Naziaktionen geg. Antifa-Ausstellung (Berlin)

Nico Roth 27.06.2005 18:51 Themen: Antifa
(Erstveröffentlichung für Indymedia)

In den letzten Monaten wurde die Lichtenberger Antifa-Recherche-Ausstellung "Motiv.Rechts 2" mehrere Mal von Nazis angegriffen, und dabei teilweise zerstört. Wir, die Macher_Innen der Ausstellung, veröffentlichen aus diesem Anlass eine kurze Chronik der Vorfälle.
Seit Anfang des Jahres tourt die Recherche-Ausstellung „Motiv.Rechts 2“ durch den Bezirk Lichtenberg. In bereits acht Locations hatten die Bürger des Berliner Großbezirks die Möglichkeit, sich die Ausstellung anzuschauen. Sie dokumentiert auf 14 Tafeln die Aktivitäten der lokalen Neonaziszene, von rechtssextremen Parteien über Kameradschaften bis hin zu Nazi-Hool-Rocker-Connections. Diese Informationen werden durch Begriffs- und Zeichenerklärungen und eine ausführliche Chronik rechter Aktivitäten der letzten 13 Jahre ergänzt.

Ihre Wirksamkeit drückt sich auch in den Reaktionen der Neonazis aus. Schon während der ersten Ausstellungstour im Jahr 2002 versuchten Neonazis, die gesamte Ausstellung zu stehlen, indem sie sich als Antifas ausgaben. Die Aktivitäten der Neonazis gegen die aktuelle Ausstellung haben inzwischen ein neues Niveau erreicht.

Chronik:

Februar-März '05::
Mehrere Male besuchen Neonazis die Ausstellung, schreiben Kommentare und Drohungen in das Gästebuch und hinterlassen Aufkleber.

18.April '05::
Mehrere Neonazis besuchen in den Abendstunden die Ausstellung, die sich zu diesem Zeitpunkt im Rathaus Lichtenberg befindet, und entwendeten die Tafel, auf der die lokalen Kameradschaften portraitiert werden.

22.April '05::
Wieder dringen mehrere Neonazis in das Rathaus ein und stehlen neben der „Kameradschafts“-Tafel auch eine Tafel über die „Nazi-Rocker-Hool-Connection“. Die vier Neonazis (3 Männer, 1 Frau) stammen aus dem Umfeld der verbotenen "Kameradschaft Tor" bzw. "Kameradschaft Nord-Ost".

10.Juni ’05::
Neonazis werfen kurz nach Mitternacht mit zwei Pflastersteinen eine Fensterscheibe im Erdgeschoss des Kulturvereins KULT-Schule in der Sewanstraße in Friedrichsfelde ein. Sie steigen in die Räume ein und beginnen die „Motiv.Rechts“-Tafeln von der Wand zu reissen. Dabei wird ein, an den Tafeln angebrachter, Alarm ausgelöst, worauf die Täter flüchten.

Als Reaktion auf diese Übergriffe wurde am 18.Juni auf dem Lichtenberger „Rock für Links“ ein Pavillion mit der Ausstellung aufgebaut und sie so den 2000 Besuchern zugänglich gemacht. Die Tafel, die Hauptobjekt der Nazi-Aktionen ist, wurde inzwischen digitalisiert und kann nun heruntergeladen werden.

Die Ausstellung ist noch bis zum 6. Juli in der Anna-Seghers-Bibliothek
(Prerower Platz 2 - Tram M4,M5 - S-Bhf Hohenschönhausen) zu besichtigen.
Die Broschüre zur Ausstellung wird voraussichlich in der zweiten Jahreshälfte erscheinen.

Weitere Infos:
 http://www.motiv-rechts.tk
 http://www.ah.antifa.de

Die Tafel:
 http://ah.antifa.de/Motiv/download/kameradschaft.pdf
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Ergänzungen

Nicht verharmlosen

RNer 27.06.2005 - 21:53
Also ich würde diese Aktionen nicht verharmlosen. Ausserdem, wer weiß wie diese Ausstellung finanziert wurde, wahrscheinlich privat. Und dann wird es zerstört was du selber bezahlt hast. Und all diese Ausstellungstücke hatten ja auch einen gewissen Arbeitsaufwand. Ich fände es auch nicht toll, wenn ich monatelang Recherche betreibe, auf Papier bringe und dann wird es von ein paar Idioten gestohlen bzw. zerstört.

Ich hoffe ihr habt in der nächsten Zeit mehr Glück und werdet nicht noch häufiger heimgesucht von faschistischen "Angriffen".

Ansonsten, mein Respekt vor dieser Arbeit!

Berliner

antifa 27.06.2005 - 23:16
@ RNer
Bezahlt zum Teil vom bezirk Lichtenberg. Und da mein mal eine/r die haben keine Kohle ;)

Blanker Terror

fulgor 28.06.2005 - 00:22
In Lichtenberg passiert zur Zeit sehr viel. Gut, dass die Linken auch nicht mehr schlafen. Es herrscht nämlich blanker Terror. Im Ernst: vor zwei Wochen wurde um 14.00 vor der Schule in der Sewanstrasse ein Genosse, der offen gegen die Nazis agitiert, von einem Unbekannten offensichtlich erwartet, zuerst fotografiert und dann mit einer Fahrradkette zusammengeschlagen. Die Nazis machen nicht mehr auf Bomberjacke, man erkennt die Dumpfbacken nicht mehr so einfach. Noch dazu war das ein wildfremder Typ, den man nie in oder vor der Schule zuvor gesehen. Sie machen organisierten Terror. Wir lernen, ihr Massenmörder von Morgen, aber das Morgen wird es für euch nicht geben...

Anmerkung

Nico Roth 28.06.2005 - 16:08
@fulgor:

Du kannst uns (Antifa Hohenschönhausen) gerne ein Gedächtnisprotokoll schicken ( antifah@web.de). Darin sollte möglichst der genaue Tag drin sein. Damit kann mensch auch solche Vorfälle öffentlich machen oder möglicherweise praktische Hilfe realisieren.

@Berliner Antifa:

Die Ausstellung wurde NICHT vom Bezirk bezahlt. Keine Angst.

Respekt!

helmutberger 28.06.2005 - 17:10
Absoluten Respekt für Eure Arbeit!

Frage mich nur ob man Björn Wild, Daniel Meindel und ihre beide weiblichen Dauerbegleiterinnen nicht mal zur Rechenschaft gezogen bekommt? Die fühlen sich mittlerweile so sicher dass sie auf beinahe jeder Antifa-Demo in Berlin auftauchen und dreist Photos machen. Desweiteren wird wohl kaum jemand bestreiten, dass genau diese 4 hinter den Entwendungen bzw. Zerstörungen der Ausstellungsstücke stehen. Warum nicht mal also eine schöne Antifa-Kaffeefahrt zu deren nahezu bundesweit bekannten Wohnorten? Sollten sie dann wieder alles filmen, kann man ja mal nach dem "rechten" sehen...

Berliner

antifa 29.06.2005 - 14:40
@ Nico Roth

Da steht ja auch "zum Teil". Und was ist mit der gleichnamigen Broschüre?
Willst du jetzt sagen das der Bezirk nichts gesponsort hat?Wenn dem so wäre würde mich aber eine lichtenberger Lokaleitung sehr wundern, wo der Bürgermeister anderes behauptet.

Eine Broschüre ungleich Ausstellung

Berliner Antifa II 29.06.2005 - 16:47
Ich habe keine Ahnung, was die mögliche Finanzierung einer Broschüre, mit der Finanzierung der Ausstellung sprich der Platten zu tun hat. Es geht schließlich um die Zerstörung von Platten und nicht von Broschüren. Und selbst wenn Teil- oder Vollgelder zur Broschüre vom Bezirk kommt, nützt dat Geld nix den kaputten Platten. Geld is wahrscheinlich wie bei jedem Antrag sachgebunden.
Außerdem interessiert es mich herzlich wenig, woher dat Geld für Teile der Ausstellung kommt. Produkt ist schließlich die Ausstellung. Wer über Geld philosophieren will, soll ne BWL-Studium anfangen oder an die Börse gehen. Seit wann existieren Rechenschaftsberichte über Finanzierungen in Indymedia?

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