Oberursel (Ffm): Demo gegen Abschiebe-Airline

g. 14.06.2005 00:05 Themen: Antirassismus
Heute demonstrierten in Oberursel bei Frankfurt ca 50 AntirassistInnen vor der Zentrale der Chartergesellschaft Aeroflight. Aeroflight ist im Geschäft der Charterabschiebungen tätig und war im letzten Jahr an der Sammelabschiebung mehrerer Bundesländer und weiterer Europäischer Staaten in einige Afrikanische Länder beteiligt.
Die Demonstration fand im Rahmen mehrerer Aktionen und Veranstaltungen im Vorfeld des morgen beginnenden Prozesses gegen die Initiative Libertad! wegen der Online-Demo gegen die Lufthansa im Jahre 2001 statt. Lufthansa ist zwar die größte, aber bei weitem nicht die einzige Airline, die am Geschäft mit den Abschiebungen verdient. Während die Lufthansa die Abschiebungen in normalen Linienflügen durchführt, sind die etwas schwierigeren Abschiebungen, z.B. die bei denen Widerstand oder Proteste von Mitreisenden zu erwarten sind, Sache von Charterfirmen. Ein Haufen BGSler, ein Arzt, das Flugpersonal und die Abzuschiebenden teilen sich eine Maschine, Öffentlichkeit ist nicht vorgesehen.
Grade deshalb ist es wichtig, den Druck auf die entsprechenden Firmen zu erhöhen, damit sie sich aus dem schmutzigen Geschäft zurückziehen. Neben Aeroflight seien hier explizit noch die kleine Charterairline Silverbird aus Bremen (spezialisiert auf Abschiebungen in den Kongo, obwohl dieser eigentlich Charterabschiebungen verweigert) und auch die große Touri-Airline LTU genannt. Für Aeroflight ist es nicht das erste Mal, dass sie Zielscheibe des Protests wurde: Im Vorfeld des europäischen Aktionstages am 2. April gab es schon einen Farbanschlag gegen ihre schmucke Glasfassade. Und wenn Aeroflight sich nicht aus dem Abschiebungsgeschäft zurückzieht, war es auch nicht das letzte Mal.

Die Demonstration selbst war von einem sehr großen Polizeiaufgebot begleitet, dennoch kam es bis auf einige Belästuigungen wie Taschen- oder Personalienkontrollen zu keinen größeren Störungen durch die Polizei. Nach der Auftaktkundgebung mit einigen Redebeiträgen und der Performance eines Lärm-Künstler-Duos aus Frankfurt zog die Demo noch einmal kurz durch die verschlafene Wohn-Vorstadt im Frankfurter Speckgürtel und löste sich nach einer Abschlusskundgebung und einer weiteren Lärm-Performance in der Fußgängerzone auf.


Links:

Protest im Vorfeld von Online-Demo-Prozess:
 http://de.indymedia.org/2005/06/120334.shtml

3 Festnahmen am Aktionstag in Oberursel/FFM:
 http://de.indymedia.org//2005/04/110760.shtml

Prozess gegen Libertad!:
 http://www.libertad.de/inhalt/projekte/depclass/verfahren/index.shtml

Proteste gegen erste von Hamburg aus organisierte Sammelabschiebung nach Afrika:
 http://www.fluechtlingsrat-hamburg.de/content/ab_130904_SaAbsch.html
Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Offener Brief an die Geschäftführung

Libertad! Frankfurt 14.06.2005 - 01:09
Der nachfolgende offene Brief an die Geschäftführung der Aero Flight GmbH & Co KG wurde der Polizei übergeben, die zusicherte, ihn an die Aeroflight-Geschäftsführung persönlich zuzustellen.

Kein Geschäft mit Abschiebungen!
Schluss mit Abschiebungen!

Guten Tag,
wir schauen hier heute vorbei und machen Krach gegen Ihr Geschäft mit dem Elend von Menschen, die der Staat hier nicht dulden will.
Abschiebung ist eines der brutalsten Mittel des Staates, um Flüchtlingen und Migrant/innen das Recht zu verweigern, in Deutschland und in Europa zu bleiben.
30.000 Menschen werden jedes Jahr von deutschen Flughäfen abgeschoben, oft unter Einsatz massiver körperlicher Gewalt, viele von ihnen an Orte, die sie wegen Krieg, Diktatur, Verfolgung und Unterdrückung, sexistischer Gewalt, Ausbeutung, Mangel an Freiheit, Mangel an wirklicher Demokratie, verlassen haben. Tagtäglich werden Menschen von der Polizei um 5 Uhr früh von der Polizei aus ihren Zimmern gezerrt, um sie zum Flughafen oder in den Abschiebeknast zu bringen. Und viele andere, die keine Papiere haben oder nur einen prekären „Duldungs-“ Status, leben in ständiger Angst, eines Tages abgeschoben zu werden, ständig unter Druck gesetzt, Deutschland zu verlassen, sogar,wenn ihre Kinder hier geboren und aufgewachsen sind.
Um Abschiebungen noch schneller abzuwickeln, haben die deutschen Behörden zusammen mit anderen europäischen Staaten begonnen, Euro-Charterflüge zu organisieren, mit denen Menschen in verschiedene Westafrikanische Länder, in die Türkei, nach Vietnam und anderswo hin abgeschoben werden.
Sie haben auch begonnen, für Abschiebungen sogenannte EU-Heimreisepapiere auszustellen, für die die Kollaboration der Botschaften nicht mehr nötig ist. Und es ist offensichtlich, dass das sogenannte „Zuwanderungsgesetz“ noch mehr Abschiebedruck für alle die bringen wird, die keinen Aufenthaltstitel bekommen sollen.
Die AERO FLIGHT GmbH & Co KG ist die Charter-Airline mit der einer dieser Deportationsflüge am 13. September 2004 aus Hamburg erfolgte.
Nachdem die EU für die nächsten 2 Jahre weitere 30 Millonen Euro bereitgestellt hat für die Koordination und die Flüge selbst, ist zubefürchten, dass jederzeit wieder solche Deportationsflüge organisiert und mit Aero Flight durchgeführt werden.

AERO FLIGHT ist neu im Charterflug-Geschäft - und seit September 2004
auch eine neue Abschiebeairline. Dagegen richtet sich unser Protest:
AERO FLIGHT soll aus den Abschiebegeschäft aussteigen! Sofort!

Wir nehmen den Prozess wegen der Online-Demo gegen die deportation.class der Lufthansa AG zum Anlass, auch AEROFLIGHT deutlich unsere Ablehnung zu zeigen:

Für den sofortigen Ausstieg aus dem Abschiebegeschäft!

50 Leute gegen Lufthansa?

SpeedCore Gonzales 14.06.2005 - 02:22
Normalerweise müssten da mehr Leute kommen.
Aber ich hab im Vorfeld nix davon mitgekriegt und ne Menge Anderer anscheinend auch nicht.

Schade eigentlich.
Trotzdem 2 Daumen für euch und 2 Mittelfinger für die Deutsche Hansa.

Abschiebepraktiken direkt angreifen:
Speedy

Keine

Mobilisirung 14.06.2005 - 23:23
Von der Demo hab ich im Vorfeld nichts mitbekommen. Obwohl man zur Zeit Plakate gegen den Prozess gegen die Onliene Demo sieht in FFM war diese Demo anscheinend kaum angekündikt (wie wärs das nächste mal einfach zettel auf die Plakatte kleben)
Sehr Schade ich kann mir nich vorstellen das ihr immer nur unter euch sein wollt .Währe gern gekommen

Ansonsten solidarisch Grüsse an die Betroffenen Genossen von libertad!

Weiterer Bericht mit weiteren Bildern

Online-DemonstrantIn 15.06.2005 - 11:19

Eintracht Frankfurt kooperiert mit AeroFlight

Fan 08.07.2005 - 15:38
Es hat mich geschockt, dass die gute alte Eintracht nun auch mit der Abschiebeairline kooperiert:  http://www.eintracht.de/aktuelles/details/15759/

Heute ist auch ein Artikel in der Frankfurter Rundschau dazu:  http://www.fr-aktuell.de/ressorts/frankfurt_und_hessen/frankfurt_und_hessen/?sid=deafcbfee28480042b7c32e30dc77da2&cnt=697458

Auch im Internet-Forum der Eintracht gibt es über schon Diskussionen:
 http://www.eintracht.de/forum/list.php?thread=10899270

Ein Mitarbeiter der Eintracht-Presseabteilung schreibt dazu: "Danke für die Information. Meines Wissens stellt auch die Lufthansa ihre Flugzeuge für die Abschiebung von Flüchtlingen zur Verfügung. Wir finden dies in Einzelfällen nicht in Ordnung. Es gibt aber auch genügend Abschiebungen, die absolut gerechtfertigt sind. Bei genauer Recherche lässt sich aber bei fast jedem Unternehmen etwas finden, was kritikwürdig bzw. fragwürdig ist. Die Flughafengegner beispielsweise haben uns massiv angegriffen, weil wir Werbung für Fraport machen. Wenn wir danach gehen würden, hätten wir heute keinen Hauptsponsor und wahrscheinlich dementsprechend auch keine Bundesligamannschaft."

Zwei Links

Aero Flight 03.11.2005 - 23:55