Kieler Vollversammlung fest in Politikerhand
Die gestrige "Vollversammlung" der StudentInnen an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel war fest in der Hand der Herrschenden. Diese durften in epischer Breite ihre Programme präsentieren. Studentische Redebeiträge wuren vom AStA kurzerhand verboten.
Es war schon interessant, wer auf der gestrigen Vollversammlung der Kieler Christian-Albrechts-Universität reden durfte. Noch interessanter war es, zu sehen wem dies nicht gestattet war.
Die sogenannte Vollversammlung war nichts anderes als eine Podiumsdiskussion mit VertreterInnen der bürgerlichen Parteien von SSW bis CDU, moderiert durch die –ebenfalls parteigebundenen– Vorsitzenden des AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss), Lars Juister (Jusos) und Florian Peters (Grüne).
Einer freien Assoziation von linken Studierenden, die als einzige die für die studentischen Interessen sprechen wollten, wurde die Redezeit verweigert. Lediglich kurze Fragen an die Herrschenden wurden zugelassen.
Also enterte der verhinderte Redner kurzerhand die Bühne, unterstützt von ca. einem Dutzend StudentInnen, die Transparente wie „Bildet euch. Bildet andere. Bildet Widerstand“ hochhielten. Die überwiegende Mehrheit des studentischen Publikums hatte kein Verständnis für diesen Versuch, ihre Interessen zu vertreten. Dies mag an dem Redetext gelegen haben, der auch als Flugblatt verteilt wurde. Denn es wurde über den akademischen Tellerrand hinaus geblickt und die Einführung von Studiengebühren in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext gestellt. Die Gruppe sah sich von allen Seiten mit einer feindseligen Stimmung konfrontiert. Doch weder Pöbeleien des AStA-Chefs Juister, noch das Abstellen des Mikrofons konnten die Rede vorzeitig beenden. Zum Schluss fanden sich sogar spontan Studenten, die versuchten, die „Störer“ von der Bühne zu drängen.
Der AStA der Christian-Albrechts-Universität hat durch sein undemokratisches Verhalten und durch das Programm der „Vollversammlung“ wieder einmal gezeigt, wofür er politisch steht: Für die genaue Reproduktion staatlicher Herrschaftsstrukturen und das ausschließliche Eintreten für Macht- und Parteiinteressen. Dass Juister und Peters irgendwann einmal für die Belange von StundentInnen eintreten könnten, bleibt wohl eine Illusion. Viel zu sehr sind sie darauf bedacht, ihre Parteikarrieren zu verfolgen.
Doch auch ein großer Teil der Studierenden hat durch seine negative Reaktion gezeigt, dass mit ihm auch weiterhin ein Staat zu machen ist. Anstatt die Vollversammlung als Möglichkeit zu begreifen, sich basisdemokratisch zu organisieren, Informationen und Meinungen auszutauschen oder alternative Hochschulmodelle zu entwickeln, freute man sich über die ausgefallenen Vorlesungen und beklatschte die Herrschenden, die (fast) ungestört eine 1A-Wahlwerbeveranstaltung durchführen konnten. Dass diese Parteipolitiker die wahren Störer waren, konnte leider den wenigsten Studierenden vermittelt werden. So werden wohl, trotz gravierender Einschnitte in der Hochschullandschaft von Schleswig-Holstein, weiterhin die Herrschenden beklatscht werden und wird weiterhin ein untätiger und machtgeiler AStA die Studierenden „vertreten“. Viel Spaß damit.
Die sogenannte Vollversammlung war nichts anderes als eine Podiumsdiskussion mit VertreterInnen der bürgerlichen Parteien von SSW bis CDU, moderiert durch die –ebenfalls parteigebundenen– Vorsitzenden des AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss), Lars Juister (Jusos) und Florian Peters (Grüne).
Einer freien Assoziation von linken Studierenden, die als einzige die für die studentischen Interessen sprechen wollten, wurde die Redezeit verweigert. Lediglich kurze Fragen an die Herrschenden wurden zugelassen.
Also enterte der verhinderte Redner kurzerhand die Bühne, unterstützt von ca. einem Dutzend StudentInnen, die Transparente wie „Bildet euch. Bildet andere. Bildet Widerstand“ hochhielten. Die überwiegende Mehrheit des studentischen Publikums hatte kein Verständnis für diesen Versuch, ihre Interessen zu vertreten. Dies mag an dem Redetext gelegen haben, der auch als Flugblatt verteilt wurde. Denn es wurde über den akademischen Tellerrand hinaus geblickt und die Einführung von Studiengebühren in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext gestellt. Die Gruppe sah sich von allen Seiten mit einer feindseligen Stimmung konfrontiert. Doch weder Pöbeleien des AStA-Chefs Juister, noch das Abstellen des Mikrofons konnten die Rede vorzeitig beenden. Zum Schluss fanden sich sogar spontan Studenten, die versuchten, die „Störer“ von der Bühne zu drängen.
Der AStA der Christian-Albrechts-Universität hat durch sein undemokratisches Verhalten und durch das Programm der „Vollversammlung“ wieder einmal gezeigt, wofür er politisch steht: Für die genaue Reproduktion staatlicher Herrschaftsstrukturen und das ausschließliche Eintreten für Macht- und Parteiinteressen. Dass Juister und Peters irgendwann einmal für die Belange von StundentInnen eintreten könnten, bleibt wohl eine Illusion. Viel zu sehr sind sie darauf bedacht, ihre Parteikarrieren zu verfolgen.
Doch auch ein großer Teil der Studierenden hat durch seine negative Reaktion gezeigt, dass mit ihm auch weiterhin ein Staat zu machen ist. Anstatt die Vollversammlung als Möglichkeit zu begreifen, sich basisdemokratisch zu organisieren, Informationen und Meinungen auszutauschen oder alternative Hochschulmodelle zu entwickeln, freute man sich über die ausgefallenen Vorlesungen und beklatschte die Herrschenden, die (fast) ungestört eine 1A-Wahlwerbeveranstaltung durchführen konnten. Dass diese Parteipolitiker die wahren Störer waren, konnte leider den wenigsten Studierenden vermittelt werden. So werden wohl, trotz gravierender Einschnitte in der Hochschullandschaft von Schleswig-Holstein, weiterhin die Herrschenden beklatscht werden und wird weiterhin ein untätiger und machtgeiler AStA die Studierenden „vertreten“. Viel Spaß damit.
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Ergänzungen
Mehr nicht zu berichten?
Auch der AStA bezeichnete unsere Planung als "idiotische Idde", "völlig fehlgeleitet" und so weiter - danke trotzdem für das Megaphon und die Sofas...!
Was haben wir denn nun gemacht?
Eine bunt gemischte Gruppe aus Fachschaftlern unterschiedlichster Fachbereiche und unorganisierten Studies haben während der Vollversammlung das Rektorat gegenüber des AudiMax besetzt.
Auf dem Vordach wurde ein Transpi ("Besetzt") hochgehalten und über Megaphon zur Beteiligung an Arbeitskreisen aufgerufen.
Diesem Aufruf folgten am Ende auch mindestens 50 Studierende, die nach eigener Aussage (auf Nachfrage) bislang nicht aktiv in der Hochschulpolitik engagiert waren (z.B. Fachschaften, AStA, Hochschulpolitische Gruppen).
In zwei Arbeitskreisen wurden Aktionen gegen Studiengebühren und Entdemokratisierung besprochen und ein weiteres Treffen am Mittwoch ausgemacht.
Danach wurde das Foyer des Verwaltungshochhauses mit verschiedensten Transpis verschönert und man sammelte sich für die Nacht.
Am Abend wurde intensiv über verscheidenste Themen diskutier (von Kapitalismuskritik über Rückblende der VV bis hin zu Radikalismusdebatten war alles vorhanden)
Außerdem leisteten uns der Prorektor Bauer (momentan Vertreter des erkrankten Rektos) und der Kanzler Herrmann Gesellschaft, diskutierten kurz über Studiengebühren (beide sind gegen Studiengebühren).
Sie begrüßten ausdrücklich die Besetzung des Foyers (keine Blockade, nur Platz für Diskussionen und Organisationen schaffen) und wünschten uns eine gute Nacht, viel Ausdauer (!!) und gingen einfach nach Hause.
Ab da waren wir im Foyer völlig unbeaufsichtigt (außer der Überwachungskameras) - nur der Wachdienst war 2 mal im gebäude, haben uns aber nicht weiter beachtet.
Auch die Angestellten, die das Gebäude verließen, äußerten sich fast ausschließlich positiv!
In der Nacht wurde dann auf dem Plenum die Forderungen ausgearbeitet, die am nächsten Tag dem Rektorat vorgelegt werden sollten.
Um 10 vor 4 (wir waren gerade eingecshlafen) wurden wir dann von einem Wachdienstmitarbeiter aufgefordert, das Gebäude umgehend zu verlassen, da die Putzfrauen gleich kämen.
Wir stellten klar, dass wir vom rektorat geduldet würden und wir uns somit als legitimier sähen.
Um 10 nach vier kam der gleiche Herr dann mit einer Kollegin mit Hund als Verstärkung und sie drohten mit der Polizei, wenn wir das Foyer nicht umgehend räumen würden (was unmöglich war, weil die Sofas und Transpis aus dem AStA stammten, zu dem wir keinen Zugang hatten).
Die gerufene Polizei (zwei Beamte) stellten die Personalien einer Peron fest und versuchten die Situation zu klären.
Auf Grund der Aussage, dass sowohl Prorektor, als auch Kanzler uns ausdrücklich eine gute Nacht wünschten, haben die Beamten dem Wachschutz klar gemacht, dass wir bleiben könnten (wir waren zu der Zeit leider nur noch 7 Übernachter).
Aber auch die Personalien der erstlichen Besetzer wurden aufgenommen, um die Situation am nächsten Tag zu klären (und unsere Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen).
Die Putzfrauen, die wir "blockierten" haben dann auch das tägliche Wischen des Bodens verzichtet und morgens nur die Aschenbecher geleert.
Leider hatte der Wachmann alle Lichter angelassen, so dass an SChlaf nicht mehr zu denken war.
Um 6 begann dann der reguläre Betrieb - für uns mit einer Tageszeitung aus der Poststelle (geliehen), heißem Kaffee von einer Mitarbeiterin der Informatik, einem Prof, der uns zu weiteren Streiks ermutigte, dem Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, der ein Gesräch über Studiengebühren ablehnte, da er ohnehin dagegen sei, netten Gesprächen mit Mitarbeitern des Verwaltungshochhauses, und vielen weiteren positiven Bekräftigungen.
Die einzig negativen Kommentare kamen von dem Wachmann, der Vorarbeiterin der Putzfrauen (oder so), die sich bei den Wachleuten beschwert hatte und einigen Mitarbeitern der Poststelle, die das Ganze (nicht uns gegenüber) als albern bezeichneten....
Ermutigt von all diesen positiven Signalen und der Aussicht auf nochmal 30-40 Besetzern (und neue wohl auch), haben wir uns entschlossen, auch diese Nacht im Rektorat (bzw. im Foyer) zu bleiben.
Über Besucher und "Schläfer" freuen wir uns noch die gesamte Nacht....!
:-)
naja
dann, um brecht zu paraphrasieren, müßt ihr wohl die studis abschaffen und euch neue suchen... wenn ein projekt nicht ankommt, ist es extrem vermessen, die schuld bei denen zu suchen, denen's nicht gefällt. das ist ne miese kommie-taktik und nicht mehr. vielleicht wäre es möglich, den flugitext zu dokumentieren, damit wir sehen können, ob es tatsächlich die inhalte waren oder vielleicht doch eher (wie üblich) die form? die bahamas-clique versucht auch immer, "gesamtgesellschaftliche zusammenhänge" einzubringen, aber daß deren rhetorikmüll kaum wen interessiert, liegt ziemlich sicher weniger an den inhalten als an dem unerträglichen diktum.
@16:24: nein, nur die großen parteien. und das heißt immerhin, daß 1/3 des elektorats rein rechnerisch gesehen nicht repräsentiert war (wenn man studis als repräsentativ ansehen kann). immerhin haben sie den ssw eingeladen...
@björn
das ist alles reine spekulation und gibt nicht die meinung der aktivistInnen wieder. im gegenteil waren sogar mehrere male versch. personen bei eurer aktion, um unsere solidarität zu zeigen.
NICHT SPALTEN - GEMEINSAM KÄMPFEN :-)
sicht eines teilnehmers
1. war das keine vollversammlung in dem sinne, als das sich studis im großen rahmen untereinander verständigen können über die prozesse, die da am laufen sind und nun mal aus dem gesamtgesellschaftlichen kontext an uns herangetragen werden. es ging einzig und allein darum die positionen des astas und der parteien zu hören.
2. wurde der themenrahmen rigoros auf die bestehenden strukturen an der uni beschränkt. wir studenten werden so zu sagen ausgeklammert aus dem größeren zusammenhang, so dass unsere vorstellungen ja nicht zu wild werden. eine demokratische offene debatte über die themen und die gesprächsführung hatte es zuvor gar nicht erst gegeben; der asta entscheidet bei einer wahl beteiligung von gerade mal 12,5 prozent selbstherrlich über die beschäftigung mit den themen.
3. ließ die struktur der sogenannten "diskussion" keine ausführungen anderer positionen zu. nach dem referat des astas und den beiträgen der politiker durfte gefragt werden, das heißt stichpunktartig einzelne punkte den politikern zum fraß vorgeworfen werden. somit ging es im prinzip darum, den politikern die möglichkeit zur individuellen wahlwerbung zu eröffnen. wenn man gegen studi gebühren ist, schön brav grün wählen. die in die passitiviät gedrängten studis verkommen zur unmündigen masse
4. der umgang des astas mit unserer kurzen aktionsform bestätigt unsere schlimmsten erwartungen. wir haben viel aufwand betrieben, in dem wir uns innahltlich lange mit unseren botschaften auseinander gestzt haben, auch das transpis malen und die rede schreiben hat viel zeit in anspruch genommen, und auch finanziell haben wir uns dafür opfern müssen. unsere auf maximal 5 minuten ausgerichtete aktion wurde vom asta von anfang an nicht akzeptiert. wir hatten zuvor angefragt, ob wir unseren beitrag als kurzen einschub offiziell einbringen konnten- "ihr dürft fragen stellen". wir wollen uns aber nicht den herren politikern unterordnen und zeigen, dass es neben parteien und asta auch noch andere organisationsformen gibt. als wir uns dann darüber hinweg setzten, stellte der ast erstmal das mikro ab, und begann dann, als wir per megafon weitermachten, den studi mob gegen uns aufzuhetzen, welcher in der mehrzahl brav parierte. einige gelackte prototyp bwler fingen an uns zu bedrohen (ich schlag dir deinen zecken schädel ein), unsere herumgegebenen flugis prasselten als wurfgeschosse auf uns zurück. nach etwa 3 minuten beschloss der asta uns von der bühne zu schieben, unter dem gejohle der gehirngewaschenen bürgerwehr mindfuck studis. es gab mal zeiten, da musste die uni leitung polizei mit wasserwerfern anfordern, um besetzte unis zu räumen. heutzutage werden unliebsame meinungen und protestformen von den studis, als brave angepassete staatsbürger, selber unterbunden. für uns bedeutet dieser tag klarheit, aber keine niederlage. kiel ist nicht die welt, in anderen unis sehen studis eine solidarische, emanzipatorische welt als zu erkämpfendes ziel an und wissen, das man es nur durch den bruch mit den gegebenen strukturen schaffen kann. vor allem haben wir verdeutlicht, das der asta lediglich statthalter der herrschenden ist, er hat sich durch sein verhalten selbst entlarvt. gegen ein fremdbestimmtes, von kapitalinteressen abhängiges leben! für eine freie, emanzipatorische wirklichkeit!
p.s.: kann vielleicht irgendeiner von uns die rede posten?
p.s. nr 2: wie kommt man darauf, uns zur bahamas klicke zu zählen? weil wir was gegen du bist deutschland und dem zusammenhang von wirtschaftlicher rezession und nationalismus (eben auch durch unreflektierten antiamerikanismus) äußert? manchmal kommst mir so vor als ob man wenn amerika einem nicht der hauptfeind ist sofort als antideutscher gebranntmarkt wird
@björn
es war uns sehr wichtig die trubeljubel veranstalung zu stören und die macht des astas in frage zu stellen. war vorhin bei euch als ihr so nett mit dem rektorat geplaudert habt. der kniefall für das bloße "runterkommen" vom königsstuhl war echt daneben. ich hatte an der besetzung nicht teilgenommen und hab deshalb auch nix gesagt, naja, aber wegen den hierarchischen strukturen- es haben nur 4-5 von euren leuten geredet, meistens auch nur ein typ und eine frau- so schnell geht das mit der hierarchie. vorallem aber find ich es unglaublich das wenn der rektor heini meint:"wir können nicht so scharf gegen studi gebühren reden, weil wir dann vielleicht das geld aus den gebühren nicht bekommen"; "wir sind gegen studi gebühren, weil es nicht in ordnung ist, wenn die zukünftige elite in diesem land, von denen wir ja eine führungsleistung erwarten, von uns als gegenleistung kein freies studium bezieht", "wenn in der demokratischen bundesrepublik die wähler ein neoliberales konzept wählen, müssen wir das akzeptieren"- und ihr bei dem dünnpfiff nur lieb guckt oder sogar nickt, dann weiß ich dass ich lieber mit meinen 12-20 leuten eigene inhalte formuliere als mit euch eine belanglose pseudo-"besetzung" durchzuführen, die eh nix blockiert und wo dauernd nervig gitarre gespielt wird. mensch studis, jetzt ma deutlich: wer im kapitalismus gegen studi gebühren ist, aber die marktwirtschaft an sich ganz ok findet und dann so argumente bringt wie "ja, das geld würde ja eh nur in den haushalt fließen" sagt im prinzip das er die lasten dieses überhitzten systems nur nach unten verschieben will und nicht selber tragen. da ist mir ja fast die cdu einstellung sympathischer. smash capitalism
noch was
für eine kritische wissenschaft!
Antworten...
Ich denke aber schon, dass viele nicht gemerkt haben, dass wir im vielen Punkten dasselbe wollten wie die Mehrheit der StudentInnen (Verhinderung von Studiengebühren und Entdemokratisierung). Es kann wohl sein, dass einige mit der Rhetorik der Rede nicht viel anfangen konnten, oder wegen des Tumultes akkustisch nicht viel verstanden haben. Aber ist schon klar: Ich persönlich habe auch keine Lust mehr, im Namen einer Gruppe zu sprechen, die mich entweder nicht versteht oder aber eine völlig andere Meinung vertritt.
Trotzdem möchte ich noch einmal festhalten, dass unser Beitrag der einzige von Seiten der Studierendenschaft war. Auf einer Vollversammlung nach meinem Verständnis hätte sich jedeR andere StudentIn auf der Bühne äußern können. Daher halte ich die Verhinderung unseres Beitrags durch den AStA, ebenso wie den gesamten Charakter der Veranstaltung, nach wie vor für undemokratisch.
@Björn: Sorry, ich habe eure Aktion ganz sicher nicht bewusst verschwiegen. Ich habe den Artikel in ziemlicher Eile geschrieben und nur das reingebracht5, was mir persönlich gerade im Kopf rumschwirrte. Wie bereits von anderer Seite angemerkt, gibt es auch von unserer Seite durchaus Sympathie für die Besetzung.
Redetext!
ich spreche im Namen einer freien Assoziation von linken Studierenden aus Kiel. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, in Kiel und speziell an der Uni wieder emanzipatorische Inhalte zu thematisieren. Diese Auseinandersetzung wollen wir jenseits und dadurch unabhängig von herrschenden Partei- und Organisationsstrukturen führen.
In diesem Rahmen spielt die Hochschulpolitik der Herrschenden eine wichtige Rolle. Denn ähnlich wie bei Arbeitslosen die Hartz IV -Reformen wirken, so bringen auch die Reformen im universitären Bereich viele Studierende in Existenzängste. Doch wir wollen die Thematik aus einer umfassenderen Perspektive beleuchten. Wir sehen die Einführung von Studiengebühren und die rückschrittliche Politik bei den Mitbestimmungsorganen im Kontext zu einer Reihe von repressiven Veränderungen in der gesellschaftlichen Realität.
Sozial- und Bildungsabbau haben Hochkonjunktur in den modernen kapitalistischen Gesellschaften. Grundtenor ist dabei die Erhöhung des ökonomischen Druckes auf die betroffenen Personen. Das sind vor allem die sozial schwachen Bevölkerungsgruppen, deren Organisierungsgrad bei annähernd null liegt. Genau dadurch setzen sich die herrschenden Interessen sehr einfach mit ihren sogenannten Reformen durch. Mithilfe der sachzwang-Argumentation wird schrittweise die Auflösung der Sozialstaatsinstitutionen durchgesetzt. Dabei werden den an der Peripherie der kapitalistischen Produktion befindlichen Menschen nicht mal mehr minimale sozioökonomische Lebensstandards gelassen. Stattdessen werden sie mit der ökonomischen Keule in geringfügige Lohnverhältnisse gedrängt. Die Verbesserung der Verwertbarkeit des Einzelnen dient dabei als Leitmotiv. Um hierdurch die fehlende Identifikation mit der kapitalistischen Gesellschaftsform zu schaffen, dient ein sich neuerdings offen formulierender Nationalismus, der für jeden sichtbar ist: So zum Beispiel in der „Du bist Deutschland“ - Kampagne oder in der Konstruktion einer nationalen Identität durch unreflektierten Antiamerikanismus. Historisch ist es bekanntermaßen nichts Neues, dass einer wirtschaftlichen Rezession unter anderem mit Nationalismus und einfachen Feindbildern begegnet wird.
Als Teil des Sozialabbaus zeigen sich beim Bildungsabbau die gleichen Handlungsmuster. Der Zusammenhang von zu erreichenden Schul- und Hochschulabschlüssen und vorhandenem Besitz ist extrem groß. Es wird Kindern aus wirtschaftlich schlechter gestellten Familien schwerer gemacht, im deutschen Bildungssystem aufzusteigen. Das Bildungssystem dient daher hauptsächlich der Reproduktion der Elite aus der besitzenden Klasse heraus. Die soziale Selektion fängt im Kindergarten an und führt sich an der Universität fort. Zugang zu und Förderung durch die sogenannten Bildungseinrichtungen hängt also meistens vom Geldbeutel der Eltern ab. Diese Problematik wurde durch die in vielen Bundesländern bereits eingeführten Studiengebühren dramatisch verschärft. Einer solchen Entwicklung müssen wir als Studierende entgegentreten!
Doch wie kann den Angriffen der Herrschenden begegnet werden?
Widerstand kann aus der Organisierung der Betroffenen und durch Solidarisierung von Menschen außerhalb der Universität geleistet werden. Doch die Ausgestaltung eines Widerstandnetzwerks muss konsequent den bestehenden gesellschaftlichen Strukturen eine Absage erteilen. Es muss eine basisdemokratische Organisation in freiwilligen und in der Gestaltung sich selbst überlassenen Aktions-, Kreativ- und Theoriekreisen geben. Diese Arbeitskreise müssen in ihrer inneren Struktur transparent und offen für ebenfalls Interessierte sein. Weiterhin muss ein solidarischer und hierarchiefreier Umgang für Alle als Grundkonsens bestehen.
Die bestehenden universitären Strukturen sind allesamt das Gegenteil der eben artikulierten Ansprüche. Das Studierendenparlament und der daraus gestellte AStA sind genaue Abbilder der politischen Institutionen des Staates. Auch hier kommen ausschließlich die leitenden Parteiinteressen, also Herrschafts- und Kapitalansprüche zum Tragen. Daher haben sich diese Organe der sogenannten studentischen Selbstverwaltung bisher auch nur weitgehend passiv und kontraproduktiv zum Kampf gegen Studiengebühren verhalten. Und auch Aktionskampagnen wurden eher verurteilt, als diese zu unterstützen. Das zeigt auch diese Vollversammlung, die keinesfalls als offene Plattform dem Ideenaustausch und der Aktionsplanung dient, sondern mit den VertreterInnen der einzelnen Parteien nur eine reine Wahlwerbeveranstaltung ist.
Dabei sind die gesamten Möglichkeiten für die Artikulation der studentischen Interessen das Ergebnis von langen Kämpfen seit den sechziger Jahren. Bisher wurde uns nichts geschenkt, alles musste den Herrschenden abgerungen werden. Wir sehen uns als Teil einer breiten studentischen Bewegung. Wir schlagen euch vor, im Anschluss an diese Veranstaltung eine spontane Demonstration gegen Studiengebühren zu starten.
Nichts wird sich von alleine für uns zum Besseren wenden. Ganz im Gegenteil, wenn wir uns nicht wehren, werden wir immer mehr Druck und Repressionen zu spüren bekommen. Wer glaubt, innerhalb der bestehenden Organe Verbesserungen erreichen zu können, wird nur den Verlust der eigenen Ideale und Vorstellungen erreichen.
Geschenkt wird uns nichts, doch erreichen können wir alles!
Alles für alle!
Propaganda
Jeder der Anwesenden der Vollversammlung hat gesehen, dass es zu keiner Zeit Handgreiflichkeiten von Seiten des Asta-Vorsitzenden gab. Das Gegenteil zu behaupten ist eine Lüge! Der Autor des Artikels sollte sich einmal den Pressekodex durchlesen und seine Schlüsse daraus ziehen.
Die meisten Studies sind gegen Studiengebühren. Aber euer Vorgehen ist völlig inakzeptabel und bringt uns auch nicht weiter. Die vorgetragene Rede ist voll von "linken Allgemeinsplätzen", die keinem was bringen respektive keine Lösung aufzeigen. (Zu dem war sie akustisch auch nicht zu verstehen)
Bei der ganzen Aktion von euch Stelle ich mir eine große Frage. Unter euch sind auch bekennende Antifa-Leute. Wie kann man gegen den Staat sein und dann doch etwas von diesem Staat fordern? Warum sollte der Staat Leuten ein kostenloses Studium finanzieren, die ihn abschaffen wollen? Denkt mal darüber nach! Eure Forderungen und euer Vorgehen passen nicht zu euren ideologischen Phrasen!
stellungnahme @kritischer beobachter
schluss jetzt
Muss man denn, um "handgreiflich" zu werden, gleich jemandem eins auf die Fresse hauen? Lars Juister hat unerwünschten Körperkontakt hergestellt, und zwar um den Redner lächerlich zu machen und einzuschüchtern. Zusammen mit der Androhung, ihn "von der Bühne zu schieben" und den in der Tat extrem agressiven Äußerungen aus dem Publikum, kann ich da guten Gewissens von "Handgreiflichkeit" reden.
Es geht mir auch gar nicht darum, die Inhalte der gehaltenen Rede zu verteidigen, an der es sicher einiges zu kritisieren gibt, sondern darum, das aggressive und undemokratische Verhalten der Studierenden anzuprangern. Eine Gruppe am Reden zu hindern ist nämlich, auch wenn die Mehrheit die Rede nicht hören will, NIEMALS demokratisch, da ist der Inhalt völlig egal. Schluss jetzt!
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
...und wird handgreiflich — Lars
Demokratie statt — Herrschaft des Volkes?
ASTA=Korruption — Propagandhi
@björn — marcus
Formalia — lobo