Brasilien: Monokulturen zerstört

umdummrum 15.03.2006 09:29 Themen: Globalisierung Soziale Kämpfe Weltweit
Bäuerinnen der brasilianischen Landlosenbewegung MST haben kurzerhand die Eukalyptus-Monokulturen des Agrarmultis Agracruz, die eine elementare Bedrohung ihrer Existenz darstellen, vernichtet. Laut dem Konzern gehen die Schäden in die Millionen
In der Expansion der "grünen Wüsten", der Eukalyptus-Monokulturen sieht die brasilianische Landlosenbewegung Movimiento sin Tierras ( MST ) ein "perverses" Beispiel für die Macht des exportorientierten Agrobuisness. Der Löwenanteil der Wertschöpfung, die Weiterverarbeitung, nämlich findet in Europa, Nordamerika oder China statt. Aber das ist nicht der einzige Pferdefuss an der Sache:

"Wenn die Eukalypus-Plantagen weiter vorrücken, werden uns bald Trinkwasser und Land fehlen, um Lebensmittel anzubauen, so eine Sprecherin der MST. Wenn die Regierung dem Hunger ein Ende setzen will, muss sie in eine Agrarreform investieren, anstatt Monokulturen zu fördern. Allein der Multi Aracruz hat in den drei Jahren Amstzeit des brasilianischen Präsidenten Lula da Silva Bundesmittel in Höhe von 750 Millionen Euro erhalten."

Etliche dieser Millionen darf der Konzern, laut seinem Sprecher nun in den Wind schlagen, denn der erfolgreiche, aktuelle Angriff der Bäuerinnen der MST, "wird sich in einen millionenschweren Produktivitätsverlust niederschlagen". Was ist geschehen? Vergangene Woche starteten eines nachts ca.100 km südlich der brasilianischen Stadt Porto Alegre ( Hafen der Freude ) 37 Busse, die über verschiedene Nebenstrassen ihr Ziel, eine Versuchsfarm des Zellstoffunternehmens Aracruz, erreichten. An die 1500 Frauen der MST und des internationalen Kleinbauernverbandes Viva Campesina vermummten sich mit lila Halstüchern, drangen in das Gelände ein und zerstörten neben mehreren Forschungslabors fast 5 Millionen Eukalyptus-Setzlinge. Damit war das genetische Material aus 15 Jahren Forschungsarbeit vernichtet. ( Felicidades! )

Der brasilianisch-norwegische Konzern Aracruz ist Weltmarktführer für gebleichten Kurzfaser-Zellstoff. 2005 produzierte er 2,8 MillionenZellulose. 98% davon wurden exportiert.
In Deutschland enstehen daraus Kopierpapier und holzfreie Druckpapiere. Aber auch Tempo-Tachentücher und Toilettenpaier. Wegen ihrer Umweltfeindlichen Praktiken und der Vertreibung von Indios und Afrobrasilianern wird das Unternehmen seit längerem an den Pranger gestellt. Die Umweltorganisationen Urgewald und Robin Wood wenden sich in diesem Zusammenhang auch gegen die Multis Procter & Gamble ( Tempo ) und Kimberley-Clark ( Kleenex, Hakle ) die zusammen 45% des Aracruz-Zellstoffes kaufen und verarbeiten. Ausgerechnet in dem südlichen Bundesstaat Rio Grande do Sul, dem Zentrum der aktuellen Proteste, will Aracruz seine Eukalyptus-und Zellstoffproduktion künftig verstärken.
( Quelle: Taz, 14.03.06 )

Über das anteilige Wüten Tempo`s an der Zerstörung von Umwelt und Kulturen mit, hat die Organisation Rettet den regenwald.e.V. ebenfalls detailliertes Material verfasst und Proteste organisiert. Eingegangen wird hier vor allem auf den Landkampf der auf dem Aracruz -Gelände beheimatetenTupinikim - und Guarani Indianer, deren Landtitel von der staatlichen Indianerbehörde FUNAI anerkannt wurde. Dennoch liess der Multi, entgegen seiner Versprechungen, die "Besetzer des eigenen Territoriums" gewaltsam räumen. Gummigeschosse wurden angewandt und die Indios über eine Stunde lang mit Polizeihubschraubern ins offenbar völker-und menschenrechtliche Nichts gejagt. Die Gemeinde wurden mit Bulldozern eingeebnet. Durch den hohen Wasserbedarf bei der Zellstoffproduktion sinkt der Grundwasserspiegel, Flüsse und Felder trocknen aus und überdies kommt es zu einer drastischen Verschmutzung durch giftige Abwässer.

Die an diesem menschen-und naturfeundlichen Raubau beteiligten Unternehmen können unter folgenden Adressen dazu aufgefordert werden, ihre Geschäftsverbindungen ( wie in Schweden geschehen ) mit Agracruz aufzukündigen, bis der Zellstoffproduznt die indianischen Landrechte anerkennt und respektiert. ( Unter www.regenwald.org ist zudem ein Musterbrief hierzu zur Verfügung gestellt.)

Tempo:
Procter & Gamble Service GmbH
Geschäftsführung
Sulzbacher-Strasse 40, D-65824 Schwalbach
Tel: 0 61 96 - 899 32
Fax: 61 96 -894 802
 presse.im@pg.com

Hakle:
Hakle- Kimberley Deutschland GmbH
Geschäftsführung
Postfach 22 60, D- 55012 Mainz
Tel: 0 61 31 - 60 70
Fax: 06131 / 607-228
 Uschi.ferry@kcc.com

Weiter machen die Boxer die "Klitschko-Brüder" Werbung für Tempo-Taschentücher. Auch sie sollten ihre verantwortungslose Einnahmequelle aufkündigen und die nachhaltige Produktion der weissen Tüchlein einfordern:
 commerce@klitschko.com
oder
 klitschko@sportfive.com

Infos auf Brasilianisch:  http://www.midiaindependente.org/pt/blue/2006/02/346473.shtml

Abschiessend die Preisfrage: War die Aktion der Bäuerinnen der MST angemeldet oder nicht?
Zu gewinnen: Kein Blumentopf
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Ergänzungen

MST

Astrid 15.03.2006 - 23:50
MST ist die Abkürzung für das portugiesische "Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra" und steht im Text leider in der falschen Sprache, wenn auch sinngemäß richtig.

Infos

anarc 16.03.2006 - 03:03
Schön, daß mal zurückgeschlagen wurde, normalerweise läuft es umgekehrt:
 http://www.rettet-den-regenwald.de/rdr_neu/regenwaldreport.php?artid=179

Eukalytusbäume saugen sehr viel Wasser und durch ihre langen Wurzeln senken sie mitunter gar den Grundwasserspiegel - daher haben die Menschen dort auch so große Angst vor dem Verlust von Trinkwasser. Eukalyptusblätter sind außer für Koalas pures Gift, ihre ätherischen Öle verseuchen den Boden nachhaltig. Diese Öle sind auch hochbrennbar und fördern verheerende Waldbrände.
Das Holz aus einheimischen Nadelbäumen ist für Papiertaschentücher und Klopapier lediglich als Beigabe geeignet, da die Fasern viel zu kurz sind und die Produkte dann leicht reißen (vgl. Tempo-Werbung). Daher wird dafür bevorzugt Eukalyptus genommen und - mensch glaubt es nicht - auch Tropenholz aus Urwäldern!

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Für Rotz und Scheiss stets Umweltschutz-Klopapier nehmen, auch wenn manchmal was Ekliges am Finger kleben bleibt.

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