischer Rechte. Die Unschuldsvermutung werde umgekehrt, da Menschen pauschal unter Generalverdacht gestellt würden, monierte er in der taz Hamburg.
Laut Hamburger Polizeigesetz besteht die Möglichkeit visueller Überwachung von Orten "soweit an diesen Orten wiederholt Straftaten begangen worden sind und Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass dort auch künftig mit der Begehung von Straftaten zu rechnen ist". Damit kann im Prinzip alles als ein gefährlicher Ort definiert werden und der Verdacht drängt sich auf, dass „die sündigste Meile der Welt“ nicht von ungefähr als Testobjekt ausgesucht wurde. Die Kameras suggerieren den Eindruck, dass es sich um einen gefährlichen Ort handeln muss, sonst bräuchte er nicht überwacht zu werden. So lässt sich das Gefühl der Unsicherheit medial schüren und das vermeintliche Allheilmittel propagieren: Der starke Staat mit seinen Videokameras und Verwahranstalten, in denen Störenfriede umgehend weggesperrt werden.

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Ergänzungen

und die anderen bundesländer?

tschortsch 13.04.2006 - 14:03
Sehr guter Artikel, erstmal danke hierführ.

Hat irgendjemand Informationen über die Situation in den anderen Bundesländern?

Ergänzung

Plaza de Orwell 13.04.2006 - 14:58
Hamburger Anlage hat 620.000 Euro gekostet, aber schon 5 Straftaten seit der Inbetriebnahme nicht erfasst:

 http://www.abendblatt.de/daten/2006/04/05/550296.html

Sinn sei vor allem "Prävention" (im Klartext: "Oh, eine Kamera? Dann benehme ich mich lieber mal unauffällig-konform, hier auf der Reeperbahn, oder geh woanders hin.")

jetzt auch an Schulen?

 http://www.abendblatt.de/daten/2006/04/13/553152.html

Hamburger Datenschützer: Gläserner Mensch längst Realität

 http://www.welt.de/data/2006/04/12/873314.html

Währenddessen ist die Offenlegungspflicht für Nebeneinkünfte bei Politikern wie Merz weiterhin offen: Merz klagt dagegen, er will lieber nicht, dass man so viel über ihn weiss. Er ist übrigens - Überraschung - in der Videoüberwachungspartei CDU.

 http://zeus.zeit.de/hb/1136901.xml

Die persönlichen Daten werden nicht mehr geschützt. Sogar unsere Bundeskanzlerin wurde aus Versehen ausgespäht:

 http://www.heise.de/newsticker/meldung/71316

Immerhin reagierte man hier schnell. Bei Otto-Normalverbraucher kann es eher passieren, dass plötzlich - wie in England geschehen - private Aufnahmen im Internet landen, weil sich die Kamerabediener, die ja hinter jeder Kamera sitzen, langweilten, einen Jux machen wollten, etwas dazu verdienen wollten...

Dafür werden andererseits immer häufiger Blogger abgemahnt, die angeblich Interna von Firmen ausplaudern, letztens sogar von Transparency International, der Anti-Korruptions-NGO:

 http://www.technorati.com/search/transparency%20bloggerin

verschärfte kontrollen in münchen

ich hasse fussball 13.04.2006 - 15:07
in münchen ist eine offensichtliche zunahme von polizeikontrollen und ordnungsdienst-wichtigtuerei zu vermelden. nach gewohnt bayrischer art sind davon vor allem "nicht-deutsch"-ausehende menschen betroffen. an bereichen wie haupt- und ostbahnhof kann es so schon mal passieren, dass man in sichtweite von zwei polizei-streifen nacheinander kontrolliert wird. die mehrheitsbevölkerung scheint sich nach erfolgreicher verhetzung (terrorismus, hooligans und ähnliche märchen) keinen anstoss daran zu nehmen. wenn der bayrische innenminister beckstein dann seine massnahmen mit dem von ihm verstärkten subjektiven "bedrohungsgefühl" der bevölkerung argumentiert, dann sollte herr beckstein sich überlegen, ob es nicht andere möglichkeiten gibt, diesem "subjektiven bedrohungsgefühl" entgegenzuarbeiten - so könnte herr beckstein den verschreckten bayrischen bürgern einfach entegenhalten: "hört auf zu spinnen, euch tut keiner was!".

Verfassungsschutz für WM gerüstet

Allegemeine Zeitung 13.04.2006 - 15:54
Bei der Fußball-Weltmeisterschaft will der rheinland-pfälzische Verfassungsschutz den Spielort Kaiserslautern intensiv beobachten. Bislang sei der Verfassungsschutz mit etwa zehn Mitarbeitern im Großraum Kaiserslautern vertreten, sagte Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) gestern in Mainz. Während der WM vom 9. Juni bis 9. Juli werde diese Zahl deutlich verstärkt. In Technik wie beispielsweise mobile Videokameras in dieser Region investierte der Verfassungsschutz mehrere 100 000 Euro. Zudem habe die Sicherheitsbehörde verdeckt einige Privatwohnungen angemietet. ....
 http://www.allgemeine-zeitung.de/rhein-main/objekt.php3?artikel_id=2347454

WM-Testfeld Kreuzberg am 1. Mai

muss nicht ausgefüllt werden 13.04.2006 - 17:29
Bereits am 9. Mai 05 meinte die Berliner SPD-Abgeordnete Frau Silke Fischer, daß die Berliner Polizei - auch im Hinblick auf die Fußballweltmeisterschaft 2006 - Vorbildfunktion übernehme. Die am 30. April 05 in der Einsatzzentrale anwesenden Polizisten aus anderen europäischen Ländern hat einen Eindruck in Präventionsarbeit und ineinanderübergreifende Polizeistrategie erhalten.

Zitat: "Frau Abg. Fischer (SPD) meint, die vor zwei Jahren vom rot-roten Senat initiierte Polizeistrategie habe nun Erfolg gezeigt. Polizei und gesellschaftliche Gruppen hätten schon präventiv gute Arbeit geleistet. Die Zu-sammenarbeit werde von Jahr zu Jahr besser, das „MyFest“ immer erfolgreicher. Das Vertrauen der Bevöl-kerung in die Polizei werde größer. Für einen erfolgreichen 30. April bzw. 1. Mai sei aber immer auch ein Quäntchen Glück notwendig. Die von der Polizei verfolgte Strategie habe aber nicht zum Konzept der CDU gehört.
Am 30. April habe sie in der Einsatzzentrale Polizeien aus anderen europäischen und Bundesländern vorge-funden, die von den Konzepten und Strategien der Berliner Polizei sehr beeindruckt gewesen seien. Die Ber-liner Polizei scheine – auch im Hinblick auf die Fußballweltmeisterschaft 2006 – Vorbildfunktion zu übernehmen."
(Protokoll des Ausschuss für Inneres, Sicherheit und Ordnung, 9. Mai 2005)

Hintergründe zur Aufstandsbekämpfungsmethode a la "Myfest" - der 1. Mai in Berlin-Kreuzberg als WM-Testfeld:  http://de.indymedia.org/2006/04/144067.shtml

Alle Seiten beleuchten

. 13.04.2006 - 17:47
Moin moin

Ich persönlich fande, der Artikel wurde sehr gut geschrieben. Endlich mal ein sachlier Artikel. O. k. , das mit dem Copyright war nicht so klug, aber darüber kann man mal hinwegsehen.

Um es gleich zu sagen und um Spekulationen vorzubeugen: Ich bin Polizeibeamter in hamburg, auf einem Kommissariat unweit der Reeperbahn.

Auch ich verfolge die Medien mit großem Interesse, besonders beim Thema Videoüberwachung. Selbstverstädnlich wird im Kollegenkreis auch darüber diskutiert und debatiert.

Ich persönlich halte die gesamte Videoüberwachung aus meiner Sicht ebenso für überflüssig, wie es auch andere tun. Und mit dieser meinung stehe ich im Kollegenkreis nicht allein da.

welchen Sinn sollen die Aufnahmen bringen? Selbst wenn eine Strafat am Bildschirm erkannt wird, dauert es immerhin noch eine gewisse zeit, bis Polizeikräfte am Einsort ankommen. Und da es auf der Reeperbahn zur WM nicht gerade leer sein wird, wird es auch nicht die Quote der Festnahme erhöhen. Und bei Landesfremden Gewalt- und Straftätern wird die erkennung auch nicht leicht sein, zumal wenn die Personen bereits ausgereist sind.

Damit will ich aufzeigen, dass die Kameras auch im Kreise der Polizeibeamten kritisch gesehen werden und auch der Aspekt der Mehrarbeit, einer muss sich ja permanent die Bilder anschauen, beleuchtet werden muss.

Es ist richtig, das in der Stresemannstraße eine Gefangenensammelstelle errichtet wird. Bis zur fertigstellung werden Gewahrsamnahmen quer durch das Hamburger Stadtgebiet auf die einzelenen Kommissariate verteilt. Ducrh die neue Sammelstelle ist es möglich, Störer zentral ind Innenstadtnähe unterzubringen. Dieses brint Vorteile für beide Seiten. Auch wenn man es kritisch sieht, aber es ist nicht auszuschließen, dass es zur WM eine Menge Menschen gibt, die nicht der Fußball interessiert, sondern das, was drumherum geschieht. Und um es friedlich zu halten, ist es manchmal notwendig, Personen für einen gewissen Zeitraum in Gewahrsam zu nehmen.

Laut SOG ist es möglich, eine Person bis zu zwei Wochen im Gewahrsam zu behalten. Dieses wird der absolute Ausnahmefall bleiben, da es organisatorisch gar nicht möglich ist. Interne Polizeistrukturen lassen es, gerade zur WM, überhaupt nicht zu, eine Person über einen so langen Zeitraum die Freiheit zu entziehen.

ich rechne damit, dass dieser Artikel wieder in den "unteren" Bereich verschwindet, aber damit kann ich gut leben. Ich würde mich freuen, wenn es gelingen würde, sachlich den einen oder anderen Punkt zu diskutieren, ohne dabei beleidigend zu werden.

Gruß

MW

erst wird der knast zur wm genutzt und dann

alois sonnleitner 13.04.2006 - 18:09
... und dann wird er für den G8 2007 sicher gleich weitergenutzt. Schließlich hat der VS HH die Überwachungshoheit im Vorfeld des G8 übernommen (und auch bei der Polizeikoordination wird die Polizeiführung - seien wir realistisch - nur pro forma bei M-V liegen und an HH und die Bundespolizei übergehen).

Vielleicht sollte zu dem Knast (dessen Kosten ja nicht unerheblich sind) mal ein größeres Bündnis in HH zusammengebracht werden, sprich Pauli-Fans, Anti-G8, Rechthilfe-Gruppen und Rote Hilfe HH, Friedensbewegung, Sozialabbaubündnis und Gewerkschaften, Antifa-Bewegung und Flüchtlingssoli.

kein Knast!!!

PH 13.04.2006 - 18:26
Hallo!!!!!!

das ist kein Knast, sondern lediglich eine Gefangenensammelstelle!

Da liegt ein großer Unterschied!!!!

Gruß

MW

Datensammelwut und nix davon ...

St. Pauli-Fan 13.04.2006 - 23:07
Nun ist es ja nicht so, dass die Exekutivorgane in Hamburg nicht auch so schon Daten, Fotos und Filmchen sammeln bzw. sie zumindest vorrübergehend herstellen.

Die Gewalteskalation, Begehung von Straftaten (Sieg Heilen, Beleidigungen und Herabwürdigungen) und Zündung eines Störfeuers und damit Gefährdung von Menschen während des Fußballspiels FC St. Pauli gegen den Chemnitzer SV, hat die ganze Zeit ein Herr in Grün von der Anzeigentafel herunter gefilmt, im Internet sowie in der Presse gab es ebenfalls reichlich Bild- und Filmmaterial. Also Beweissicherung ist erfolgt, nur wem nützt so etwas, wenn die Straftaten dann nicht auch verfolgt werden. Bei besagtem Spiel standen die Herren in Grün dem siegheilenden Mob aus Chemnitz und Umgebung direkt gegenüber, keine Festnahmen. Das nennt man glaube ich Strafvereitelung im Amt!

Neben dem Umstand, dass das Abfilmen von Straftaten noch lange nicht dazu führt, dass diese dann auch verfolgt geschweige denn erfolgreich bearbeitet werden, bleibt festzuhalten, dass Freizügigkeit so bald ein Moment von Freiheit aus der Vergangenheit zu drohen wird.

Dass der Beamte hier im Forum das Abfilmen der Reeperbahn falsch findet glaube ich ihm. Ich habe schon häuffig Exekutivisten getroffen, die mit den Ansagen ihrer Gruppenleiter oder wie die sich schimpfen absolut nicht einverstanden sind. Ein Problem bleibt dabei zumindest, sie machen dann trotzdem dass, was sie ablehnen, oder?

@MW

Plaza de Orwell 14.04.2006 - 00:11
Interessant, auch mal die Sicht zu hören. Ich glaube, es geht viel mehr um das Symbol, als um den tatsächlichen Nutzen. Wenn schon gesagt wird, dass die Anlage für "Prävention" da ist, dann heisst das doch ganz klar, dass dieses diffuse, leicht unangenehme oder verunsichernde Gefühl "Ich werde beobachtet" das Ziel ist. Das man aber eigentlich nur als Hamburger oder mehr noch St. Paulianer hat, weil man sonst ja garnicht von den Kameras weiß.

Und es geht eben nicht um eine verbesserte Aufklärung, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Prävention ist in diesem Fall die Erzeugung von möglichst angepassten Verhalten. Das heisst, genau, exakt das, was von Datenschützern etc. kritisiert wird. Statt Ursachen werden mal wieder Symptome bekämpft. Und der Atmosphäre der Reeperbahn könnte das am Ende sogar noch ganz den Garaus machen, dieses Überwachungsgefühl. Wer will als Tourist oder Hamburger schon in den ganzen Sexshops einkaufen, zu den Prostituierten gehen, wenn er noch extra darauf hingewiesen wird, dass hier jeder ständig auf Schritt und Tritt beobachtet wird. Prominente wohl sicher schon mal nicht mehr.

Dem sicherheitsliebenden Normalbürger kann man das alles aber super verkaufen, und steht als toller durchgreifender Sicherheitspolitiker da. Denn "Beobachten" klingt ja zunächst mal gut, plausibel und erfolgversprechend, und wer setzt sich schon genauer damit auseinander, ob das denn so überhaupt auch funktioniert, und was für Nebeneffekte es noch hat. Es scheint auch nur sehr wenige öffentliche Statistiken oder Studien über nachweislichen Erfolg von Videoüberwachung zu geben.

Hier noch ein Telepolis-Artikel von vielen zum Thema:
 http://www.heise.de/tp/r4/html/result.xhtml?url=/tp/r4/artikel/16/16542/1.html&words=Video%FCberwachung%20Verhalten

Baden-Württemberg /Stuttgart

Stuttgarter 14.04.2006 - 03:20
Hi aus Stuttgart,

in Stuttgart wird pünktlich zur WM die eh schon vorhandene Streife durch Polizei und private Sicherheitsdienste (U-Bahn/S-Bahn Haltestellen) in der Innenstadt massiv aufgestockt, für Überstunden durch die Polizei sind fast 1 Mio Euro eingeplant.
Die Bundespolizei fährt sowieso schon in der Stadt Streife.
Die Verkehrsüberwachung per Kamera an den großen Kreuzungen (allein schon gut 10 Kameras, z. Zt. sind 6 Kameras zur Überwachung des Verkehrs aktiv) werden nun auch genutzt um Fans zu überwachen, d.h. der zulässige Schwenkbereich der Kameras wird einfach erweitert.

In der Gegend um den Rotebühlplatz/obere Königstraße werden die Kameras aus der Aktion von 2002/2003, die im Übrigen nie wirklich alle weg waren, wieder voll aufgebaut werden.
Am Stadion selbst sollen gut 30 Kameras für Sicherheit sorgen.

Ebenso sind die derzeit gut 40 neuen U-Bahn wagen der SSB mit Kameras ausgerüstet und im Einsatz, die 160 andern Wagen werden wohl noch nachgerüstet werden.

Der Bahnhof ist sowieso seit geraumer Zeit vollständig überwacht. Der Flughafen sowieso. Sowie der innenraum als auch der Vorplatz. Hier stehen jeweils "mehrere hundert Kameras", d.h. es werden auch die Gleisanlagen und die Umgebung des Flughafens überwacht werden.

Dazu will die Polizei wieder ihre mobilen Kameras einsetzen, d.h. die werden wieder von Dächern runter die Fußgängerzone udn sonstige Ballungsbereiche überwachen und auch bei ihren EInsatzkräften Kameras mitführen.

Alles in allem sind da wohl viele hundert Kameras im Einsatz in Stuttgart, der Weg vom Hauptbahnhof oder Flughafen. Die Bilder werden wohl wie bisher auch 36 Stunden aufbewahrt und dann überspielt und nur bei Bedarf langfristig gespeichert, z.B. für Ermittlungen der Polizei.
Es wird in Stuttgart kaum möglich sein sich ohne permanente Kameraüberwachung in der Innenstadt zu bewegen.

Die Innenstadt wird während der Spiele wohl teilweise für den Verkehr gesperrt werden (z.B. Bereich um den Palast der Republik/Theodor Heus-Str). Im Bereich des Schlossplatzes/mittlere Königstraße wird es einen geschlossenen Bereich geben, der nur nach polizeilicher Durchsuchung betreten werden darf, hier steht dann auch eine Großbildleinwand.

Eine ähnliche Sperrzone rund ums Stadion wird wohl auch eingerichtet werden.

In diesen Zonen haben "Randgruppenpersonen" wohl nicht so ohne weiteres zutritt, d.h. Obdachlose, Punks, usw. werden u. Umständen nicht reingelassen. Fremdbier ist da auch nicht erwünscht. U. Umständen kann auch ein falsches T-Shirt (d.h. mit dem falschen Sponsor drauf) zum kleinen Problem werden.

[Quelle für die Angaben: diverse Ausgaben der "Stuttgarte Nachrichten" von 2002 bis 2006]

Was den Platz für irgendwelche Verhaftete angeht:
In den Kellern der Hahnemann-Kaserne am Pragsattel (Polizeipräsidium) gibts nicht nur 8 größere Ausnüchterungsräume in die man je gut 10 Mann stecken kann, im Stockwerk drüber hats sogar einen richtigen Gefängnistrakt mit mehreren Zellen, in dem man durchaus mal 300 Leute und mehr für ein par Stunden festhalten kann, fein sauber getrennt nach Männlein und Weiblein, erwachsen und jugendlich.

Und es gibt noch andere Zellen in den mehr als 10 Stuttgarter Polizei-Revieren und direkt im Knast in Stammheim (5 Fahrminuten mit Blaulicht aus der Innenstadt) gibts die Möglichkeit auch noch mal einige hundert Leute festzusetzen.

Um es mit anderen Worten zu sagen:
Die Stadt Stuttgart ist bei Orwell schon lange angekommen.

Vorratsdatenspeicherung ab heute in Kraft

auf den Weg in den Faschismus 14.04.2006 - 12:28
EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung ist heute im Amtsblatt veröffentlicht worden und damit in Kraft. Jetzt müssen die Länder das alle umsetzen.
 http://europa.eu.int/eur-lex/lex/JOHtml.do?uri=OJ:L:2006:105:SOM:DE:HTML

Mehr Infos zur WM

no-wm 14.04.2006 - 19:54
gibt`s unter www.anti-wm.blog.com

Videoüberwachung & Polizei

anticop&antisurveillance 14.04.2006 - 20:30
es ist völlig klar, dass nicht die gesamte polizei so scharf auf die kameraüberwachung ist - bedeutet es doch, dass weniger bullen auf der strasse sein werden (stellenabbau) und mehr expertInnen/informatikerInnen etc hinter den kameras (nochmal stellenabbau). das sind andere leute, andere ausbildungen und von daher fürchtet sich der normalbulle eher vor der einführung von videoüberwachung. das betrifft natürlich nicht die bei demos übliche direktkameraüberwachung, wo es um die "beweissicherung" geht.

Orwellsche Sprache

Einen Hamburger, bitte... 21.06.2006 - 01:36
[quote]
kein Knast!!!
PH 13.04.2006 17:26

Hallo!!!!!!

das ist kein Knast, sondern lediglich eine Gefangenensammelstelle!

Da liegt ein großer Unterschied!!!!

Gruß

MW
[/quote]

Wenn deine Angaben korrekt sind find ich dich echt cool, aber dass du immernoch auf diese Euphemismen reinfaellst... *kopfschuettel*

Immer gleich Hitlervergleich ist zwar doof, aber die hatten damals auch keine Arbeits- und Vergasungslager, sondern bloss Konzentrations(=Sammel-)lager.

Bei einer Betrachtung kommt es natuerlich immer auf den Standpunkt an... *leier*

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 10 Kommentare

WM ist der Vorwand und G8 der Grund

--- 13.04.2006 - 14:02
.. wie allgemein die veränderte Einstellung zum Thema "Rechtsstaat".

zum copyright

me 13.04.2006 - 16:29
dein text unterliegt mitnichten dem copyrightschutz, es sei denn du hast diesen artikel schützen lassen und davon gehe ich nicht aus.
als autorin hast du das urheberrecht an dem artikel und den bildern(sollten sie von dir gemacht sein), das ist etwas anderes.
Grundsätzlcih gilt aber: je mehr sich texte aud die vollständige und exakte wiedergabe von tatsachen beschränken, umso eher scheidet urheberrecht aus. also bleibt, mit dem anspruch einen nachrichtentext geschrieben zu haben nur noch das urheberrecht an den fotos(solltest du sie selber gemacht haben.

.

. 13.04.2006 - 17:56
Ich glaube nicht, dass es einen bullen gibt, der die kameres nicht mag. da sind doch alle bullen gleich!!!!!

hallo . .

PHH 13.04.2006 - 17:59
Hallo du mit den zwei Punkten in Name und Ergänzung. Es gibt eine ganze Reihe von Kollegen von mir, die die Kameres und andere Überwachung nicht mögen. Nur leider hört man von denen nicht sehr viel. ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass man uch in diesem Forum immer gleich beledeidigt wird. Und das finde ich schade.

Gruß

MW

Lager?

PHH 13.04.2006 - 18:04
Was für ein Quatsch. Es wird kein Lager werden, sondern eine Sammelstelle für Ingewahrsamnahmen. Und das auch nur für einen kruzen Zeitraum!

knast?

undeutscher 13.04.2006 - 18:28
Tach auch an alle

Auch wenn ich ein linker bin, sollten wir bei den richtigen Ausdrücken bleiben. Ein Knast ist ein Gefängnis für verurteilte und hier bleibt man ohne verurteilung nur sehr kurze zeit. ich finde, das ist schon ein unterschied.

ACAB

endlich

PHH 13.04.2006 - 18:30
Endlich hat einer mal erkannt, dass man mit Begrifflichkeiten sorgsam umgehen muss.

Danke undeutscher!

Gruß

MW

Schon mal über für 2007

. 13.04.2006 - 20:09
Ich frage mich, wo zur WM eigentlich die Gefahr für den ganzen Überwachungsstaatsausbau herkommen soll. Es sieht viel mehr so aus, als ob man schon für den G8 2007 in Heiligendamm übt.

Ffm: Für Störer gibt es 60 "Gewahrsamsplätze"

Frankfurter Rundschau 13.04.2006 - 20:14
... Für die festgenommenen Störer gibt es 60 "Gewahrsamsplätze" im Bauch der Gegentribüne - mit Fahrstühlen in die Tiefgarage, von der ein Tunnel zu den Transportfahrzeugen führt. ...

 http://www.fr-aktuell.de/ressorts/frankfurt_und_hessen/fussball_wm_in_frankfurt/?cnt=837673

polizeigefängnis hin

gefangenensammelstelle her 13.04.2006 - 23:58
hallo mw.
dies ist kein diskussionsforum.
deine beiträge sind bei deinen kollegen und vorgesetzten sehr viel lieber gesehen.