Protestkundgebung für Mário Bango
Vor der slowakischen Botschaft in der Friedrichstraße in Berlin demonstrierten am Samstag, den 11.03. rund 25 Personen für die Freilassung Mário Bangos. Mario, ein 23jähriger Roma aus dem slowakischen Bratislava, sitzt seit fünf Jahren im Gefängnis, weil er sich gegen einen Naziangriff zur Wehr gesetzt hat.
Die Kundgebung setzte sich deshalb mit dem Recht auf Selbstverteidigung auseinander. Mit Flyern auf Deutsch und Englisch bekam auch das touristische Publikum Tipps, wie sie sich bei einer Bedrohung oder einem Übergriff durch Rechtsextreme verhalten sollen.
In kurzen Aufführungen auf der Straße wurden verschiedene Situationen gezeigt, mit denen alternative Jugendliche und MigrantInnen jeden Tag in Berlin konfrontiert sind. Wenn einem/r ein Nazi entgegenkommt: Wie soll man nach Hilfe rufen? Wie kann man einen tätlichen Angriff abwehren? Wie kann man einen stärkeren Angreifer in Schock versetzen? In der Simulation kamen Autoschlüssel, Hakenschuhe, Pfefferspray usw. zum Einsatz.
Ein Recht auf Notwehr ist in der deutschen wie auch in der slowakischen Gesetzgebung verankert. Doch als Mário am 10. März 2001 einen faschistischen Übergriff auf seinen Bruder abgewehrt hat, wurde ihm dieses Recht aberkannt. Stattdessen wurde er wegen "versuchten Mordes" zu 10 Jahren Haft verurteilt. Daher die Parole: "Notwehr ist kein versuchter Mord - Freiheit für Mário, jetzt sofort!"
Dieses Urteil basiert auf staatlichem Rassismus und zeigt deutlich die rechtliche Diskriminierung von Roma in der Slowakei. Schon vor dem Prozess gab es eine mediale Hetzkampagne gegen Mário und seinen Bruder: die beiden Roma seien nur Taschendiebe, die der "stolze Patriot" (und bekannter Nazi-Skinhead) aufhalten wollte. Deshalb forderte die Kundgebung vor der slowakischen Botschaft gleichzeitig ein Ende staatlicher Unterdrückung aller Art gegen die Roma.
Während der Kundgebung fuhr der ägyptische Staatspräsident Mohammad Mubarak in einem Konvoi vorbei. Da konnten die KundgebungsteilnehmerInnen die Gelegenheit nutzen, um gegen das Massaker an sudanesischen Flüchtlinge in Kairo im Dezember 2005 zu protestieren und Freiheit für alle politischen Gefangenen in Ägypten zu fordern.
Es war trotz des ununterbrochenen Schneefalls die bisher größte Aktion, die in Berlin für Mário stattgefunden hat. Im Anschluss haben alle DemonstrantInnen eine Karte für Mário unterschrieben, um ihre Solidarität auszudrücken und ihn zu unterstützen. Zum fünften Jahrestag des Angriffs auf Mário fanden auch andere Aktionen statt: zum Beispiel wurde am Mittwoch das slowakische Kulturinstitut in Berlin kurzzeitig besetzt. (
http://de.indymedia.org/2006/03/140910.shtml)
Die Free-Mario-Kampagne bedankt sich bei allen, die im Schnee an der Kundgebung teilnahmen. Jetzt geht es darum, große Demonstrationen am 18.3. zu veranstalten, und Freiheit nicht nur für Mário, sondern für alle politische Gefangenen zu fordern!
Mario freut sich immer über Post – also schreibt ihm:
Mário Bango, nar. 8.6.1982
PS41
019-17 ILAVA
Slovensko/Slovakia
++++++++++ FLUGBLATT ZU MÁRIO ++++++++++
Seite 1: SELBSTVERTEIDIGUNG GEGEN NAZIS
Liebe BesucherInnen von Berlin, liebe BerlinerInnen,
in der Stadt Berlin werden jeden Tag Straftaten mit rechtsextremen Hintergrund verübt. Im Jahr 2005 wurden 103 rassistische und faschistische Übergriffe registriert - die Dunkelziffer liegt vermutlich 2-3 Mal höher.
In vielen Bezirken, egal wie sie aussehen, egal ob tags oder nachts, können von Neonazis bedroht oder tätlich angegriffen werden. Was sollen Sie tun, wenn Sie in eine solche Situation geraten?
1) versuchen zu fliehen
2) nach Hilfe rufen
3) andere Mittel zur Selbstverteidigung einsetzen (Autoschlüssel, Regenschirm, Taschenmesser, Pfefferspray usw.)
Wenn sie Opfer eines rechtsextremen Übergriffs werden, dürfen sie sich zur Wehr setzen. So heißt es im deutschen Strafgesetzbuch: "Eine durch Notwehr gebotene Handlung ist nicht widerrechtlich."
Der slowakische Jurist und Politiker Robert Fico sagt dazu: "Der Angreifer ist derjenige, der die Auseinandersetzung beginnt. Selbst wenn der Angegriffene stärker ist oder eine Waffe benutzt, kann er nicht als Täter betrachtet werden."
Wir hoffen, dass Sie von der häufigen Nazigewalt in Berlin nichts zu spüren bekommen. Aber falls sie einen rechtsextremen Übergriff beobachten oder selbst davon Opfer werden, machen Sie von ihrem Recht auf Notwehr gebrauch! Verteidigen Sie sich selbst und andere gegen Nazigewalt!
Seite 2: SELBSTVERTEIDIGUNG IST KEIN VERBRECHEN!
Mário Bango, ein junger Roma aus dem slowakischen Bratislava, sitzt seit fünf Jahren im Gefängnis, weil er von seinem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch machte.
Am 10. März 2001 fuhren Mário, sein Bruder und seine Mutter im Bus. Marios Bruder Edo war schon Opfer schwerer rassistischer Übergriffe gewesen, und Mário hatte zur Selbstverteidigung ein Messer bei sich. Als Edo vom stadtbekannten Nazi-Skinhead Branislav Slamka angegriffen wurde, kam ihm Mário zu Hilfe und es folgte eine Auseinandersetzung, bei dem Slamka schwer verletzt wurde. Die Familie rief sofort den Krankenwagen und wartete auf die Polizei.
Der Nazi starb zwei Wochen später im Krankenhaus – jedoch nicht als Folge der Messerverletzungen, sondern als Folge von Kopfverletzungen, die nicht ärztlich behandelt wurden.
Mário ist daraufhin wegen "versuchten Mordes" angeklagt und zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Diese Strafe wurde später vom Obersten Gerichtshof der Slowakei auf 10 Jahre reduziert.
Dieses Urteil ist Produkt von staatlichem Rassismus. Roma (manchmal "Zigeuner" genannt) in der Slowakei leiden unter systematischer Diskriminierung: etwa 90% von ihnen sind arbeitslos und sie werden öfters von Rechtsextremen oder selbst Polizisten zusammengeschlagen oder ermodet. Deshalb wurden Mário und sein Bruder in den Medien als "Taschendiebe" und "Kriminelle" denunziert, während der Nazi als "guter Schüler" und "stolzer Patriot" galt. Selbst der Richter bezeichnete Mário als Mitglied "einer niedrigeren sozialen Schicht, der seine Verbrechen fortsetzen könnte".
Währenddessen wurde im slowakischen Parlament eine Schweigeminute für den toten Faschisten abgehalten. Selbst der bereits erwähnte rechte Politiker Robert Fico, der sonst das Recht auf Selbstverteidigung unterstützt, hat die Familie des Faschisten im Gerichtsprozess vertreten.
In diesem Sinne gibt es heute verschiedene Aktionen rund um die Welt zur Unterstützung Mários. Wir demonstrieren vor der Vertretung der slowakischen Regierung mit der Forderung:
- Sofortige Freilassung für Mário Bango!
- Schluss mit der Unterdrückung der Roma!
UnterstützerInnen:
REVOLUTION -
http://www.onesolutionrevolution.de
['solid]36 -
http://www.solid36.net
++++++++++ INTERVIEW MIT MÁRIO +++++++++
jW sprach mit Mario Bango. Der 20jährige Antifaschist gehört der Volksgruppe der Roma an. Er ist seit dem 10. März 2001 in einem Gefängnis im slowakischen Bratislava inhaftiert, im November 2003 wurde er wegen »versuchten Mordes« verurteilt
F: Was wird Ihnen zur Last gelegt?
Vor drei Jahren wurde mein Bruder von dem stadtbekannten Skinhead Branislav Slamka überfallen. Als ich meinem Bruder helfen wollte, kam es zu einer Auseinandersetzung. Der Neonazi stürzte zu Boden und zog sich eine schwere Kopfverletzung zu. Ich alarmierte sofort die Polizei und den Rettungsdienst. Dann wurde ich an Ort und Stelle festgenommen. Einige Wochen später ist Slamka aufgrund eines Kunstfehlers verstorben: Die Ärzte hatten ein Blutgerinsel in seinem Gehirn übersehen. Bis zu meinem Prozeß saß ich in Untersuchungshaft.
F: Wie ist Ihr Prozeß verlaufen?
Das Urteil ist eindeutig politisch motiviert. Der Richter machte keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen mich. bezeichnend war auch, daß die Angehörigen von Slamka von Robert Fico, dem Vorsitzenden der rassistischen und rechtspopulistischen Partei SMER, juristisch vertreten wurde. Das Urteil, zwölf Jahre Haft, ist absurd. Ich habe meinen Bruder in Notwehr verteidigt.
F: Wie sind die Haftbedingungen?
Es ist alles andere als leicht. Anfangs drohten Gefängniswärter, die mit den Neonazis sympathisieren, mir das Leben zur Hölle zu machen. Das änderte sich erst durch den Druck der internationalen Solidaritätskampagne. Seitdem werde ich in Ruhe gelassen. Daß ich nur einmal im Monat für weniger als eine Stunde Besuch und nur ein Paket in drei Monaten empfangen darf, ist besonders hart.
F: Was bekommen Sie von den Solidaritätsbekundungen mit?
Durch Briefe, meinen Rechtsanwalt und die wenigen Besuche bin ich halbwegs auf dem laufenden. Die Unterstützung durch weltweit Hunderte Organisationen motiviert mich sehr. Daß der slowakische Präsident Rudolf Schuster auf die an ihn adressierten Protestbriefe geantwortet hat, zeigt die Stärke des internationalen Drucks. In der Slowakei ist die Situation aber leider eine andere. In den Medien wurde gegen mich und meinen Bruder gehetzt: Wir seien Diebe, die der »aufrechte Bürger« – also der Neonazi – am Diebstahl hindern wollte. Das ist das gängige Bild, wie es von den Roma gezeichnet wird. Bezeichnend für das rassistische Klima ist die Tatsache, daß das slowakische Parlament auf Antrag eines konservativ-nationalistischen HZDS-Abgeordneten eine Schweigeminute für den toten Neonazi eingelegt hat.
F: Sind Roma öfter Opfer von Übergriffen?
Mein Bruder wurde schon einmal von Neonazis überfallen und lag danach zwei Wochen im Krankenhaus. Roma sind praktisch Freiwild. Nur zwei Beispiele: Der 51jährige Karol Sendrei wurde auf einer Polizeistation zu Tode geprügelt. Der Jugendliche Milan Daniel wurde von drei Skinheads mit Baseballschlägern erschlagen. Auf die Frage nach den Gründen für den Mord, gaben die Skinheads zur Antwort: »Weil er ein Roma war!
++++++++++ MEHR INFOS +++++++++
Free-Mario-Kampagne
http://www.freemario.de
Briefe von Mário (übersetzt)
http://www.freemario.de/post.htm
Geschichte der Roma-Unterdrückung
http://www.onesolutionrevolution.de/zeitung/zeitung05/roma.htm
In kurzen Aufführungen auf der Straße wurden verschiedene Situationen gezeigt, mit denen alternative Jugendliche und MigrantInnen jeden Tag in Berlin konfrontiert sind. Wenn einem/r ein Nazi entgegenkommt: Wie soll man nach Hilfe rufen? Wie kann man einen tätlichen Angriff abwehren? Wie kann man einen stärkeren Angreifer in Schock versetzen? In der Simulation kamen Autoschlüssel, Hakenschuhe, Pfefferspray usw. zum Einsatz.
Ein Recht auf Notwehr ist in der deutschen wie auch in der slowakischen Gesetzgebung verankert. Doch als Mário am 10. März 2001 einen faschistischen Übergriff auf seinen Bruder abgewehrt hat, wurde ihm dieses Recht aberkannt. Stattdessen wurde er wegen "versuchten Mordes" zu 10 Jahren Haft verurteilt. Daher die Parole: "Notwehr ist kein versuchter Mord - Freiheit für Mário, jetzt sofort!"
Dieses Urteil basiert auf staatlichem Rassismus und zeigt deutlich die rechtliche Diskriminierung von Roma in der Slowakei. Schon vor dem Prozess gab es eine mediale Hetzkampagne gegen Mário und seinen Bruder: die beiden Roma seien nur Taschendiebe, die der "stolze Patriot" (und bekannter Nazi-Skinhead) aufhalten wollte. Deshalb forderte die Kundgebung vor der slowakischen Botschaft gleichzeitig ein Ende staatlicher Unterdrückung aller Art gegen die Roma.
Während der Kundgebung fuhr der ägyptische Staatspräsident Mohammad Mubarak in einem Konvoi vorbei. Da konnten die KundgebungsteilnehmerInnen die Gelegenheit nutzen, um gegen das Massaker an sudanesischen Flüchtlinge in Kairo im Dezember 2005 zu protestieren und Freiheit für alle politischen Gefangenen in Ägypten zu fordern.
Es war trotz des ununterbrochenen Schneefalls die bisher größte Aktion, die in Berlin für Mário stattgefunden hat. Im Anschluss haben alle DemonstrantInnen eine Karte für Mário unterschrieben, um ihre Solidarität auszudrücken und ihn zu unterstützen. Zum fünften Jahrestag des Angriffs auf Mário fanden auch andere Aktionen statt: zum Beispiel wurde am Mittwoch das slowakische Kulturinstitut in Berlin kurzzeitig besetzt. (
http://de.indymedia.org/2006/03/140910.shtml) Die Free-Mario-Kampagne bedankt sich bei allen, die im Schnee an der Kundgebung teilnahmen. Jetzt geht es darum, große Demonstrationen am 18.3. zu veranstalten, und Freiheit nicht nur für Mário, sondern für alle politische Gefangenen zu fordern!
Mario freut sich immer über Post – also schreibt ihm:
Mário Bango, nar. 8.6.1982
PS41
019-17 ILAVA
Slovensko/Slovakia
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Seite 1: SELBSTVERTEIDIGUNG GEGEN NAZIS
Liebe BesucherInnen von Berlin, liebe BerlinerInnen,
in der Stadt Berlin werden jeden Tag Straftaten mit rechtsextremen Hintergrund verübt. Im Jahr 2005 wurden 103 rassistische und faschistische Übergriffe registriert - die Dunkelziffer liegt vermutlich 2-3 Mal höher.
In vielen Bezirken, egal wie sie aussehen, egal ob tags oder nachts, können von Neonazis bedroht oder tätlich angegriffen werden. Was sollen Sie tun, wenn Sie in eine solche Situation geraten?
1) versuchen zu fliehen
2) nach Hilfe rufen
3) andere Mittel zur Selbstverteidigung einsetzen (Autoschlüssel, Regenschirm, Taschenmesser, Pfefferspray usw.)
Wenn sie Opfer eines rechtsextremen Übergriffs werden, dürfen sie sich zur Wehr setzen. So heißt es im deutschen Strafgesetzbuch: "Eine durch Notwehr gebotene Handlung ist nicht widerrechtlich."
Der slowakische Jurist und Politiker Robert Fico sagt dazu: "Der Angreifer ist derjenige, der die Auseinandersetzung beginnt. Selbst wenn der Angegriffene stärker ist oder eine Waffe benutzt, kann er nicht als Täter betrachtet werden."
Wir hoffen, dass Sie von der häufigen Nazigewalt in Berlin nichts zu spüren bekommen. Aber falls sie einen rechtsextremen Übergriff beobachten oder selbst davon Opfer werden, machen Sie von ihrem Recht auf Notwehr gebrauch! Verteidigen Sie sich selbst und andere gegen Nazigewalt!
Seite 2: SELBSTVERTEIDIGUNG IST KEIN VERBRECHEN!
Mário Bango, ein junger Roma aus dem slowakischen Bratislava, sitzt seit fünf Jahren im Gefängnis, weil er von seinem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch machte.
Am 10. März 2001 fuhren Mário, sein Bruder und seine Mutter im Bus. Marios Bruder Edo war schon Opfer schwerer rassistischer Übergriffe gewesen, und Mário hatte zur Selbstverteidigung ein Messer bei sich. Als Edo vom stadtbekannten Nazi-Skinhead Branislav Slamka angegriffen wurde, kam ihm Mário zu Hilfe und es folgte eine Auseinandersetzung, bei dem Slamka schwer verletzt wurde. Die Familie rief sofort den Krankenwagen und wartete auf die Polizei.
Der Nazi starb zwei Wochen später im Krankenhaus – jedoch nicht als Folge der Messerverletzungen, sondern als Folge von Kopfverletzungen, die nicht ärztlich behandelt wurden.
Mário ist daraufhin wegen "versuchten Mordes" angeklagt und zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Diese Strafe wurde später vom Obersten Gerichtshof der Slowakei auf 10 Jahre reduziert.
Dieses Urteil ist Produkt von staatlichem Rassismus. Roma (manchmal "Zigeuner" genannt) in der Slowakei leiden unter systematischer Diskriminierung: etwa 90% von ihnen sind arbeitslos und sie werden öfters von Rechtsextremen oder selbst Polizisten zusammengeschlagen oder ermodet. Deshalb wurden Mário und sein Bruder in den Medien als "Taschendiebe" und "Kriminelle" denunziert, während der Nazi als "guter Schüler" und "stolzer Patriot" galt. Selbst der Richter bezeichnete Mário als Mitglied "einer niedrigeren sozialen Schicht, der seine Verbrechen fortsetzen könnte".
Währenddessen wurde im slowakischen Parlament eine Schweigeminute für den toten Faschisten abgehalten. Selbst der bereits erwähnte rechte Politiker Robert Fico, der sonst das Recht auf Selbstverteidigung unterstützt, hat die Familie des Faschisten im Gerichtsprozess vertreten.
In diesem Sinne gibt es heute verschiedene Aktionen rund um die Welt zur Unterstützung Mários. Wir demonstrieren vor der Vertretung der slowakischen Regierung mit der Forderung:
- Sofortige Freilassung für Mário Bango!
- Schluss mit der Unterdrückung der Roma!
UnterstützerInnen:
REVOLUTION -
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jW sprach mit Mario Bango. Der 20jährige Antifaschist gehört der Volksgruppe der Roma an. Er ist seit dem 10. März 2001 in einem Gefängnis im slowakischen Bratislava inhaftiert, im November 2003 wurde er wegen »versuchten Mordes« verurteilt
F: Was wird Ihnen zur Last gelegt?
Vor drei Jahren wurde mein Bruder von dem stadtbekannten Skinhead Branislav Slamka überfallen. Als ich meinem Bruder helfen wollte, kam es zu einer Auseinandersetzung. Der Neonazi stürzte zu Boden und zog sich eine schwere Kopfverletzung zu. Ich alarmierte sofort die Polizei und den Rettungsdienst. Dann wurde ich an Ort und Stelle festgenommen. Einige Wochen später ist Slamka aufgrund eines Kunstfehlers verstorben: Die Ärzte hatten ein Blutgerinsel in seinem Gehirn übersehen. Bis zu meinem Prozeß saß ich in Untersuchungshaft.
F: Wie ist Ihr Prozeß verlaufen?
Das Urteil ist eindeutig politisch motiviert. Der Richter machte keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen mich. bezeichnend war auch, daß die Angehörigen von Slamka von Robert Fico, dem Vorsitzenden der rassistischen und rechtspopulistischen Partei SMER, juristisch vertreten wurde. Das Urteil, zwölf Jahre Haft, ist absurd. Ich habe meinen Bruder in Notwehr verteidigt.
F: Wie sind die Haftbedingungen?
Es ist alles andere als leicht. Anfangs drohten Gefängniswärter, die mit den Neonazis sympathisieren, mir das Leben zur Hölle zu machen. Das änderte sich erst durch den Druck der internationalen Solidaritätskampagne. Seitdem werde ich in Ruhe gelassen. Daß ich nur einmal im Monat für weniger als eine Stunde Besuch und nur ein Paket in drei Monaten empfangen darf, ist besonders hart.
F: Was bekommen Sie von den Solidaritätsbekundungen mit?
Durch Briefe, meinen Rechtsanwalt und die wenigen Besuche bin ich halbwegs auf dem laufenden. Die Unterstützung durch weltweit Hunderte Organisationen motiviert mich sehr. Daß der slowakische Präsident Rudolf Schuster auf die an ihn adressierten Protestbriefe geantwortet hat, zeigt die Stärke des internationalen Drucks. In der Slowakei ist die Situation aber leider eine andere. In den Medien wurde gegen mich und meinen Bruder gehetzt: Wir seien Diebe, die der »aufrechte Bürger« – also der Neonazi – am Diebstahl hindern wollte. Das ist das gängige Bild, wie es von den Roma gezeichnet wird. Bezeichnend für das rassistische Klima ist die Tatsache, daß das slowakische Parlament auf Antrag eines konservativ-nationalistischen HZDS-Abgeordneten eine Schweigeminute für den toten Neonazi eingelegt hat.
F: Sind Roma öfter Opfer von Übergriffen?
Mein Bruder wurde schon einmal von Neonazis überfallen und lag danach zwei Wochen im Krankenhaus. Roma sind praktisch Freiwild. Nur zwei Beispiele: Der 51jährige Karol Sendrei wurde auf einer Polizeistation zu Tode geprügelt. Der Jugendliche Milan Daniel wurde von drei Skinheads mit Baseballschlägern erschlagen. Auf die Frage nach den Gründen für den Mord, gaben die Skinheads zur Antwort: »Weil er ein Roma war!
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
Berichtigung
Die Sache von Mário ist natürlich deshalb trotzdem eine Sauerei und Ficos Reaktion unverständlich, doch ganz straffrei kann Mário nicht rausgehen. 1 Jahr auf Bewährung wäre meiner Meinung nach angemessen, da es schon über die Notwehr hinausging. So jetzt werd ich gleich als Fascho oder Spießer beschimpft, oder? Leute ich arbeite hauptamtlich in einer Initiative für Opfer rechter Gewalt und politischer Repression. Und so einfach "Ah ja, Faschos sind übel, na wenn da mal ein paar weniger am Leben sind ist auch gut so..." gehts halt nicht. Auch Menschen mit menschenverachtenden Meinungen sind Menschen.
Die Linke, wie ich gemerkt habe gerade in der BRD, muss aufpassen, dass sie nicht zu primitiv und ohne Wissen verurteilt und handelt, ein Bild von schwarz und weiß zeichnet ohne Nuoucen.
Für die dies immer noch nicht checken wollen:
Also ein Fascho pöbelt einen jungen Mann migrantischen Aussehens, vielleicht moslimischer Religionszugehörigkeit, in der Bahn an und bezeichnet dessen Mutter als "eselfickende Nutte". Diese Beleidigung führt im Affekt zu der Reaktion des jungen Mannes, dass er den Rassisten mit starker Wucht von Sich weg gegen die Wand stößt und dieser anschließend zu Boden geht. Der junge Mann macht zwei bodrohlich wirkende Schritte auf den am Boden liegenden zu, während dieser sich aufrappelnd seine Beleidigung wiederholt. Als der junge Mann sich gerade nach dem sich Aufrappelnden bückt, bekommt er einen Tritt direkt ins Gesicht von einem weiteren Fascho, der seinem Kumpel zu Hilfe kommen wollte. Durch den eingebauten Stahlkappen in dessen Springerstiefeln erleidet der junge Migrant einen Schädelbruch und Hirnblutungen, die in der Folgezeit zu einer stark eingeschränkten Hirnfunktion führen. Soll der Fascho jetzt wegen Notwehr freigesprochen werden oder was?
Think twice before you throw the dice!
alles nur Menschen?
also erstmals zur objektiven Lage: der Angreifer Slamka war mit einem Baseballschläger bewaffnet, was eine bewaffnete Notwehr gerechtfertigt. es ist nur logisch, dass Marios Bruder ihn gleich zu Beginn um Hilfe gebeten hat. die Auseinandersetzung, bei der Slamka verletzt wurde, fand an der Bushaltestelle statt, während der Angriff im Bus begann - d.h. es hat länger gedauert, und in dieser Zeit wird Mário den Täter aufgefordert haben, mit dem Angriff aufzuhören usw.
aber das ist nicht das Entscheidende. dein Beitrag ist nicht faschistisch, aber ganz schon bürgerlich. wie kannst du einen faschistischen Angriff auf eine ethnische Minderheit mit Selbstverteidigung gegen einen solchen Angriff gleichsetzen? es ist alles "Gewalt", es geht nur um "Gesetz", aber jemand, der sich juristisch mit Nazigewalt auseinandersetzt, muss doch wissen, dass das Gesetz verschiedene Maßstäbe kennt.
das ist im Fall Mários, in jedem solchen Fall mit Roma in Osteuropa, besonders auffällig. wenn der Richter während des Prozeß Mário denunziert und praktisch für schuldig erklärt, nur wegen seiner ethnischen Herkunft. welcher Richter, der gegen Nazis verhandelt, würde so reden? "diese Jungs haben die Tat offensichtlich begangen, denn sie sind Deutsche, und Deutsche wenden bekanntlich Gewalt gegen Nicht-Deutsche an."
dazu kommt, dass die Polizei, der Hüter des Rechts, in der Slowakei oft genauso wie die Nazibanden handelt. es gibt schon mehrere bekannte Fälle, wie Roma in Polizeigewahrsam zu Tode verprügelt werden. in dieser Situation ist das Recht auf selbstständige Selbstverteidigung besonders wichtig, weil man sonst gar keine Hilfe bekommt.
deshalb sind es nicht einfach "alles nur Menschen". Menschen mit anderer Hautfarbe haben in dieser Gesellschaft schlichtweg weniger Rechte.
Menschen, die andere wegen ihrer Hautfarbe angreifen, verzichten bewusst auf ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit.