Deportationen jüdischer Kinder, DB lehnt Auss

@dy 08.02.2006 09:07 Themen: Antifa
Die Deutsche Bahn lehnt die Ausstellung zu Deportationen jüdischer Kinder auf Bahnhöfen ab ...
Nach sechzig Jahren Ignoranz bezüglich der Rolle der Deutschen Reichsbahn, lehnt die DB es ab, auf den Bahnhöfen dieses Landes eine umfangreiche Ausstellung über die Deportationen jüdischer Kinder zu erlauben.
Die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld hat zusammen mit der französischen Initiative "Fils et filles de deportes juifs de France" Fototafeln zusammengestellt, mit denen an die 11.000 jüdischen Kinder erinnert werden soll, die von Frankreich aus in Viehwaggongs über das Streckennetz der Deutschen Reichsbahn nach Auschwitz deportiert wurden. Seit drei Jahren versucht Klarsfeld vergeblich, die DB dazuzu bewegen, wenigstens einen Bahnhof für die Ausstellung des Dokumentationsmaterials zur Verfügung zu stellen. In Frankreich hingegen war die Ausstellung gleich auf zwanzig grossen Bahnhöfen zu sehen!!

Der Sprecher der Deutschen Bundesbahn Klingberg argumentierte, die Sicherheitsbestimmungen liessen das Aufstellen von Schautafeln auf dem Bahnhöfen mit ihrem grossen Publikumsverkehr nicht zu. Dass überall in Deutschland Grossereignisse auf Bahnhöfen zur Schau gestellt werden, fand in seiner Ablehnung keine Beachtung. Zuletzt mauerte die Bahn AG in Saarbrücken. Von dem Sprecher des früheren Aktivisten des Sozialistischen Deutschen StudentInnenbunds ( SDS ), Reinhard Strecker, war Bahnchef Mehdorn zudem nahegelegt worden, die Ausstellung zur Eröffnung des neuen zentralen Fernbahnhofs Lehrter Bahnhof am 28.Mai in Berlin zu zeigen. Jetzt fordert Strecker die Bahn AG auf, eine eigene Fotoausstellung über "den Logistiker des Holocaust", die deutsche Reichsbahn, zu initiieren; "Material dafür, sei in den Archiven ja reichlich vorhanden".

Die Idee drängt sich förmlich auf, die DB mit einer E-Mail-Flut gegen ihren Geschichtsboykott zu überschwemmen und ihr dadurch zumindest anzuzeigen, dass in diesem Land sehr wohl ein öffentliches Interesse an einer breiten Sensibilisierung zur Nazi-Vergangenheit besteht.
Wer googelt findet die E-Mail-Adresse der DB problemlos.

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Ergänzungen

Absage an Klarsfeld

Mehdorn 08.02.2006 - 10:59
Absage an Klarsfeld
Bahn will Ausstellung zu Deportationen jüdischer Kinder auch in neuem Berliner Zentralbahnhof nicht zeigen

FRANKFURT/MAIN taz Die Deutsche Bahn AG lehnt es endgültig ab, Fotos deportierter jüdische Kinder auf deutschen Bahnhöfen zu zeigen. Auf taz-Nachfrage sagte Bahnsprecher Werner W. Klingberg, die Fotoausstellung der französischen Initiative "Fils et filles des déportés juifs de France" der Nazijägerin Beate Klarsfeld werde "auf deutschen Bahnhöfen nicht zu sehen sein".

Zugleich wies der Sprecher einen Vorschlag des früheren Aktivisten des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS), Reinhard Strecker, schroff zurück. Der Sozialdemokrat, der Ende der 50er-Jahre in Publikationen und mit Ausstellungen die Nazivergangenheit von bundesdeutschen Juristen und Politikern öffentlich machte, hatte in einem Brief an Bahnchef Hartmut Mehdorn angeregt, die Ausstellung zur Eröffnung des neuen zentralen Fernbahnhofs Lehrter Bahnhof am 28. Mai in Berlin zu zeigen. Nach 60-jähriger Untätigkeit habe die Bahn AG die Chance, "etwas Überfälliges und Selbstverständliches" nachzuholen und die Beteiligung der Deutschen Reichsbahn am Massenmord an den Juden öffentlich am richtigen Ort - einem Bahnhof - zu dokumentieren.

Beate Klarsfeld will mit den Fototafeln an die 11.000 jüdischen Kinder erinnern, die von Frankreich aus in Viehwaggons über das Streckennetz der Deutschen Reichsbahn in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurden. Seit drei Jahren sucht Klarsfeld vergeblich einen deutschen Bahnhof zur Präsentation der Ausstellung. Zuletzt mauerte die Bahn AG in Saarbrücken. In Frankreich dagegen war die Ausstellung auf 20 großen Bahnhöfen zu sehen.

Bahnsprecher Klingberg erklärte, die Sicherheitsbestimmungen ließen das Aufstellen von Schautafeln auf den Bahnhöfen "mit ihrem großen Publikumsverkehr" nicht zu. Dass auf Bahnhöfen überall in Deutschland Großereignisse aller Art in Szene gesetzt werden, ist für den Bahnsprecher kein Gegenargument. Vielfach seien die Pächter der Wirtschaftsflächen in den Bahnhöfen für solche Veranstaltungen verantwortlich - und nicht die Bahn AG. Der Lehrter Bahnhof werde im Übrigen mit Blasmusikbegleitung und Freibierausschank eröffnet, so Klingberg. Das sei ja wohl "ganz bestimmt kein würdiger Rahmen für die Ausstellung".

Strecker fordert die Bahn AG jetzt auf, eine eigene Fotoausstellung über den "Logistiker des Holocaust", die Deutsche Reichsbahn, zu initiieren. Material dafür sei in den Archiven schließlich "reichlich vorhanden". KPK

 http://www.taz.de/pt/2006/02/07/a0073.1/text