Schüler verhindern Abschiebung in Herne

rsb 30.09.2005 01:02 Themen: Antirassismus
Der Fall Met stellt einen Sonderfall: perfekt integriert, perfekt deutsch sprechend, keinerlei Transferleistungen beziehend und im Kinder- und Jugendparlament aktiv.
Schüler verhindern vorübergehend eine Abschiebung Mets - leider keine Entwarnung.
Etwas mehr als 200 vor allem jugendliche Menschen demonstrierten heute morgen vor der Ausländerbehörde an der Wanne-Eickeler Hauptstr. gegen eine Abschiebung ihres Mitschülers, Freundes und politischen Mitstreiter Met Iberdemaj aus Herne, der um Punkt 15:45 Uhr in den Kosovo abgeschoben werden sollte.
Durch eine Vereinbarung, dass er in den nächsten zwei Wochen freiwillig ausreise, hat er nun zum einen die Möglichkeit per Touristenvisum wieder einzureisen und seine Familie zu besuchen und zum anderen die Chance, dass in dieser Zeit sein Antrag auf einen besonderen Härtefall vor dem Innenministerium des Landes bearbeitet wird.

Die Presse schreibt:

Met wird nicht abgeschoben

Met Iberdemaj hat Herne gestern nicht verlassen. Er wird nicht abgeschoben, muss jedoch innerhalb von zwei Wochen "freiwillig" ausreisen. Das hat für ihn den Vorteil, dass er sich auf den Aufenthalt im Kosovo vorbereiten und später auch mit einem Touristenvisum wieder einreisen kann. Eine zwangsweise Abschiebung hätte dies verboten. Darüber hinaus besteht nun eine theoretische Chance, dass die Härtefallkommission des Landesinnenministeriums sich mit Met beschäftigt.

Am vergangenen Dienstag hatte sich der Stadtrat gegen einen Aufruf an die Härtefallkommission entschieden und damit die Abschiebung festgelegt. Am Mittwoch stellten Mets Unterstützer einen Eilantrag an das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, der zurückgewiesen wurde. Daraufhin rief Günter Nierstenhöfer (AL) Stadtkämmerer Peter Bornfelder an und bat um die Möglichkeit einer "akzeptablen menschlichen Aufnahme" in den Kosovo.

Unter Berücksichtigung "humanitärer Gesichtspunkte" und der "erkennbaren, emotionalen Bewegung" war Bornfelder bereit, die Frist zu verlängern und einen Aufruf an die Härtefallkommission zu erlauben. Die Stadt fertigte eine Vereinbarung an, die Met Iberdemaj und Unterstützer am gestrigen Donnerstagmorgen unterschrieben. Bedingung: Die Unterstützer Dorothea Schulte, Jürgen Klute und Günter Nierstenhöfer geben ihr Ehrenwort, dass bis zum Dienstag (4.) ein Flugticket in den Kosovo vorliegt und Met bis zum 13. Oktober ausreist.

Die Ehrenwortaussage sei für Peter Bornfelder "ein hohes Gut". Sollten die Unterstützer sie brechen oder eine "plötzliche" Krankheit Mets als Farce benutzen, hätte dies für Bornfelder erhebliche Konsequenzen für die "Umgangsart im Rat".

Die Härtefallkommission könnte innerhalb der zweiwöchigen Frist die Abschiebung noch einmal gänzlich aufheben, hat jedoch keinerlei Verpflichtung, sich mit Mets Schicksal zu beschäftigen.
(WAZ Herne, 30.09.2005)
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Ergänzungen

Sie weichen nicht von seiner Seite

presse 30.09.2005 - 01:16
Donnerstagmorgen, 9 Uhr, Buschmannshof in Wanne: Es soll die letzte Demonstration für Met Iberdemaj sein. Die Marktschreier Nudel Uwe und Käse Rudi haben ihre Stände noch nicht eröffnet, da ziehen gut 150 Jugendliche los, die Hauptstraße hinunter bis zur Ausländer- und Staatsangehörigkeitsbehörde kurz vor der Einmündung in die Claudiusstraße. Diesmal ist, im Gegensatz zur Demonstration am Rathaus, auch die Polizei sofort vor Ort: Ein grüner VW-Bus begleitet die Jugendlichen im strömenden Regen.

Trillerpfeifen machen auf den Menschenzug aufmerksam. Hauptsächlich sind es Schüler des Emschertal-Berufskollegs, mit denen Met seinen Schulalltag verbringt. Dazu gesellen sich Mitglieder von sechs Kinder- und Jugendparlamenten: Herne, Hagen, Waltrop, Marl, Recklinghausen, Castrop-Rauxel.

Angekommen an der Ausländerbehörde. Es geht los: "Ohne Met gehen wir hier nicht weg!", schreit die Menge. Was sie nicht weiß: Unterstützerin Dorothea Schulte meldet sich in diesem Moment bei Stadtkämmerer Peter Bornfelder. Und sie meldet, dass Met kollabiert sei.

9.16 Uhr, Met kommt doch. Dorothea Schulte kündigt an, dass sie nun das Gebäude betreten und unterschreiben wollen, dass Met heute nicht abgeschoben wird, sondern innerhalb von zwei Wochen freiwillig ausreisen kann. "Ihr müsst hier bleiben und uns unterstützen, bis wir das Gebäude verlassen", fordert Schulte. In den Armen der Bürgermeisterin verschwindet Met im Gebäude. Die Schüler fangen an zu diskutieren: "Ich würde mich direkt in den nächsten Flieger setzen, der zurück geht." "Wenn jeder nur 50 Cent spenden würde. . ." "Weißt du, wie teuer so ein Flug ist?" Daniel Kleibömer kauft Batterien für sein Megafon. "Wäre schön, wenn ihr noch ein wenig skandiert", ruft er den Schülern zu. Jetzt wird es richtig laut: "Met ist kein Paket!"

9.51 Uhr, Andreas Ixert kündigt an, dass der Vertrag in 15 Minuten wohl unterschrieben sei. Ixert ist Leiter der Demonstration, hatte sie vorher für eine Stunde angemeldet. Um 10.02 Uhr löst er sie offiziell auf. "Wer mag, kann jetzt gehen." Die Jugendlichen bleiben.

10.14 Uhr, Met kommt heraus - zusammen mit denen, die für ihn bürgen: Jürgen Klute, Günter Nierstenhöfer und Dorothea Schulte. Sie verkündet, dass eine Duldung bis zum 13. Oktober vorliegt und er sogar mit einem Touristenvisum zurückreisen könne - zwar nur ein Aufschub, aber ein "Teilsieg". Schulte verspricht, sich ebenso für andere Personen einzusetzen: "Met steht für viele." Met selbst steht im Moment nur da, schweigt und nickt, seine Augen haben einen weichen Ausdruck. Er verneigt sich. Jetzt spricht er: "Danke an alle. Ich weiß nicht, was ich sagen soll." Den Rest des Tages möchte Met ein wenig mit seinen Freunden feiern. Er schaut auf die Uhr: "Eigentlich wäre ich jetzt gleich am Flughafen."
(WAZ Herne, 30.09.2005)

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hallo — phil

Freue mich auch — immer was zu kriteln...