Plädoyer zum Boykott des Springer-Verlages

Blanziflor 08.08.2005 19:48 Themen: Medien
Zur geplanten Fusion des Springer-Verlages und dessen wirtschaftlicher Angreifbarkeit durch einen Boykott
Bereits Leo Kirch war für seine ehrgeizigen Pläne um Marktanteil und Macht ein hohes wirtschaftliches Risiko eingegangen. Jetzt geht es dem Springer-Verlag um einen hohen Marktanteil. Die Macht soll auch politisch ausgenutzt werden, wie die Ankündigung zeigt, dass der Verlag keine Anzeigen der Linkspartei im Wahlkampf schalten will. Die SPD und Grüne sollten sich hier nicht zu früh über die Ausbremsung eines Gegners freuen, denn auch zu ihren Lasten ging schon einmal die Berichterstattung des Springer-Verlages, dessen Blätter Skandale nach dem Eindruck vieler LeserInnen ganz überwiegend nur bei SPD und Grünen fand. Die Meinungsfreiheit nimmt dabei Schaden.

Den Pressemeldungen ist jetzt zu entnehmen, dass der Aufkauf von Pro Sieben / Sat 1 den Springer-Verlag vor große finanzielle Probleme stellt. Die Gier der Mächtigen noch mächtiger zu werden, nimmt dem Verlag über längere Zeit die wirtschaftliche Bewegungsfreiheit. So berichtet das "Handelsblatt" in seiner Ausgabe vom 08.08.2005, dass durch die Rückzahlung des Kredits der operative Cash-Flow des Springer-Verlags, für die nächsten acht Jahre gebunden werde. Der Bilanzexperte Kütung äußerte gegenüber dem Handelsblatt, dass er da wirtschaftliche Risiken für den Springer-Verlag sehe.


Jetzt ist der Springer-Verlag wirtschaftlich angreifbar. Alle diejenigen, die nicht einmal im Wahlkampf dort Anzeigen schalten dürfen, sollten keine Bild-Zeitung mehr kaufen. Selbst dann nicht, wenn die Bild-Zeitung das Gehirn von Gysi zeigt, über Lafontaine oder die Linkspartei berichtet, einen spektakulären Mord schildert, ...

Wenn der Verkauf der Bildzeitung damit nur um ein Prozent sinkt, bedeutet das für den Konzern vielleicht schon den Tropfen auf den heißen Stein. Boykottiert den Springer-Verlag jetzt!

Was für Blätter hat der Springer-Verlag? Wer das nicht weiß, informiert sich am besten über die Internetseiten des Verlages oder stellt per Email Anfragen an die Verlagleitung.


Blanziflor
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Ergänzungen

als würden

hier viele... 08.08.2005 - 20:01
... überhaupt Springerblätter lesen.
Die die Springer regelmäßig lesen, die wird das nicht sonderlich interesieren und das auch recht egal sein.

Bild- Auflage

JW 08.08.2005 - 20:15
Also, ich "boykottiere" den Springer- Verlag schon seit ich lesen kann und mir fehlt gar nichts.
Das mit den ein Prozent sinken Verkäufen der Bildzeitung glaube ich wird nichts. Die Bild ist ja keine Abo- Zeitung. Diese leben von einer konstanten Auflage, nach der sich Anzeigenpreise richten. Die Bild hat ausreichend Anzeigenkunden, das Geschäft aus den direkten Zeitungsverkäufen spielt da eine untergordnete Rolle.(die Zeitung ist ja auch spottbillig) Die Bild lebt von ihrem Ruf als leider größte Zeitung Deutschlands, das bringt die Anzeigenkunden und die lassen sich von ein paar Prozent Absatzverlust nicht abschrecken. Nebenbei wird es dem durchschnittlichen Bild- Leser ziemlich egal sein, ob der Konzern sein Monopol ausbaut oder nicht, schließlich sind diese Leute nicht gerade die informiertesten und intelligentesten Zeitgenossen.
Ist man konsequent, müßte man auch das zweite große Medienmonopol, den Bertelsmannkonzern boykottieren, da wirds schon schwerer, schließlich gehört da auch der G+J Konzern dazu, welcher sehr viele bekannte Tageszeitungen herausbringt, die einiges über dem Springer- Niveau stehen.
Zu erwähnen sei noch, daß sich Springer seit langer Zeit mit der seriösen "Welt" ein unrentables Blatt hält, wahrscheinlich um den Ruf nicht total zu ruinieren. Würde es eng werden, könnte man ja einfach die "Welt" einstellen.

Regelmäßig mal eine klauen

Wallraff-Jünger 08.08.2005 - 21:11
Also ich klaue mir regelmäßig ne Bild, um nen genauen Peil über die real-politische Landschaft im verf... Deutschland zu haben.
Gerade auf den Seiten 2+3 wird nämlich Bundespolitik gemacht.
Was dort steht bzw. angeprangert wird, ist Gesetz und tritt in 90% aller Fälle irgendwann ein.
Ich werde jetzt keine Beispiele geben, ist mir zu billig!!!

@regelmäßig mal eine klauen

theo 08.08.2005 - 22:32
wenn du eine bildzeitung klaust, gilt diese als "verkauft". die meisten verkaufsstellen rechnen nur die nichtverkauften exemplare und die bestellten exemplare gegen, ohne zu bemerken, welche zeitung nun "gekauft" und welche "geklaut" wurde.

beispiel: ein kiosk kriegt jeden morgen 200 bildzeitungen geliefert, abends holt der grossist (der zeitungs-grosshändler) die nicht verkauften zeitungen ab, beispielsweise 70 stück. der kiosk bezahlt nun den einkaufspreis von 500-70=430 bildzeitungen, egal, ob davon 30 "geklaut" wurden!

zeitungen klauen ist somit keine wirkungsvolle, medienkritische aktion :o(

Für interessierte

name 08.08.2005 - 23:07
Boykott hat einen großen Nutzen:
Deine Kopf bleibt frei, es wird nicht unnötig Zeit, Energie und 'Speicherkapazität' für, grob gesagt, Müll verschwendet.
Mir gehts besser ohne - besser ohne Bild, ohne Bild-TV und ohne ähnliche Müll-Sender.


Aber hier die Ergänzung:
(vielen bekannt, aber nicht allen...)

Wer mehr über Aktionen und Boykott gegen Bild/Springer wissen möchte dem sei Google wärmstens empfohlen.
Dort findet sich viel zu
1. den Studentenprotesten Ende der 60ger Jahre und den damit zusammenhängenden Aktionen, zum Teil auch militant, gegen Springer.
2. findet sich viel zu Günther Wallraff.
Dieser Journalist 'trickste' sich unter dem Namen 'Hans ESSER' als Schreiberling/freier Mitarbeiter in die Bild-Redaktion und arbeitete dort mehrere Monate 'normal' mit.
Im Anschluss verfasste er mehrere Bücher über Methoden dieser 'Zeitung'.
Dies brachte ihm einige Prozesse ein und auch heute dürfen Teile seiner Bücher nur zensiert verkauft werden.

In diesen Büchern erfährt der interessierte Leser viel über Methoden und Politik von Bild/Springer. Zeigt zwar die Bild-Wirklichkeit von vor 30 Jahren auf, ist aber trotzdem immer noch aktuell.

Crosspost

zu G, Wallraf 08.08.2005 - 23:25
1977 arbeitete Günter Wallraff vier Monate unter dem Decknamen Hans Esser als Reporter in der Hannoveraner BILD-Redaktion und deckte in dem anschließenden Buch "Der Aufmacher. Der Mann, der bei BILD Hans Esser war" ( 1977) die unverantwortlichen Recherchiermethoden, Verfälschungen und politischen Manipulationen der Boulevardzeitung auf

Die Veröffentlichung dieses Berichts setzte ihn einer beispiellosen Hetz-Kampagne durch BILD und andere Springer-Zeitungen aus. Er wurde öffentlich verleumdet und heimlich bespitzelt, Wanzen wurden in seiner Wohnung gelegt und Telefone abgehört.

Der Springer-Konzern strengte einen Prozeß gegen Wallraff an, zunächst mit dem Ziel, das Buch verbieten zu lassen. Das gelang jedoch nicht; stattdessen erschien "Der Aufmacher" in veränderten Neuauflagen.

1981 endete die Prozeßkette vor dem Bundesgerichtshof mit einem Erfolg für Günter Wallraff. Das Gericht bescheinigte ihm das Recht, seine Erfahrungen in der BILD-Redaktion zu veröffentlichen, da sich sein Buch mit "gewichtigen Mißständen" befasse und "Fehlentwicklungen eines Journalismus aufzeige", an deren Erörterung die Allgemeinheit "in hohem Maße" interessiert sein müsse. Gegen dieses Urteil legte der Springer-Konzern eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein. Dessen Grundsatzurteil, das 1983 erging, bestätigte jedoch den Spruch des Bundesgerichtshofs.

Auf den "Aufmacher" folgte 1979 der Band "Zeugen der Anklage. Die BILDbeschreibung wird fortgesetzt", in dem Opfer von BILD zu Wort kommen und Zeugen, die über jahrzehntelange Erfahrungen in dem Blatt verfügen. Die Anti-Bild Trilogie schloß 1981 mit dem "BILD-Handbuch. Das BlLD-Handbuch bis zum BILDausfall". In einem Interview verglich Günter Wallraff seinen Kampf gegen den Pressegiganten mit dem Vorgehen eines Arztes, der sich stufenweise einer Krankheit nähert und Mittel zu ihrer Heilung sucht:

"Der Aufmacher", das war vergleichbar einer Anamnese, einer Erforschung der Vorgeschichte... "Zeugen der Anklage", das war die Diagnose. Hier wurde sichtbar, wie weit in das Leben der Menschen in unserem Land BILD hineinwirkt. Das "BILDHandbuch" geht zur Therapie über.

Neben weiteren Dokumenten, Analysen und Selbsterfahrungsberichten enthält der dritte 'BILD-Band' als Hilfe zur Selbsthilfe eine Reihe von Beispielen, in denen sich Betroffene mit Hilfe des Presserechts erfolgreich gegen den Springer-Konzern wehren konnten.

Bevor Günter Wallraff seine gesammelten BILD-Zeitungen von 15 Jahren endgültig dem Altpapier-Container und damit einem sinnvolleren Zweck überließ, stellte er eine Auswahl von BILD-Schlagzeilen zusammen, die er 1985 als "Günter Wallraffs BILDerbuch" veröffentlichte.

Zu den Recherchen bei BILD-Hannover 1977 entstand auch die erste längere Filmarbeit, die Jörg Gfrörer besorgte. Der WDR, der den Dokumentarfilm ursprünglich produziert hatte, setzte jedoch eine geplante Ausstrahlung ab, nachdem Gefolgsleute des Springer-Konzerns außerhalb des Pressehauses dagegen Einspruch erhoben hatten. Der BILD-Film - "Informationen aus dem Hinterland" - kam dann in die Kinos.

@jw

tagmata 08.08.2005 - 23:34
die 'welt' st schon länger nicht mehr seriös, sondern vollends zum rechtsnationalistischen kampfblatt verkommen. lies das ding mal, ekelhaft! und mit der kompaktausgabe machen sie sich auch auf dem markt für gossenblätter, die sich gezielt and 15-25jährige richten (kleinformatig, schnell zu lesen, wenig anspruch, 'seriöses' layout) ganz schön breit. get 'em when they're young... eine feine jugend, die uns da heranwächst.

ich lese nur selten zeitung - als informationsquelle doch mittlerweile ziemlich überholt. wie der wallraff-jünger schreibt, um reinzuschauen, was dem 'volk' so untergejubelt wird, sind diese blättchen interessant.

wie ist das eigentlich, wenn denen dauernd die automaten kaputtgehen? was kostet so ein ding? bekommt man irgendwo defekte, ausgemusterte 'bild'-automaten ohne was zu zahlen, das macht sich ganz gut als wohnungsdekoration.

(historisches detail: ein befreundeter alt68er hat mir mal erzählt, daß sie die automaten damals gern mit benzingetränkten alten socken angesteckt haben, was wohl eine tierische sauerei gegeben haben muß)

Ergänzende Ergänzung

JW 09.08.2005 - 11:35
Den Wallraff Bericht kann ich nur wärmstens empfehlen zu lesen, so viel Spannendes, Perverses und Unglaubliches gibts selten. Die Prozeßflut gegen Wallraff zieht sich übrigens bis heute hin, scheinbar hat die Aktion Springer damals richtig geärgert.
Übrigens: Klauen bringt gar nichts, das schadet nur dem Kioskbetreiber. Und Automaten gibts in Berlin z.B. fast gar nicht, das heißt die Dinger sind dem Springer Konzern sowieso wurst. Ob die Welt nationalkonservativ ist, oder nicht macht mir nix, ich lese die sowieso nicht. Aber mit diesen Bezeichnungen wäre ich vorsichtig, die FAZ wird auch gerne als "national" bezeichnet und die hatte ich lange Zeit abonniert.
Vor einiger Zeit hatte ich einen Traum: Im Rahmen der Studentenproteste haben wir das Springerhochhaus besetzt, wir haben eigene Ausgaben verlegt und auf dem Dach gabs einen Swimming Pool, das wär doch mal was?

Was für Blätter hat der Springer-Verlag?

Diese Blätter und viel mehr 09.08.2005 - 15:47
Hier ist eine Liste der Mitglieder der Springerfamilie (nach der geplanten Übernahme von ProSiebenSat1)

 http://www.bildblog.de/familie.html

Die Seite ist generell interessant für alle die sich für die BILD "interessieren"

 http://www.bildblog.de/

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