Ist ganz Köln papstbesoffen?

dominik 12.08.2005 16:57
Der Papst und hunderttausende Pilger kommen nach Köln, eine Stadt in einer kritiklosen Jubelorgie, doch es gibt ein Licht am Horizont...
Am Dienstag ist es so weit, der Weltjugendtag 2005 findet in Köln statt und hunderttausende Pilger werden erwartet.
Stargast, natürlich unser "Bayer im Himmel", Papst Benedikt der XVI. Das Engagement ist immens, mehrere tausend freiwillige Helfer beteiligen sich und unser Super-Schilly wird jede noch so unwahrscheinliche Sicherheitslücke mit schwerem Gerät zu stopfen wissen.

Einfach klasse ist so eine Veranstaltung, es dient zur Völkerverständigung, es ist eine riesen Party für Jesus-Fans und nicht zuletzt, hat der Glaube eine immense pädagogische Wirkung, wie uns Karidnal Meisner klar gemacht hat. So meint er in einem Spiegel-Interview ganz ungeniert:

Sehen Sie sich diese Eltern an! Viele gehören noch zu den 68ern. Das sind metaphysische Asylanten, Obdachlose. Die wissen nicht, wo sie hingehören. Viele junge Menschen machen das nicht mehr mit. Man sagt immer, die Jugend sei egoistisch, hedonistisch und bequem; doch in Wahrheit hat sie Ideale und will hoch hinaus. Aber weil Eltern und Lehrer die Jugend nicht mehr an die Quellen des Lebens führen, kommt es zu Ersatzhandlungen wie etwa zum Griff nach Kondomen und der Pille.[2]

Na dann mal Prost, wenn es am Dienstag an die Weihwasser-Fässer geht...

Doch halt! Es gibt da noch jemanden, eine kleine Gruppierung, die eine Religionsfreie Zone sich erschaffen hat. Unter dem Motto "Heidenspaß statt Höllenqual!" wird es zu Gegenveranstaltungen kommen.[1] Die Gruppierung setzt sich aus Kölner Privatleuten und verschiedenen Organisationen zusammen, wie der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) und die Giordano-Bruno-Stiftung, die nach dem im Jahr 1600 als Ketzer verbrannten Naturphilosophen Bruno Giordano benannt ist.[3]

Die Gruppierung will sich gegen eine kritiklose Jubelfeier des neuen Papstes wenden und sich für eine striktere Trennung zwischen Staat und Kirche einsetzten. Religion soll Privatsache bleiben!

Nun, abschließend bleibt vielleicht noch zu sagen, dass das in Köln schon alles glatt laufen wird, immerhin hat Köln Erfahrung mit derartigen Events, ganz im Sinne des "Köllschen Karnevals" wird es wohl auch am Dienstag zu Potte gehn.

[1]  http://www.religionsfreie-zone.de/index2.htm
[2]  http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,368465,00.html
[3]  http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,369436,00.html
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Ergänzungen

DANKE!!!

atheist 12.08.2005 - 18:59
DANKE!!! wenigstens ein paar leute in köln, die sich nicht unter die christlichen taliban einreihen! ich hab jetzt schon die schnauze voll von diesem weltjugendtag und der ganzen geballten heuchelei, die da über der menschheit abgelassen wird.
übrigens (stand auch vor paar monaten im spiegel) soll sich ratzinger beim letzten weltjugendtag (2000 in rom) furchtbar über all jene jugendlichen pilger aufgeregt haben, die den zeltplatz mit unmengen von gebrauchten kondomen verschönert haben ;-)
ein paar punker aus köln die ich beim force attack getroffen hab meinten sie wollten irgendwann während dieser selbstbeweihräucherung nackt über die domplatte laufen - vielleicht sollte mensch sich da einklinken...

religion ist opium für das volk!

Coole Sache !!!

xXx 13.08.2005 - 02:18
Hey finde ich echt cool ! Wär gerne auch bei Gegenaktivitäten dabei ! Gibt es dar irgendwo ein Treffpunkt der Atheisten und der anderen Leuten die zu ,,Religionsfreihen Zone '' gehören ? Wann kommt den der Papst ? Also an welchen Tag ?!
Ich weiß dass man das hier nicht so sagen soll, aba ich wäre dafür, wenn wir genügend Leute sind, ne Spontandemo zu machen !

Super Sache - Danke für die Infos

athi 13.08.2005 - 13:12
Leider muss ich hier konstatieren, dass die Religion als solche bisher (auch in der westl.) Welt keine Privatsache war, und beständig in die Öffentlichkeit dringt, und versucht Individuuen durch einbeziehen der Individuen in die Introduktionsphase weitere Nichtwisser sondern Gläubige zu schaffen. Das grösste christl. Relikt in DL, welches vom Staat mitgetragen wird, ist die Konfirmation. Solange diese Glaubensdemonstration im öffentlichen Raum & mit öffentlichen Mitteln (Lehrkörper im Reli-Unterricht etc.) forciert wird, kann von "Privatsache Religion" keine Rede sein.

Des weitere hat das Christentum auch unser Sprache maßgebl. geprägt, was sich u.a. an der leider weit verbreiteten Redewendung "...nach Christ. geburt" anstelle "... unserer Zeitrechnung" zu sehen ist. Die Beispielkette lässt sich nahezu beliebig fortführen. Diese und andere Phänomene der Introduktionsphase gilt es anzugreifen, und zu zerstören.

Aus der Kirche austreten ist nicht genug!!!

Für eine befreite Gesellschaft - no masters - no gods - fatherland!!!

noch was

atheist 13.08.2005 - 13:59
stand heute in der SZ: die bundesregierung steuert 7,5 mio euro zum weltjugendtag bei, das land nrw, die stadt köln und die eu alles in allem nochmal 6 mio. wie war das mit der trennung von staat und kirche?
zugleich ist es den organisatoren zu teuer, ein wenig der viel beschworenen "christlichen nächstenliebe" zu zeigen und nur fair gehandelten kaffe auszuschenken - ein entsprechender vorschlag des "bund der deutschen katholischen jugend" wurde abgelehnt...

religion ist heilbar!

ihr seid so witzig

.. 13.08.2005 - 14:01
Wann rafft Ihr es eigentlich mal, dass Ihr nicht alle Christen über einen Kamm scheren könnt? Ihr fordert Toleranz und was ist mit Eurer Toleranz: hier noch mal mein Posting von vorher...

Also was ich den letzten Wochen für sprüche von dieser linken Szene anhören musste, ist zum kotzen. Natürlich sind wir Christen alles Faschisten. Nazis! Wenn es nicht ganz so schlimm kam, dann sind wir zumindestens Idioten. Leichtgläubige. Leute die mit ihrem Leben nicht fertig werden und deshalb eine Lebenslüge brauchen. Man geht selbstverständlich davon aus, das wir linken Christen alle Gegenveranstaltugen besuchen. Mache ich aber nicht. Selbst die Demo am Freiatg von St Prekererus werde ich nicht mitzmachen. ich weiß auch nicht was das soll. Auf der einen Seite wird auf dem Aufruf der christliche Glaube verhöhnt auf der anderem Seite sollen aber bitte die Christen von Weltjugendtag dort hin kommen. Zu den wirklichen Sauereien hält die Linke die Fresse. Z. B: welche Drecksfirma den Weltjugendtag versorgt. Die auch Abschiebknäste etc versorgt. da kommt nichts. Keine aktion, kein Protest..nichts. Mehr muss man nicht dazu sagen.

Konzert

quacksalber 13.08.2005 - 14:33
Warum das Konzert von Bad Religion wohl nicht auf der Homepage der Stadt Köln steht (so wie alle anderen Konzerte in der Live Music Hall?).
Komisch.
Naja, das wär doch ne Art von Gegenveranstaltung...

@ .. 13:01

Athi 13.08.2005 - 15:23
Du hast sicherlich recht mit Deiner Aussage, dass nicht alle Christen gleich sind. Allerdings wirst Du nicht abstreiten können, dass insbesondere in der christlichen Vergangenheit des Abendlandes die Verbreitung von Wissen diametral zur Verbreitung des Glaubens stand, und letzterer unter Einsatz massiver Gewalt Durchgesetzt wurde.

Zu Deinem Vorwurf "Natürlich sind wir Christen alles Faschisten. Nazis! Wenn es nicht ganz so schlimm kam, dann sind wir zumindestens Idioten. Leichtgläubige." kann und darf ebenfalls nicht verallgemeinert auf diese Linke angewand werden. Es ist sicherlich nicht Richtig, Gläubige per se als Faschisten zu bezeichnen, jedoch wirst auch Du nicht bestreiten können, dass innerhalb der christl. Strukturen faschistoide Methodiken existent und alltäglich sind.

Es ist ein richtiger & wichtiger Hinweis, welchen Du in Bezug auf die Verpflegung getätigt hast. Allerdings lag auch dies in der Hand der Christlichen OrganisatorInnen. Es ist sicherlich richtig, gegen die Machenschaften der Caterer vorzugehen. Allerdings kann es nicht angehen, dass fortschrittl. Gläubige (die gibt es auch) sich nachdem ihre Führer "Scheisse" gebaut haben, rumzujammern, dass es nicht angehen könne, dass die BesucherInnen der Demonstration vom selben Caterer wie die Abschiebeknäste versorgt werden.
Ich gehe mit jeder/m konform, welcher grundsätzl. die Legitmität dieser Caterer in Frage stellt, und selbige, nebst der rassistischen Politik im Land bekämpft.

Es kann nicht angehen, dass Individuen in diesem Masse hörig sind, und sich einen so strittigen Caterer ins Boot holen, danach um Hilfe rufen, um zu monken, dass die linke sich nicht für die Aktivitäten der Caterer des Weltjugendtages interessiert.
Da bleibt nur zu sagen: Die Geister die ich rief - jedoch nicht wieder los werde!!!

Ich denke viele Linke identifizieren sich mit Antirassistischer Politik, und bei selbigen dürfte jetzt die Frage aufkommen, warum unterstützt dass Christentum Rassismus bzw. rassistische Elemente in der BRDeutschland? Dass sie dies in materieller Hinsicht tut, hast Du ja bereits angeführt.

Es gibt hier keinen Ausschluss. Es gilt weiterhin den Menschen ein Leben in Freiheit und Würde zu erkämpfen.

Es sollte jeder/m bewusst sein, dass der Kampf nicht ausschliesslich gegen den Glauben im allgemeinen handelt, sondern alle Institutionen welche gegen die Freiheit der Menschen stehen zerschlagen werden müssen.


Für eine befreite Gesellschaft - no masters - no gods - no fatherland!!!

WJT-Caterer-Service

WJT-Nichtteilnehmer 14.08.2005 - 23:13
Wie heißt denn der Caterer-Service, der sowohl die freiwilligen TeilnehmerInnen am WJT (zumindest die allermeisten; soll ja aber auch ein paar "dienstverpflichtete" Angestellte der Katholischen Kirche geben, die hin müssen, obwohl sie z.B. lieber fair gehandelten Kaffee zu Hause trinken würden) als auch Abschiebeknäste versorgt?

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 12 Kommentare

geil

tim 12.08.2005 - 19:42
ausziehen ist gut, aber leider sinds nicht immer die schönsten aller menschen, die das tun.

punks sind von natur aus hässlich bääähhhh

Opium

Norbert 12.08.2005 - 19:56
Nein, Religion ist nicht das Opium, dass sich böse Mächte ausgedacht haben, um die Menschen zu betäuben und in eine Phantasiewelt zu führen. Religion ist nicht das Opium für die Menschen, sondern sie ist das Opium der Menschen.

Die Religion ist die spiritualistische Verklärung der Welt, ihr Enthusiasmus, ihre moralische Sanktion, ihre feierliche Ergänzung, ihr allgemeiner Trost- und Rechtfertigungsgrund. Sie ist die phantastische Verwirklichung des menschlichen Wesens, weil das menschliche Wesen keine wahre Wirklichkeit besitzt. Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist.

Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem der Protest gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium der Menschen.

Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks der Menschen ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist.

Die Kritik hat die imaginären Blumen an der Kette zerpflückt, nicht damit der Mensch die phantasielose, trostlose Kette trage, sondern damit er die Kette abwerfe und die lebendige Blume breche.

Norbert

argh!

marxist 12.08.2005 - 21:18
@norbert:
wenn schon marx-zitate verfälschen, dann doch bitte gekennzeichnet. volks-begriff hin oder her - das verwenden von fremdtext und der austausch einzelner wörter kann ja nicht so ganz im sinne des erfinders sein.

Rechtsesotheriker stoppen!

... 12.08.2005 - 21:44
Rechtsesotheriker stoppen!

Schön wär's

... keine macht... 12.08.2005 - 23:13


Opium fürs Volk? Ganz umsonst?


@marxist

Norbert 13.08.2005 - 10:29
"marxist", schon mal was von Kreativität und künstlerischer Freiheit gehört?

Christenpack

DopePope 13.08.2005 - 11:35
Soso, da trifft sich also die ganze Christensekte mit hunderttausenden, aber wenn mal ein paar freetekker ein festival feiern wollen, werden sie von der staatsbande zusammengeknüppelt. Wünsche den Gegenveranstaltern viel Spaß :-) Wenn jesus heute noch leben würde, würde er auf die Kirchensekte scheissen u. wäre ein 68er. Ausserdem was haben die kirchenbande für große ideale ? Die haben eher ideologien...

 http://de.indymedia.org./2005/07/124168.shtml

Gähn....

Woytila 13.08.2005 - 16:26
...jetzt hat "die Linke" wieder ordentlich was zu meckern, weil ein alter Mann aus Rom, der zugegebenermaßen krude Thesen vertritt, mit ein paar Pilgern nach Köln kommt. Und erst der schlimme Kardinal Meisner....weiß doch jeder halbwegs vernünftige Mensch, dass der Typ nicht alle Tassen im Schrank hat. Aber: gegen die katholische Kirche zu sein ist ungefähr so, wie gegen Volksmusik zu sein. Sie ist ein zu einfacher Feind und außerdem ist ihr gesellschaftlicher Einfluß doch eher beschränkt. Das sind keine Taliban, wie oben geschrieben wurde, sondern die Kirche ist eine von vielen Lobbygruppen, die versucht, ihre "Wertvorstellungen" irgendwie durchzudrücken. Ob man da mitmacht oder nicht, bleibt jeder und jedem selbst überlassen. Dieser idiotische "linke" Beißreflex gegen alles, was nicht dreimal am Tag "kritisch" und "Revolution" sagt, bringt keinen Menschen weiter. Er lenkt aber von den sog. linken Strukturen ab, die der katholischen Kirche in manchen Prinzipien ähneln: Dogmatismus, Sanktionen gegen Andersdenkende, szeneinterne Codes, manchmal sektenartige Zusammenhänge, die eigene Wahrheit als allgemeingültige proklamieren und manchmal auch ein bisschen Gewalt, wenn die anderen nicht spuren...

Papst

Antifa 13.08.2005 - 16:56
Bestimmt ist der Papst ein Nazi,
sonst würde die Antifa nicht gegen ihn sein.

Respektlos!!!

Atheist 13.08.2005 - 20:29
Ich finde diese "Gegenveranstaltung" einfach nur respektlos gegenüber religiösen Gefühlen. Religionsfreiheit ist ein demokratisches Recht, das von allen Linken verteidigt werden sollte. Ich bin selber Atheist und habe viel Kritik am Papst und an der Kirche. Es gibt aber auch Priester, die sich gegen Hartz IV engagieren. Diese Leute haben großen Respekt verdient.

jaja

prekär 14.08.2005 - 19:36
vernünftige leute gehen hierhin: www.sanktprekarius.tk

Trennung von Staat und Religion

Oscar Wilde 15.08.2005 - 07:12
"... und sich für eine striktere Trennung zwischen Staat und Kirche einsetzten. Religion soll Privatsache bleiben!"

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Das wird den muslimischen Kopftuch-Lehrerinnen aber gar nicht gefallen.