Guatemala: Leichen im Keller der Polizei

pirata 18.07.2005 19:42 Themen: Repression Soziale Kämpfe Weltweit
Einen brisanten Fund machten Mitarbeiter der staatlichen Menschenrechtsbehörde in Guatemala-Stadt. In Gebäuden der Polizei (PNC) entdeckten sie 14 Räume, prall gefüllt mit Dokumenten, die Auftragsmorde und andere gravierende Menschenrechtverletzungen belegen könnten. Ausserdem stiess man auf eine zugemauerte, unterirdische Grube. Hier wird ein Massengrab vermutet.

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Eigentlich waren die Mitarbeiter der Menschenrechtsbehörde auf der Suche nach Sprengstoff. Nachdem vor einigen Wochen ein Munitionslager der Armee in die Luft flog und Guatemala-Stadt nur knapp eine Katastrophe entgangen ist, hatten sich die Behörden vorgenommen, auch einmal die Sicherheitsstandards der Sprengstoffabteilung der Polizei zu inspizieren. Doch schnell sollte sich herausstellen, dass man ganz anderem expolsivem Material auf die Spur gekommen war.

In 14 Räumen fanden sie ein gigantisches Archiv, das Auftragsmorde und andere Menschenrechtsverletzungen der Polizei dokumentiert. Die ältesten Dokumente reichen bis ins Jahr 1905 zurück. Allerdings will der staatliche Menschenrechtsbeauftragte in erste Linie das Archiv nun nutzen, um womöglich tausende von Verbrechen aufzuklären, die die Polizei in der dunkelsten Zeit des Bürgerkrieges, in den 80er Jahren, begangen hat.

Schnelle Ergebnisse sind allerdings kaum zu erwarten. Fünf bis sechs Jahren wird es wohl dauern, bis das gigantische Archiv ausgewertet ist. Wenn es denn überhaupt soweit kommt. Noch lagern die Akten nämlich bei der Polizei und Menschenrechtsgruppen befürchten, dass die brisanten Papiere womöglich noch „verschwinden“ könnten.

Und Innenminister Carlos Vielmannn zeigte sich wenig begeistert, dass nun zivile Gruppen in den geheimen Archiven der Polizei rumschnüffeln könnten. Er möchte lieber der Polizei die Aufklärung ihrer eigenen Verbrechen überlassen. Allerdings hat Guatemala ein sehr fortschrittliches Auskunftsrecht. „Die Dokumente sind öffentlich. Die ganze Welt kann Zugang zu ihnen verlangen“, stellte die Sprecherin der Anwaltsvereinigung aber bereits klar.

Und womöglich wird das Land noch darüber hinaus mit seiner blutigen Polizei-Geschichte konfrontiert. Die Vertreter der Menschenrechtsbehörde entdeckten eine geheime, zugemauerte Grube. Sie soll in den nächsten Tagen geöffnet werden. Es wird vermutet, dass man dann auf ein Massengrab stossen wird, indem die Polizei ermordete Regimekritiker, linke Studenten und Gewerkschafter „entsorgt“ hat.

Über neuere Verbrechen der Polizei wird das Archiv keine Auskunft geben können. Es war jahrelang verwaist und wurde von Ratten und Fledermäusen in Beschlag genommen.

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Ergänzungen

@b.l.o.e.d

pirata 19.07.2005 - 05:45
Also die Leichen im Keller sind im Text natuerlich im sprichwoertlichen Sinne (in diesem Falle die Akten) gemeint.. Wobei die guatemaltekische Presse bereits weiss, was man dort in den nachsten Tagen finden wird. Naemlich echte Leichen.
Unter dem Titel „Der Tempel des Boesen“ veroeffentlichte die liberal-konservative Tageszeitung „Prense Libre“ eine Karrikatur, die den unabhaengig agierenden Menschenrechtsbeauftragten der Regierung, Sergio Morales, bei der Entdeckung der „Leichen im Keller“ der Polizei zeigt.
Zwischenzeitlich aeusserte sich uebrigens auch Praesident Oscar Berger zu dem brisanten Fund. Er will, dass die Dokumente ins staatliche Zentralarchiv wandern und dort sie dann Interessierte einsehen koennen. Menschenrechtsgruppen lehnen dies ab.

Forderung nach Öffentlichkeit

der Link dazu: 20.07.2005 - 10:20
PDH recibe apoyo
Organizaciones civiles exigen que archivos policiales sean públicos:
 http://www.prensalibre.com/pl/2005/julio/17/118995.html

m.E. am fundiertesten zu Guatemala in deutsch:
 http://www.guatemalanetz.ch/dokumente/index.html#fijate

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b.l.ö.d. 18.07.2005 - 21:37
"Leichen im Keller der Polizei" "Hier wird ein Massengrab VERMUTET."

irgendwie häufen sich in letzter zeit berichte die stilistisch stark an eine zeitung mit 4 buchstaben erinnern.

Redewendung nicht verstanden

... 18.07.2005 - 21:43
Noch nie was von der Redewendung "Leichen im Keller..." gehört? Und die Ordner mit den Beweisen wurden ja gefunden, wie du im Artikel sicherlich gelesen hast! ... aber wie dem auch sei: was gehen uns tausende ermordeter Linke in einem fernen Land an? Uns gehts ja gut.

@...

b.l.ö.d. 19.07.2005 - 00:26
die redewendung ist mir sehr wohl bekannt. das diese vollkommen unpassend ist und etwas anderes suggeriert als es der text wiederzugeben vermag bleibt aber bestehen.
wo du deine zu tausenden ermordeten linken herholst wäre allerdings auch interessant. im text ist jedenfalls nur dieses zu finden "um WOMOEGLICH tausende von VERBRECHEN aufzuklaeren".
pisaopfer?!

@ b.l.ö.d.

ich 19.07.2005 - 00:33
200.000 ermordete, 50.000 sind verschwunden - davon tausende morde jetzt aufgeklärt werden. daher ist der aktenfund so wichtig. wenn du das nicht glauben magst, nimm einfach mal google.

@b.l.ö.d.

pittiplatsch 22.07.2005 - 04:10
irgendwie häufen sich in letzter zeit ergänzungen die stilistisch stark an provokateure erinnern.das nervt! es geht bei indymedia nicht um journalistische hochglanzreportagen sondern um informationen. und wenn ich deinen abgeklärten kommentar zu solch einem krassen thema lese, dann will ich gar nicht wissen was in deinem kopf so abläuft. sich an irgendwelchen formulierungen hochziehen, mensch wach mal auf!