Situation nach Räumung vom Anti-A33Hüttendorf

Aufräumer 11.06.2005 02:19 Themen: Freiräume Repression Ökologie
Am Montag, den 6.6. wurde das seit 6 Jahren geduldete Anti A 33 Hüttendorf zwischen Bielefeld und Osnabrück von Vertretern des Kreisbauamtes, der Bürgerwehr des Eigentümers Baron Teuffel=(niederer Landadel + Leibeigene) und ein paar Cops überfallen, 7 Hütten innerhalb von 15 Minuten mit einem Bagger eingerissen und 13 Bauwagen verschleppt.
Dann sagten sie tschüss, weil ihnen nämlich auf die Frage nach dem Warum wahlweise nichts oder das übliche "Ist doch eh alles illegal" und "Gefahr im Verzug" einfiel und gingen. Zurück blieben wir und eine Müllhalde.

Abtransport der Bauwagen
Die Bauwagen wurden zur nahegelegenen Bauschuttdepoinie verschleppt und gaben zum größten Teil dabei den Geist auf, Nichtaufgepumpte Räder verloren ihr Gummi, noch heruntelasssene Stützen und Felgen ohne Bereifung sorgten beim behördlichen Abtransport für Funkenflug auf der Straße. Selbstredend daß die Wagen nicht abgestellt, sondern quasi abgekippt wurden, zu allem Überfluß in einem Matschgebiet sondergleichen. Heute konnten wir 3 der 13 Wägen herausziehen. Um die anderen zu retten, müssen wohl erst größere Planierungsarbeiten an diesem Sumpfloch gemacht werden.
Zurück zur Situation am Hüttendorfgelände:

Am Nachmittag nach der Räumung zogen wir einen abgebunkerten Bauwagen wieder auf das Gelände und begannen mit den "Aufräumarbeiten".
Das aber rief wieder Cops und Eigentümer auf den Plan.....

Und nun die Situation 4 Tage nach der Räumung
Es war wohl der absolut illegale Charakter des polizeibegleitenden Raubüberfalls des Kreisbauamtes, der die Möglichkeit läßt, daß der Platz nach der Räumung weiterhin genutzt werden kann (allerdings eingeschränkt). Von Anfang an haben wir denen deutlich gemacht, daß unserer Meinung nach juristisch nach wie vor alles beim alten geblieben ist. Weder haben wir eine Aufforderung zum Verlassen des Grundstücks erhalten, noch gab es Platzverweise. Noch immer (nach 4 Tagen) gibt es keine offizielle Verfügung für den Überfall. Offesichtlich traut sich die Kreisbaubehörde nicht, eine offizielle Räumungsverfügung zu schreiben, weil sie Angst hat, vor Gericht damit zu scheitern. (denn wie will sie nach 6 jähriger Duldung, den Abtransport der Bauwagen mit Gefahr im Verzug begründen?)

Gleichwohl sind Cops und der Grundstückseigentümer alle paar Stunden vor Ort, um zu schauen, ob wir noch mehr als den einen Bauwagen da wieder drauf gezogen haben. Als vorgestern ein zweites Zelt dazu kam, forderte der Grundstückseigentümer zeternd den anwesenden Dorfpolizisten auf, dieses umgehend zu räumen. Der jedoch lachte nur über soviel Nervenschwäche. Die Cops, die in den ersten 2 Tagen nach der Räumung immer genervt haben, permanente Besuche auch nachts, mit Taschenlampen die Bäume ableuchten, ob darin jemand ne Hütte baut, Personalien kontrollieren, haben sich inzwischen, scheint es dran gewöhnt, daß es mit dem Hüttendorf nun doch irgendwie wieder weiter geht, flaxen rum, ob schon klar seie, wo wir das neue Hüttendorf hinbauen. Die Situation ist derzeit äußerst skurril. Wir selbst räumen den Müll, der durch die Räumung entstanden ist, gerade beiseite, sichern noch einiges Verwertbare, vertreten aber gleichzeitig den Standpunkt, daß wir das Recht haben, dort zu sein und werden diesen Platz in der nächsten Zeit auch selbstbewußt für politische Kampagnen nutzen. So werden dort natürlich auch die angekündigten Aktionstage vom 19 - 21.6 stattfinden. Es ist daher dringend gewünscht und notwendig, daß Unterstützung auf den Platz kommt.

Morgen Samstag, den 11.6 gibt es ab 19 Uhr eine Party, (das ursprünglich geplante Konzert fällt leider aus, da die Bands nicht kommen können, Naja dann gibts Musik aus der Konserve)

Natürlich, der Grundstückseigentümer erzählt immer, daß er uns da weg haben will und nur zwei Leute da sein dürfen, aber das letztere wurde noch nie durchgesetzt. Der Grundstückseigentümer zieht sich auf die Position zurück, das Hüttendorf hätte sich mit der Räumung erledigt und wir dürften nur noch zum Aufräumen da sein. Ursprünglich meinte er, daß die Aufräumarbeiten bis Sonntag erledigt sein sollten, doch davon spricht schon längst niemand mehr. Wir können den Platz daher - auch ohne Gerichtsentscheidung - wohl ziemlich sicher bis zum Ende der in Osnabrück und Umgebung stattfindenden Kampagne "Freiraum statt Repression" als Basis nutzen. (Vielleicht gibts ja auch schon bald ne Gerichtsentscheidung, die die Räumung komplett für illegal erklärt, aber juristische MÜhlen mahlen bekanntlich langsam.) Die Polizei weiß natürlich auch, daß es gegebenenfalls gar nichts bringt, hier wieder weiter zu räumen, weil es dann einfach in die umliegenden Wälder geht und das hat für Cops und Grundeigentümer mindestens so viele Nachteile wie für uns.

Wir prüfen auch gerade rechtliche Schritte wegen Sachbeschädigung an Bauwagen, etc.

Also kommt vorbei. Und nehmt teil an den Aktionen im Kampagnensommer: Start ist mit der Fahrradkarawane von Ahaus ins Hüttendorf nach dem letzten Castor kommenden Dienstag und die fette Freiraum-Demo in Osnabrück am 25.6

Revolutionäre Grüße an PlanB in Oberhausen, mensch kann ja richtig neidisch werden auf eure 300 UnterstützerInnen. hey, wenn ihr die Schergen dort vertrieben habt, kommt doch mal bei umns im Wald vorbei, da gäbs auch noch was zu tun.

Bilder von Räumung und Bauwagenzustand http://www.huettendorf.de
Fahrradkarawane Ahaus - Osnabrück - Hüttendorf http://www.huettendorf.de/JURA/karawane.html
Freiraumkampagne in Osnabrück und drumzu http://www.freiraum.de.tc
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Ergänzungen

Keine Unterstützer ?

dfr6 11.06.2005 - 13:37
Wen wunderts. Im Gegensatz zu den 1980ern haben die Leute in Osnabrück inzwischen andere Sorgen als Öko: Hartz IV und so, schon gehört davon?

autobahnbau und Hartz4

aufräumer 11.06.2005 - 14:20
wo ich dir recht gebe ist, daß der Zusammenhang von Infrastrukturmaßnahmen wie Autobahnbau und Verschärfung
des Arm Reichgefälles zu wenig propagiert wird, so daß zu leicht derr Eindruck entsteht, bei dem Projekt "Anti A 33 Hüttendorf" gehts
es ein paar Ökos nur darum, nen Stück Wald vor dem Beton zu retten.
Ein Meter Autobahn kostet ca 30.000 Euro, davon könnte man ganz schön viele Voküs machen. Von einem Kilometer könnte man dann 1000 mal mehr voküs machen. Und damit die Dimensionen wirklich deutlich werden, da sich viele von uns 30.000 Euro nicht vorstellen können: Ein Zentimeter
Autobahn kostet 300 Euro. Oder: eine Haaresbreite Autobahn ist für 3 Euro zu haben.
Aber es geht um mehr. Die Aufspaltung der Arm, Reich Schere wird durch Autobahbnauten verstärkt. Wem nutzen Autobahnen? Uns, die wir mal schnell zur Unterstützung nach Plan B fahren müssen, Sicherlich, doch noch viel mehr nutzen sie denen, die zwischen den Zentralen des kapitalistischen Verwertung hin und herwollen. Schon immer haben Autobahnen zur Ausdünnung des ländlichen Raumes geführt. Wo Autobahnen existieren, verödet das kulturelle Angebot. Akzeptabel wär das vielleicht, wenn die Zugriffsmöglichkeit auf den gesellschaftlichen Wert "Autobahn" gerecht verteilt ist. Aber wer hat ein Auto? Ich nicht. Trotz über 80 Mio Atos in diesem Staat: Eigentum an einem Auto haben nur 50 % der in Deutschland lebenden Bevölkerung, die Verfügungsmöglichkeit über eine Autonutzung ist aber immer noch, wenn das good will des Besitzers nicht da ist, von der Besitzereigenschaft abhängig.
Doch reden wir nicht nur über Autos. Reden wir über LKWs. Es mag ja eine touch von Öko haben, wenn man sich darüber beklagt, warum unsere Gesellschaft so strukturiert ist, daß in Australien produzierter Joghurt hier biliger zu haben ist, als hier produzierter. Nicht jedes Ökoargument ist scheiße, weil es öko ist. Die Grundlage der Kritik fällt zusammern mit einer Kritik an dem kapitalistischen Wirtschaftssystem, für Unternehmer
ist es z. T. billiger, Waren in LKWs über Autobahnen zu kutschieren, als teuren Lagerraum zu mieten. Und ich finde, daß die Kritik an der Gesellschaft nicht nur bei Hartz IV stehenbleiben sollte. Wenn wir ernsthaft den Kapitalismus und das unhinterfragte Mythos "Arbeit Atrbeit Arbeit" kritisieren wollen, dann sollten wir uns mal folgendes überlegen.
Ein/e Arbeiter/in braucht ein Auto, um zur Arbeit zu kommen.
Statistisch arbeitet ein Mensch 8 Jahre seine Lebens nur dafür sich einen fahrbaren Untersatz zu leisten, um zur Arbeit zu kommen, sprich um sich ausbeuten zu lassen. Wer hat was von diesen 8 Jahren? der/die Arbeiter/in, oder der/die Ausbeuter/in????
Also echt, wir aus dem Hüttendorf sind ganz gewiß nicht die Blödels die in lauter Ehrfurcht die Bäume anbeten. wir hassen den Kapitalismus glaub ich mehr als irgendwelche Gewerkschaftsheinis, denen zum Thema Kapital nur Hartz einfällt. Außerdem war das Hüttendorf ein Freiraum und davon gibts verdammt wenig in der Republik.
Und es geht auch um Denkstrukturen in dieser Gesellschaft. Noch immer gilt ein Auto als Statussymbol und insbesondere ein Symbol der Macht patriarchaler Ausbeutung.