Anquatschversuch in Koblenz

anna&arthur 27.02.2006 21:56
Am Dienstag, 14.02.2006 kam es im Koblenzer Industriegebiet gegen 17.15 Uhr zu einem Anquatschversuch durch den Verfassungsschutz.
Ein Jugendlicher wollte sich nach der Arbeit auf den Nachhauseweg begeben, als er neben seinem Auto von einem Verfassungsschützer erwartet wurde.
Das Gespräch lief folgendermaßen ab:

VS: „Herr Mayer?“
Jugendlicher: Ja.
VS: „ Herr Hans Mayer?“
Jugendlicher: Ja.
VS: „Herr Hans Mayer aus XY?“
Jugendlicher: „Ja, das bin ich. Worum geht es denn überhaupt?“
VS: „Mein Name ist Dieter Herrlich vom Innenministerium in Mainz...“
Jugendlicher: „Aha, und hiermit ist das Gespräch für mich beendet.“
VS: „Aber so warten Sie doch...“
Der Jugendliche stieg darauf in sein Auto ein, schnallte sich an und machte die Fahrertür zu.
Der VS rief noch ein paar mal den Nachnamen des Jugendlichen und folgendes durch das geschlossene Fenster:
VS: „Herr Mayer, wie soll das denn jetzt weitergehen? Soll ich hier etwa jeden Abend auf Sie warten?!“
Jugendlicher:“ Das können Sie ja gerne machen...“ und fuhr los.

Noch ein paar Infos zu „Dieter Herrlich“
Alter: Mitte Dreißig
Haare: kurze, lockige Haare
Auto: Silberner VW Golf V
Kennzeichen: KO PW 164

Resümée:

Dieser Anquatschversuch zeigt erneut, dass die gezielte innere Abschottung und präventive staatliche Repression ein integraler Bestandteil des heutigen Kapitalismus ist.
Ob Dorf oder Stadt, Metropole oder Kuhkaff, staatliche Repression gibt es überall und jederzeit, sie ist flexibler denn je! Kameras hier und da, RFID-Chips, Kommunikationsüberwachung sind nur die gängigsten Instrumente...
Der globale Standortwettbewerb verlangt die besten Rahmenbedingungen. Diese „präventive“ Repression ist nur eines der vielen scheinbar legitimen Mittel um vermeintliche Kritiker oder potentielle politische Gegner der gegenwärtigen kapitalistischen Produktionsweise und Gesellschaftsform dauerhaft einzuschüchtern, um die bestehenden Verhältnisse aufrecht zu erhalten.
Die Entfaltung des freien Individuums soll mit aller Macht verhindert werden, um die gesamtgesellschaftliche Reproduktion zu sichern.
Auch wenn diese Analyse etwas ernüchternt ist möchten wir uns zum Schluss auf ein Zitat von Michel Foucault beziehen der einmal schrieb: „Wo Macht ist, ist auch Widerstand.“

In diesem Sinne:

A little less conversation – a little more action, fight capitalism, the repression creating system!
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Ergänzungen

versteh ich nicht

sonstwie 28.02.2006 - 00:33
für mich ist nicht ersichtlich wieso du daraus schliesst das betreffende person vs mitarbeiter war - gibt ja schliesslich reichlich abteilungen im innenministerium. ausserdem steht da auch nix von nem ausweis oder so- könnte also auch sonstwer gewesen sein (z.b. journalist etc.). und seid wann fahren jugendliche auto (vielleicht hab ich da auch was nich mitgekriegt?)
solche dinge gehören, wenn sie denn so geschehen sind, in der tat öffentlich gemacht und dein freund hat sich in der beschriebenen situation sicherlich richtig verhalten so. trotzdem ist es gerade im umgang mit repression und geheimdienstarbeit ein gewisses maß an genauigkeit geboten,um nicht in irgendwelche verschwörungstheorien zu verfallen

@sonstwie

Hase 28.02.2006 - 00:51
Ja, ja und es ist üblich, dass Mitarbeiter vom Innenministerium irgendwelche Leute auf der Straße anquatschen und Journalisten tun das ja auch immer, vor allem namentlich. Und "sonstwie" stell dir vor, es gibt Jugendliche (auch über 18jährige gelten noch als solche) die haben ein Auto, denn möglicherweise gehen sie erwerbsarbeiten oder haben es von den Großeltern/Eltern zum Geburtstag geschenkt bekommen (gebraucht, klein, schäbig, aber immerhin ein Auto).
Der Bericht ist nicht unglaubwürdig, sondern entspricht der üblichen Masche von Anwerbungsversuchen. Und Verschwörungstheorie ist es auch nicht, da die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um den Scherz einen Passanten handelt, der nur mal so eben einen Jugendlichen verarschen will, das glaubste doch selber nicht.
Super, dass der Anwerbeversuch öffentlich gemacht wurde und auch die Reaktion darauf. Das macht allen anderen, die in eine ähnliche Situation kommen könnten deutlich, dass es sehr einfach ist diese Typen abzuwimmeln. Öffentlichkeit ist der beste Schutz vor weiteren derartigen Belästigungen.

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