Protest gegen "Schröders Zapfenstreich"

Herri Zapfer 20.11.2005 09:22 Themen: Militarismus
Während der scheidende Bundeskanzler Gerhard Schröder in seiner Heimatstadt Hannover mit dem höchsten militärischen Zeremoniell, dem großen Zapfenstreich, feierlich aber unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen verabschiedet wurde, demonstrierten mehrere hundert Leute gegen diese Militaria-Zeremonie.
Mit viel großen Tönen wurde in Hannover gegen den "Großen Zapfenstreich" für Kriegs- und Agenda2010-Kanzler Gerhard Schröder angegangen. Leider ließen sich nicht allzu viele Leute mobilisieren. Auch an fantasievollen Aktionen mangelte es. Nichtsdestotrotz: die Bundeswehr und Schröder haben aufgrund der effektiven Proteste in Bordenau, am 12.11.05 gegen das "Feierliche Gelöbnis" von 700 Rekruten, und aufgrund von viel virtuellem Wind auf Hochsicherheitsstufe 1 geschaltet gehabt. HöHö.
Entscheidend ist: Die Bundeswehr war gezwungen ihre militaristischen Rituale hinter einem Großaufgebot von Polizei und Feldjägern zu verstecken. Das ganze Gelände rings um das hannoversche Rathaus wurde nicht nur abgesperrt, sondern auch mit einem Sichtschutz versehen.
Wenn das Militär sich aufgrund von ein wenig Drohung derartig ein-igelt – dann ist das gut und nicht schlecht! Scheißegal, was denn nun an Widerstand am 19.11. gut oder schlecht gelaufen ist.


Die Medien berichten folgendes:

Protest gegen "Schröders Zapfenstreich"
Gegendemonstration in Hannover zur feierlichen militärischen Verabschiedung des Bundeskanzlers

(gs) Während der scheidende Bundeskanzler Gerhard Schröder in seiner Heimatstadt Hannover mit dem höchsten militärischen Zeremoniell, dem großen Zapfenstreich, feierlich aber unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen verabschiedet wurde, demonstrierten mehrere Gruppen gegen die Zeremonie.
Die Polizei, die mit einem Großaufgebot die Demonstrationen sicherte und den Bereich um das Rathaus ohnehin weiträumig abgesperrt hatte, meldete keinerlei Zwischenfälle.
Der Protest der insgesamt über 150 Demonstranten richtete sich zum einen gegen Schröders vergangene Politik und gegen das militärische Zeremoniell und die Bundeswehr im Speziellen.

 http://www.nonstopnews.borgmeier-media.de/meldung.php?ID=2975&JG=0



Protest gegen Sondermaßnahmen zum Abschieds-Zapfenstreich für Gerhard Schröder
19.11.05 - In einem gestern heraus gegebenen Flugblatt fordert der Kreisverband Hannover-Braunschweig-Hameln der MLPD die "sofortige Aufhebung der Sondermaßnahmen bei der Verabschiedung von Kanzler Schröder". Weiter heißt es darin:

Seit heute Mittag ist der Bereich um das Rathaus und den Maschpark für den Autoverkehr gesperrt. Das Rathaus war für Besucher geschlossen. Das ganze Areal wurde zum "Sperrgebiet" erklärt, in dem die Bundeswehr das Hausrecht hat. Das Versammlungsrecht für dieses Gebiet wurde aufgehoben.
Das sind massive Angriffe auf die Versammlungsfreiheit und das Demonstrationsrecht. Kanzler Schröder will anscheinend seinen Abgang ohne Proteste feiern können. Seit August 2004 haben die Montagsdemonstrationen in Deutschland jeden Montag Abend friedlich gegen die Politik der Schröder/Fischer-Regierung und gegen Hartz IV demonstriert. Sie haben einen entscheidenden Beitrag zur Schlappe von Schröder am 18. September geleistet.
Offenbar will man sich mit solchen Maßnahmen darauf vorbereiten, dass sich der Widerstand und Protest gegen die Kriegserklärung der Großen Koalition an die Massen ausweitet und verschärft. Die drastischen Einschnitte in die Lebenslage der Massen werden flankiert von einem Abbau der bürgerlich-demokratischen Rechte. Deshalb treten wir ein für:
Verteidigung und Erweiterung der bürgerlich-demokratischen Rechte und Freiheiten!
Aufhebung der Notstands- und Ergänzungsgesetze!
Gegen Bürgerkriegsvorbereitung, Bespitzelung und Polizeiterror!

Gestern hat die MLPD in einer Protesterklärung an den Polizeipräsidenten Klosa und an Oberbürgermeister Schmalstieg die Forderung gerichtet, diese Sondermaßnahmen sofort aufzuheben:

Sehr geehrter Herr Klosa und Schmalstieg,
wir protestieren gegen die Umwandlung des Maschparks und angrenzender Straßen in ein "Sperrgebiet" oder "Bannmeile", wie dies in der Tagespresse bezeichnet wird. Es gibt keinerlei Berechtigung, zur Verabschiedung des bisherigen Bundeskanzlers Polizeirechte an die Bundeswehr zu übertragen. Dies bedeutet eine Einschränkung der bürgerlich-demokra-tischen Rechte auf die Demonstrations-und Versammlungsfreiheit.
Soll diese Maßnahme in Erwartung von Protesten bei einem abgewählten Bundeskanzler einen Vorgeschmack auf den Umgang mit zu erwartenden Protesten gegen die kommende Bundesregierung und ihr "Krisenbewältigungsprogramm" abgeben? Wollen Sie uns daran gewöhnen, dass zukünftig bei Massenprotesten die Bundeswehr als Bürgerkriegsarmee eingesetzt wird?
Wir fordern die sofortige Aufhebung dieser Sondermaßnahmen für den Samstag, 18. November, in Hannover!

Kurt Kleffel
Kreisvorsitzender der MLPD

Dieser Artikel stand in www.rf-news.de



Großer Zapfenstreich für Gerhard Schröder - Tränen bei "My Way"
dpa

Hannover Sichtlich bewegt hat der scheidende Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Samstagabend in seiner Heimatstadt Hannover Abschied von der Bundeswehr genommen. Schröder wurde mit dem Großen Zapfenstreich geehrt, dem höchsten militärischen Zeremoniell der Truppe. Seine siebenjährige Amtszeit endet am kommenden Dienstag (22. November) mit der Wahl von Angela Merkel (CDU) zur neuen Kanzlerin.
Schröder standen während des Festaktes zeitweise Tränen in den Augen.
Unter den Zuschauern des Festaktes, der auf Schröders Wunsch in Hannover veranstaltet wurde, waren seine Frau Doris und seine Mutter Erika Vosseler. Mit dabei waren auch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) sowie der designierte Vizekanzler Franz Müntefering (SPD). Auch langjährige Freunde Schröders, wie der Anwalt und Chef des Fußball-Bundesligisten Hannover 96, Götz von Fromberg, und Scorpions-Musiker Klaus Meine, verfolgten das Zeremoniell.
Vor dem Großen Zapfenstreich hatte Bundespräsident Horst Köhler dem scheidenden Kanzler für seine politische Arbeit gedankt. Der SPD-Politiker habe sich "bleibende Verdienste um unser Land" erworben, schrieb Köhler in einem Grußwort für die "Neue Presse" in Hannover. Er hob vor allem die Reform-"Agenda 2010" hervor.
Der Zapfenstreich begann nach Einbruch der Dunkelheit im Park hinter dem Rathaus in Hannover. Die Szenerie wurde von insgesamt 135 Fackelträgern ausgeleuchtet, die Musik kam vom Stabsmusikkorps der Bundeswehr. Vor dem eigentlichen Zeremoniell spielten die Bläser drei Stücke, den Schröders Frau Doris für ihn ausgesucht hatte: den "Mackie Messer-Song" aus der "Dreigroschenoper", "Summertime" von George Gershwin und Frank Sinatras "My way". Bei dem letzten Lied traten dem Kanzler die Tränen in die Augen.
Mit dem Zapfenstreich - einer traditionsreichen Übung, deren musikalischen Elemente und Zeremonie genau festgelegt sind - verabschiedete sich die Bundeswehr von Schröder. Zugleich dankten die Soldaten um Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) ihm damit für seine Verdienste um die Streitkräfte. Zuvor hatte es einen Empfang für rund 600 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Rathaus gegeben.
In seiner letzten öffentlichen Rede hatte Kanzler Schröder am Samstagvormittag die Erwartung geäußert, die neue Bundesregierung werde die bisherige Außen- und Gesellschaftspolitik fortführen. Er sehe "in den beiden wichtigen Bereichen viel Kontinuität", sagte Schröder bei der Bundeskonferenz der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Hannover.

Nach diversen Ausschreitungen bei militärischen Gelöbnissen und Zapfenstreichen in den 80er und 90er Jahren hatten Polizei und Bundeswehr die Veranstaltung für Schröder weiträumig abgesperrt. Die Sicherheitskräfte hatten sich vor allem darauf vorbereitet, dass Demonstranten den Festakt durch Lärm oder laute Musik aus Verstärkern versuchen würden, zu stören. Dazu kam es jedoch nicht. "Es ist alles soweit friedlich geblieben", sagte ein Polizeisprecher.
Kriegsdienstgegner hatten aus Protest gegen die Militärpolitik des Kanzlers, unter anderem wegen seiner jüngsten Zustimmung zu Panzer- Lieferungen in die Türkei, rund 500 Meter entfernt eine Gegen-Kundgebung zum Zapfenstreich veranstaltet. Zu Zwischenfällen kam es dabei nicht.

 http://www.suedwest-aktiv.de/landundwelt/topthemen/1902872/artikel.php?SWAID=06d5aa71ac38990ea5c1e1997c4236d7
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Ergänzungen

weiter machen

unbekannter soldat 20.11.2005 - 11:37
Wiederentwaffnung jetzt!
50 Jahre Bundeswehr sind 50 Jahre zuviel
Wiederentwaffnung jetzt!
das ist ein Aufruf zur aktiven Wehrkraftzersetzung.
Wiederentwaffnung jetzt!
ist keine weitere politische Plattform, die nur versucht über das deutsche und europäische
Militär aufzuklären.
Wiederentwaffnung jetzt!
stellt auch keinen Appell an die Politik dar, endlich abzurüsten.
Wiederentwaffnung jetzt!
meint die gesellschaftliche Ächtung des Militärs – aller SoldatInnen, Rüstungsindustriellen
und kriegstreibenden PolitikerInnen.
Wiederentwaffnung jetzt!
ist die Aufforderung an alle SoldatInnen sich zu verweigern und dafür die entsprechende
Hilfe und Unterstützung zu organisieren.
Wiederentwaffnung jetzt!
ist der Versuch, Sand in das Getriebe der militärischen Infrastruktur zu streuen.
Wiederentwaffnung jetzt!
steht für eine direkte antimilitaristische Praxis.

2005 ist das Jahr des fünfzigjährigen Bestehen der Bundeswehr. Mit Gelöbnissen, Waffen- und Propagandashows, mit Reservistentreffen und Empfängen werden die Militaristen sich landauf landab feiern. Das ist eine Provokation!
50 Jahre Bundeswehr – das markiert den Übergang zu einer weltweit agierenden Interventionsarmee. Unsere Antwort heißt: Wiederentwaffnung jetzt!

Die herrschende Antwort von USA und EU auf die anhaltende Krise des Kapitalismus ist der permanente Krieg. Damit wollen sie den weltweiten Zugriff auf Ressourcen sichern und
Migrationsbewegungen kontrollieren. Weltweite Ausbeutung und Kriegspolitik sind zwei Seiten derselben Medaille.
Aus der Perspektive einer forcierten Ausbeutung in den Metropolen ist die Auflösung der westlichen Wohlfahrtsstaaten nur mit dem Übergang zum autoritären Kontrollstaat zu machen. Der Einsatz des Militärs im Innern ist nur eine Frage der Zeit.
Es gibt für die „neue Weltordnung“ keinen Friedenszustand mehr, der ohne Krieg auskommt:
Krieg ist Frieden!

Militär ist an vielen Orten. Auf Bahnhöfen und in Schulen. SoldatInnen sind in Familien, im Bekanntenkreis und auf Parties.
Konfrontieren wir sie mit unserer Gegnerschaft!
Sie präsentieren sich auf Messen und auf Plätzen. Sie haben Kasernen und Infrastruktur. Sie
feiern Gelöbnisse.
Konfrontieren wir sie mit unserem Widerstand!
Deshalb: Wiederentwaffnung jetzt!
Zögern wir nicht! Bringen wir das Militär aus dem Gleichschritt!

Einiges ging aber doch!

egal 20.11.2005 - 12:28
Um die Waterloo-Gegend wurden einige Barrikaden von etwa 50 gebaut, womit die Bullen augenscheinlich abgelenkt werden sollten. Dabei funktionierte auch das dezentrale Konzept, da die Bullen dann nur mit einer Wanne kamen. Sie wurde dann auch gleich mit Leuchtspur und Steinen angegriffen. Um den Aegi musste die Feuerwehr auch ein paar Mal ausrücken, da Mülltonnen brannten. Dazu kamen in den Nähe vom Landesmuseum zwei entglaste Porsche bzw. Jaguar und eine Sixpack dazu.

Leider waren max. 250 Leute unterwegs und die Bullen hatten sich gut auf das dezentrale Konzept eingestellt. Wenn mehr Leute ihren Arsch hochgekriegt hätten, wäre einiges möglich gewesen.

Nie wieder Deutschland!

Schönreden brigt´s jetzt auch nicht....

Horst Tappert 20.11.2005 - 14:01
Was gibt´s zu den gestrigen Gegenaktionen groß zu sagen?

Immerhin waren einige Leute auf der Straße, um ihren Unmut gegen den Zapfenstreich zu äußern. Lautstark erfolgte dies jedoch nicht. Die Situation ließ halt kaum Raum für Gegenaktionen offen, da das Gelände rund um den Zapfenstreich hermetisch abgeriegelt war und die Bullen die Gegend, auf Grund ihres massiven Aufgebots, relativ gut im Griff hatten.

Auch wenn ich hier in den Ergänzungen lese, dass angeblich ´ne Barri gebaut wurde und die anrückenden Bullen mit Leucht-Muni beschossen wurden, hat es letztendlich nicht bewirkt, dass der Zapfenstreich auch nur annähernd gestört wurde. Es fehlte einfach an kreativen Aktionen, die sich direkt gegen das Militär-Spekrtakel richteten. Barri-Bauen und sonstige Spielereien bewirken an solch einem Tag leider überhaupt nix, außer dass vielleicht die Bullen etwas in´s Rotieren kommen und Polizei-Kräfte an einem Ort gebunden werden, um an anderen Stellen Lücken entstehen zu lassen. Sinnvoller wäre es vielleicht gewesen, die Zufahrtsstraßen zum Rathaus schon vor Beginn des Spektakels zu blockieren, um die Anreise der Gäste, der Militärkapelle oder des Kanzlers selber zu behindern. Diese Möglichkeit beinhaltet wenigstens ein größeres offensives Moment, als sich durch irgendwelche Seitenstraßen zu drücken, alle 2 min kontrolliert zu werden und vieleicht nochmal ne kleine Barri zu bauen. Eine Blockade hätte in meinen Augen öffentlichkeitswirksamere Auswirkungen gehabt, als das zuvor beschriebene.

Nunja, gestern war nicht alle Tage...

Lasst uns aus dem Geschehenden schlauer werden und beim nächsten Mal im Vorfeld unsere grauen Zellen etwas fordern.

der arme brecht

tucholsky 20.11.2005 - 14:24
eine frechheit ist es ja wohl auch das sich schröder erdreistet, bei einer beschissen militärzeremonie brecht lieder spielen zu lassen. was sagen eigentlich brechts erben dazu ?
und warum hat schröder nicht "die legende vom toten soldaten" vortragen lassen, die ist ja auch von brecht ??

Scheisse

desaströser 20.11.2005 - 14:29
kolpotnik hat es schon richtig geschrieben. Es war leider für uns eine Blamage. Wann hat man schon mal die Gelegenheit Schröder so schön zu stören, wie gestern!? Und das noch in Hannover. Aber viele aus Hannover fahren dann trotzdem lieber ins Wendland.

Und was war das bitte gestern für eine Organisation? Gut, klar war ja, dass die dezentralen Aktionen recht unorganisiert ablaufen, aber derart unkoordniert war wohl kaum einem bewusst.

Eine gut organiserte Demo war einfach nicht mehr hinzukriegen. Da müssen wir auch relistisch sein und nach Bordenau hatten die meisten Gruppen wohl auch kein Bock mehr. Aber erst zu militanten Aktionen ermuntern und dann im schwarzen Block vor den Absperrungen zu stehen ist einfach richtig beschissen. Außerdem frag mich auch wie die Jungendlichen lieber in der Strumglocke feiern können und gar nicht merken wieviele Bullen mittlerweile in der Nordstadt sind. Anstatt die mal zu verscheuchen!

Ich geb jetzt auch nicht den Gruppen die Schuld, die überhaupt was in die Wege geleitet haben bzw. dazu aufgerufen haben, aber eigentlich ist Hannover doch auch eine Hochburg der Antifas (zumindest vor ein, zwei Jahren) und warum haben die nichts organisiert? Die feiern sich lieber selbst und laden ehemalige Autonome mit Profilneurose ein, lösen sich auf oder versinken in der Bedeutungslosigkeit. Wir müssen wirklich aus dieser Fehlaktion lernen, damit sich in der Zukunft in Hannover wieder was bewegt. Auch muss sich jeder fragen wie verbindlich die Hannoversche Struktur noch ist. Auf sowas wie Samstag hat bestimmt keiner mehr Bock, bis auf ein, zwei kleine Gruppen die noch einigermaßen ihren Spaß hatten.

In nächster Zeit scheint in Hannover aktionstechnisch nichts anzustehen, darum würde ich mir eine inhaltliche Debatte zu diesem Thema wünschen! Das ist eigentlich schon überfällig nach dem Naziaufmarsch im Oktober 2004.

siehe auch

surf team 20.11.2005 - 16:55

tagesschau

jo brauner 20.11.2005 - 17:51
Abschied in Hannover
Großer Zapfenstreich für den Kanzler
Mit einem Großen Zapfenstreich der Bundeswehr ist Bundeskanzler Schröder in Hannover verabschiedet worden. Vor rund 600 Gästen verfolgte Schröder gemeinsam mit seiner Frau Doris das militärische Schauspiel zum Ende seiner siebenjährigen Amtszeit. Unter den Anwesenden waren auch seine Mutter Erika Vosseler und der designierte Vize-Kanzler Franz Müntefering.
Zum Auftakt der Zeremonie waren dutzende Soldaten mit Fackeln aufgezogen. Vor dem Gebäude mit seiner gewaltigen, an eine Pickelhaube erinnernden Kuppel erschallten dann vom Stabsmusikkorps auch Zeremoniell drei Stücke, die speziell für Schröder ins Programm aufgenommen worden waren: "Moritat von Mackie Messer" von Kurt Weill, "Summertime" von George Gershwin, und das von Claude Francois und Jacques Riveau komponierte Lied "Comme d'habitude", das Frank Sinatra unter dem Titel "My Way" weltberühmt machte. Es erklang als letztes der drei Wunschlieder und trieb Schröder die Tränen in die Augen.

500 Polizeibeamte im Einsatz
Gastgeber des Zapfenstreichs waren der ebenfalls scheidende Verteidigungsminister Peter Struck sowie Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhahn. Die Polizei schützte die traditionsreiche militärische Veranstaltung nach eigenen Angaben mit rund 500 Beamten. Das Gelände wurde weiträumig abgesperrt, weil Friedensgruppen einen Protestmarsch angekündigt hatten. Laut Polizei demonstrierten rund 100 Personen gegen den Zapfenstreich. Zu Zwischenfällen kam es aber nicht. Die Einsatzkräfte beschlagnahmten einige Fanfaren sowie ein Megafon und sprachen mehrere Platzverweise aus. Ein Demonstrant wurde vorübergehend in Gewahrsam genommen.

Köhler würdigt Schröders Verdienste
Bundespräsident Horst Köhler hatte vor dem Festakt die politischen Verdienste des scheidenden Kanzlers aus diesem Anlass noch einmal ausdrücklich gewürdigt. Schröder habe sich "bleibende Verdienste für unser Land" erworben, schrieb Köhler in einem Grußwort für die "Neue Presse" in Hannover. Es gebe viele gute Gründe, Schröder und seiner Regierung dankbar zu sein, betonte der Bundespräsident. Als Beispiel nannte er die Beteiligung der Bundeswehr am Kosovo-Einsatz der Nato, die Einführung des Euro und die EU-Erweiterung sowie den tatkräftigen Beitrag Deutschlands "für Frieden und Freiheit in der Welt".
Lob für "Agenda 2010"Besonderes präsidiales Lob gab es für Schröders Einsatz für die "Agenda 2010". Schröder habe erkannt, dass der verschärfte weltweite Wettbewerb und die Folgen der Alterung unserer Gesellschaft eine neue Politik erforderten. Dafür habe er sein ganzes politisches Gewicht in die Waagschale geworfen.
Weniger lobende Worte für Schröder kommen hingegen von Niedersachsens Ministerpräsident Wulff. Der bescheinigt ebenfalls in der "Neue Presse" Schröder zwar einen "enormen" Einsatz. Schröder sei aber "ein Zwischenkanzler, der für das gescheiterte Experiment einer rot-grünen Regierung steht".

Großer Zapfenstreich nur zu besonderen Anlässen
Der Große Zapfenstreich wird in einer genau festliegenden Abfolge musikalischer Elemente und militärischer Zeremonie aufgeführt. Nach Bundeswehrangaben findet er nur zu besonderen Anlässen statt. Dazu gehört die Ehrung einer Persönlichkeit, die sich um die Streitkräfte verdient gemacht hat. Auch Schröders Amtsvorgänger Kohl war 1998 in Speyer diese Ehre zuteil geworden, ebenso Alt-Bundespräsident Rau im vergangenen Jahr.

 http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID4970146_REF2,00.html

Polizei Hannover berichtet....

H. D. Klosa 21.11.2005 - 07:54
Nach der Schlappe von Göttingen scheint die Polizei endlich mal wieder was zum Feiern zu haben.

Die Polizei-Direktion Hannover berichtet auf ihrer Internet-Seite abschließend:

Reibungsloser Verlauf des Zapfenstreichs

Hannover


"Die Einsatzmaßnahmen und Sperrungen der Polizei am gestrigen Nachmittag und Abend, aus Anlass des Großen Zapfenstreichs der Bundeswehr zu Ehren des scheidenden Bundeskanzlers Gerhard Schröder, verliefen erfolgreich. Die Veranstaltung verlief störungsfrei.
Das Hausrecht im engeren Veranstaltungsbereich des Rathauses wurde von der Bundeswehr wahrgenommen. Damit befand sich die Polizei in der komfortablen Lage ausschließlich für den Außenbereich verantwortlich zu sein. Ein angemeldeter Aufzug der Deutschen Friedensgesellschaft setzte sich mit zirka 90 Teilnehmern planmäßig um 18.45 Uhr vom Aegientorplatz in Richtung Kundgebungsort „Maschsee-Nordufer“ in Bewegung. Hierbei wurden lediglich Störversuche durch lautstarke verbale Äußerungen und Trillerpfeifen unternommen, die jedoch zu keinen Beeinträchtigungen des Festaktes führten. Um 19.50 Uhr wurde die Kundgebung vom Versammlungsleiter für beendet
erklärt. Danach versuchten diverse Einzelpersonen und Kleingruppen mit Sirenen und Druckgasfanfaren sowie einem Megaphon in den Wirkungsbereich der Veranstaltung zu gelangen. Sie wurden durch die Einsatzkräfte der Polizei angehalten und die Gegenstände sichergestellt. Insgesamt wurden 51 Platzweise ausgesprochen. Im weiteren Umfeld der Veranstaltung wurden sechs Personen in Clownkostümen festgestellt, die hiermit ihren Protest gegen das Militär zum Ausdruck bringen wollten. Gegen 20.15 Uhr wurde ein Mann festgenommen, der trotz Platzverweises mehrfach versuchte den Zaun zum Veranstaltungsraum zu überwinden. Nach Abschluss des Zapfenstreiches verlief die Abreise des Bundeskanzlers und der Gäste zügig und ohne Probleme. Danach erfolgte der Rückbau der Sperrungen. Durch die Feldjäger der
Bundeswehr wurden keine Maßnahmen gegen Personen getroffen. Polizeipräsident
Hans-Dieter Klosa äußerte sich höchst zufrieden über den störungsfreien Ablauf der würdigen Veranstaltung."

MUUUH!!!

... my way ...

hollow skai 21.11.2005 - 08:01
Zapfenstreich

Diary of a dirty old fan

Seit Frank Sinatra 1969 Claude Francois‘ Chanson »Comme d‘habitude« unter dem Titel »My Way« aufgenommen hat, wird das Lied jedesmal angestimmt, wenn jemand auf sein Leben oder einen bestimmten Abschnitt daraus zurückblicken will, ohne seine Sünden und Missetaten zu bereuen. Was immer auch schiefgegangen ist, was immer einer auch angestellt hat – es war sein Leben.

Elvis Presley hat »My Way« ebenso gesungen wie Tom Jones, Sid Vicious, Nina Hagen oder der Broker Nick Leeson, der bekanntlich Englands älteste Privatbank, das Finanzhaus Barings, durch gigantische Fehlspekulationen ruiniert hat. Die von Paul Anka ins Englische übersetzte Schnulze zählt zu den meistgespielten Titeln bei britischen Beerdigungen; nun wurde sie auch vom scheidenden Bundeskanzler Gerhard Schröder entdeckt.

Als er am Samstag abend mit einem Großen Zapfenstreich der Bundeswehr aus dem Amt vergrault wurde (Foto), durfte er sich für »das festliche musikalische Wechselspiel« drei Stücke selber aussuchen. Neben George Gershwins »Summertime« und Kurt Weills »Moritat von Mackie Messer« aus Brechts »Dreigroschenoper« wählte der scheidende Kanzler »My Way« – und stilisierte sich damit noch einmal zum Macher, der nichts zu bereuen habe, weil all seine Taten nun mal Teil seines Lebens waren.

Ganz so, als wären die Entscheidungen und Maßnahmen, die er in seiner siebenjährigen Amtszeit getroffen und ergriffen hat, von ihm nicht gewollt, sondern genetisch bedingt gewesen, mimte er so noch einmal, den Haifisch im Karpfenteich – so sah er sich selbst am liebsten.

Musikalisch unterschied sich der Zapfenstreich nur unwesentlich von dem pseudomilitaristischen Getrommel und Getröte, das den unbescholtenen Bürger aus dem Schlaf reißt, wenn in Hannover das größte Schützenfest der Welt beginnt und Politiker aller Couleur sich öffentlich besaufen dürfen. Für Schröders Gegner mag dies eine Genugtuung gewesen sein: Statt ihn mit der sentimentalen Ballade »Wind Of Change« seines Tennispartners Klaus Meine (Scorpions) oder Mickie Krauses Mallorca-Hit »Zehn nackte Friseusen« stilgerecht zu verabschieden oder für seine Frau noch einmal die Titelmelodie von »Mr. Ed« zu spielen, blies man ihm zum Ende seiner Amtszeit noch einmal gehörig den Marsch.

Was aber wird sich die designierte Bundeskanzlerin Angela Merkel wünschen, wenn sie eines Tages feierlich aus dem Amt getrötet wird? »Ein bißchen Frieden« von Nicole? Wolfgang Petrys »Augen zu und durch«? Oder gar »Sie ist weg« von den Fantastischen Vier?

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 8 Kommentare an

Großer Zapfenstreich — Nadine Perlau

Ernüchterung — nichts ist einfach und garnichts offensichtli

@ Egal "Einiges ging aber doch!" — scheinbar blind und taub und überhaupt

Früher war alles besser — Ewig Gestriger

klägliche Vorstellung — kolpotnik

@ Oscar Wilde — krassnik

Diskussions-Ende! — Nein!

Zu Einiges ging aber doch — Der dabei war