Atomklo Gorleben: Genehmigung entziehen

Dieter Metk 16.09.2005 21:36 Themen: Atom
Im Gorlebener Zwischenlager für Mittel- und schwachradioaktive Abfälle hat es einen neuen Skandal gegeben. Atommüll aus dem AKW Krümmel, der am vergangenen Montag (12. 9. 05) angeliefert wurde, ist in kontaminierten Transportbehältgern (sog. "Mocaic"-Behälter, keine CASTORen) verpackt worden. An fünf dieser Behälter ist die Oberfläche stellenweise um das fünfache des zulässigen Grenzwerts verstrahlt. Wie so etwas möglich kann mal wieder niemand erklären. Die örtliche Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg fordert, den Betreibern des "Gorlebener Atomklos" die Betriebsgenehmigung zu entziehen.
Am Mittwoch ist im Zwischenlager bei sogenannten "Routinekontrollen" festgestellt worden, daß der zulässige Grenzwert von 4 Bq/cm2 an Stellen der Behälteroberfläche um 22.0, 17.1, 11.7, 6.9 und 0.2 Bq/cm² überschritten wurde, teilte das Niedersächsiche Umweltministerium mit. Es habe "nach derzeitiger Abschätzung" keine Gefahr für Personal und Umgebung bestanden. Die Betreibergesellschaft GNS habe bis auf weiteres den Transport weiterer Behälter von Krümmel nach Gorleben gestopt.

Die Behälter sind bereits 1996 im AKW unter Wasser beladen worden. Ähnliche Kontaminationen wurden vor Jahren auch bei transportierten CASTOR-Behältern entdeckt. Die damalige CDU-Bundesumweltministerin Angela Merkel hatte darufhin im Jahr 1998 CASTOR-Transporte nach Gorleben stoppen müssen. Ihr Grüner Nachfolger Trittin ließ die Transporte wieder aufnehmen, nachdem andere Beladeverfahren angewendet wurden, wobei dem CASTOR quasi ein Präservativ übergestreift, und außerdem besser geputzt wird.

Die Atomkraftgegner der BI aus dem Wendland widersprechen in einer Presseerklärung nun vehement der Behauptung des Niedersächsischen Umweltministeriums (NMU), es habe einen vergleichbaren Fall noch nicht gegeben. Sie erinnert an den "Transnuklear-Skandal", aus dem Jahr 1987, als von der Atommülltransportfirma 312 Atommüllfässer als schwach strahlender Abfall deklariert waren, aber das hochradioaktive und giftige Plutonium enthielten. Nachdem damals Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe bekannt geworden waren, wurde zwar der "Transnuklear" die Transportgenehmigung entzogen. Die Betreiber des Gorlebener Zwischenlagers, von denen die teilweise aufgeblähten Atommüllfässer ungeprüft in der Leichtbauhalle aufgestapelt wurden, kamen hingegen ungeschoren davon.

"Die Konsequenz aus der Versagenskette kann nur sein, Gorleben einzumotten und den Betreibern die Genehmigung zu entziehen, statt jetzt seitens des NMU zu versuchen, den neuerlichen Skandal zu verharmlosen", erklärt dazu der BI-Sprecher. Die Transport- und Zwischenlager-Betreiberfirma GNS ist immerhin eine Tochterfirma der atommüllproduzierenden Energieversorger. In diesem Zusammenhang sei es "unerträglich, wenn die versagende Aufsichtsbehörde NMU durch Verharmlosung die reinen Kapitalinteressen der Betreiber auf Kosten der Sicherheit der Bevölkerung bevorzugt", so die Bürgerinitiative.

Am vergangenen Sonnabend, 10. 9. 05, hatten dreihundert Atomkraftgegner das Gorlebener Zwischenlager blockiert (siehe  http://de.indymedia.org/2005/09/127615.shtml). Daß zwei Tage später bereits ein neuer Atommülltransport eintreffen würde, ahnte von der Demonstranten niemand. "Wir werden uns niemals damit abfinden, daß die Gorlebener Leichtbauhallen zur Müllkippe der Atomindustrie werden", so ein Atomkraftgegner dazu. Wenn im November wie angekündigt erneut zwölf CASTOR-HAW-Transporte aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague ins Wendland geknüppelt werden sollen, werde der Protest erneut auf die Schiene und die Straße getragen. Der neue Skandal zeige, mit welcher Rücksichtslosigkeit die Atomindustrie sich über das Grundgesetzlich festgelegte Recht auf körperliche Unversehrtheit hinwegsetze. "Jeder Wähler muß sich am Sonntag genau überlegen, an welche Stelle er sein "X" hinmalt. Nachdem bereits Rot-Grün die Atommüllproduktion nicht gestopt hat, und Backpulver-Kanzlerkanditatin Merkel sich mittlerweile ganz offen von der Atomindustrie steuern lassen will, sollte jedem Wähler endgültig klar sein, daß es nur eine effektive Stelle für ein "X" gibt: Die Schiene und die Straße". Dazu sei jeder Bürger aufgefordert, sich auf die Transporttage vorzubereiten, und den Protest im Wendland zu unterstützen, wenn es wieder heiße "Wir stellen uns quer".
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Ergänzungen

Weitere 36 Behälter aus Krümmel nach Gorleben

Atomnix 17.09.2005 - 11:47
In Krümmel befinden sich nach Meldungen u.a. von der Nachrichtenagentur AP und den Lübeker Nachrichten (vom 16.09.05) noch 36 weitere beladene Atommüll-Behälter vom Typ Mosaik, die auch noch nach Gorleben befördert werden sollen. Bis zur Klärung der Ursache von der radioaktiven Kontamination an den fünf Behältern sollen die Atommüll-Transporte aus dem AKW Krümmel nach Gorleben vorerst gestoppt bleiben.
"Vor einer Wiederaufnahme der Transporte nach Gorleben müsse auch festgestellt werden, welche Vorsorgemaßnahmen notwendig seien, um künftig Kontaminationen zu vermeiden. Nach Angaben von Cloosters (Abteilungsleiter Reaktorsicherheit des Sozialministeriums in Kiel) befinden sich im AKW Krümmel noch 36 weitere beladene Behälter von Typ Mosaik, die ebenfalls nach Gorleben in das dortige Fasslager für schwach- und mittelaktive radioaktive Abfälle gebracht werden sollen. Die Behälter wurden unter Wasser mit Schrottteilen aus dem Reaktorkern beladen und enthalten keine Brennelemente."
(  http://de.news.yahoo.com/050916/12/4owrg.html )
"Aus dem Kernkraftwerk Krümmel in Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) rollen vorerst keine Atommüll-Transporte mehr ins Zwischenlager Gorleben. Mitte der Woche war an fünf von acht Behältern nach Ankunft in Gorleben Strahlung gemessen worden, die zum Teil beim Sechsfachen des Grenzwertes lag. Der Transport von 36 weiteren Behältern sei ausgesetzt, bis die Ursache für den Vorfall geklärt ist, teilte Schleswig-Holsteins Sozialministerium als Aufsichtsbehörde am Freitag in Kiel mit."
( http://www.ln-online.de/news/archiv/?id=1714598 )