Paris: Aktivist der Gewerkschaft SUD liegt im Koma!

Aug und Ohr 21.03.2006 01:15 Themen: Repression Soziale Kämpfe
Mehrer Quellen sprechen von einem Polizeimord
Paris: Aktivist der Gewerkschaft SUD liegt im Koma.
Von der Polizei niedergeprügelt!

Es wurde heute, Montag, um 17 Uhr 30 bekannt (1): Cyril Ferez, ein 39-jähriger Aktivist der Postgewerkschaft SUD-PTT wurde in Paris am vergangenen Samstag von der Polizei derart misshandelt, dass er sich nunmehr im Koma befindet.

Die Polizei habe ihn bei einem Sturmangriff "niedergetrampelt" (1), so SUD-PTT, etwa dreißig Polizisten der Spezialeinheiten CRS hätten ihn "gelyncht", beschreibt es die CNT (2). Der SUD-Aktivist Bernard Allaire berichtet laut Reuters (3): "Er blieb über eine Viertelstunde lang bewusstlos am Boden liegen."

Sandra Demarcq, Mitglied des Bundesvorstands von SUD-PTT und neue Generalsekretärin, berichtet: "Er lag auf der Seite, bewegte sich fast nicht mehr, konnte kaum reden. Zwei Studentinnen haben dann die Rettung und die Feuerwehr benachrichtigt." (4)

Die Gewerkschaft beschuldigt die Polizei, sie habe sich geweigert, die Rettung zu rufen, als Cyril bereits schwer verletzt am Boden lag (4). Auch Demarcq bestätigt, dass die Polizei angesichts des Opfers, das in einem eindeutig schwerverletzten Zustand am Boden lag, nichts unternommen habe (6).

Das illustrieren weitere Zeugen: "Ein Mädchen läuft nach der Feuerwehr. 20 Minuten lang dauerte es, bis die Rettung, die sich ganze 200 Meter entfernt befand, herankam und den Verletzten abtransportierte." (5)

Er liegt nun mit einem schweren Schädeltrauma in der Intensivstation und wird künstlich beatmet.

Die Gewerkschaft SUD ist eine der wichtigsten Kräfte der derzeitigen Mobilisierungen. Das Polizeiopfer sei im Grunde ein schwerer Alkoholiker, heißt es unter anderem im reaktionären Privatsender TF1. Das sei wohl die Ursache seines Todes, so lautet eine neue Formel.


(1) Un anti-CPE dans le coma, AP, 20. 3. 2006
(2) La grève, maintenant!, Confédération Nationale du Travail, 19. 3. 2006
(3) Un manifestant ant-CPE dans le coma Libération/Reuters, 20. 3. 2006
(4) Manifestation anti-CPE à Paris : un blessé hospitalisé dans un état grave, AP,
(5) Justice nulle par, police partout, indymedia Paris
(6) Un syndicaliste dans le coma après es heurts de samedi, TF1, 20. 3. 2006
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Ergänzungen

Video

... 21.03.2006 - 01:40
Hier das zugehörige Video mit Aufnahmen kurz danach, Interviews und so weiter..sorry, hatte das Video von wmv nach avi umgewandelt, ist also daher etwas schlechter in der Qualität.

Ansonsten gibt es das Video als wmv-Stream bei:
 http://info.france2.fr/page-speciale/19265503-fr.php (oben rechts)

Das gleiche Video (wmv) als Download bei video.indymedio.org:
 http://video.indymedia.org/download/%5BIndymedia%5D_(2006-03-21)_coma.wmv

Ist er tot oder liegt er im Koma?

Frage 21.03.2006 - 02:59
Im Titel steht Koma, im Artikel steht, daß er tot ist. Was stimmt nun? Wird der Fernsehsender eigentlich angezeigt? Gibt ja ein Beweisvideo und damit ein Beleg, daß man im Sender lügt und das Opfer absichtlich verunglimpft.

Auseinandersetzungen auch am Montag

... 21.03.2006 - 03:54
Am Montag Nachmittag kam es im Pariser Vorort Drancy zu Auseinandersetzungen von hunderten Jugendliche mit der Polizei. Am Morgen fand dort eine Anti-CPE Demonstration von 300-500 SchülerInnen der Eugene Delacroix Schule statt.
3 Autos wurden in Brand gesteckt sowie eine Bushaltestelle wurde beschädigt. Es gab eine Festnahme. Nach Angabe der Polizei dauerten die Auseinandersetzungen rund 3 Stunden. Die Polizisten wurden dabei mit Flaschen ect. beworfen.

Drancy liegt in Seine-Saint-Denis, einem Bezirk an der Nord-West Peripherie von Paris wo im letzten November die Unruhen in den Vorstädten begannen.

Koma

George 21.03.2006 - 05:20
Der Mann liegt derzeit im Koma, die Ärzte sind sehr reserviert über seinen Überlebenschancen. Das ist der letzte Stand in den französischen Medien heute morgen.

Informationen

Lars 21.03.2006 - 08:11
Da dies der aktuellste Beitrag zu den Ereignissen in Frankreich ist ein paar Infos. Nächster landesweiter Aktionstag ist nun nicht Donnerstag, sonder Dienstag der 28.03.06.Wer des französichen mächtig ist für den hier ein link zu Liberation. es handelt sich um ein mp3 von einer studentischen Vollversammlung. Kurz zusammengefaßt geht es um Streiken und blockieren oder eben nicht. Interessant ist der letzt Redner(ein Lehrender) Der angekündigt das selbst dann wenn die VV beschließen sollte eine Blockade mit allen Mitteln zu beenden ein Teil der Lehrenden weiterhin streiken würde.(In Frankreich gibt es übrigens meines Wissens kein Streikgeld, so daß Solidaritätsstreiks höher zu bewerten sind)

 http://www.liberation.fr/page.php?Article=368525

Hier der Nachrichten-Link zu den obengenannten Ausschreitungen in Drancy:

 http://jt.france2.fr/20h/

Außerdem scheint die Mobilisation bisher nicht abzunehmen. Gestern waren noch mindesten 41(nach Angaben der Regierung) bis 76 (Angaben der Studenten) Universitäten bestreikt. Auch mindesten 313 Gymnasien sind blockiert. Die gestern stattfindenden Vollversammlungen haben alle mit großer Mehrheit die Fortführung der Streiks beschlossen. Diverse Studenten äußerten die Hoffnung das es über den CPE heraus zu einer neuen sozialen Bewegung kommt.

Für heute und Donnerstag wurden zu lokalen Aktionen aufgerufen.Auch gestern kam es im ganzen Land zu Aktionen. Schüler besetzte in Paris eine Autobahnauffahrt, in Perpignan wurde der Bahnhof für ca. eineinhalb Stunden besetzt.In Caen besetzten 300 Studenten für zwei Stunden das örtliche Finanzamt. Vorher war auf einer VV beschlossen worden durch Besetzungen den Protest zu "radikalisieren". Verstärkt schließen sich Schüler der Bewegung an. Gerade
gestern wurden die meisten Aktionen von Schülern organisiert.

Die Gewerkschaften haben für kommenden Dienstag zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen(allerdings ohne das Wort Generalstreik auszusprechen, ein Gewerkschafter sagte dazu das man ja nicht die Revolution ausrufen wolle, warum eigentlich nicht???). Allerdings gibt das Streikrecht, anders als in Deutschland, jedem Arbeitnehmer unabhängig von den Gewerkschaften das Recht seine Arbeit niederzulegen wann immer er möchte, d.h. das das Streikrecht praktisch personalisiert ist.

Soweit ich eben nachforschen konnte gibt es zu dem Aktivisten der im Koma liegt keine Neuigkeiten. Auf Indymedia Paris findet sich ein Beitrag von Gewerkschaftskollegen die gestern wohl alle Pariser Krankenhäuser abgesucht haben ohne den Kollegen zu finden. Dort wird der Verdacht/die Vermutung geäußert das der Aktivist möglicherweise bereits verstorben wäre bzw. Klinisch Tod sei und die Regierung dies aus Furcht vor den Reaktionen noch zurückhält. Allerdings habe ich dafür trotz intensiver Suche keine weitere Quelle gefunden. Hier der Beitrag:

CYRIL
Les copains de SUD PTT n'ont pas trouvé Cyril hier alors qu'ils l'ont cherché dans tous les hôpitaux. Pas impossible que notre copain soit déjà cliniquement mort et que la sarkaille fasse dans l'opaque de peur des réactions.

Remember Malik Oussékine.

En prime, les salauds de France1FAUX n'arrêtent pas de dire qu'il avait bu. Même si c'était vrai, qu'est-ce que ça change ? Ca donnait aux sarkognes le droit de le massacrer ? ? ?

ILS SONT VRAIMENT A GERBER. NE LAISSONS PAS PASSER.




yahoo news:

xara 21.03.2006 - 12:29
Paris (AFP) - Im Fall des bei den Reformprotesten in Paris schwer verletzten Gewerkschafters haben Augenzeugen schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. Zwei Fotografen berichteten, sie hätten gesehen, wie Ordnungshüter am Samstagabend am Platz der Nation mit Gummiknüppeln auf den Mann eingeschlagen hätten, auch als dieser schon am Boden lag. Nach ersten Ermittlungen der Polizei war der 39-jährige Cyril Ferez von der Gewerkschaft SUD-PTT stark angetrunken. Der Mann liegt seit Sonntagmorgen im Koma.

Er habe am Samstagabend Polizisten gesehen, die einen ungefähr 40-Jährigen verfolgt hätten, sagte der frei arbeitende belgische Fotograf Bruno Stevens der Nachrichtenagentur AFP. "Fünf oder sechs haben ihn erwischt und sofort angefangen, hemmungslos mit Gummiknüppeln auf ihn einzuschlagen." Ein anderer Fotograf, der nicht genannt werden wollte, bestätigte die Angaben. "Ich habe unter anderem einen sehr harten Schlag gegen den Kopf auf Höhe des rechten Ohres gesehen. Der Mann ist dann zusammengesunken wie ein Sack." Die Polizisten hätten jedoch weiter auf ihn eingedroschen. "Das hat noch rund 30 Sekunden gedauert, nachdem er schon gefallen war."

polizeibrutalität

x 21.03.2006 - 12:37
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. 21.03.2006 - 12:40
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. 21.03.2006 - 12:43
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Einiges zur Ergänzung

AuO 21.03.2006 - 13:30
"Dies sei wohl die Ursache seines Todes":

Damit war gemeint: Damit wollen sie präventiv seinen (möglichen) Tod erklären.

Mitgemeint: Es scheint eine grobe Polizeilüge zu sein!

Im Artikel ist nirgends behauptet worden, er wäre gestorben. Allerdings ist die Formel mißverständlich. Es hätte vielleicht heißen müssen: Seinem möglichen Tod wurde mit dieser Behauptung, die sehr wie ein Polizei-Konstrukt klingt, auf recht grobe Weise präventiv vorgegriffen.

Sein Tod wurde - ohne Begründung und Dokumentierung - auch bereits in indymedia Paris behauptet - eine ziemlich eindeutige Faselei. Das kommt davon, daß ein jeder Trottel in indymedia seine Phantasien eingeben kann.

Zum Krankenhaus: Zuerst war er in Paris, dann in Créteil. Dort durfte er zwar - mit Ausnahme seiner Verwandten - keine Besuche empfangen, allerdings erhielt er Besuch des genannten Alliaire.

Nazis als militante Streikbrecher

Antifa 21.03.2006 - 13:36

polizeibrutalität

x 21.03.2006 - 13:49
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x 21.03.2006 - 13:51
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x 21.03.2006 - 13:51
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Kleine Presseschau

Neue Bürgerlichkeit 21.03.2006 - 14:17
Welt

Auch bei der "Welt" ist nun angekommen, dass in Frankreich etwas passiert, und es schmeckt ihnen garnicht. Sehr erregt werden sogleich mehrere Artikel verfasst, um der Welt zu verklickern, dass dieser soziale Protest unglaublich reaktionär ist.

Cora Stephan,  http://www.cora-stephan.de/html/biografie.html, Ex-"Pflasterstrand", Ex-Frankfurter Spontis (die die Grünen zu dem machten, was wir heute alle so lieben, Fischer etc), ist heute originellerweise wie so viele andere deutsche Ex-"68er" bei "www.achgut.de" im Kampf für Neokonservatismus und Neoliberalismus engagiert, zusammen mit Henryk Broder (und so merkwürdigen Typen wie Ex-"Natur"-Redakteuren, die nun den Björn Lomborg geben) und mokiert sich in der Welt süffisant:

"Zugegeben: Es wird Frühling, und da will man auch mal raus. Aber die Massendemonstrationen in Frankreich sind etwa so zeitgemäß wie der deutsche Kampf um die 38,5-Stunden-Woche im öffentlichen Dienst. Was ist das für eine Welt, in der es "soziale Spannungen" auslöst, wenn Arbeitnehmer unter 26 Jahren nicht schon mit dem ersten Job ins Sicherheitskorsett der Festanstellung von der Wiege bis zur Bahre fallen?"

 http://www.welt.de/data/2006/03/21/863028.html - es klingt aber eigentlich alles nur wie eins der originelleren Statements von Guido Westerwelle.

Weiter: "Die aktuelle Revolte hat nichts mit 1968 aber sehr viel mit dem Chaos in den Vororten zu tun", bringt Michael Kleeberg seine Sicht der Dinge auch gleich via Springer-Verlag ( http://de.wikipedia.org/wiki/Axel_Springer_AG) an den Mann:

"War da nicht eben erst etwas gewesen, die brennenden Banlieus im Herbst, und nun sind Hunderttausende Schüler und Studenten auf der Straße und protestieren gegen ein Gesetzesvorhaben der Regierung Villepin, gegen den CEP also, zu deutsch den "Vertrag über die erste Einstellung". Der will den Kündigungsschutz für Berufsanfänger aufheben. Die Gewerkschaften drohen mit Generalstreik, und alle Welt fragt sich: Was ist denn nun schon wieder los mit den Franzosen?"

- wundert sich wohl nur noch Herr Kleeberg.

 http://www.welt.de/data/2006/03/21/862799.html

Da mag dann aber auch Michael Stürmer sich nicht weiter zurückhalten, und sagt einfach mal, wie es seiner Meinung nach ist:

"Frankreichs demonstrierende Studenten wollen zurück in den Mutterschoß des glücklichen Mittelmaßes"

"Die Studenten, die gegenwärtig in Paris und anderswo in Frankreich lärmen und die Regierung Villepin das Fürchten lehren, haben zu zwei Dritteln keinen sehnlicheren Wunsch, wie sie den Meinungsforschern darlegen, als einen Posten im Staatsdienst zu ergattern."

Bei ihm gehts gleich auf einen wilden Ritt durch die Geschichte bis zu Napoleon, um zu beweisen, wie altbacken und doof die sich Wehrenden doch sind.

 http://www.welt.de/data/2006/03/21/862805.html


FR


In ein ähnliches Horn, aber schon mit mehr Sympathie, stösst auch die SPD-nahe Frankfurter Rundschau:

 http://www.fr-aktuell.de/ressorts/kultur_und_medien/feuilleton/?cnt=830233

"Straßenbarrikaden, Molotowcocktails, die Sorbonne erst besetzt, dann brutal geräumt: Die Bilder mögen vertraut sein, nostalgische Erinnerungen an den Mai 68 wachrufen, als noch Revolution und Aufbruch in der Luft lag, der Vergleich ist dennoch falsch. März 06 steht unter anderen Vorzeichen. Damals ging es um Ausstieg und Verweigerung. Eine Generation wollte sich ausklinken und dem scheinbar normalen Ablauf der Dinge verweigern. Heute geht es um den gegenteiligen Vorgang. Die demonstrierenden Studenten und Gymnasiasten aus der bürgerlichen Mitte wollen in die Gesellschaft hinein, aus der sie sich bereits ausgeschlossen fühlen, bevor sie überhaupt ins Erwerbsleben eingetreten sind."


taz


Die taz dagegen klang gestern fast schon merkwürdig euphorisiert (wollte man nicht eben gerade noch "schwarz-grün" herbeischreiben?):

" "Generalstreik" - plötzlich ist das Stichwort da. Dieses Mal kommt es nicht von der radikalen Linken. Auch nicht von den Gewerkschaften. Sondern von der Straße. Es ist eine Synthese. Entstanden aus den unbeantworteten Forderungen, die immer mehr Studenten und Schüler seit Wochen erheben, und aus den vielen sozialen Konflikten der letzten vier Jahre, die so wirkungslos abprallten."

"An diesem Tag wird klar, dass es um mehr geht als eine Studentenbewegung. Mehr als den Aufschrei einer einzigen Generation. Es sind die größten Demonstrationen, die Frankreich seit vier Jahren erlebt. Mit eineinhalb Millionen Menschen nach Ansicht der Gewerkschaften, mit mehr als 500.000 nach Angaben der Polizei. Allein in Paris ist der Zug mit den dicht geschlossenen Reihen mehr als sechs Kilometer lang. Von der Großmutter bis zum Enkel sind alle Altersgruppen, von der Universitätsprofessorin bis zum Arbeitslosen fast alle sozialen Kategorien vertreten. Vom christlichen Flügel der Sozialdemokratie bis hin zu den Anarchosyndikalisten sind alle linken Organisationen dabei. Sie wehren sich gegen eine Regierung, die das Arbeitsrecht und die 35-Stunden-Woche und die Gesundheitsversicherung und alle möglichen anderen sozialen Errungenschaften aushöhlt. Die öffentliche Unternehmen privatisiert. Und die oppositionelle Meinungsäußerungen konsequent ignoriert: Die massiven Mehrheiten bei Europawahlen und Regionalwahlen? Die Regierung bleibt unbeeindruckt. Die langen Streiks gegen die Regionalisierungen und Personaleinsparungen an Schulen und Universitäten? Es bleibt bei den Streichungsplänen. Die 55 Prozent Neinstimmen gegen die liberale EU-Verfassung? Die Regierung tut nichts, um den Willen ihres Volkes in der EU zu erklären und nach anderen Wegen zu suchen."

 http://www.taz.de/pt/2006/03/20/a0175.1/text

Lesenswert auch in diesem Zusammenhang: Robert Misik heute in der taz in der Serie zur "Neuen Bürgerlichkeit" ( http://de.wikipedia.org/wiki/Neue_B%C3%BCrgerlichkeit):

 http://www.taz.de/pt/2006/03/21/a0175.1/text

"Ihre Moral und unsere"

"Die Werte leisten dem Konservativismus gerade deshalb so gute Dienste, weil sie elastisch sind wie ein guter Hosenträger. Dennoch ist die Identifikation von Werten und Konservativismus im allgemeinen Sprachgebrauch so stark, dass, wer von Werten spricht, meist automatisch konservative Werte meint.

Was hat die Linke dem entgegenzusetzen? Scheinbar nur Prinzipienhuberei ohne Prinzipien, Moralismus ohne Wertefundament. Von konservativer Seite wird sogar behauptet, Linke hätten die Werte zerstört - und die Linke selbst widerspricht dem nur zögernd. Aber das sollte man nun überdenken, da die neue Bürgerlichkeit von rechts galoppiert."

"Allem Entlarvungsdiskurs zum Trotz ruht die Linke seit je auf einem Fundament von Werten, die in einer scharfen Spannung zu konservativen Werten stehen. Praktisch ist der Linken längst klar, was sie theoretisch immer bestritt: dass das Wohl eines Gemeinwesens nicht zum geringsten Teil von moralischen Entscheidungen ethisch handelnder Subjekte abhängt."


Währenddessen im Handelsblatt:

"Ökonomen fordern in Frankreich schärfere Reformen"

 http://www.handelsblatt.com/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!200013,200051,1052068/SH/0/depot/0/








Parallelen

egal 21.03.2006 - 14:43
Der Bericht erinnert mich in mehrfacher Weise an den Tod von Günter Sare durch einen Wasserwerfer vor gut 20 Jahren. Damals wurde auch sofort behauptet er sei betrunken gewesen und damit selbst Schuld an seinem Tod. Und die Polizei weigerte sich sogar Licht zur Behandlung des im sterben Liegenden zur Verfügung zu stellen, so dass er 10 Meter zur nächsten Lichtquelle transportiert werden mußte. Und ebenso wie jetzt bei Cyril Ferez dauerte es ewig, bis ein Notarztwagen kam.
Interview mit dem behandelnden Mediziner:  http://antifa.frankfurt.org/Sare/AK/sare-ak3.html
Allgemein zum Tod Günter Sares:  http://antifa.frankfurt.org/Sare/sare-dokumentation.html

Zu den konservativen Reaktionen

Rübenbert 21.03.2006 - 14:59
Sicher wird da mit viel Dreck geworfen - aber die Einschätzung daß die Proteste und Unruhen in Frankreich in ihrer Motivation und auch in ihrer Radikalität wenig mit dem zu tun haben, was 67ff. die Studenten auf die Straße brachte scheint mir recht treffend. Ja ich weiß - Indymedia ist kein Diskussionsforum. Also ab in die Tonne mit meiner Meinungsäußerung.

spieglein spieglein an der Wand wer ist ...

verlinker 21.03.2006 - 15:14

V für Vendetta

X 21.03.2006 - 15:27
Irgendwie erinnert mich das an den Film "V für Vendetta", der gerade im Kino anläuft. In diesem Film (der in einer Diktatur 15 Jahre nach dem Beginn des "Kampfes gegen den Terror" der "Koalition der Willigen" spielt) werden die Methoden der Medien thematisiert. Der Film hat die Realität perfekt getroffen - wie jetzt über die Ereignisse in Frankreich gelogen wird, erinnert extrem an den Film. Manche Heute-Sendung könnte geradezu ein Filmausschnitt sein. Klar, daß der Film in den Mainstream-Medien zerrissen wurde (so, daß ihn kaum jemand sehen will, obwohl er wirklich gut ist), zeigt er doch wie sie arbeiten und fälschen.

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. 21.03.2006 - 15:46
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. 21.03.2006 - 15:47
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. 21.03.2006 - 15:48
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Neue Medienberichte

Student 22.03.2006 - 00:19
Laut neuen Berichten soll der Gewerkschafter ca. 3Promille gehabt haben, gibt es hierzu Informationen? Die gezeigten Bilder schienen das zu bestätigen.

Richtigstellung V for Vendetta

Allan Moore 22.03.2006 - 10:06
Also, da offensichtlich niemand weiß, woher der Stoff von V for Vendetta kommt, erklär ich es kurz. Damit dürfte auch klar sein, warum Vergleiche von solchen fiktionalen Stoffen (zudem einer Comicverfilmung) mit der Realität wohl hinken.
V for Vendetta entstand als Underground-Comic in den 80er. Die neoliberale Politik Margret Thatchers und atomare Bedrohung waren für den Texter Allan Moore und Zeichner David Lloyd Ausgangspunkt für eine Vision GB, in der ein neuer Faschismus an die Macht gekommen ist. Dabei lassen sie sich besonders aus über einen Diskurs der Unsicherheit, der die Legitimität für "hartes Durchgreifen" (im Kern der Geschichte geht es um ethnisch und politisch motivierten Massenmord) liefert. Dies wurde im Film aufgegriffen und auf den aktuellen Terrorismusdiskurs, die Vogelgrippenangst, etc. angewendet. Sowohl Film als auch Comic sind sehr zu empfehlen, wobei der Film hinter dem Comic zurückbleibt.
Soweit so gut. An dem vorherigen Statement zu V wäre also als erstse zu kritisieren, dass er faschistisch zentral gesteuerte Medien mit einem privaten Zeitungsmarkt verwechselt und damit der Vorstellung der institutionell gleichgeschalteten Medien aufsitzt. Interessanter wäre aufzuzeigen, wie sich gesellschaftliche Diskurse und die Struktur eines Medienmarktes zu dem Verbinden, was mensch Meinungskartelle nennen könnte. Dies hat aber nichts mit zentraler Mediensteuerung zu tun. Darüberhinaus geht es in V (jedenfalls im Comic)auch nicht um Lügen der Medien, sondern um die Verbreitung einer diffusen Angst. Jedesmal, wenn das System in V Lügen produziert verliert es an Glaubwürdigkeit.
Der zweite Kritikpunkt wäre eine fiktionale Story, die er zudem, wie Allan Moore im Vorwort von V schreibt, heute nicht mehr so machen würde, als Abbild der Realität zu sehen und nicht als überspitzte Darstellung gesellschaftlicher Entwicklungen. Sowohl Comic als auch Film sind gezwungen Macht und Herrschaft an nur wenigen Figuren darzustellen und somit gesellschaftliche Komplexheit zu reduzieren. Auch der in der Figur V symbolisierte Widerstand ist natürlich vereinfacht. Daraus erklärt sich auch der etwas verkitschte Pathos der Erzählung.

Also genug geredet V for Vendetta lesen und sehen.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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Tolle Thumbnails

Horst 21.03.2006 - 13:21
Hmm, seltsam wieder mal.
Auf jeder noch so kleinen Demo wird immer wieder skandidiert "Hoch die internationale Solidarität!". Und? Wo bleibt diese?
Die Gelegeheit sich zu solidarisieren ist jetzt und war schon vorher da! Stattdessen postet man sich hier gegenseitig Agentur-Meldungen um die Ohren.
Alles schauen gespannt nach Frankreich ... aber nix passiert ...

Solidarität!!!!

@ Horst 21.03.2006 - 15:14
Du hast absolut recht. Es wird Zeit das die (radikale) Linke endlich den Arsch hoch bekommt und anfängt sich zu solidarisieren.

soli-aktionen!

px 21.03.2006 - 15:45
aber pronto!