"Germanische Neue Medizin" in Heidelberg

wsfwe 21.10.2005 15:27 Themen: Antifa
Am vergangebnen Samstag den 15. Oktober 2005, demonstrieerten ca. 250 AnhängerInnen der sog. "Germanischen Neuen Medizin" in Heidelberg. Diese Sekte, die am 14.05.2005 schon in Tübingen protestiert hatte (vgl.  http://de.indymedia.org//2005/05/116881.shtml), vertritt ein Gemisch aus Verschwörungstheorien, Esoterik, Biologismus und Antisemitismus.
Wie sich dabei erneut zeigte, schrecken die AnhängerInnen der sog.
Germanischen Neuen Medizin nicht vor Relativierungen des Holocaust
zurück, was beispielsweise an einem Transparent mit dem Text "Chemo-Holokaust - 15 Mio. tote Deutsche seit 1985" deutlich wurde. Ebenso wurde die Pharmaindustrie in antisemitischer Manier als "Hintergrundmacht" inszeniert, die Medien und Öffentlichkeit in ihrer Hand habe. Weiterhin wurde die sog. "Germansiche Neue Medizin" gegen die vermeintlich "jüdische" Schulmedizin gesetzt, das Deutsche Krebsforschungszentrum als "KZ" (KrebsZentrum) bezeichnet und vehement die Freilassung von Dr. Ryke Geerd Hamer, dem u.a. wegen 50fachen Totschlages verurteilten Begründer der "Germanischen Neuen Medizin", gefordert.

Als die Demonstration in Richtung Bismarckplatz aufbrach wurden
willkürlich friedliche Personen, die die Ideologie der "Germanischen Neuen Medizin" mit einem Transparent und Flugblättern kritisierten, von der Polizei gekesselt und auf die Seite gedrängt.
In der Folge wurden die Personalien von ca. 20 Personen
festgestellt und Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz
eingeleitet. Einer Person wurden zur Personalienfeststellung
Handschellen angelegt, was den skurrilen wie repressiven Charakter der gesamten Aktion unterstrich.


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Im Folgenden dokumentieren wir das vor Ort verteilte Flugblatt gegen die "Germanische Neue Medizin":

Warten, bis der Krebs aufhört
- der menschenverachtende Irrationalismus der "germanischen Neuen Medizin"

Vor gut zehn Jahren machte der Fall "Olivia Pilhar" aus Österreich Schlagzeilen. Die Eltern des damals sechsjährigen Mädchens sind überzeugte Anhänger der "(germanischen) Neuen Medizin" und wollten die Krebserkrankung ihrer Tochter nach der Lehre Ryke Geerd Hamers "ausheilen lassen", was so viel heißt wie, sie nicht zu behandeln. Vor
dem drohenden staatlichen Zugriff flüchtete die Familie bis nach Spanien, zu Hamer persönlich, der die Erkrankung Olivias auf den
übermäßigen Verzehr von Schnitzeln zurückführte. Nach einer Interpolfahndung konnten die Eltern mit ihrer Tochter ergriffen werden; diese wurde nach Österreich geflogen, gegen den Willen der Eltern operiert und gerettet.
Erika und Helmut Pilhar erhielten später eine achtmonatige Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung. Jedoch sind sie
weiterhin Anhänger Hamers geblieben, und hetzen bis heute auf ihrer
Internetseite völlig ungeniert gegen die vermeintlich "jüdische
Schulmedizin" und diffamieren KrebsZentren als "KZ für Krebskranke". So auch heute in Heidelberg, wo die AnhängerInnen von Hamer gegen das
Deutsche Krebsforschungszentrum demonstrieren wollen.

Die Geschichte der Sekte beginnt jedoch früher, mit einer äußerst
dubiosen Geschichte, die, von Hamer aufgeschrieben, im Internet
nachzulesen ist. Im August 1978 soll Vittorio Emanuele von Savoyen, ein Nachkomme des letzten italienischen Königs, Hamers Sohn Dirk
angeschossen haben, der einige Monate darauf starb. Seine eigene
Erkrankung an Hodenkrebs führte Hamer wenig später auf den Schock zurück, den er erlitten habe, als sein Sohn "inmitten eines feindlichen Spaliers von Ärzten und Schwestern" starb.
Bereits zu diesem Zeitpunkt zeigte sich die Angewohnheit Hamers,
vermeintliche medizinische Erkenntnisse und Verschwörungstheorien zu
vermischen. Denn einer Verschwörung soll sein Sohn zum Opfer gefallen sein.
Man sei anscheinend "zu der Überzeugung gelangt, es sei doch wohl
besser, wenn der Junge stürbe, das habe für die Familie Savoyen den
Vorteil, dass sie nicht einen Krüppel als lebenslanges Mahnmal vor Augen haben müsse".
Als ihm sein Sohn im Traum erschienen sei, stand für Hamer fest: Jede
Krebserkrankung beginnt mit einem schweren psychischen "Konflikterlebnisschock", den er das "Dirk-Hamer-Syndrom" nennt. Deshalb sei es das Beste, den Krebs einfach "ausheilen" zu lassen. Später modifizierte er seine Theorie und wandte sie auch auf andere Krankheiten an. Er nahm sich nicht weniger vor, als die Schulmedizin zu revolutionieren oder vielmehr durch die "germanische Neue Medizin" zu ersetzen.

Doch die Welt verkennt ihren Retter. Seit Hamer, damals noch Internist
und Krankenhausarzt in Tübingen, seine Theorie, die er zunächst "Neue
Medizin" nannte, im Jahr 1981 öffentlich präsentierte, habe man ihn,
seinem persönlichen Empfinden nach, "wie einen Hasen übers freie Feld"
gejagt.
Im Jahr 1986 wurde ihm die Approbation als Arzt entzogen. Hamer begann, AnhängerInnen um sich zu scharen, für seine Sache zu werben und seine Art von Medizin anzuwenden, bei sich und bei anderen. Im Jahr 1997 wurde er von einem Kölner Gericht wegen unerlaubten Praktizierens zu 19 Monaten Haft verurteilt, von denen er zwölf Monate verbüßte. Wegen Betruges und Beihilfe zur unterlassenen Hilfeleistung wurde er im März 2000 in Frankreich angeklagt; in Österreich suchte man ihn wegen Totschlages in mindestens 50 Fällen. Das Berufungsgericht im französischen Chambéry verurteilte Hamer am 1. Juli 2004 wegen Betrugs und der Komplizenschaft bei der illegalen Ausübung einer medizinischen Tätigkeit in Abwesenheit zu drei
Jahren Gefängnis. In Spanien, wo er versuchte, als "Naturheiler" zu
wirken, wurde er im September 2004 verhaftet und nach Frankreich
ausgeliefert. Dort sitzt er seither ein und wartet auf seine baldige
Freilassung.

Die Anziehungskraft der "germanischen Neuen Medizin" auf manche
Menschen mag daran liegen, dass sie die Zweifel am Erfolg einer
Chemotherapie ausnutzt und ein sehr einfaches Erklärungsmodell für alle Krankheiten bietet. Gleichzeitig funktioniert sie wie eine politische Verschwörungstheorie und gibt einfache Antworten auf komplizierte Fragen. Wenn es zu keinem Heilungserfolg kommt, hat es der/die PatientIn eben nicht geschafft, "seinen ursprünglichen Konflikt oder seine Anschlusskonflikte zu lösen". Das widerfuhr zum Beispiel im Jahr 2000 einer 47jährigen Schweizerin, die ihren Brustkrebs "ausheilte" und qualvoll starb. Der 25jährige Sören Wechselbaum erlag im Jahr 2002 seinem Hodenkrebs, weil er ein Jahr lang jede Behandlung, auf Grund seines Glaubens an die "germanische Neue Medizin", abgelehnt hatte. Ungefähr seit dem Jahr 2002 und dem Namenswechsel zur "germanischen Neuen Medizin" sind von Hamer antisemitische Äußerungen in seinen Mitteilungen an seine AnhängerInnen, die im Internet nachzulesen sind, bekannt. Aus der ihn vermeintlich verfolgenden "Pharmalobby" wurden "Zionisten" oder "Juden". Die Schulmedizin bezeichnete er als "jüdische Medizin", und den Juden wirft er vor, seine Erfindung für sich zu benutzen und anderen zu verwehren. Ein "Weltoberrabbiner" und sein Boykott der "germanischen Neuen Medizin" seien verantwortlich für viele Krebstote.
Hamers Anhänger Pilhar spricht von einer
"Massenvernichtungsindustrie" in der normalen Medizin, der Meister selbst sieht sich als Insassen eines "Gulag-KZ". Und die "Amici di Dirk" sind der Meinung: "Das konnte selbst in Russland unter Stalin nicht schlimmer sein." All das scheint Dirk Hamers Lehre für Rechtsextreme attraktiv zu machen. So findet sich zum Beispiel auf der Homepage der NPD in Sachsen-Anhalt eine Vorstellung der
"germanischen Neuen Medizin" direkt auf ihrer Startseite.

Hamer hat AnhängerInnen in Deutschland, in der Schweiz, in Luxemburg,
Frankreich, Italien, Österreich und in Spanien. Auf einer Demonstration am 14. Mai 2004 in Tübingen waren über 1000 seiner Anhänger, die auch aus Spanien, Frankreich und Italien angereist kamen. Tübingen war ausgewählt worden, weil der inzwischen 70jährige Hamer dort als Arzt praktiziert hatte und dort sein Habilitationsverfahren über die "germanische Neue Medizin" abgelehnt worden war.
Von Hamers Aussage, er sei vom "obersten Medizinalrat der Juden"
verurteilt worden, mochten sich die Demonstrierenden auf Nachfrage nicht distanzieren. Auszuschließen sei das ja nicht, sagte einer der
gemäßigteren unter ihnen. Hamer ist also nichts anderes als ein (durchgeknallter) Antisemit. Genau da liegt der Anknüpfungspunkt für Rechtsradikale. Auch sie begeistern sich für seine Theorien. Vertreter der Hamerschen Theorien ist zum Beispiel auch der bekannte Neonazi Detlef Nolde. Nebenbei dient die "germanische Neue Medizin" auch der Stilisierung der Deutschen zu Opfern, immerhin sind ja die Juden Schuld daran, dass "täglich 1000 Deutsche hingerichtet werden". Verwunderlich ist es da auch nicht, dass das Buch des Hamer-Anhängers Pilhar im Rottenburger Koppverlag vertrieben wird, in dem auch Bücher aus dem rechtsextremen Tübinger Grabert-Verlag zu finden sind.

Hinter dem harmlos klingenden Begriff der "Neuen Medizin" verbirgt sich ein Gemisch aus Verschwörungstheorien, Esoterik, Biologismus und Antisemitismus. Gezielte Verdummung, repressive Toleranz sowie rassistische, antisemitische und irrationale Weltansichten stehen
im Gegensatz zu der Idee einer freien Gesellschaft und gehören deshalb
entschieden bekämpft.

Gegen jeden Antisemitismus!
Irrationalismus bekämpfen!


antifaschistischer arbeitskreis an der uni heidelberg
antifaschistische initiative heidelberg
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Zitat Dr. Ryke Geerd Hamer:

"Neuerdings findet man überall den Begriff Neue Medizin, die aber mit
der eigentlichen NEUEN MEDIZIN überhaupt nichts zu tun hat, im
Gegenteil, offenbar gerade davon ablenken soll. Um daher die NEUE
MEDIZIN vor weiteren Verwechslungen, Verunglimpfungen oder
Verfälschungen zu schützen, nenne ich sie nunmehr die Germanische NEUE
MEDIZIN, auch wenn in meinen Büchern und Schriften bisher noch von der Neuen Medizin die Rede ist. Glaubt mir, mir liegt jeder primitive Nationalismus fern. Meine Medizin ist für alle Patienten dieser Welt. Aber meine Gegner sind dabei, haben schon 200 Sorten Neue Medizin kreiert, stehlen wie die Raben und - am Ende soll dieses wunderbare Göttergeschenk dann vielleicht jüdische Neue Medizin heissen. Dann nennen wir sie doch vorher lieber Germanische NEUE MEDIZIN. Ausserdem darf doch jeder stolz auf sein Volk sein. Ich bin jedenfalls stolz darauf, aus dem germanischen Volk der Dichter u. Denker, der Musiker, Erfinder u. Entdecker zu stammen. Warum sollten unsere lieben Welt-Mitmenschen nicht aus Germanien das schönste Göttergeschenk dieser Welt empfangen dürfen?"


Wer sich ein bischen gruseln möchte kann ja mal auf einer der Seiten der Neuen Medizin vorbeischauen:

hxxx://www.npd-sachsen-anhalt.de/gesundh.htm (Verlinkung der NPD Sachsen zur Neuen Medizin)

hxxx://www.pilhar.com/

hxxx://www.neue-medizin.de/
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Ergänzungen

@a.s.

anonym 26.10.2005 - 23:36
ach so,wegen der uni tübingen noch was.dr.hamer hatte seine theorien bei der uni tübingen eingereicht zur überprüfung.das ist der normale werdegang für neue therapiemethoden.die entsprechende uni ist dazu verpflichtet das zu überprüfen und wenn alles richtig ist dann zählt eben diese neue methode (oder auch medikament) als das "neueste und beste" (mir fällt der fachbegriff dazu nicht ein) in der medizin.was dann auch alle ärzte berücksichtigen müssen.
vielleicht haben sie ja angst, daß es doch stimmt, denn dann würden ihnen millionen an forschungsgeldern flöten gehen.was ja nicht so abwegig ist,oder? noch mal 20 jahre krebsforschung sichert viele einkommen.es hilft nur leider niemandem wirklich (meine persönliche erfahrung mit schulmedizinischer krebsbehandlung)

@anonym

ant.sprit. 27.10.2005 - 22:23
Soweit ich die Hamer-Seiten verstehe,gibt es Ärzte,die seine Beobachtungen teilen,abgelehnt wurde seine Therapiemethode.Ich weiss nicht,wie verlässlich da die Angaben sind,Hamer gibt seine Heilungschancen ja mit 95%/98% und wurde wegen 50-fachen Totschlags gesucht.
Über seine Therapiemethode konnte ich so gut wie nichts finden,ausser das man eine Weile in einem stillen Kämmerlein zubringen sollte und dabei Kaffee trinkt.
Darüber wüsste ich aber gerne mehr,vielleicht weisst du ja was darüber(z.B. Fallbeispiele).
Ich hatte mich mal in einem Forum mit einem Anhänger der "GNM" unterhalten,und erhielt zu diesem Thema die Auskunft:
"Zur Therapie: Manche Konflikte lassen sich sicher durch Gespräche
lösen. Oft bedarf es aber der reellen Konfliktlösung. Die Ursache des
Konfliktes muss also aus der Welt geschafft werden. Jedoch gibt es
auch Konflikte, die besser nicht mehr gelöst werden sollten. Wenn ein
Konflikt sehr heftig und von langer Dauer war, kann es für den
Patienten unter Umständen lebensgefährlich werden, wenn er diesen
Konflikt löst."
Ich kann mir darunter nichts so recht vorstellen.Das erste hört sich nach Psychotherapie an.

Laut der "GNM" werden Krankheiten durch psychischen Schock(man muss isoliert gewesen sein und überrascht werden) verursacht,und GNM soll für alle Krankheiten gelten.
Das geht aber nun mal nicht,da Krankheiten ja auch durch Umweltgifte verursacht werden können.

@ant.sprit.

anonym 28.10.2005 - 19:37
(meine persönliche erfahrung mit krebsärzten ist die,daß eine absolute panikmache betrieben wird,wie zb.solche aussagen wie:wir müssen sofort mit der chemo beginnen sonst sind sie in drei monaten tot uä.)
da bin ich aber immer noch und mein krebs ist weg,ohne chemo!!!!!
du wolltest wissen woher ich die zahlen mit den onkologen habe.leider habe ich die quelle nicht wiedergefunden dafür aber eine andere:

Das Arzneimittel-Tollhaus Deutschland
In Deutschland werden jährlich rund 1250 Röntgenuntersuchungen pro 1000 Einwohner vorgenommen. In den Niederlanden und Schweden liegt diese Zahl zwischen 500 und 600. Dabei ist die ärztliche Versorgung in diesen Ländern auf Grund europäischer Vergleichsstudien erheblich besser als bei uns. Auf bis zu 50 Prozent der jährlich rund 100 Millionen durchgeführten Röntgenuntersuchungen könnte verzichtet werden, ohne daß die Qualität des ärztlichen Handelns darunter leiden würde - Einsparpotenzial: eine Milliarde Euro. Infolge von Röntgenuntersuchungen erkranken in Deutschland etwa 50 000 Menschen jährlich an Krebs, 15 000 davon sterben.Von den jährlich rund 200 000 an deutschen Kliniken vorgenommenen Gebärmutterentfernungen ist "mindestens jede Zweite überflüssig".
Derzeit werden auf Grund von jährlich vier Millionen "grauen Mammographien" 100 000 Frauen operiert, die nicht operiert werden müßten, wenn stattdessen mit der Qualität der europäischen Nachbarländer wie zum Beispiel der Niederlande gescreent würde, heißt es in einem Gutachten des Sachverständigenrates für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen. Von den jährlich 100 000 operierten Frauen sterben im Schnitt 4 000.
„Überflüssige, d. h. medizinisch unbegründete Operationen werden fast allen Fachgebieten vorgeworfen. Insgesamt sollen sich von den jährlich acht Millionen vorgenommenen Eingriffen etwa die Hälfte als nicht notwendig erweisen.“ Der Münchner Medizin-Informatiker Wilhelm von Eimeren warnte vor allzu unspezifischen Massentests. Damit drohen die Deutschen zu einem "Volk von Vorsorgegeschädigten" zu werden. Falls das Verhalten der Ärzte selbst und ihrer Familienangehörigen zum Maßstab genommen würde, könnten nach Schätzungen von Experten allein 30 Millionen Krankenhaustage oder ca. 22 Milliarden Euro eingespart werden - "aber auch Zehntausende von Toten sowie Hunderttausende Medizingeschädigte pro Jahr verhindert werden". Bei Operationen der Gallenblase liegt die Eingriffshäufigkeit 84 Prozent höher, bei Hämorrhoiden-Operationen 83, bei Gebärmutteroperationen 53 Prozent und bei Mandeloperationen immer noch 46 Prozent höher als bei Ärzten und ihren Familienangehörigen. “Dafür lehnen fast 95 Prozent der Ärzte für sich und ihre Familienangehörigen eine Chemotherapie bei
Krebs ab.“
„Das Wissenschaftliche Institut der Allgemeinen Ortskrankenkassen hat errechnet, daß die Lebenserwartung der Bevölkerung im gleichen Maße sinke wie die Arztdichte in Ballungsräumen zunehme.“ Die Ärzte bestätigen diese Erfahrung: Zwei Drittel geben an, daß Ärzte gelegentlich oder sogar häufig therapeutisch überflüssige Leistungen erbringen.
„Mehr als die Hälfte der deutschen Ärzte kann nicht fachgerecht mit Arzneimitteln umgehen.“ Der bekannte Internist und Klinische Pharmakologe Prof. Dr. Jürgen C. Frölich an der Medizinischen Hochschule Hannover sagt in diesem Zusammenhang: "Ein erheblicher Teil der Ärzte weiß nicht, wie viel Wirkstoff sie einem individuellen Patienten verschreiben dürfen und „wie viel ihn womöglich umbringen wird." Frölichs Institut hat diese erschreckende Erkenntnis an 168 Ärzten in deutschen Krankenhäusern gewonnen. Diese Ärzte arbeiteten im Durchschnitt seit drei Jahren an ihren Kliniken, "waren also keine Neulinge".
„Kein Wunder, daß auch die Zahl der durch Arzneimittel geschädigten Patienten ohne direkte Todesfolge ungeheuer groß ist“. Mehr als zwei Millionen ältere Menschen über 60 Jahre müssen jährlich nur deshalb in Kliniken eingewiesen werden, weil sie von niedergelassenen Ärzten unsachgemäß mit Medikamenten behandelt werden.
Seit langem gilt Deutschland im internationalen Vergleich als das Arzneimittel-Tollhaus Europas. „Schon heute zählt hier zu Lande die unüberschaubare Fülle“ der Zäpfchen und Pillen, Tropfen und Salben - insgesamt soll es zwischen 50 000 und 60 000 verschiedene medikamentöse Darreichungsformen geben - „zu den wichtigsten Todesursachen“.
Nach: Kurt G. Blüchel: Arzneimittel-Tollhaus Deutschland. Eine Bestandsaufnahme der gigantischen Verschwendungen im deutschen Medizinbetrieb. In: Frankfurter Rundschau vom 02.11.03.

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