Bolivien - Wieder Straßenblockaden
Warum, wieso, weshalb?
(Dies ist nur ein klitzekleiner Überblick)Wie schon in früheren Artikeln auf Indymedia berichtet (siehe dazu das Feature: http://de.indymedia.org/2005/03/108696.shtml) geht es überwiegend um die Hoheit über die Energieressourcen im Land. Boliven besitzt die zweithöchsten Vorkommen an natürlichen Erdgas (nach Venezuela) in Südamerika. Bei einem Referendum im Jahr 2004 stimmten die Bolivianer mit überwaltigender Mehrheit einer Erhöhung des staatlichen Einflußes auf die Erdgasindustrie sowie höheren Exportsteuern für Multinationale Konzerne zu.Nun wurde letzte Woche vom Kongress ein Gesetz verabschiedet das rund 50% Steuern (genaugenommen 18% Abgaben + 32% Steuern) von ausländischen Erdgas/öl-Konzernen verlangt. Doch dies ist vielen Menschen zu wenig und somit begann letzte Woche ein nun fast halbjährlich auftretendes Ritual - Blockaden, Streik und Demonstrationen.
Ein weiterer Punkt sind die Autonomiebestrebungen der Santa Cruz Region, Boliviens reichster Gegend und Hauptstandort der Ölindustrie. Diese werden aber angeblich zum großen Teil von der wohlhabenden Schicht gefordert um den Einfluß auf die staatliche Kontrolle der Industrie zu mindern. Viele Gewerkschaften und andere Gruppierungen lehnen diese Autonomieansprüche von Santa Cruz daher ab.
Aktuelle Lage
Ende letzter Woche, zum Zeitpunkt der Gesetzesverabschiedung, begann sich die Stimmung in La Paz allmählich hochzukochen, als Minenarbeiter das Stadtzentrum okkupierten. Von Seiten der Regierung und dem rechtem Flügel kam in dieser Zeit wenig Verlautbarungen und die Medien diskutierten derweil die Pläne von Präsident Mesa.Kurz darauf fing die Presse wieder an mit Slogans wie (sinngemäß) "Wir sind alle Bolivien - lasst uns nicht in die Falle derjenigen gehen die nur ihre eigenen Vorteile wollen. Unterstützt unsere Demokratie" ect.Um La Paz herum gab es zu diesem Zeitpunkt schon (bzw. noch immer) einige Straßenblockaden, aber die größte Demonstration bis dahin fand am 20.Mai statt, als rund 30.000 Menschen zur Gualberto Villaroel Raffinerie marschierten um eine "symbolische Besetzung" zu organisieren. Die Medien nahmen davon kaum Notiz.
Am Montag, den 23.Mai, begannen nun auch in El Alto erste Straßenblockaden, die von LehrerInnen, StudentInnen, Minenarbeitern und Arbeitslosen organisiert wurden. Die Wege zum Flughafen wurden mittlerweile alle blockiert, immer unter dem auge von mehreren hundert Bereitschaftspolizisten. Mit diesem Tag startete also der erste Tag vom "Generalstreik" in El Alto.
Stunden später kam ein Demonstrationszug im Zentrum von La Paz an. Rund 10.000 Menschen nahmen daran teil. Einige Gruppen skandierten "Weder30%, noch 50%, Verstaatlichung!".
Auch heute gab es wieder Demonstratonen und die Blockaden dauern ebenfalls noch an. Die Stimmung ist ziemlich angespannt und es kam zu ersten Auseinandersetzungen mit der Polizei, die daraufhin Tränengas und Wasserwerfer einsetzte. Noch ist die Lage unter Kontrolle, aber da nun einige Gruppen aufrufen "den Präsidentenpalast zu nehmen", ist die Situation zur Zeit ziemlich diffus.
Hier noch ein paar Bilder der Demonstrationen der letzten Tage:
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen
El Alto ist nicht die Haupstadt
Auch La Paz ist nicht die Haupstadt
Hauptstadt/Regierungssitz
- Die Hauptstadt von Bolivien ist das kleine (~200.000 Einwohner) und beschauliche Sucre in der Region Chuquisaca (Schreibweise variiert).
- Regierungssitz und zentraler Sitz fast aller wichtigen Organisationen ist La Paz. Der Ring der Vororte auf der Hochebene heißt "El Alto" und trennt, wie bereits von anderen erwähnt, La Paz von fast allen Fernstraßen und seinem internationalen Flughafen. Der Großraum La Paz/El Alto hat ungefähr 2 Millionen Einwohner, die sich etwa 1:1 verteilen (zumindest war das vor kurzer Zeit noch so, aber El Alto wächst im Gegensatz zu La Paz relativ stark)
- Santa Cruz ist meines Wissens die zweit- oder drittgrößte Stadt Bolviens (etwa 1 Mio. Einwohner) und wirtschaftliches Zentrum des südöstlichen Teils von Bolivien. Santa Curz hat allerdings keine politische Funktion außer als Regionalhauptstadt!
Die Region Santa Curz liegt nahe der Grenzen zu Brasilien und Argentinien und hat eine sehr viel schnellere wirtschaftliche Entwicklung durchgemacht als andere Regionen Boliviens. Daher auch der Wunsch der Cruze~nos (Einwohner der Region Santa Cruz), sich vom Staat Bolivien abzuspalte.
weitere infos
Boliviens Hauptstadt
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
@guaraní
Habs im Artikel jetzt mal berichtigt!