Ausschreitungen in Sucre/Bolivien - part II

deine mütter und carl arsch 10.06.2005 22:46 Themen: Weltweit
erlebnissbericht vom donnerstag, dem 09.06 in sucre. zur genaueren
information zum thema:  http://de.indymedia.org/2005/06/119914.shtml
am ende mit special-tipps bei tränengas!
10:10h_ zugang zur plaza gesperrt, polizei hat sich mit seilen und
anderen dingen verbarrikadiert, grossteil der läden hat geschlossen

10:30h_ an der ecke (vor der uni) stehen etwa 100 - 150 leute, die
knallen, klatschen und singen; durch die absperrungen werden sie am
vordingen auf den platz gehindert
- der grossteil der campesinos (bauern) und mineros (bergarbeiter) -
rund 2000 - bleibt ausserhalb der stadt, wird vom militär am eindringen
in die stadt gehindert
- vorm bullenhauptquatier lungert ein grosses aufgebot von dummen,
dicken prügelbullen (poesie)
- der gesamte plaza (hauptplazt und sitz des parlamentes in sucre) ist
besetzt mit uniformierten

10:40_ calle (strasse) dalence: die ersten campesinos erreichen nach
teilweise tagelangen fussmärschen sucres innenstadt
- teilweise kleinere diskussionen/streits zwischen den einzelnen
fraktionen
- ecke dalence/n. ortiz: lehrer fraktion formiert sich
- diese fraktion ist bis jetzt die am lautesten und kämpferischtsten,
etwa 100 bis 150 leute

gegen 11 h_ bisher grösster demo-block erreicht das zentrum, etwa 1500
bis 2000 menschen; bestehend aus leuten von verschiedenen
gewerkschaften, verkäufern, studenten und behördenmitarbeitern, ziemlich
kämpferische stimmung
- an der ecke dalence/n. ortiz gibt's den ersten stress mit den bullen
- ecke audiencia/grau stoppt die demospitze und von der calle bolivar
kommt ein kleinerer demozug entgegen (etwa 300 leute)
- journalisten werden am zugang zum platz gehindert
- bullen sind leicht gereizt
- zug teilt sich nach einigen minuten wieder und der kleinere zug läuft
da hin, von wo aus der grössere gekommen ist
- im laufe der zeit wird dieser zug zusehends grösser (etwa 500 leute)
- ecke loa/ayacuchoz steht ein kleinerer bullentrupp, offenischtlich
ziemlich ängstlich - und es passiert etwas in dland undenkbares: nämlich
nichts!!

11:40_ ecke arenales/junin gibt's den ersten richtigen zwischenfall: die
bullen beschiessen die aus diesen beiden strassen kommenden demozüge mit
reichlich tränengas, obwohl ein richtiger grund dafür eigentlich nicht
gegeben war
- der zug der 500 leute löst sich danach kurz auf und formiert sich
anschliessend wieder
- nach etwa 30min sind's wieder etwa 100 - 200 leute, die mit jenem die
alberto bzw. españa hochlaufen
- immer wieder trifft dieser zug mit anderen blöcken, besonders
campesinos, zusammen
- immerwieder der ruf: "¡vive la clase obrera!"
- insgesamt sind es weniger leute als gedacht, warum das so ist, steht
schon weiter oben
gegen 12:30h_ immernoch kleinere züge von prostertierern
- block, mit welchem wir mitlaufen, fasst inzwischen noch 50 - 100
leuten, läuft immerwieder in runden um die "rote zone", bullen werden
immer weniger, allerdings noch ausreichend viele, um eindruck zu
schinden und durchbruchsversuche zu verhindern
- anschliessend: ¡siesta (mittagspause)!

gegen 18:00h_ inzwischen gibt es einen toten minero und mehrere (drei
bestätigte) schwerverletzte zu beklagen
- die polizei verschiesst wahllos gas um die menge auseinander zu
treiben, es herrscht allgemeine volksfestimmung wie am ersten mai in
berlin-kreuzberg
- an verschiedenen orten werden feuer entzündet
- allgemeines rumstehen und auf etwas warten
- gerüchte werden verbreitet
- meldung, dass vaca diez mit einem armee hubschrauber ausgeflogen
wurde, sorgt für aufregung

19:45h_ ein unvorsichtiger zivi wird von einer etwa 50 leute grossen
gruppe von mineros aufgemischt, als er versucht, direkt neben dieser
stehend, mit einem walki-talki einen lagebricht an seine vorgesetzten
abzugeben (wie clever)
- kurz danach kommen diese auf mehreren pick-up's angefahren, beschiesst
die menge wiedermal mit gas, um ihren "gefangenen" rauszuhauen
- scharmützel und gerenne zieht sich bis in die späten nachtstunden hin

freitag, 10/06: seit den frühen morgenstunden ist gewehrfeuer und
dynamitexplosionen zu hören, allerdings findet dieses offensichtlich
ausserhalb von sucre statt

zum tränengas: super heftig! viel viel schlimmer als bei uns -
allerdings gibt's da zwei gute gegenmittel: zum einen bicarbonat auf die
haut, unter die augen und ueber den mund, zum anderen essig ins tuch
vorm gesicht - und schon kann's (fast unbeschwert) weiter gehen.....

die bullen: ähnlich verrückt wie bei uns, allerdings wesentlich eher mit
den diversesten schiessgeräten zur hand
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Ergänzungen

Kein Essig

kei 10.06.2005 - 23:39
Das mit dem Essig bei CN/CS Gas ist nicht so toll. Das mildert kurzfristig (wie Zitrone) zwar die Symptome, ist aber gefährlich, weil die Giftstoffe darin gebündelt werden, was zu einer konzentrierteren Einnahme führt.

 http://www.newstroll.de/archiv/?id=1381&oid=3494&jahr=2002&nid=4805

@

Que se vayan todos 14.06.2005 - 00:59
Es ist nicht gemeint, dass Zitronensaft mit den Augen in Beruehrung kommen soll!
Ich weiss nicht, wie es bei euch in Europa ist, aber in Ecuador und auch im Bruderland Bolivien behindert das Gas, das gegen Demonstrationen eingesetzt wird, vor allem die Atmung. Es hilft einem also nichts die Augen mit Wasser auszuspuelen, wenn man am Ersticken ist.
Dagegen vermindert das Atmen durch zitronengasgetraenkte Tuecher die Wirkung des Gases deutlich. Ich kenne mich medizinisch nicht aus, aber vor allem in den Wochen vor dem Sturz von Lucio Gutierrez -einschl. der letzten Nacht seiner Regierung, als im Zentrum Quitos 1500 bombas lacrimogenas verschossen wurden und ein Journalist auf der Strasse erstickte- haben wir sehr gute Erfahrungen damit gemacht!

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 2 Kommentare

Tipps aus Quito

Que se vayan todos 11.06.2005 - 17:27
Gegen Traenengas hilft:
Zitronen- bzw. limonensaftgetraenkte Tuecher, Salz im Mund, Milch unter Nase und Augen, Rauchen, Feuer auf der Strasse, Anti-Vulkanstaub-Masken usw...
Hasta la victoria siempre

Kein Zitronensaft!

Bitte erst informieren! 11.06.2005 - 17:30
Zitronensaft unterdrückt die Schmerzen, schädigt aber die Augen noch stärker. Dieser Zitronensaft-Unsinn kann die Gesundheit kosten. Am besten ist immer noch Augen ausspülen mit Wasser.