3.Woche beim CNH-Streik in Berlin-Spandau

Autonomer Anarchist 14.03.2006 13:58 Themen: Soziale Kämpfe
Plädoyer für mehr Solidarität! Tage des Offenen Tores. Besucher und Wahlkampf, Streikzeltimpressionen. Streikbrechereien und sonstige Aktionen.
Nun ist der Streik schon in der 3.Woche und bis auf ein paar Anarchist_Innen, Autonome, Anarcho-Syndikalisten, autonome Operaisten, Trotzkist_Innen, Maoisten, Sozialdemokrat_Innen (PDS, WASG, SPD), StalinistInnen und stalinismusabstreitende Stalinisten war eigentlich niemandes da. Und die meisten wurden meiner Meinung von der Belegschaft nicht mal wahrgenommen.

Ich verstehe mich als Anarchist. Aber wie will ich denn einen "freien Sozialismus" ohne Staat oder gar die Anarchie erreichen, wenn ich nicht sozial oder solidarisch bin und wir uns nicht mal gegenseitig helfen.

Die soziale Revolution ist nur eine Phrase, wenn mensch nicht mal Solidarität zeigt.

Mittwoch abend, wurden die Bagger vorm Haupttor weggeschleppt durch eine schöne kleine Firma, deren Namen ich wahrscheinlich noch nennen werde.

Am Donnerstag morgen kamen dann wieder Tieflader und es wurde das Haupttor aufgemacht. Aber bis auf Kleintransporter, normale Wagen usw. fährt niemandes rein und raus. Wo zum Anfang noch alle übers S-Tor mit Passierscheinen und nach dem Gerichtlichen Vergleich (Was das Wort Vergleich hier soll ist mir Rätselhaft!) ohne Passierschein in die Fabrik über dieses Tor reingekommen sind. So fahren jetzt alle frecherweise über das Haupttor rein. Es stehen immernoch (aber weiter entfernt die Securitys auf dem Gelände, teilweise mit Hund. Nun ist also schon seit Donnerstag das Haupttor Tag und Nacht offen.

Die Werks-/ Geschäftsleitung plädiert wohl auf Streik-Müdigkeitserscheinungen. Auf jeden Fall ist von denen nicht viel zu hören. Zu den Streikenden selbst schreibe ich hier nichts weil nicht nur Linke oder Streikende und IG-Metaller diese Berichte lesen.

Ich kann da aber mal ein Beispiel von Streikenden geben, wie sie sich mir gegenüber verhalten.

Einige sprachen mich auf die Berichte an und nachdem klar war das wir diesselben meinten, sagten sie mir das sie sie echt toll fanden und sie sich darin wiederfänden.

Wenn ich alleine komme, werde ich immer gefragt wo ich meine "Genossen" oder "Kumpels" gelassen habe. Meistens komme ich ja mit mehreren Leuten vorbei. Seien es nun Anarcho-Syndikalisten oder Autonome. Es wird aber immer gleich nachgefragt ob ich alleine bin und wenn nicht, ob ich nicht noch mehr mobilisieren könnte...

Nächstes Beispiel: Nachts, die Kollegen haben Hunger und bestellen sich Pizza. Ich habe kaum Geld, sagt einer: "ich geb nen Fünfer dazu" und die anderen Kollegen sponsern den Rest. Dann beim Essen, ich bin der letzte scherzt einer sinngemäß genießen tuen nur Genossen... Alles lacht.

Naja, da wir schonmal bei Streikimpressionen sind: Anfänglich war ein einfacher Reißverschluß die Tür zum Streikzelt, später ein etwas komplizierteres Gehänge. Mittlerweile ist eine Richtige Tür drinne. Die Solidaritäts-Ecke ist mittlerweile überschwemmt. Über der Anfrage der FAU, ob Kolleg_Innen nicht Lust hätten, eine Veranstaltung im FAU-Lokal über ihren Streik zu machen prangt mittlerweile eine Solidaritätserklärung der DKP, wo die Streiks bei Gate Gourmet (schon über 100 Tage) erwähnt werden.

Es gab einen dankbaren Autokorso zu der Firma, die die Bagger vom Haupttor weggeräumt hat. Dann war Arthur Abraham, der IBF Box-Weltmeister im Mittelgewicht bei den Streikenden mit einer "Orenstein und Koppel" Mütze.

Am Freitag, den 10. März besuchten 25 Kollegen den Italien-Stand auf der Internationalen Tourismus Börse (ITB) in Berlin. Dabei hatten sie Flugblätter und eine Bodenzeitung. Es gab Gespräche mit vielen Besuchern.

Am 19. Streiktag, also Sonnabend (Samstag) den 11.03.2006 war die Berliner Rockband "Muckefuck" am Start (Muckefuck ist berlinerisch abgeleitet vom Französisch-Hugenottischem "Mocca Faux" und ist ein Malzhaltiges Kaffee-Ersatzgetränk). JVC und Samsung Kolleg_Innen bringen wie immer Partner_Innen und Kinder mit. Obligatorisch passiert es häufiger(und ich habe es schon oft erlebt) wird der Kaffee mit nem Fünf Euro-Schein bezahlt.

Am 12.03.2006 kamen dann auch Vertreter der Evangelischen Kirche unter anderem Martin-Michael Passauer (Genaeralsuperintendent des Sprengels Berlin) und Susanne Kahl-Passoth (Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Lausitz) um ihre Solidarität mit den Streikenden CNH-lern zu bekunden. "Wir wollen unsere Solidarität mit den arbeitenden Menschen zeigen" sagte nicht etwa ein Super-ultra-linker, sondern Passauer und er ergänzt "Uns ist es nicht egal, wenn Menschen ihre Arbeit und Ausbildung verlieren" (So die CNH-Streikzeitung Nr.14).

Gestern war natürlich auch allerhand los und heute zu etwa dieser Stunde spricht Lothar Bisky von der Linkspartei.PDS.

Morgen kommt um 12:30 Uhr Oskar Lafontaine ins Streikzelt. ich persönlich bin wie immer gespannt, was er zu sagen hat.

Kommt vorbei und unterstützt solidarisch den Streik und die Streikposten!

Solidarität ist eine Waffe, nicht nur am 18. März!
Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige den folgenden Kommentar an

enttäuschung... — ex - autonomer