Rütli-Schule, Globalisierung & Klassenkampf

AutorIn des Beitrags 31.03.2006 01:06
In Berlin wird jetzt die erste Schule mit Polizeischutz ausgerüstet. Das Lehrerkollektiv der Schule kritisiert die Schüler im Problemkiez Neu-Kölln doch Kritik am Staat und der Umverteilung - von unten nach oben - unterbleibt. Die Opfer der Globalisierer und Hartz 4 werden schon als Schulkinder im Klassenzimmer von feigen Lehrern und gelenkter Journaile zu Tätern gestempelt.
Die Politiker rufen nach Polizeischutz - im Klassenkampf!
Im Berliner Problemviertel Neu-Kölln wohnen arbeitslose Wessis, Ossis und Ausländer Tür an Tür. Miese Wohnungen, überhöhte Mieten und Heizkosten, Hungerlöhne und ALG II, Schikanen auf den Ausländerämtern und durch die Polizei sind eine ganz alltägliche Erfahrung der Bewohner von Neu-Kölln. Massenarbeitslosigkeit und prekäre Lebens- und Einkommensverhältnisse sind die Erfahrungen der Eltern wie der dort aufwachsenden Kinder.

Während die Journaile heute mttteilte, der ehemalige SPD-Kanzler Gerhard Schröder (Besitzer einer Anwaltskanzlei in Hannover) würde zu seinen diversen internationalen Nebeneinkommen und staatlichen Renten auch noch ca. 250.000 Euro - pro Jahr - vom russischen Gaskonzern Gasprom bekommen, teilte sie gleichzeitig mit, die Lehrer der Rüttli-Schule in Berlin / Neu-Kölln verlangten vom Senat geschlossen die Schließung ihrer Schule - und die Schüler seien schuld. Sie würden die Schule unregierbar machen.

Die staatlichen Akademiker-Pädagogen kritisieren nicht etwa, das viele Kinder hungrig in die Schule kommen, was bei ALG II fast zwangsläufig der Fall ist, kritisieren nicht etwa die überfüllten Klassen, die mißglückte Rechtsschreibreform, nicht das reaktionäre 3-Klassen-Schulsystem, nicht die Massenarbeitslosigkeit und die Hungerlöhne - sie kritisieren die Schüler.
Die beamteten und angestellten Lehrer der Rüttli-Schule kritisieren sich ihre Dienstherren vom Senat, nicht die herrschenden besserverdienenden Politiker aus PDS, SPD, GRÜNEN, FDP und CDU, die Milliardengeschenke an Besserverdienende, Reiche und Unternehmer aus den öffentlichen Kassen abnicken, während sich die Kinder der Armen und Arbeitslosen in Suppenküchen und christlichen Tafeln ernähren müssen, sie kritisieren nicht den Party-Oberbürgermeister Wowereit und die Gier der Reichen in berlin der BRD und der Welt - sie kritisieren die Kinder, die in diese Welt hineinwachsen.

Die Feigheit der besserverdienenden Lehrer der Berliner Rüttli-Schule, die Angst haben, ihre popelige kleine Dreckskarriere oder ihre Halbtagsstelle durch Kritik an den Mächtigen der Stadt zu gefährden, und dadurch selbst zu den ca. 20 Prozent zu gehören, die in Berlin arbeitslos und ohne Perspektive sind, ist dafür verantwortlich, das die Opfer zu Tätern und die verantwortlichen Täter zu Rettern und Beschützern umdeklariert werden können. Obwohl die Pädagogen die Problem der jungen Leute und ihrer Eltern kennen, verschweigen sie die Ursachen, um sich selbst nicht zu gefähren.
Eine korrupte und feige Journaile als Sprachrohr der Mächtigen hilft ihnen dabei.

Während Wowereit und sein SPD/PDS-Regime Milliarden im Berliner Bankenskandal um die bankrotte Berliner Bankgesellschaft AG den Fonds-Eigentümern hinterherschiebt, Milliarden in immer neuen Investitionsruinen verpulvert, ist für für die Ernährung der Berliner Kinder und ihrer Eltern nicht genug Geld da.
Der SPD/Genosse der Bosse Wowereit und seine Mitgenossen und bestverdienenden Mittäter von der PDS rufen lieber die Polizei.

Jetzt soll die Berliner Polizei die Rüttli-Schule unter Polizeischutz stellen. Die Kinder werden zum Gefahrenherd. Die Schule wird zum Hochsicherheitstrakt für Ausländer, Arme und Arbeitslose. Die herrschende Klasse hat offenbar nur noch Geld in den öffentlichen Kassen für die eigenen Leibwächter und für die Polizeibewachung der Kinder übrig.
Der Polizeistaat marschiert heute in die erste Schule ein, aber in ein paar Jahren werden vermutlich Bundeswehreinheiten und Anti-Terror-Einheiten aus Afghanistan nach Neu-Kölln an die Rüttli-Schule verlegt werden müssen, um mit dem Gewehr in der Hand "Wiederaufbauarbeit" zu leisten.

Die Berliner Linie mit der Agenda Sozialabbau, Umverteilung und Polizeistaat hat ein weiteres Mal an der Schraube im Klassenkampf gedreht. Hauptsache der Ex-Kanzler Schröder (SPD), der regierende Bürgermeister Wowereit (SPD) & Co sitzen im Fette.
Für den Rest gibt's Polizeistaat!
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Ergänzungen

"Schweinefleischfresser"

Pepe Nietnagel 31.03.2006 - 09:31
>an der betroffenen schule sid laut angaben über 75 % der schüler nicht deutsch !!!!!!!

Im Kontext dieser Zahlenangabe findet sich in der Presse kolportiert, das die verbleibenden 'deutschen SchuelerInnen' den Slang 'tuerkischer' oder 'arabischer' Kinder nachahmen, um nicht aufzufallen. Tatsaechlich wird doch ueber Staatsangehoerigkeit gar nicht mehr geredet, sondern in bester NPD-Manier ueber die Bedrohung imaginierter 'ethnischer Deutscher' ("Schweinefleischfresser"). Inzwischen kann mensch sich ausmahlen, dass diese Schule heute vermutlich von weit unangenehmeren Sensationsjournalisten umlagert wird, die Jugendliche animieren, als Gangsta zu posen... SchuelerInnen werden mit ueberwiegend erfundenen Abziehereien prahlen sowie mit Geschichtchen ueber Messer und Knarren - und dabei verschweigen, dass sie gerade mal aufgehoert haben, mit der Zuendplaettchenpistole zu spielen. Die SchuelerInnen werden doch fuer ein typisches Abwicklungsszenario instrumentalisiert, dass sich bereits Ansatzweise auf die Schulform Hauptschule ausdehnt - diese ist selbstverstaendlich zu kritisieren, aber der sozial-pathologisierende Argumentationskontext laesst bereits befuerchten, in welche Richtung es geht.
Laengst begriffen haben das wahrscheinlich die SchuelerInnen, da sie es nun sein werden, die mit ihrem vorgeblich schlechten Ruf zur Begruendung herhalten muessen, warum es weder Praktikumsplatz geschweige den Lehrstelle gibt.

migrantenanteil kann problematisch werden...

Tom! 31.03.2006 - 13:54
Aber nicht "weil das halt Migranten sind", das wäre eine dumpfe schwarzweis-malerei.

Fakt ist leider an vielen Schulen (und ich sprech da aus der Erfahrung als Refrendar), dass immer dann, wenn eine ausreichend große "kritische Masse" zusammenkommt eine Art Bandenbildung innerhalb der eigenen Kulturen zustande kommt, d.h. die Migranten bleiben dann zunehmend unter sich und sozialisieren nicht mehr im Klassenverband. Darunter leidet dann auch die sprachliche Qualifikation und damit auch die Schulische. Viele sind in der Hauptschule gelandet, weil sie nicht wirklich deutsch können. Da wird dann selbst eine einfache Matheaufgabe unlösbar. Auch wenn die Kids eigentlich ein Gymnasium besuchen könnten.

Nun ist es eben leider auch noch so, dass in vielen Migrantenfamlien aus dem türkisch-arabischen Kulturkreis noch immer ein ziemlich heftiger Nationalismus und oft auch ein extremer Patriarchismus vorherrscht.
D.h. die verschiedenen Nationalitäten grenzen sich dann sehr stark voneinander ab, an einer Berufsschule mit angeschlossener Hauptschule war das z.B. vor allem zwischen den "Russen" und den "Türken" der Fall, wobei vor allem die türkische Mehrheit der etwa 13 bis 18 Jährigen schon ein ziemliches "Macho-Gehabe" an den Tag legte; Mädchen (egal welcher Nationalität) wurden da teilweise heftigst belästigt, es kam sehr oft zu ziemlich brutalen Schlägereien ein wenig abseits des Schulgeländes, in einem Fall wurde sogar eine Gaspistole (allerdings nicht auf dem Schulgelände) eingesetzt, um auf eine verbale Attacke zu antworten.

Das blöde ist eben, dass in vielen "Kulturkreisen" und soziotypischen Subkulturen das Anwenden von körperlicher Gewalt absolut kein Tabu, sondern eher ein Zeichen von Stärke ist. Die Kinder übernehmen dieses Schema dann von ihren Eltern und legen sich damit ihr eigenes Weltbild zurecht.
Und das schließt insbesonder auch Gewalt von Frauen/Mädchen gegen Frauen/Mädchen und Männer mit ein. Insbesondere unter den Migrantinnen an einer Schule in Frankfurt/M. waren die Mädels weitaus brutaler und gewalttätiger. Während es bei den 12 bis 16-Jährigen Jungen vor allem darum ging verbal den großen Macker zu markieren und eine Schlägerei innerhalb der Schule zu 90% nach wenigen Sekunden meist wieder unblutig vorbei war, brachten es die Mädels recht häufig fertig eine Mitschülerin regelrecht ins Krankenhaus zu prügeln. Da wurde dann auch schonmal mit einem Stuhl auf einen Mitschüler eingeschlagen, weil der den Bruder eine Schülerin beleidigt hat und sowas.

Eine Erwähnung des Migrantenanteils von 75% (diverse Zeitungen sprechen sogar von über 80%) kann ich daher schon als ein Mit-Grund für die Problematik sehen. Allerdins nicht als den Einzigen.
Der Hauptgrund dürfte vor allem daran liegen, dass die Kids in fast allen Fällen weder ein Vorbild noch eine wirkliche Ahnung von Ethik haben und in den allermeisten Fällen zwar eine sehr strenge Hand des Vaters und eine religiöse Erziehung kennengelernt haben, in Sachen Sozialkompetenz aber gandenlose Defizite haben.

Toleranz, Solidarität, Freiheit, Gleichberechtigung, Selbstachtung usw., all das müsste man ihnen in der Schule eigentlich erstmal beibringen statt ihnen von Anfang an einzutrichtern, dass sie eh keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben, dass sie der "Leitkultur" folgen müssen, etc.

Sowas sieht nur der Lerhplan nicht vor. Der sieht vor, dass du perfektes Deutsch können müsstest um einen guten Abschluss zu machen. Und dass du selbst mit einem Hauptschulabschluss noch massive Defizite in vielen Fächern hast, weil du z.B. in Mathe teilweise nicht mal richtig Bruchrechnen und Verhältnisse bestimmen kannst, von einfacher Trigonometrie ganz zu schweigen. (Und das sind Dinge, die du in fast jedem Industriellen oder Handwerklichen Beruf können solltest...)

Integration durch Anpassung?

Kerstin 31.03.2006 - 14:36
"In Zeiten der allgemeinen Wirtschaftskrise werden von den Regierenden ja stets die Opfer der Krise zu Tätern erklärt, wer wegen des Geizes der Bourgeoisie und der bourgeoisen Korruption keine Arbeit und kein Einkommen hat, wird als faul, asozial und schmarotzerhaft bezeichnet. In den Anfängen der Krisen sind stets die Angehörigen von wie auch immer, meist jedoch von der Mehrheitsgesellschaft so definierten Minderheiten die Opfer des Kapitalismus.

Die Mehrheit spürt, dass die Zeiten schlechter werden, jeder versucht sein Schärflein in Trockene zu bringen und bittet inbrünstig im Stoßgebet: "Heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd' andre an!"

Aus der dem "zivilisierten" Menschen eigenen Feigheit wird nicht der schuldige Kapitalist bestraft, sondern ein Sündenbock gesucht, in der Hoffnung, der Kapitalismus würde wie ein primitiver Gott auf dieses Menschenopfer gnädig reagieren und den Angehörigen der sich selbst so verstehenden Mehrheit vor Armut und Untergang verschonen."

Zitiert aus:  http://www.stattnetz.de/politik/artikel/anpassung.htm

(Eine Arbeit, die sich vorwiegend mit der Geschichte des Völkermordes an den Sinti und Roma beschäftigt)

Neukölln...

JW 31.03.2006 - 16:14
Dieser Beitrag verliert schonmal an Glaubwürdigkeit, da der oder die Autor(in) scheinbar die Realität, die er oder sie so schön beschreibt, gar nicht kennt, sonst würde man den Namen des Bezirks wenigstens richtig schreiben (Neukölln). Fakt ist, daß Neukölln abstürzt, wenn ich hier in die U-Bahn einsteige und in Neukölln wieder rauskomme, fühle ich mich wie in einer anderen Welt. Die Realität an der Rütli-Schule hat nichts mit vermeindlich "besserverdienenden" Politikern zu tun, vielmehr liegen die Gründe viel tiefer. Daß Schüler mit Migrationshintergrund mittlerweile zum Problem werden, liegt nicht an ihrer Herkunft, sondern z.B. an dem Wahnsinn von sog. "Türkenklassen", die es in Westberlin und in der BRD in den 70er und 80er Jahren gab. Diejenigen, die heute mehr "Integration" verlangen und über Fragebögen faseln, richteten damals Schulklassen ein, in denen der gesamte Stoff auf türkisch unterrichtet wurde, die türkischstämmigen Schüler waren isoliert von der deutschen Mehrheit. Kein Wunder, daß die heutigen Eltern in weiten Teilen kaum der deutschen Sprache mächtig sind und sie so auch nicht an die Kinder weitergeben können. Bei den Kindern entsteht natürlich das Gefühl des Ausgestoßenseins, der Perspektivlosigkeit auf dem Arbeitsmarkt usw. Ein neuer Taufelskreis ist das "Ghettospielen". Die Medien berichteten über freimütiges Posieren der Schüler vor den Kameras in all den nach dem Vorbild nordamerikanischer Slums kopierten Posen, die sie aus viva und mtv kennen. Das Problem ist mittlerweile, daß dieses "Ghettospielen" nicht mehr nur für die Kameras stattfindet, sondern 24 Stunden am Tag. So ist es auch kein Wunder, daß regelmäßig Polizisten aus dem berüchtigten Revier an der Rollbergstr. abgeknallt werden, letztes Beispiel vor ein paar Tagen, alle normalen Verhaltensregeln, jegliches Empfinden von Schuld und jegliches Verständnis für den Gegenüber ist hier verlorengegangen.
Es ist doch kein Wunder, daß diese Schüler durchdrehen, sie werden durch das dreigliedrige Schulsystem frühzeitig als Versager und hoffnungslose Fälle abgestempelt, zu Hause warten arbeitslose Eltern, oder die Kinder übernehmen die klassische Familienoberhauptsrolle, da sie oft die einzigen sind, die durch halbwegs vorhandene Sprachkenntnisse Behördengänge usw. bewältigen können.
Wenn hier gegen die Lehrer der Schule gehetzt wird, kann das auch nicht so stehenbleiben. Auch Lehrer haben das Recht, unversehrt den Tag zu überstehen und Lehrer an einer Neuköllner Hauptschule ist wohl einer der härtesten Berufe im Land.
Das Dumme ist nur, daß sich jene Problemschüler durch die Medienberichterstattung nur noch mehr aufgeilen. Sie sehen ihre eigenen Bilder, wie sie vor laufenden Kameras den "Gangster" imitieren. Hier sollte man auch mal ansetzen, wie Schulsenator Böger sagte, muß man diesen Schülern auch klar machen, daß Gewalt, Beleidigungen usw. nicht in den Umgang gehören, ganz egal, wie die sozialen Hintergründe der Schüler aussehen.

Den Brief haste wohl nicht gelesen...

abc-schütze 31.03.2006 - 17:23
"Die staatlichen Akademiker-Pädagogen kritisieren nicht etwa, das viele Kinder hungrig in die Schule kommen, was bei ALG II fast zwangsläufig der Fall ist, kritisieren nicht etwa die überfüllten Klassen, die mißglückte Rechtsschreibreform, nicht das reaktionäre 3-Klassen-Schulsystem, nicht die Massenarbeitslosigkeit und die Hungerlöhne - sie kritisieren die Schüler."

Die "Akademiker-Pädagogen" kritisieren sehr wohl mehr als nur ihre Schüler. Vielleicht hättest Du den Brief der Schulleitung (der zumindest in Auszügen in z.B. der Taz abgedruckt war und auch online zu finden ist) mal lesen sollen...
Aus dem Brief:
"Wenn wir uns die Entwicklung unserer Schule ansehen, so müssen wir feststellen, dass die Hauptschule am Ende der Sackgasse angekommen ist. Welchen Sinn macht es, dass in einer Schule alle Schüler/innen gesammelt werden, die weder von den Eltern noch von der Wirtschaft Perspektiven aufgezeigt bekommen, um ihr Leben sinnvoll gestalten zu können? In den meisten Familien sind unsere Schüler/innen die Einzigen, die morgens aufstehen.

Es gibt für sie in der Schule keine positiven Vorbilder. Sie lernen Jugendliche, die anders leben, gar nicht kennen. Hauptschule isoliert sie, sie fühlen sich ausgesondert und benehmen sich entsprechend. Perspektivisch muss die Hauptschule in dieser Zusammensetzung aufgelöst werden zugunsten einer neuen Schulform mit gänzlich neuer Zusammensetzung." (Von:  http://www.taz.de/pt/2006/03/31/a0052.1/text )

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