2. Vorbereitungstreffen gegen G8 2007

-- 09.01.2006 01:55 Themen: G8 Heiligendamm Globalisierung
Am Wochenende vom 6.-8. Januar 2006 fand in Berlin das 2. große linksradikale Vorbereitungstreffen für den G8 2007 statt. 2007 hat Deutschland den Vorsitz der G8 inne, daher wird der Gipfel auch in Deutschland stattfinden. Der Zuschlag ging an Heiligendamm, ein Ortsteil von Bad Doberan an der Ostsee.
Das Treffen von 180 Leuten aus den unterschiedlichsten Spektren hatte Informations- und Diskussionscharakter. Einige AktivistInnen kamen aus osteuropäischen Ländern, der Schweiz und Großbritannien. Neue Infos waren z.B. dass der Gipfel womöglich auf Mai oder Juni vorverlegt wird, um den Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern nicht zu stören. In Heiligendamm gibt es zur Zeit eine Auseinandersetzung zwischen der Fundus-Gruppe bzw. Kempinski (dem Hotel in dem der Gipfel stattfindet) und der örtlichen Bevölkerung: Fundus kauft immer mehr Gelände rund um das Hotel auf und sperrt den Durchgang für die Öffentlichkeit.

Die Diskussionen auf dem Treffen drehten sich wieder um die linksradikale Organisierung: Sollen die PGA-Hallmarks eine Grundlage sein? Wie werden Entscheidungen getroffen? Welcher Art ist die Organisierung; bestimmte linksradikale Gruppen finden sich zusammen oder ist es eine Plattform für alle? Unter welchem Namen läuft die Mobilisierung? Bisher wird die linksradikale Organisierung meist als „dissent!“-Spektrum bezeichnet.
Die inhaltlichen Diskussionen gingen z.B. um die Begriffe Internationalismus und Globalisierung: Bietet Globalisierung irgendeinen positiven Bezug oder sollten wir am Begriff Internationalismus festhalten bzw. ihn weiterentwickeln? Wie beziehen wir uns auf Befreiungsbewegungen? Wie können sich aktuelle soziale Organisierungen, z.B. im Bereich Migration, in der Mobilisierung wiederfinden? Gibt es eine inhaltliche Klammer?

In mehreren Arbeitsgruppen wurden etliche Punkte vertieft: Inhaltliche Diskussion, Infotour, Kommunikation nach innen und außen, Aktion, Strategie, St. Petersburg 2006, Praxis, Camp 2006, Trauma, Antirepression etc. Fest steht dass es ein Internationales Mobilisierungscamp im Sommer gibt: Vom 7. - 12. August in Mecklenburg-Vorpommern. Mehrere Gruppen arbeiten daran, Migration als einen der Schwerpunkte einzubringen. Auch die Infotour hat bereits begonnen, Veranstaltungen finden in Deutschland, Polen und der Schweiz statt. Es gab neue Infos und Absprachen zum G8 2006. Ab Frühjahr gibt es eine Antirepressionskampagne.

Das Folgetreffen findet im März 2006 statt; das danach im Mai auf dem BUKO 29 in Berlin. Die linksradikale Organisierung ist erreichbar unter  g8-2007@riseup.net.
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Ergänzungen

unterschiedlichsten Spektren?

Korrekturrrr 09.01.2006 - 02:07
Sory, aber das mit den "unterschiedlichsten Spektren" stimmt wohl nur teilweise, wenn kaum später "um die linksradikale Organisierung" im Artikel steht (btw: PGA ist nicht in die linksradikale Schublade zu stecken).
Was mich interessiert: werden die Proteste so ein szeneinternes Ding, wie es nach dem ersten Treffen zu vermuten war?

@Alle

no global capitalism 09.01.2006 - 03:44
Dieses Treffen das meistens mit dem Namen Dissent benannt wird ist ein Treffen von linksradikalen Gruppen, die sich weigern mit Parteien, Gewerkschaften und NGO's zusammen zu arbeiten. Hauptsächlich nehmen dort Autonome, Anarchisten und kommunistische Splittergruppen teil.

Natürlich mobilisieren auch andere linksradikalen Gruppen zu Protesten gegen die G8. Die Gruppen, die den Dialog mit anderen politischen Akteuren nicht verweigern haben sich in einem anderen Bündnis zusammen gefunden (Name fällt mir nicht ein), jedoch ohne sich gegen das Dissent Bündnis abzugrenzen.

Auch Teile von Gewerkschaften und der Linkspartei werden gegen die G8 mobilisieren. Verschiedene Partei und Gewerkschaftspersönlichkeiten haben sich bereits öffentlich für eine Gegenmobilisierung ausgesprochen.

Übergreifendes Bündnis: www.g8-2007.de

Gegen Sektiererei 09.01.2006 - 04:01
Neben dem Dissent-Bündnis, das aus mehreren linksradikalen Gruppen besteht gibt es auch ein Strömungsübergreifendes Bündnis, dem Gruppen und Netzwerke von ALB, Fels bis hin zu Attac und Sozialforen angehören. Webseite:  http://www.g8-2007.de/

Es wäre schön, wenn die Dissent-Gruppen nicht abspalten würden und es gemeinsame Proteste im gegenseitigem Respekt gibt. Dazu würde auch eine gegenseitige Erwähnung zählen. Daß keine Lust besteht, mit PDS oder DGB irgendwelche Bratwurstdemos zu veranstalten, ist verständlich, aber die machen ja eh ihr eigenes Ding und sind in keinem Bündnis.

Protest mit Anlauf

PETER NOWAK 09.01.2006 - 11:09
Globalisierungskritiker bereiten Proteste gegen den G-8-Gipfel vor. Der wird 2007 in Heiligendamm stattfinden

Richtiges Datum fürs Camp

egal 09.01.2006 - 14:55
Das Mobilisierungscamp in Mecklenburg-Vorpommern soll aber länger dauern.
Richtig ist das es vom 4.-13. August gehen wird.

Frage zu Dissent

Frager 10.01.2006 - 10:44
Im November hiess es vom Dissent-Bündnis:
"Noch unklar, aber schon breit diskutiert ist die Frage wie sich die linksradikale Organisierung zu den anderen Gruppen und Bündnissen verhält, die sich bereits auf den G8 2007 vorbereiten (z.B. Attac, BUKO, Strategie- und Aktionskonferenz der sozialen Bewegungen, ESF). Auf dem Treffen waren auch VertreterInnen der Interventionistischen Linken (IL). Die IL bereitet ein Bündnis vor von autonomen Gruppen, Gewerkschaften, NGOs, Kirchenkreisen etc. Die linksradikale Organisierung könnte Teil dieses Bündnisses werden."

Meine Frage: Wie sieht das jetzt aus? In welchen Rahmen wird es Zusammenarbeit oder vernetzung mit den anderen geben? Oder kam das Thema nicht zur Sprache?

Hegemonialkämpfe

hierarchNIE 10.01.2006 - 19:02
Vieles auf dem Treffen in Berlin, vor allem die Plena (in denen ja die Wichtigleute besonders viel reden und die sie lieben, weil sie finden, dann alle ihre Reden hören müssen) ging es um Hegemonialkämpfe, verpackt in Debatten um "Inhalte statt Form" oder "Konsens statt Mehrheitsabstimmung" oder wahlweise jeweils umgekehrt.
Auch im beschriebenen "strömungsübergreifenden Bündnis" ist das kein Stück anders. Hierarchische Modelle sind gerade da angesagt - Konferenzen, Zeitungen usw. werden in Eliten ausgebrütet, die aktiven Menschen sind nur Objekte, Hilfspersonen beim Verteilen von Papier & Co. In der Art des Treffens in Berlin, noch mehr aber da, wo die Eliten der interventionistischen Linken, von Attac usw. Arm in Arm die Medienhoheit sichern wollen, wird eine horizontale Organisierung weder gelingen noch ist sie überhaupt gewollt. Wer keine Lust hat, Rädchen im System anderer zu sein, darf nicht nur gegen G8, Deutschland usw. sein, sondern auch gegen die Apparate sozialer Bewegung. Und gegen Treffen, die eine Struktur haben, dass wenige die vielen dominieren und für ihre Zwecke instrumentalisieren können.

@Korrekturrrr/hierarchNIE

spin 11.01.2006 - 15:28
"Werden die Proteste so ein szeneinternes Ding, wie es nach dem ersten Treffen zu vermuten war?" Bei Dissent (oder wie das Ding der radikalen Linken heißt, kann von DER Szene nicht die Reden sein. Antiimps, Postautonome, AntiRas, Anarchas, Antifas, Links-Attacis etc... was sich da trifft, braucht auf jecen Fall viel zeit & Geduld, um zusammenzufinden. Es könnte sich lohnen. Wer über diesen zwar unterschiedlichen, aber nicht sehr weiten Kreis hinaus will, kann sich mit der IL oder den NGOs oder attac befassen, die jeweils zum G8 mobilisieren. Und natürlich finden hier auch "Hegemonialkämpfe" statt, aber zu sagen, sie seien "verpackt in Debatten um "Inhalte statt Form" oder "Konsens statt Mehrheitsabstimmung"" ist zu platt. Die genannten Debattenthemen gibt es, sie werden hart - und auf plena z.T. leider noch katastrophal - ausgefochten. Immer den andern zu unterstellen, sie würden dominieren, "verpacken/kaschieren" oder instrumentalisieren, man selber aber nicht, liebe/r "HierarchNIE", kommt mir sehr billig vor - und nimmt die jeweiligen Kritiken auch nicht ernst. Ich setze eher auf den Vorschlag vom letzten Tag, Diskussions- und Entscheidungsstrukturen strömungsübergreifend zu diskutieren – eben weil es eine Kultur-, eine politische und Machtfrage ist. Wem das zu viel ist und wer vermeintlich schon Lösungen hat – aber die anderen sind ja immer zu doof oder zu böse, wird wohl an & in Bündnissen scheitern. Schade drum.
Es ist darüber hinaus auch kein Spektrum dass sich weigern würde, mit "Parteien, Gewerkschaften und NGO's zusammen zu arbeiten", sondern: Manche würden das schon gern, aber erst dann, wenn man linksradikale, herrschaftskritische und nicht auf alternatives Mirtreg(ul)ieren versessene Positionen entwickelt hat. Manche Gruppen diskutieren bei IL übrigens konkret bereits mit Linkspartei, NGOs& Gewerkschaften, und der linksradikale Flügel von attac ist bei Dissent vertreten.

Viele Videoclips vom Treffen:

freundeskreis v i d e o c l i p s 11.03.2006 - 11:46

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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@Korrekturrrr

Kommunist 09.01.2006 - 04:01
Aus der Sicht gerade der 'Linksradikalen', die es nicht schaffen über ihren eigenen Tellerrand, oder auch Szenesumpf heraus zu blicken, ist das linksradikale Spektrum wahnsinnig ausdifferenziert. Was sich für Menschen ausserhalb der Szene wie die gleiche politische Position darstellt, ist aus der binnensicht total zerstritten.
Da vertritt dann die eine 'Strömung', dass bei der quotierten Redeliste eine Frau anfangen muss zu reden und die andere 'Strömung' sagt, dass es egal ist. Die dritte 'Strömung' streitet sich derweil noch mit der vierten 'Strömung' darüber ob es überhaupt Frauen gibt, die quotiert werden können, oder nur Menschen, während die fünfte 'Strömung' gerade auf der Toilette sitzt und darüber nachdenkt wie diskriminierend eigentlich das Wort 'Quotierung' wirken kann.
Bei Themen, die mehr mit Ethnie, oder sozialer Herkunft als mit Geschlecht zu tun haben ist das natürlich ähnlich.
Das Camp dieser 'Strömungen' wirst du daran erkennen, dass es irgendwo ein paar Zelte gibt die mit Absperrband umzäunt sind. Auch wenn das Band schon auf dem Boden liegt, weil nachts jemand besoffen drüber gefallen ist, muss Mann vorsichtig sein. Da dürfen nur Frauen rein!

@Kommunist

spin 11.01.2006 - 15:30
Zur ‚Zeltfrage’: "Da dürfen nur Frauen rein!" - Sag mal, watt willst Du denn mit dem süffisanten Unterton? Wenn Frauen/Lesben, Schwule, Transgender, Schwarze oder andere allzu oft ausgegrenzte, dominierte und entsprechend genervte Gruppen sich ihre Bereiche abgrenzen, sehe ich das eher als ihre Möglichkeit, gerade nicht zu spalten, sondern sich zu integrieren. Spalten tun eher die, die die entsprechenden Herrschafts-, Dominanz- und Ausbeutungsverhältnisse leugnen, ironisieren und es dadurch den Gruppen verunmöglichen, präsent zu sein. Stattdessen gehören die informellen Grüppchenbildungen (ohne sichtbares Absperrband) und die permannete Hierarchiebildung und Ausgrenzung kritisiert.

Mecklenburg?

Indigena 11.01.2006 - 20:24
Toll!
Ich hoffe, dass die ganz viel kleinen lokalen Gruppen, die in Mecklenburg immer wieder probiert haben, ein bisschein Mobilisierung zu schaffen, sich freuen, dass so viele AktivistInnen von überall mit innen was überlegen!!!!!!
Ist die Elite von Berlin wirglich bereit mit denen zu sprechen?
Es gibt schon einige von Ort, die ganz lustige Idee dazu haben....von wegen "Turismus nicht stören".......