Ehrendoktor Schröder
Göttingen erlebte gestern den Kanzler. Der Kanzler erlebte aber nicht Göttingen, denn die GöttingerInnen waren ausgesperrt.
Kanzler Schröder erhielt gestern die Ehrendoktorwürde der Göttinger mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät mit alter Musik und Flugblättern.
In bekannt-arroganter Weise "beantwortete" der Stamokap-Studi alter Tage die Flugblätter: "Mir hätte was gefehlt."
Draußen, 150 Meter vom festungsmäßig abgesicherten Gebäude entfernt und abgeriegelt, demonstrierten etwa 250 Leute gegen Sozialabbau, Bildungsklau und gegen Abschiebungen.
Eine Frau wollte zum Bäcker und wurde von einem Polizeitrupp von 30 Mann und Frau aufgehalten: "Die Straße ist gesperrt. In zwei Stunden dürfen Sie da wieder hin."
Ja wenn die Regierung kommt, müssen die Bürger weg. Das ist BRD-Wirklichkeit.
Kann bitte jemand mehr zu den einzelnen Aktionen schreiben. NDR, Göttinger Tageblatt usw. berichteten bisher gewohnt schlecht und unvollständig.
Schröder will Stammzellforschung ausweiten lassen. Das wurde öffentlich-rechtlich verbreitet, aber sonst kam nichts an Informationen. Ich war nur kurz dabei aus beruflichen Gründen. Bitte ergänzt meinen kurzen Bericht.
In bekannt-arroganter Weise "beantwortete" der Stamokap-Studi alter Tage die Flugblätter: "Mir hätte was gefehlt."
Draußen, 150 Meter vom festungsmäßig abgesicherten Gebäude entfernt und abgeriegelt, demonstrierten etwa 250 Leute gegen Sozialabbau, Bildungsklau und gegen Abschiebungen.
Eine Frau wollte zum Bäcker und wurde von einem Polizeitrupp von 30 Mann und Frau aufgehalten: "Die Straße ist gesperrt. In zwei Stunden dürfen Sie da wieder hin."
Ja wenn die Regierung kommt, müssen die Bürger weg. Das ist BRD-Wirklichkeit.
Kann bitte jemand mehr zu den einzelnen Aktionen schreiben. NDR, Göttinger Tageblatt usw. berichteten bisher gewohnt schlecht und unvollständig.
Schröder will Stammzellforschung ausweiten lassen. Das wurde öffentlich-rechtlich verbreitet, aber sonst kam nichts an Informationen. Ich war nur kurz dabei aus beruflichen Gründen. Bitte ergänzt meinen kurzen Bericht.
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Ergänzungen
Es gab 2 Demonstrationen
Die erste Demonstration war von der Antifaschistischen Linken International mit einem Lautsprecherwagen organisert worden.
Treffpunkt war um 10 Uhr auf dem (zentralen)Campus der Universität Göttingen. In einem ersten Redebeitrag wurde dort betont, dass mit gewaltlosen Widerstand und 'kreativen Aktionen' allein Studiengebühren kaum zu verhindern seien. Denn 1968 waren die Abschaffung der damaligen Studiengebühren und andere Rechte der Studierenden auch nicht mit diesen Mittel erkämpft worden waren.
Begleitet von der Polizei führte die Demonstrationsroute führte zunächst über die Weender Str. in die Innenstadt (zwischendurch folgte ein weiterer Redebeitrag) und weiter über die Barfüßerstraße Richtung Wilhelmsplatz. Der Zugang zum Wilhelmsplatz war von 2 quergestellen Polizeiwagen gesperrt. Zu diesem Zeitpunkt fand dort in der Aula der Universität der Sektempfang für Kanzeler Schröder statt. Die Polizei hinterte die Demonstranten daran, zwischen den Polizeiwagen hindurch den Wilhelmsplatz zu betreten. Möglichst lautstark wurde an dieser Stelle versucht, den Professoren und Politikern in der Aula das Sektfrühstück zu vermiesen.
Danach bog die Demonstration in die Jüdenstraße ab. Auch an der nächsten Kreuzung wurden die Demonstranten daran gehintert, nach rechts über die Theaterstraße den Wilhelmsplatz zu erreichen. Nach einigen Minuten ging es dann weiter nach links über die Theatersraße zurück zur Weender Straße. Die Polizei blockiert dann den weiteren Durchgang durch die Weenderstraße, die hier die Haupteinkaufstraße der Göttigner Innenstadt ist. (Zu diesem Zeitpunkt war innerhalb der Demonstration klar, dass man/frau einmal im Kreis gehen würde, um erneut den Wilhelmsplatz zu erreichen. Es folgte ein dritter Redebeitrag, bei der es auch um die geplante Abschiebung von Achmed Saado ging.
Wieder nach einigen Minuten gab die Polizei die Blocke der Weender Str. jedoch auf. Die Demonstrationerreichte dann schließlich wieder die Kreuzung Barfüßerstr./Wilhelmsplatz und Jüdenstraße. Es folgte noch ein Redebeitrag des Sohnes von Achmed Saado über ein Megaphon.
An dieser Stelle wurde Demonstration dann um 11:20 herum aufgelößt. Die Demonstranten entschieden sich jedoch, an dieser Stelle dann auf die 2. Demonstration zu warten.
Im Verlauf der ersten Demonstration kam es wiederholt zu Rangeleien, glücklicherweise jedoch nicht zu einer Eskalation. (Diese Rangeleien wurden auch von einem Kamerateam der NDR gefilmt, dies kann also nicht der Grund sein, warum über die Demonstrionen kaum berichtet wurde.)
Die Polizei war während der ganzen ersten Demonstration intensiv am Filmen, sowohl aus einem gelben VW-Bulli mit getönten Scheiben hinaus als auch mit Handkameras. Einer Studentin hingegen wurde, mit dem Vorwand, sie hätte Photos von Polizisten gemacht, ihre analoge Kamera entwendet und erst nach der Beschlagnahme des Films zurückgegeben.
[Anm.: Wenn jemand weiß, wie man/frau sich in solchen Situationen zu verhalten hat, möge er bitte einen Link posten.]
Die 2. Demonstration war vom Asta der Universtität Göttingen organisiert.
Zu dieser Demonstraion kann ich leider kaum etwas sagen. Sie muss allerdings deutlich mehr als 250 Teilnehmer gehabt haben. Gegen 13 Uhr nämlich waren auf dem Wilhemsplatz nämlich weitaus mehr als diese Zahl versammelt. Viele es genau gewesen sein müssen kann ich leider nicht sagen. Auch weiß ich nicht, ob dies die beabsichtiggte Kundgebung des Asta gewesen ist, oder ob die Polizei wieder Willen den Zugang zum Wilhelmsplatz hat freigeben müssen. Auf jeden Fall könnten der Kanzler, die Professoren und wer sonst noch bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde dabei war die Aula der Universität nur durch den Seiteneingang verlassen. Dazu wurde eine kleine Gruppe von vielleicht 50 Demonstranten dazu aufgefordert, auf der Friedrichstr. auf den Bürgersteig zurückzutreten, wobei diese Gruppe der Aufforderung nachkam. Den Kanzler habe ich nicht sehen können, nur eine Limusine mit getönten Scheiben. Desweiteren wurde ein (Linien-)Bus der Göttinger Verkehrsbetriebe eingesetzt, um vielleicht 30 Personen an der kleinen Gruppe vorbeizubefödern. Einige Professoren fanden das wohl zu lächerlich und fuhren einfach mit dem Fahrrad zwischen der Polizei hindurch.
Was die Polizei sagt
Zudem hörte ich, dass die Köpfe der Astademo sich von der partiellen Solidarisierung der ALI-DemonstrantInnen (die die letzten 500m der anderen Demo lautstark unterstützten) "übergangen" bzw. "unterwandert" fühlten ;-)
hg
Die zweite Demo vom AStA 2 Stunden später, ebenfalls zum Wilhelmsplatz war laut polizei 1500 Menschen stark.