Ludwigshafen: "White Noise" Strukturen

DeltaPress 03.02.2006 11:46 Themen: Antifa
Im Rahmen der gerade anlaufenden antifaschistischen Kampagne in Ludwigshafen( http://de.indymedia.org/2006/01/137674.shtml) fand am Mittwoch eine erste Informations- und Diskussionsveranstaltung statt. Ein Referent des APABIZ (AntifaschistischesPresseArchiv und BildungsZentrum/  http://www.apabiz.de) hielt einen Vortrag unter dem Titel: "White Noise- Begleitmusik zu Mord und Totschlag". Genaueren Bezug nahm er dabei auf die regionalen Strukturen. Er betonte die herausragende Rolle, die der Ludwigshafener Malte Redeker mit seinem Internet-Versand "Gjallarhorn Klangschmiede" im Rechtsrock-Geschäft und im Hammerskin-Netzwerk der Bundesrepublik spielt.
Trotz der kurzen Mobilisierungszeit von nur etwa einer Woche, hatten sich immerhin knapp 30 ZuhörerInnen in der evangelischen Fachhochschule für Sozialwesen eingefunden. In etwas mehr als einer Stunde gab der Referent vom berliner APABIZ dann einen Überblick über die Strukturen und Funktionsweisen des "White Noise" in Deutschland. Sein Augenmerk legte er dabei vor allem auf die Strukturen der Rhein-Neckar Region. Auch grundsätzliches, wie beispielsweise die konspirative Mobilisierung zu illegalen "White Noise" Konzerten, legte er anschaulich an aktuellen Beispielen aus dem Südwestdeutschen Raum dar.

Besondere Aufmerksamkeit schenkte er dabei dem Besitzer des Internet-Versandes "Gjallarhorn Klangschmiede" ( http://www.turnitdown.de/labels+M589bedc4bcc.html), dem Ludwigshafener Hammerskin( http://de.wikipedia.org/wiki/Hammerskins) Malte Redeker. Bei diesem hatte es in der letzten Woche erstmals eine Hausdurchsuchung gegeben. Grund für diese war ein Konzert, das Redeker am 19.März 2005 in Mannheim Rheinau organisiert hatte. Die Band "Confident of Victory" soll dort mit seinem Einverständniss den Hitlergruß gezeigt haben und das Publikum animiert haben selbiges zu tun( http://www.turnitdown.de/571.html).

Auch das antifaschistische Bündniss nennt Redeker in seinem Aufruf "eines der führenden Mitglieder des internationalen Hammerskin-Netzwerkes in Süddeutschland"
( http://www.ludwigshafen.ainfos.de/aufruf.htm). Hinter dieser Gewichtung blieb der Referent nicht zurück, im Gegenteil. Bei der Einschätzung des Umsatzes seines Labels und Versandes sei mit Sicherheit von einem Betrag im vierstelligen Bereich pro Monat auszugehen.

Auch beim Organisieren von klandestinen Rechtsrock-Konzerten sei Redeker im Vergleich zu Hartwin Kalmus etwa, der auch zu den "alten Hasen" im Rechtsrock-Business gehört, der deutlich gewieftere Organisator. Deshalb sei Kalmus' Konzert in Karlsruhe auch der Polizei bereits im Vorhinein bekannt gewesen und deshalb aufgelöst worden( http://de.indymedia.org/2006/01/137112.shtml /  http://de.indymedia.org//2006/01/136922.shtml).

Redeker agiere dagegen vorsichtiger und professioneller. Sein Konzert im Mannheimer Hafengebiet Rheinau vom März 2005 hatte er als Hochzeitsfeier deklariert. Als die Polizei damals eine Razzia durchführte waren sämtliche Gäste mit Einladungen zu einer Geburtstagsfeier ausgestattet gewesen. Damit konnte das Konzert ausreichend glaubwürdig als Privatveranstaltung deklariert werden und nach einer Unterbrechung weitergehen. Zu seinem letzten Konzert in Darmstadt vom 7.Januar kamen etwa 500 Gäste um zu menschenverachtender Musik zu feiern ( http://de.indymedia.org//2006/01/136190.shtml). Es spielten unter anderem "Gigi und die braunen Stadtmusikanten"( http://www.turnitdown.de/219.html), eine Nachfolgeband der "Zillertaler Türkenjäger". Diese waren seit den neunziger Jahren zusammen mit "Landser" die bekannteste Rechtsrock Band der Bundesrepublik. Besonders erschreckend an diesen sei, dass die extrem menschenverachtenden Texte in die musikalische Form des zwanglos-heiteren Schlagers verpackt würden.

Eine Sprecherin der antifaschistischen Kampagne ( http://www.ludwigshafen.ainfos.de) bemerkte im Anschluss an den Vortrag, sie sei sehr zufrieden mit dessen Verlauf. Die Ausführungen des Referenten bestätigten sie in der Einschätzung, dass die Kampagne in Ludwigshafen dringend notwendig sei. Ein erster kleiner Schritt in Richtung Thematisierung und Bekämpfung der regionalen Nazistrukturen sei mit dem Vortrag getan worden. Dies dürfe aber selbstverständlich nicht der letzte gewesen sein.
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Ergänzungen

Gjallahorn und das "Fest der Völker" in Jena

ASJ 03.02.2006 - 12:18
Die "Gjallarhorn Klangschmiede" (GKS) war einer der vier Unterstützer auf dem neonazistischen "Fest der Völker" am 11. Juni 2005 und wird neben "PC-Records" aus Chemnitz und "Nationale Medien Norddeutschland" (NMN) auch wieder für dessen Wiederholung am 10. Juni 2006 genannt.

 http://www.voelkerball.tk/
 http://voelkerball.freespaces.com/info_klangschmiede.html

 http://www.nazis-stoppen.tk/
 http://www.infoladen.de/sljena/nazis-stoppen/gks.htm

 http://de.wikipedia.org/wiki/Fest_der_V%C3%B6lker

Das Internetforum der "FK Rhein-Neckar"

Erste Einschätzung des apabiz 03.02.2006 - 20:34
Das Internetforum der "Freien Kameradschaften Rhein Neckar"
Erste Einschätzung des apabiz / Berlin, 3. Februar 2006  http://media.de.indymedia.org/media/2006/02//137929.pdf

Mit kurzen Infos zu Malte Redeker.


Schlussbemerkung und Fazit des apabiz

Das apabiz betont, dass diese Stellungnahme nach einer ersten Durchsicht des umfangreichen Datenmaterials erfolgt ist und lediglich einige augenscheinlich bedeutende Punkte thematisiert. Eine genaue Aufarbeitung der Informationen im regionalen Kontext wird von antifaschistischen Gruppen, Initiativen sowie von den Medien in der Rhein-Neckar-Region geleistet werden müssen.

Erst am Mittwoch war unser Mitarbeiter Michael Weiss in Ludwigshafen um an der Evangelischen Fachhochschule einen Vortrag zum Thema "White Noise" abzuhalten. Seine dort geäußerte und von vielen Besuchern der Veranstaltung mitgetragene Einschätzung, dass die Rhein-Neckar-Region eines DER bundesweiten Zentren neonazistischer Aktivitäten und Organisierung ist, wird durch die nun vorliegenden Informationen nachdrücklich bestätigt.

Die in der Rhein-Neckar-Region existierenden Strukturen und Freiräume wirken wie ein Magnet auf Neonazis aus dem Umland und von weiter her. Mit ca. 20 im Jahre 2005 durchgeführten Konzerten, von denen nur wenige polizeilich aufgelöst wurden, war im letzten Jahr in der Rhein-Neckar-Region eine der bundesweit höchsten Konzentrationen neonazistischer Konzertaktivitäten festzustellen. Zudem ist eine deutliche Orientierung von neonazistischen Gruppen aus anderen Regionen, zum Beispiel aus Rastatt oder aus Südhessen, hin zum Ballungsraum Mannheim-Ludwigshafen erkennbar.
Die Attraktivität des Neonazi-Standortes Rhein-Neckar verdeutlicht auch die Tatsache, dass zwei der zentralen Personen des Aktionsbüros Rhein-Neckar, Malte Redeker und Matthias H., in den vergangenen Jahren aus anderen Regionen (bzw. aus der Schweiz) nach Ludwigshafen zogen. Weitere Aktivisten der Hammerskins und der "Freien Kameradschaften", das belegen u. a. die Forumseinträge, haben in den letzten Monaten ihre Wohnsitze aus dem südlichen Baden-Württemberg oder aus Osthessen in die Rhein-Neckar-Region verlegt. Ein zugezogener "Hammerskin" soll beispielsweise die Eröffnung eines Tätowier-Ladens in Frankenthal planen, was die neonazistische Infrastruktur weiter ausbauen würde.

Besondere Sorge bereiten die derzeitigen Bemühungen des Aktionsbüros Rhein-Neckar, das über 3000 Quadratmeter große und mit mehreren Wohn- und Nutzgebäuden versehene Grundstück eines ehemaligen Weingutes in Grünstadt-Kirchheim (Rheinland-Pfalz) käuflich zu erwerben. Die Kaufverhandlungen mit dem Eigentümer laufen derzeit. Die ehemalige Scheune des Anwesens wurde von Neonazis bereits gepachtet und in den letzten Wochen zum "Clubhaus" umgebaut. Erste Veranstaltungen, u.a. eine Rednerveranstaltung mit dem NPD-Landesvorsitzenden Rheinland-Pfalz, Peter Marx, haben dort bereits stattgefunden. Sollte der Pachtvertrag bestehen bleiben oder sollten die Neonazis das Gelände gar käuflich erwerben können, so würde sich einem der strukturstärksten neonazistischen Zusammenhänge in Deutschland ein erneuter Freiraum öffnen, dessen "Qualität" und Strahlungskraft die Probleme der Region potenzieren würde.

Das apabiz verbindet mit der Veröffentlichung des Forums die Hoffnung, dass mit den nun zugänglichen Informationen es antifaschistischen Kräften der Region wie auch den Ermittlungsbehörden möglich sein wird, diesem fortschreitenden Strukturaufbau und der umfassenden Erlebniswelt und Parallelwelt der Neonazis in der Rhein-Neckar-Region endlich wirksam entgegen zu treten.


Für Nachfragen steht das apabiz gerne zur Verfügung.

Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum (apabiz)
Lausitzer Straße 10, 10999 Berlin
Telefon / Fax: 030 – 611 62 49
e-mail:  mail@apabiz.de
www.apabiz.de