Anmerkung der Moderationsgruppe: Trotz der Bitte, de.indymedia.org zum Veröffentlichen von eigenen Berichten und selbst recherchierten Reportagen zu nutzen, wurde hier ein Kommentar, ein Diskussionsbeitrag oder eine Stellungnahme einer Gruppe reinkopiert.
Es ist nicht das Ziel von Indymedia, ein umfassendes Infoportal incl. Forum für die Verlautbarungen politischer Gruppen anzubieten. Indymedia will ein Plattform für engagierte MedienmacherInnen und ihren eigenen Inhalte bieten. Indymedia will nicht als virtueller Flugblattständer für die Verbreitung, Kritik und Diskussion konkurrierender teilweise dogmatischer Ideologien herhalten. Das Veröffentlichen von Gruppenstellungnahmen und Flugblatttext gehört nicht zu den Zielen des Projektes. Mehr Informationen darüber, warum sich Indymedia nicht zum Diskutieren von politischen Texten eignet, findest Du hier.    Bitte nutze stattdessen die verlinkten Online-Diskussionsforen.

Stellungnahme

A.L,DA 12.01.2006 22:10
Für den 17.12.05 hatten wir in Darmstadt zu einer Demonstration unter dem Motto „Ohne Deutschland geht’s uns besser! Gegen Kapitalismus und soziale Verschärfung!“ aufgerufen.
Im Verlauf dieser Demonstration kam es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung wegen einer Israelfahne.
Stellungnahme der „Antifaschistischen Linksradikalen Darmstadt“ zum Übergriff auf die GenossInnen vom „Comite Liberte“:

Für den 17.12.05 hatten wir in Darmstadt zu einer Demonstration unter dem Motto „Ohne Deutschland geht’s uns besser! Gegen Kapitalismus und soziale Verschärfung!“ aufgerufen.
Im Verlauf dieser Demonstration kam es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung wegen einer Israelfahne. Wie sich diese Auseinandersetzung genau abgespielt hat, lässt sich im nachhinein leider kaum rekonstruieren, zu widersprüchlich sind die uns gegenüber gemachten Angaben. Fakt ist jedoch, dass vom „Comite Liberte“, also den Leuten, die die Israel-Fahne trugen, keinerlei Provokation oder ähnliches ausgegangen ist.
Stattdessen wurden die GenossInnen aufgefordert, ihre Fahne wegzupacken. Dieser Forderung wurde dann leider auch mit Gewalt Nachdruck verliehen. Wie sich das genau abgespielt hat können wir leider, wie gesagt, nicht mehr rekonstruieren.
Sicher ist, dass dieses Vorgehen mit einem angeblichen Verbot von Nationalfahnen auf unserer Demonstration begründet wurde.
Ein solches Verbot hat es aber definitiv niemals gegeben!
Die Schlussfolgerung mag nahe liegen, dass auf einer Demonstration, deren Kernaussage ist, dass Nationalstaaten der letzte Dreck sind, eine Fahne eines Nationalstaats eher unpassend ist.
Auch wir hallten die Symbolik einer Nationalfahne größtenteils für äußerst Fragwürdig, auch im Falle Israels.
Wir sind zwar der Ansicht, dass es für eine emanzipatorische und sich selbst als antifaschistisch bezeichnende Linke notwendig ist, die Sonderstellung Israels anzuerkennen, schließlich ist Israel ein Staat, der den Menschen jüdischen Glaubens einen Schutz gewährleisten soll, der aufgrund des weltweit existierenden Antisemitismus von existenzieller Bedeutung für sie ist. Wer Israel aufgrund eines dogmatischen Antinationalismus in den jetzigen Verhältnissen das Existenzrecht abspricht, verweigert bewusst den Opfern der Shoa das Bedürfnis sich nach einem Ort zu sehnen, der ihren weiterhin Schutz vor dem antisemitischen Vernichtungswahn gewährleisten soll.
Diese Funktion lässt sich auch durch den Hinweis auf Israels „aktuelle Politik“ nicht relativieren.
Ob Mensch seinen Standpunkt zum Thema Israel jetzt mit den Tragen von der Staatsflagge zum Ausdruck bringen will, muss jedem Individuum selbst überlassen bleiben.
Wir als Gruppe halten das, was durch das tragen einer Israelfahne ausgedrückt werden soll wie gesagt größtenteils für richtig und wichtig, halten es aber für äußerst Fragwürdig, dies durch das tragen der Nationalfahne zum Ausdruck bringen zu wollen, zumal es fraglich ist, ob einer derart komplexe Thematik durch ein einzelnes Symbol für Außenstehende verständlich gemacht werden kann - Individuell sind dir dazu jedoch durchaus konträrer Meinung.
Doch vollkommen unabhängig von unserer etwas zwiespältigen Position zu der verwendeten Symbolik ist und bleibt der, wie auch immer geartete, Angriff auf die GenossInnen vom „Comite Liberte“ für uns absolut unnachvollziehbar und unberechtigt.
Wir haben ihn in keiner Form Verständnis dafür , GenossInnen mit Körperlicher Gewalt anzugreifen, nur weil einer/einem die Symbolik nicht passt.
Innerlinke Diskussionen mit so genanten „Antideutschen– bashing “ aus der Welt schaffen zu wollen ist ebenso unreflektiert wie unemanzipatorisch, selbst wenn man die oben genannte Sonderrolle Israels außer acht lassen würde.
Es kann nicht sein, dass man sich aufgrund einer strittigen Symbolik untereinander mit Mitteln begegnet, die gegebenenfalls im antifaschistischen Selbstschutz (um Missverständnisse vorzubeugen: Antifa ist der Kampf ums ganze!) angebracht sind, anstatt den Dialog zu suchen.
Auf Argumentationen der Marke „Antideutsche sind doch auch irgendwie rassistisch“ wollen wir überhaupt nicht eingehen, entbehren sie doch jeglicher rationalen Grundlage.
Zum Vorfall selbst lässt sich noch sagen, dass es aus dem Gesichtspunkt des „revolutionären Antifaschismus“ sicher richtig ist, Nationalstaaten und ihre Symbolik abzulehnen.
In wie weit es jedoch ein antifaschistisches Statement sein kann, mit Gewalt gegen die Fahne des einzigen jüdischen Staates, bzw. ihrer TrägerIn vorzugehen ist hoffentlich bis jetzt aus dem Text hervorgegangen, nämlich gar nicht.

Die Begründung „Antinational“ zu sein schien auch in diversen Internetdiskussionsforen
die Rechtfertigung zu liefern , diese Personen zu Attackieren.
Hierbei wurde oft auch das Argument gebraucht, dass auf einer antifaschistischen Demonstration das Tragen einer Israel-Fahne ein Widerspruch sei, da Israel – mit den USA zusammen – der Inbegriff des Kapitalismus sei.
Zunächst ist diese „Analyse“ des Kapitalismus weit mehr als verkürzt, ist er doch ein globales Gesellschaftsmodell, dass von jedem Staat erhallten und reproduziert wird und nicht, wie es die Antisemiten und Antiamerikanisten gerne hätten, dass Produkt irgendeiner angeblichen (jüdischen) Weltverschwörung, der Amerikanischen Regierung oder sonst irgendwem.
Irgendwelche Staaten als den Inbegriff oder gar Verursacher des Kapitalismus zu definieren
ist also ebenso unreflektiert wie reaktionär.
Zweitens ist die Gleichung „Israel = Turbokapitalismus“, die durch diese „Argumentation“ suggeriert wird bestenfalls nur nahe, eigentlich jedoch identisch mit dem antisemitischen Bockmist, den die Nazis Tag für Tag verzapfen.
Wir sehen es als einen Skandal an, dass in einer Szene, die sich selbst als emanzipatorisch und antifaschistisch bezeichnet, solch reaktionäres antisemitisches Gedankengut noch weit verbreitet ist.

Wir hoffen, dass dieser Vorfall der radikalen Linken einen Denkanstoß gibt, sich mit der Thematik bewusster auseinander zusetzen, damit sich solche Geschehnisse nicht wiederholen bzw. sich als so genanter Normalzustand anerkannt werden und somit als das betrachtet werden, was sie sind: reaktionäre, unreflektierte Übergriffe!
Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Habt euch wohl in der Webseite geirrt?

Frage 13.01.2006 - 04:52
Seit wann ist Indymedia eine Plattfom für szeneinterne Streitetereien? Schmeisst irgendwelchen nationalisten und Bellizisten einfach von der Demo und gut is. Dazu braucht es dann im nachhinein keine solch autistischen Flugblätter.

A.L.D.A.-Homepage

egal 13.01.2006 - 11:24
Was ist eigentlich mit der Homepage von ALDA passiert? Unter  http://www.antifaschistische-linksradikale.tk/ ist sie nicht meh zu erreichen.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 6 Kommentare an

hm hm — tscha

Zurück in die Zukunft? — ----------------------------------

zum papier — antifaschist

... — anti_gießen

kotz — antifa

@ antifa — anti_gießen