Paris: Aktivist der Gewerkschaft SUD liegt im Koma!
Paris: Aktivist der Gewerkschaft SUD liegt im Koma.
Von der Polizei niedergeprügelt!
Es wurde heute, Montag, um 17 Uhr 30 bekannt (1): Cyril Ferez, ein 39-jähriger Aktivist der Postgewerkschaft SUD-PTT wurde in Paris am vergangenen Samstag von der Polizei derart misshandelt, dass er sich nunmehr im Koma befindet.
Die Polizei habe ihn bei einem Sturmangriff "niedergetrampelt" (1), so SUD-PTT, etwa dreißig Polizisten der Spezialeinheiten CRS hätten ihn "gelyncht", beschreibt es die CNT (2). Der SUD-Aktivist Bernard Allaire berichtet laut Reuters (3): "Er blieb über eine Viertelstunde lang bewusstlos am Boden liegen."
Sandra Demarcq, Mitglied des Bundesvorstands von SUD-PTT und neue Generalsekretärin, berichtet: "Er lag auf der Seite, bewegte sich fast nicht mehr, konnte kaum reden. Zwei Studentinnen haben dann die Rettung und die Feuerwehr benachrichtigt." (4)
Die Gewerkschaft beschuldigt die Polizei, sie habe sich geweigert, die Rettung zu rufen, als Cyril bereits schwer verletzt am Boden lag (4). Auch Demarcq bestätigt, dass die Polizei angesichts des Opfers, das in einem eindeutig schwerverletzten Zustand am Boden lag, nichts unternommen habe (6).
Das illustrieren weitere Zeugen: "Ein Mädchen läuft nach der Feuerwehr. 20 Minuten lang dauerte es, bis die Rettung, die sich ganze 200 Meter entfernt befand, herankam und den Verletzten abtransportierte." (5)
Er liegt nun mit einem schweren Schädeltrauma in der Intensivstation und wird künstlich beatmet.
Die Gewerkschaft SUD ist eine der wichtigsten Kräfte der derzeitigen Mobilisierungen. Das Polizeiopfer sei im Grunde ein schwerer Alkoholiker, heißt es unter anderem im reaktionären Privatsender TF1. Das sei wohl die Ursache seines Todes, so lautet eine neue Formel.
(1) Un anti-CPE dans le coma, AP, 20. 3. 2006
(2) La grève, maintenant!, Confédération Nationale du Travail, 19. 3. 2006
(3) Un manifestant ant-CPE dans le coma Libération/Reuters, 20. 3. 2006
(4) Manifestation anti-CPE à Paris : un blessé hospitalisé dans un état grave, AP,
(5) Justice nulle par, police partout, indymedia Paris
(6) Un syndicaliste dans le coma après es heurts de samedi, TF1, 20. 3. 2006
Von der Polizei niedergeprügelt!
Es wurde heute, Montag, um 17 Uhr 30 bekannt (1): Cyril Ferez, ein 39-jähriger Aktivist der Postgewerkschaft SUD-PTT wurde in Paris am vergangenen Samstag von der Polizei derart misshandelt, dass er sich nunmehr im Koma befindet.
Die Polizei habe ihn bei einem Sturmangriff "niedergetrampelt" (1), so SUD-PTT, etwa dreißig Polizisten der Spezialeinheiten CRS hätten ihn "gelyncht", beschreibt es die CNT (2). Der SUD-Aktivist Bernard Allaire berichtet laut Reuters (3): "Er blieb über eine Viertelstunde lang bewusstlos am Boden liegen."
Sandra Demarcq, Mitglied des Bundesvorstands von SUD-PTT und neue Generalsekretärin, berichtet: "Er lag auf der Seite, bewegte sich fast nicht mehr, konnte kaum reden. Zwei Studentinnen haben dann die Rettung und die Feuerwehr benachrichtigt." (4)
Die Gewerkschaft beschuldigt die Polizei, sie habe sich geweigert, die Rettung zu rufen, als Cyril bereits schwer verletzt am Boden lag (4). Auch Demarcq bestätigt, dass die Polizei angesichts des Opfers, das in einem eindeutig schwerverletzten Zustand am Boden lag, nichts unternommen habe (6).
Das illustrieren weitere Zeugen: "Ein Mädchen läuft nach der Feuerwehr. 20 Minuten lang dauerte es, bis die Rettung, die sich ganze 200 Meter entfernt befand, herankam und den Verletzten abtransportierte." (5)
Er liegt nun mit einem schweren Schädeltrauma in der Intensivstation und wird künstlich beatmet.
Die Gewerkschaft SUD ist eine der wichtigsten Kräfte der derzeitigen Mobilisierungen. Das Polizeiopfer sei im Grunde ein schwerer Alkoholiker, heißt es unter anderem im reaktionären Privatsender TF1. Das sei wohl die Ursache seines Todes, so lautet eine neue Formel.
(1) Un anti-CPE dans le coma, AP, 20. 3. 2006
(2) La grève, maintenant!, Confédération Nationale du Travail, 19. 3. 2006
(3) Un manifestant ant-CPE dans le coma Libération/Reuters, 20. 3. 2006
(4) Manifestation anti-CPE à Paris : un blessé hospitalisé dans un état grave, AP,
(5) Justice nulle par, police partout, indymedia Paris
(6) Un syndicaliste dans le coma après es heurts de samedi, TF1, 20. 3. 2006
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
Video
Ansonsten gibt es das Video als wmv-Stream bei:
Das gleiche Video (wmv) als Download bei video.indymedio.org:
Ist er tot oder liegt er im Koma?
Auseinandersetzungen auch am Montag
3 Autos wurden in Brand gesteckt sowie eine Bushaltestelle wurde beschädigt. Es gab eine Festnahme. Nach Angabe der Polizei dauerten die Auseinandersetzungen rund 3 Stunden. Die Polizisten wurden dabei mit Flaschen ect. beworfen.
Drancy liegt in Seine-Saint-Denis, einem Bezirk an der Nord-West Peripherie von Paris wo im letzten November die Unruhen in den Vorstädten begannen.
Koma
Informationen
Hier der Nachrichten-Link zu den obengenannten Ausschreitungen in Drancy:
Außerdem scheint die Mobilisation bisher nicht abzunehmen. Gestern waren noch mindesten 41(nach Angaben der Regierung) bis 76 (Angaben der Studenten) Universitäten bestreikt. Auch mindesten 313 Gymnasien sind blockiert. Die gestern stattfindenden Vollversammlungen haben alle mit großer Mehrheit die Fortführung der Streiks beschlossen. Diverse Studenten äußerten die Hoffnung das es über den CPE heraus zu einer neuen sozialen Bewegung kommt.
Für heute und Donnerstag wurden zu lokalen Aktionen aufgerufen.Auch gestern kam es im ganzen Land zu Aktionen. Schüler besetzte in Paris eine Autobahnauffahrt, in Perpignan wurde der Bahnhof für ca. eineinhalb Stunden besetzt.In Caen besetzten 300 Studenten für zwei Stunden das örtliche Finanzamt. Vorher war auf einer VV beschlossen worden durch Besetzungen den Protest zu "radikalisieren". Verstärkt schließen sich Schüler der Bewegung an. Gerade
gestern wurden die meisten Aktionen von Schülern organisiert.
Die Gewerkschaften haben für kommenden Dienstag zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen(allerdings ohne das Wort Generalstreik auszusprechen, ein Gewerkschafter sagte dazu das man ja nicht die Revolution ausrufen wolle, warum eigentlich nicht???). Allerdings gibt das Streikrecht, anders als in Deutschland, jedem Arbeitnehmer unabhängig von den Gewerkschaften das Recht seine Arbeit niederzulegen wann immer er möchte, d.h. das das Streikrecht praktisch personalisiert ist.
Soweit ich eben nachforschen konnte gibt es zu dem Aktivisten der im Koma liegt keine Neuigkeiten. Auf Indymedia Paris findet sich ein Beitrag von Gewerkschaftskollegen die gestern wohl alle Pariser Krankenhäuser abgesucht haben ohne den Kollegen zu finden. Dort wird der Verdacht/die Vermutung geäußert das der Aktivist möglicherweise bereits verstorben wäre bzw. Klinisch Tod sei und die Regierung dies aus Furcht vor den Reaktionen noch zurückhält. Allerdings habe ich dafür trotz intensiver Suche keine weitere Quelle gefunden. Hier der Beitrag:
CYRIL
Les copains de SUD PTT n'ont pas trouvé Cyril hier alors qu'ils l'ont cherché dans tous les hôpitaux. Pas impossible que notre copain soit déjà cliniquement mort et que la sarkaille fasse dans l'opaque de peur des réactions.
Remember Malik Oussékine.
En prime, les salauds de France1FAUX n'arrêtent pas de dire qu'il avait bu. Même si c'était vrai, qu'est-ce que ça change ? Ca donnait aux sarkognes le droit de le massacrer ? ? ?
ILS SONT VRAIMENT A GERBER. NE LAISSONS PAS PASSER.
yahoo news:
Er habe am Samstagabend Polizisten gesehen, die einen ungefähr 40-Jährigen verfolgt hätten, sagte der frei arbeitende belgische Fotograf Bruno Stevens der Nachrichtenagentur AFP. "Fünf oder sechs haben ihn erwischt und sofort angefangen, hemmungslos mit Gummiknüppeln auf ihn einzuschlagen." Ein anderer Fotograf, der nicht genannt werden wollte, bestätigte die Angaben. "Ich habe unter anderem einen sehr harten Schlag gegen den Kopf auf Höhe des rechten Ohres gesehen. Der Mann ist dann zusammengesunken wie ein Sack." Die Polizisten hätten jedoch weiter auf ihn eingedroschen. "Das hat noch rund 30 Sekunden gedauert, nachdem er schon gefallen war."
polizeibrutalität
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Einiges zur Ergänzung
Damit war gemeint: Damit wollen sie präventiv seinen (möglichen) Tod erklären.
Mitgemeint: Es scheint eine grobe Polizeilüge zu sein!
Im Artikel ist nirgends behauptet worden, er wäre gestorben. Allerdings ist die Formel mißverständlich. Es hätte vielleicht heißen müssen: Seinem möglichen Tod wurde mit dieser Behauptung, die sehr wie ein Polizei-Konstrukt klingt, auf recht grobe Weise präventiv vorgegriffen.
Sein Tod wurde - ohne Begründung und Dokumentierung - auch bereits in indymedia Paris behauptet - eine ziemlich eindeutige Faselei. Das kommt davon, daß ein jeder Trottel in indymedia seine Phantasien eingeben kann.
Zum Krankenhaus: Zuerst war er in Paris, dann in Créteil. Dort durfte er zwar - mit Ausnahme seiner Verwandten - keine Besuche empfangen, allerdings erhielt er Besuch des genannten Alliaire.
Nazis als militante Streikbrecher
polizeibrutalität
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Kleine Presseschau
Auch bei der "Welt" ist nun angekommen, dass in Frankreich etwas passiert, und es schmeckt ihnen garnicht. Sehr erregt werden sogleich mehrere Artikel verfasst, um der Welt zu verklickern, dass dieser soziale Protest unglaublich reaktionär ist.
Cora Stephan,
"Zugegeben: Es wird Frühling, und da will man auch mal raus. Aber die Massendemonstrationen in Frankreich sind etwa so zeitgemäß wie der deutsche Kampf um die 38,5-Stunden-Woche im öffentlichen Dienst. Was ist das für eine Welt, in der es "soziale Spannungen" auslöst, wenn Arbeitnehmer unter 26 Jahren nicht schon mit dem ersten Job ins Sicherheitskorsett der Festanstellung von der Wiege bis zur Bahre fallen?"
Weiter: "Die aktuelle Revolte hat nichts mit 1968 aber sehr viel mit dem Chaos in den Vororten zu tun", bringt Michael Kleeberg seine Sicht der Dinge auch gleich via Springer-Verlag (
"War da nicht eben erst etwas gewesen, die brennenden Banlieus im Herbst, und nun sind Hunderttausende Schüler und Studenten auf der Straße und protestieren gegen ein Gesetzesvorhaben der Regierung Villepin, gegen den CEP also, zu deutsch den "Vertrag über die erste Einstellung". Der will den Kündigungsschutz für Berufsanfänger aufheben. Die Gewerkschaften drohen mit Generalstreik, und alle Welt fragt sich: Was ist denn nun schon wieder los mit den Franzosen?"
- wundert sich wohl nur noch Herr Kleeberg.
Da mag dann aber auch Michael Stürmer sich nicht weiter zurückhalten, und sagt einfach mal, wie es seiner Meinung nach ist:
"Frankreichs demonstrierende Studenten wollen zurück in den Mutterschoß des glücklichen Mittelmaßes"
"Die Studenten, die gegenwärtig in Paris und anderswo in Frankreich lärmen und die Regierung Villepin das Fürchten lehren, haben zu zwei Dritteln keinen sehnlicheren Wunsch, wie sie den Meinungsforschern darlegen, als einen Posten im Staatsdienst zu ergattern."
Bei ihm gehts gleich auf einen wilden Ritt durch die Geschichte bis zu Napoleon, um zu beweisen, wie altbacken und doof die sich Wehrenden doch sind.
FR
In ein ähnliches Horn, aber schon mit mehr Sympathie, stösst auch die SPD-nahe Frankfurter Rundschau:
"Straßenbarrikaden, Molotowcocktails, die Sorbonne erst besetzt, dann brutal geräumt: Die Bilder mögen vertraut sein, nostalgische Erinnerungen an den Mai 68 wachrufen, als noch Revolution und Aufbruch in der Luft lag, der Vergleich ist dennoch falsch. März 06 steht unter anderen Vorzeichen. Damals ging es um Ausstieg und Verweigerung. Eine Generation wollte sich ausklinken und dem scheinbar normalen Ablauf der Dinge verweigern. Heute geht es um den gegenteiligen Vorgang. Die demonstrierenden Studenten und Gymnasiasten aus der bürgerlichen Mitte wollen in die Gesellschaft hinein, aus der sie sich bereits ausgeschlossen fühlen, bevor sie überhaupt ins Erwerbsleben eingetreten sind."
taz
Die taz dagegen klang gestern fast schon merkwürdig euphorisiert (wollte man nicht eben gerade noch "schwarz-grün" herbeischreiben?):
" "Generalstreik" - plötzlich ist das Stichwort da. Dieses Mal kommt es nicht von der radikalen Linken. Auch nicht von den Gewerkschaften. Sondern von der Straße. Es ist eine Synthese. Entstanden aus den unbeantworteten Forderungen, die immer mehr Studenten und Schüler seit Wochen erheben, und aus den vielen sozialen Konflikten der letzten vier Jahre, die so wirkungslos abprallten."
"An diesem Tag wird klar, dass es um mehr geht als eine Studentenbewegung. Mehr als den Aufschrei einer einzigen Generation. Es sind die größten Demonstrationen, die Frankreich seit vier Jahren erlebt. Mit eineinhalb Millionen Menschen nach Ansicht der Gewerkschaften, mit mehr als 500.000 nach Angaben der Polizei. Allein in Paris ist der Zug mit den dicht geschlossenen Reihen mehr als sechs Kilometer lang. Von der Großmutter bis zum Enkel sind alle Altersgruppen, von der Universitätsprofessorin bis zum Arbeitslosen fast alle sozialen Kategorien vertreten. Vom christlichen Flügel der Sozialdemokratie bis hin zu den Anarchosyndikalisten sind alle linken Organisationen dabei. Sie wehren sich gegen eine Regierung, die das Arbeitsrecht und die 35-Stunden-Woche und die Gesundheitsversicherung und alle möglichen anderen sozialen Errungenschaften aushöhlt. Die öffentliche Unternehmen privatisiert. Und die oppositionelle Meinungsäußerungen konsequent ignoriert: Die massiven Mehrheiten bei Europawahlen und Regionalwahlen? Die Regierung bleibt unbeeindruckt. Die langen Streiks gegen die Regionalisierungen und Personaleinsparungen an Schulen und Universitäten? Es bleibt bei den Streichungsplänen. Die 55 Prozent Neinstimmen gegen die liberale EU-Verfassung? Die Regierung tut nichts, um den Willen ihres Volkes in der EU zu erklären und nach anderen Wegen zu suchen."
Lesenswert auch in diesem Zusammenhang: Robert Misik heute in der taz in der Serie zur "Neuen Bürgerlichkeit" (
"Ihre Moral und unsere"
"Die Werte leisten dem Konservativismus gerade deshalb so gute Dienste, weil sie elastisch sind wie ein guter Hosenträger. Dennoch ist die Identifikation von Werten und Konservativismus im allgemeinen Sprachgebrauch so stark, dass, wer von Werten spricht, meist automatisch konservative Werte meint.
Was hat die Linke dem entgegenzusetzen? Scheinbar nur Prinzipienhuberei ohne Prinzipien, Moralismus ohne Wertefundament. Von konservativer Seite wird sogar behauptet, Linke hätten die Werte zerstört - und die Linke selbst widerspricht dem nur zögernd. Aber das sollte man nun überdenken, da die neue Bürgerlichkeit von rechts galoppiert."
"Allem Entlarvungsdiskurs zum Trotz ruht die Linke seit je auf einem Fundament von Werten, die in einer scharfen Spannung zu konservativen Werten stehen. Praktisch ist der Linken längst klar, was sie theoretisch immer bestritt: dass das Wohl eines Gemeinwesens nicht zum geringsten Teil von moralischen Entscheidungen ethisch handelnder Subjekte abhängt."
Währenddessen im Handelsblatt:
"Ökonomen fordern in Frankreich schärfere Reformen"
Parallelen
Interview mit dem behandelnden Mediziner:
Allgemein zum Tod Günter Sares:
Zu den konservativen Reaktionen
spieglein spieglein an der Wand wer ist ...
V für Vendetta
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Weitere Infos
Neue Medienberichte
Richtigstellung V for Vendetta
V for Vendetta entstand als Underground-Comic in den 80er. Die neoliberale Politik Margret Thatchers und atomare Bedrohung waren für den Texter Allan Moore und Zeichner David Lloyd Ausgangspunkt für eine Vision GB, in der ein neuer Faschismus an die Macht gekommen ist. Dabei lassen sie sich besonders aus über einen Diskurs der Unsicherheit, der die Legitimität für "hartes Durchgreifen" (im Kern der Geschichte geht es um ethnisch und politisch motivierten Massenmord) liefert. Dies wurde im Film aufgegriffen und auf den aktuellen Terrorismusdiskurs, die Vogelgrippenangst, etc. angewendet. Sowohl Film als auch Comic sind sehr zu empfehlen, wobei der Film hinter dem Comic zurückbleibt.
Soweit so gut. An dem vorherigen Statement zu V wäre also als erstse zu kritisieren, dass er faschistisch zentral gesteuerte Medien mit einem privaten Zeitungsmarkt verwechselt und damit der Vorstellung der institutionell gleichgeschalteten Medien aufsitzt. Interessanter wäre aufzuzeigen, wie sich gesellschaftliche Diskurse und die Struktur eines Medienmarktes zu dem Verbinden, was mensch Meinungskartelle nennen könnte. Dies hat aber nichts mit zentraler Mediensteuerung zu tun. Darüberhinaus geht es in V (jedenfalls im Comic)auch nicht um Lügen der Medien, sondern um die Verbreitung einer diffusen Angst. Jedesmal, wenn das System in V Lügen produziert verliert es an Glaubwürdigkeit.
Der zweite Kritikpunkt wäre eine fiktionale Story, die er zudem, wie Allan Moore im Vorwort von V schreibt, heute nicht mehr so machen würde, als Abbild der Realität zu sehen und nicht als überspitzte Darstellung gesellschaftlicher Entwicklungen. Sowohl Comic als auch Film sind gezwungen Macht und Herrschaft an nur wenigen Figuren darzustellen und somit gesellschaftliche Komplexheit zu reduzieren. Auch der in der Figur V symbolisierte Widerstand ist natürlich vereinfacht. Daraus erklärt sich auch der etwas verkitschte Pathos der Erzählung.
Also genug geredet V for Vendetta lesen und sehen.
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Auf jeder noch so kleinen Demo wird immer wieder skandidiert "Hoch die internationale Solidarität!". Und? Wo bleibt diese?
Die Gelegeheit sich zu solidarisieren ist jetzt und war schon vorher da! Stattdessen postet man sich hier gegenseitig Agentur-Meldungen um die Ohren.
Alles schauen gespannt nach Frankreich ... aber nix passiert ...
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