Antikriegsdemo in Tübingen

Friedensplenum/Antikriegsbündnis Tübingen 19.03.2006 19:16 Themen: 3. Golfkrieg Militarismus
150 DemonstrantInnen forderten am 18.03. in Tübingen:
"Kein Krieg gegen den Iran!"
Zur Demonstration am Samstag, 18. März 2006 hatte ein Bündnis aus Friedensplenum/Antikriegsbündnis Tübingen, Reutlinger Friedensgruppe, Attac Tübingen, Informationsstelle Militarisierung, Linkes Bündnis Tübingen, ['solid] Tübingen und SDAJ Tübingen aufgerufen.

An der Demonstration, die vom Haagtorplatz über Jakobsgasse, Schmiedtorstraße, Hintere Grabenstraße, Nonnengasse und Neue Straße zum Holzmarkt und der anschließenden Kundgebung nahmen circa 150 Menschen teil, darunter eine hohe Zahl von Jugendlichen.

Die Abschlusskundgebung wurde von Raban Witt vom Friedensplenum/Antikriegsbündnis Tübingen moderiert.

Arianna Schillinger von der SDAJ Tübingen wies in ihrer Rede darauf hin, dass vor drei Jahren der Irakkrieg begann und "drei Jahre später [...] von Frieden im Irak keine Rede sein" kann. Der iranische Atomstreit fungiere "den Reichen und Mächtigen als Grund für eine militärische Intervention". Die Demonstration sei "als ein[...] Anfang vom Widerstand gegen diesen Krieg, gegen diese menschenverachtende [zu] Politik verstehen".

Johannes Plotzki von der Informationsstelle Militarisierung machte darauf aufmerksam, dass sich der Irak seit mehr als 15 Jahren im Kriegszustand befindet. Es gehe beim Krieg gegen den Iran wie beim Krieg gegen den Irak "einzig allein um neoliberale Wirtschaftsinteressen der USA und der Europäischen Union". "Genau die von Merkel proklamierte 'gemeinsame internationale Ordnungspolitik' mit 'freundlichen Worten bis zu Marschflugkörpern'" werde "seit langem schon in den Büros der Kriegsstrateginnen und Kriegsstrategen in Berlin, Brüssel und Washington wieder neu präzisiert". Er betonte, dass "die antisemitischen Äußerungen und die Drohungen gegen Israel durch den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad" klar zu verurteilen sind und "mit großer Besorgnis auch von der Antikriegs- und Friedensbewegung aufgenommen worden". Er wies außerdem darauf hin, dass Frankreich und Großbritannien Atomwaffen besitzen, und "damit gegen den Atomwaffensperrvertrag" verstoßen. Außerdem seien "im Unterschied zum Irak-Krieg, [...] diesmal Deutschland und Frankreich von vornherein direkt beteiligt".
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Ergänzungen

Deutschland will auch wieder

X 19.03.2006 - 22:28
Verteidigungsminister Jung hat den geplanten Bundeswehreinsatz in Kongo verteidigt. Jung sagte, Deutschland werde nach einer engen Abstimmung innerhalb der EU eine Verantwortung übernehmen.
www.mdr.de/nachrichten/meldungen/2639133.html

In wievielen Ländern is grad die Bundeswehr am Metzeln?

@X

tagmata 20.03.2006 - 00:23
Yeah, das mit Kongo hat mich auch baß erstaunt. Was will er damit erreichen? Sollen sie doch in Pakistan fragen; deren Soldaten gehen wenigstens nicht dauernd irgendwelche minderjährigen Zwangsprostituierten ficken... Allerdings glaub ich, daß die Franzosen im Zweifelsfall krasser abgehen werden als die Bundis; ersteren sitzt der Abzugsfinder erfahrungsgemäß ziemlich locker, wenn sie sich in Afrika zu schaffen machen. Ich mein, was soll das ganze? "Wenn wir Belgier runterschicken, ist das zu offensichtlich; fragen wir also mal in den Nachbarländern"?!

Anyways, die Karte hier  http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Bwaussen.png sollte deine Frage beantworten (das ist exklusive KSK, natürlich).

32 Auslandseinsätze

... 20.03.2006 - 02:46
Berlin. (gfp) Das Auswärtige Amt und die Bundesregierung melden deutsche Auslandsoperationen in 32 Staaten unter Beteiligung von 6.601 Soldaten und mehreren hundert Polizeikräften. Damit beanspruchen militärische und paramilitärische Auslandsaktivitäten der Bundesrepublik Deutschland den höchsten Personalstand seit 1945. Dies bestätigen Zahlen einer staatlichen Sammelstelle für weltweite Interventionstätigkeit, die als ”Zentrum für Internationale Friedenseinsätze” (ZIF) firmiert.

 http://www.saar-echo.de/de/art.php?a=26336
www.german-foreign-policy.com

Schwäbisches Tagblatt

Tagblattleser 20.03.2006 - 16:54
Das Schwäbische Tagblatt schrieb heute, am Montag den 20.März 2006:

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"Grün du noch oder Linke du schon?", fragte ein Plakat gezielt radebrechend. Rote Fahnen flatterten, ein Sprechchor ließ die internationale Solidarität hoch leben. Ein weiteres Transparent wollte die Bundeswehr entwaffnen, US-Präsident Bush und Verteidigungsminister Rumsfeld wurden als "Mörder" und "Terrorist" tituliert.
Zum dritten Jahrestag des US-Einmarsches in den Irak warnte am Samstag eine Tübinger Demonstration vor einem Krieg im Iran. Aufgerufen hatten neben Tübinger und Reutlinger Friedensgruppen auch Attac und Linke Bündnisse. "Wir sind die antiimperialistische Befreiungsfront",
juxte ein Radfahrer.
Anfangs waren mehr Polizisten als Demonstranten da, schließlich zogen an die hundert Leute durch die Altstadtgassen zum Holzmarkt. Dort sahen sie sich mit Wahlkampfständen von SPD und FDP konfrontiert, eine zusätzliche Barriere stellte ein Zuliefer-Lastwagen dar. "Fünf, vier, drei, zwei, eins", dann stürmte der Zug die Stiftskirchentreppen. "Die Eskalation zum Atomstreit scheint beschlossene Sache", glaubte eine sozialistische Jugendsprecherin.
Johannes Plotzki von der Tübinger Informationsstelle Militarisierung(IMI) mahnte, der Krieg im Irak habe seit 1991 mehreren zehntausenden Unschuldigen das Leben gekostet: "Die Durchsetzung neoliberaler Ordnungspolitik mit militärischen Mitteln". Alleiniges Interesse sei die Sicherung von Rohstoff-Reserven und Transportwagen. Er nannte die Hetze des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad Besorgnis erregend. Doch im iranischen Atomprogramm würden Pläne neu aufgelegt, die schon Ende der 1950er-Jahre mit den USA abgesprochen worden seien. "Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Bomben werfen", so der IMI-Sprecher. Die Drohung des französischen Präsidenten Jacques Chirac, gegen den Iran Atomwaffen einzusetzen, gefährde den Weltfrieden. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel wolle "alle Mittel von freundlichen Worten bis zu Marschflugkörpern" einsetzen. "Es besteht reale Kriegsgefahr, speziell durch das Agieren der deutschen Regierung." Deutschland dürfe sich an einem Militäreinsatz weder beteiligen noch ihn unterstützen.

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Kongo : Die deutsche Heuchelei

Harry Speaker 22.03.2006 - 19:42
Das ganze Kongoabeteuer von Jung, Steinmeier und konsorten ist nur eine Luftnummer.

Man bedenke den Somalia-Einsatz der US-Armee 1992. Dieser Einsatz ging derart in die binsen, das sich die Clinton-Administration 2 Jahre später solange weigerte die Tatsache des völkermordähnlichen Massaker in Burundi zu akzeptieren, bis es zu spät war und eine Million Menschen dahingeschlachtet waren.

Besonders perfide: Sie bedrängte die oportunistische UNO in der Sprachregelung gleich zuziehen.

Später versuchten die Medien alles dem Genrealsekretär Budros Ghali in die Schuhe zu schieben (der allerdings auch nicht unschuldig war), um von ihrem USA-Messiasbild nicht abrücken zu müssen.

Soweit auch zur "westlichen" Menschenrechtspolitik.

Die Bundesregierung spielte in dieser Schuldverschiebungs-Kömödie übrigens auch keinen besseren Part, genauso die bundesdeutschen Medien.

Im Kongo fand übrigen schon ein fast vierjähriger Krieg statt, in ihm starben mehrere Millionen Menschen, von den sonst so meschenrechtsbesorgten deutschen Medien weitestgehend totgeschwiegen. (mit Ausnahme der Frankfurter Rundschau).

Sollte sich aus den Streitereien um das Wahergebnis (was an den realen Macht- und Waffenverhältnissen kaum etwas ändern dürfte), grössere Schiessereien ergeben, wäre die ganze EU-Truppe in einem mörderischen Guieriila-Krieg ruck-zuck aufgerieben.

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da marschieren sie wieder... — van Blommestein