Bei VW Salzgitter fiel gestern die Arbeit aus
Aus Protest gegen die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg, mit der der Weg für den Ausbau des stillgelegten Eisenbergwerks Schacht Konrad zum Endlager für Atommüll freigemacht wurde, ließ die zweite Schicht des VW-Werks in Salzgitter am Donnerstag die Arbeit Arbeit sein und nutzte eine erweiterte Betriebsversammlung zu atompolitischer Kundgebung. "Mit aller Macht gegen den Schacht" hieß es auf dem Fronttransparent, dem in einem eindrucksvollen Zug 5.000 MetallarbeiterInnen folgten.
Es kommt nicht oft vor, daß eine Belegschaft aus politischen Gründen die Arbeit niederlegt. Zumindest in Deutschland nicht. Streik gilt in der BRD nur als zulässig, wenn es um Löhne, Gehälter und Arbeitsbedingungen geht. Wenn Arbeiterinnen und Arbeiter doch einmal kollektiv ihren Willen bekunden wollen zu Fragen, die zwar ihr Leben betreffen, in Tarifverträgen aber nicht zu regeln sind, dann müssen sie eine gehörige Portion Kreativität im Umgang mit den Möglichkeiten des Betriebsverfassungsrechts an den Tag legen. Dann geht es eben doch - vorausgesetzt, der Wille dazu ist vorhanden.
Das ist er in diesem Fall. Vermutlich gibt es anderswo kaum Betriebe dieser Größenordnung, in denen das Wissen um die Gefahren der Endlagerung von Atommüll so verbreitet ist wie unter den Kolleginnen und Kollegen in der Region Salzgitter. In zahllosen Seminaren und Veranstaltungen haben sie sich darüber sachkundig gemacht, was auf sie zukäme, wenn demnächst wirklich die Waggons mit der strahlenden Fracht am Werksgelände vorbei zur Schachtanlage rollen würden. Die ganzen verzwickten Details in der Diskussion um Standortsuche, Geologie und politisches Geschacher sind hier bekannt. Und es gibt die persönliche Verbundenheit: zur Unterstützung der Klagen gegen Schacht Konrad haben ungezählte kleine und große Aktionen zigtausende von Euro zusammengebracht.
Anfang März hat das Oberverwaltungsgericht Lüneburg verhandelt über die Klagen von Kommunen und die eines Landwirts, der direkt am Schacht seine Flächen hat. Zwei Tage hat die Justiz gebraucht, um dann am 8. März festzustellen: alle drei Klagen sind abzuweisen. Eine Revision wird nicht zugelassen. Nun muß also erst einmal juristisch erstritten werden, daß der Gang in die nächsten Instanzen überhaupt möglich wird. Auch zu dieser weiteren Kraftanstrengung ist das Bündnis gegen Schacht Konrad bereit - daran lassen weder die prozessbeteiligten Kommunen noch Bauer Traube irgendwelche Zweifel.
Langsam aber sicher setzt sich die Erkenntnis durch: wenn die Juristen am Ende sind mit ihrem Latein, dann sind auch andere Mittel erforderlich. Deshalb hat die IG Metall für Donnerstag, den 23. März zur "Betriebsversammlung vor dem Tor" aufgerufen - 5.000 Menschen sind diesem Aufruf gefolgt. Nicht nur die Belegschaft von VW sammelt sich vor Tor 1, auch von der von MAN oder den Verkehrsbetrieben sind Delegationen erschienen; die Leute aus der Flachstahl-AG haben auf einem Tieflader eine Bramme, einen tonnenschweren Gussrohling angekarrt. Wolfgang Räschke, der Bezirksvorsitzende der IG Metall zitiert an Ende seiner Rede Bertold Brecht: "Wenn Unrecht zu recht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Und diesen Widerstand werden wir leisten."
Das ist er in diesem Fall. Vermutlich gibt es anderswo kaum Betriebe dieser Größenordnung, in denen das Wissen um die Gefahren der Endlagerung von Atommüll so verbreitet ist wie unter den Kolleginnen und Kollegen in der Region Salzgitter. In zahllosen Seminaren und Veranstaltungen haben sie sich darüber sachkundig gemacht, was auf sie zukäme, wenn demnächst wirklich die Waggons mit der strahlenden Fracht am Werksgelände vorbei zur Schachtanlage rollen würden. Die ganzen verzwickten Details in der Diskussion um Standortsuche, Geologie und politisches Geschacher sind hier bekannt. Und es gibt die persönliche Verbundenheit: zur Unterstützung der Klagen gegen Schacht Konrad haben ungezählte kleine und große Aktionen zigtausende von Euro zusammengebracht.
Anfang März hat das Oberverwaltungsgericht Lüneburg verhandelt über die Klagen von Kommunen und die eines Landwirts, der direkt am Schacht seine Flächen hat. Zwei Tage hat die Justiz gebraucht, um dann am 8. März festzustellen: alle drei Klagen sind abzuweisen. Eine Revision wird nicht zugelassen. Nun muß also erst einmal juristisch erstritten werden, daß der Gang in die nächsten Instanzen überhaupt möglich wird. Auch zu dieser weiteren Kraftanstrengung ist das Bündnis gegen Schacht Konrad bereit - daran lassen weder die prozessbeteiligten Kommunen noch Bauer Traube irgendwelche Zweifel.
Langsam aber sicher setzt sich die Erkenntnis durch: wenn die Juristen am Ende sind mit ihrem Latein, dann sind auch andere Mittel erforderlich. Deshalb hat die IG Metall für Donnerstag, den 23. März zur "Betriebsversammlung vor dem Tor" aufgerufen - 5.000 Menschen sind diesem Aufruf gefolgt. Nicht nur die Belegschaft von VW sammelt sich vor Tor 1, auch von der von MAN oder den Verkehrsbetrieben sind Delegationen erschienen; die Leute aus der Flachstahl-AG haben auf einem Tieflader eine Bramme, einen tonnenschweren Gussrohling angekarrt. Wolfgang Räschke, der Bezirksvorsitzende der IG Metall zitiert an Ende seiner Rede Bertold Brecht: "Wenn Unrecht zu recht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Und diesen Widerstand werden wir leisten."
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Ergänzungen
4000 Menschen demonstrieren gegen Endlager
"Bei einem Unfall verlieren wir unsere Lebensgrundlage und unsere Beschäftigungsperspektive", formulierte der VW-Betriebsratsvorsitzende Andreas Blechner die Sorgen der Demonstranten. Blechner wies darauf hin, dass nach einer Inbetriebnahme vom Einlagerungsschacht auf dem Hüttengelände eine ständige Niedrigstrahlung ausginge und rief zu weiterem Widerstand auf.
Dem niedersächsischen Umweltminister Hans-Heinrich Sander warf Blechner vor, die Gefahren zu verharmlosen. Wenn Sander Atommüll für ungefährlich halte, solle er sich ein Grundstück in der Puszta kaufen und ihn dort vergraben, sagte er.
"Wir werden Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision einlegen", bekräftigte Salzgitters Oberbürgermeister Helmut Knebel. Das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg habe sich bei seiner Urteilsfindung nicht mit den Ängsten der Menschen beschäftigt.
Freitag, 24.03.2006
scheint schon
das war kein SCHERZ
... auch wenn es indy-Leser nicht glauben, der Widersatnd gegen Schacht Konrad wurde immer schon mit der IG Metall gemeinsam durchgeführt, im Jahr 2000 hat schon mal die Belegschaft von VW und der Salzgitter AG die Arbeit niedergelegt...
Juso-Grüße,
P.S.: 13 mai Göttingen nicht vergessen ! Nazi-Aufmarsch verhindern...
Bei VW im Baskenland auch
Der eigentliche Witz ist...
Das ist doch der eigentliche Witz !
Es ist doch drollig, wenn Indymedia-LeserInnen, die glauben, sozusagen ein "Widerstands-Monopol" zu besitzen, sich in ihren verschlafenen Ecken die Augen reiben, wenn hier und da auch mal außerhalb ihres Biotops etwas sinnvolles passiert.
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Offenbar gab es in den letzten Jahren ein Interesse daran, das atomthema in der medialen Öffentlichkeit als abgehakt zu dissen.
Der Vergleich zwischen dem was im Wendland vor Ort so abging zu dem was und wie in Zeitungen und TV darüber berichtet wurde, zeigt, wie die mediale Verarbeitung so funktioniert.
Und das hat verheerend gewirkt.
Nicht nur in der bürgerlichen Öffentlichkeit, auch bis in die linkeren Kreise hinein hat dieses Herunterspielen Wirkung gehabt.
Dennoch war der Atom-Widerstand nicht tot zu reden und zu kriegen.
Als neulich in Lüneburg das oben erwähnte Oberverwaltungsgerichtsverfahren stattfand waren soviele UnterstützerInnen angereist, dass die Verhandlung aus Platzmangel per Lautsprecher auch in andere Räume übertragen werden mußte.
Hier sind -unbeachtet vom medial geprägten öffentlichen Bewußtsein- lokale Initiativen (z.B. in der Gegend von Salzgitter) am Ball geblieben.
Auch
- der aktuell laufende Film "die Wolke", so kitschig er nun von einigen auch empfunden wird,
- und die vielfältigen Aktivitäten demnächst zum 20. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl,
- sowie Aktionen gegen das Atomforum (Februar) oder bald am 03.April anläßlich Merkels "Energiegipfel" in Berlin
sind (oder waren) Chancen, die genutzt werden können, dem atomthema wieder angemessene Bedeutung zu geben.
Also: achtet auf künftige Termine und: Arsch hoch !
Gewerkschaft als Motor des Widerstandes
Wenn wir als Gewerkschaft diesen Widerstand nicht bereits seit vielen Jahren unterstützen und weitertragen würden, wären solche Aktionen kaum möglich. Der Widerstand lebt von der ständigen Information der Belegschaften ... wieso sollten sonst 5000 GewerkschafterInnen auf die Straße gehen? Nur, weil sie dazu aufgefordert werden wohl kaum ... Wir wissen, dass wir nicht "einfach so" bekommen, was wir wollen. Den dauernden Kampf um unsere Interessen sind wir gewohnt .... wir machen weiter! ....und die Industriearbeiterschaft einer ganzen Region hat da schon andere Möglichkeiten...
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Was nicht ist kann ja noch werden... — rojinegro
Satire? — Anne Behrens