Liegestuhlaktion in Berlin am Alex

Peter Lustig 01.05.2005 23:53 Themen: Soziale Kämpfe
Berlin, 1.05.2005, Alex: Heute fand neben der DGB-Kundgebung eine Liegestuhlaktion gegen den virulenten Arbeitswahn statt.
Motto war: Endlich wird die Arbeit knapp.
Dazu wurde demonstrativ in Liegestühlen Platz genommen. Die Sprüche gegen Lohnarbeit waren insbesondere für Gewerkschafter
doch eher provokant. Und so wurden Fragen nach dem, was Arbeit sei, welche Arbeit tatsächlich nützlich sei, ob Menschen auch
arbeiten, wenn es kein Geld gäbe, wem Arbeit nützt etc. gestellt. Viele haben das Paradox erkannt, daß viele völlig überarbeit
sind, andere überhaupt keinen Zugang zu sinnvoller Tätigkeit haben, beide aber an dieser Situation krank werden. Es ist also
gelungen, Menschen zum eigenen Denken anzuregen und nicht mit Bier, Parolen und Demokratiegeschwätz gehirn- und mundtot zu machen.
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Ergänzungen

Paradies?

udotli 02.05.2005 - 04:48
Ich kann dazu einen lesenswerten Artikel unter:  http://www.taz.de/pt/2005/04/30/a0201.nf/text empfehlen. Er heißt "Das Paradies der Arbeit".
Hier mal ein kleiner Auszug:
"Erst heute, da sie ein knappes Gut geworden ist, wird die kulturelle Überhöhung von Arbeit in ihrer ganzen Ambivalenz kenntlich. Die Konfrontation unserer idealisierten Vorstellung von Arbeit mit der Tatsache, dass sie uns auszugehen scheint, ist der nachhaltige Schock der spätmodernen Gesellschaften. Mit Erschrecken stellen wir fest, dass wir über Generationen sozusagen "fehlsozialisiert" worden sind. Unsere symbolische Ausstattung erscheint angesichts der Krise der Arbeitsgesellschaft nicht mehr zeitgemäß. Was sollen wir sinnvoll tun, wenn uns der zentrale Bezugspunkt des Lebens fehlt? Mit der Krise kommt das Ende des Bedeutungsmonopols in Sicht, das wir der Arbeit als Stifter von "Sinn" und "Identität" so sehr eingeräumt haben, dass wir, wie Hannah Arendt anmerkte, "kaum noch vom Hörensagen die höheren und sinnvolleren Tätigkeiten" kennen. Tatsächlich tun wir uns schwer damit, uns vom Paradigma der Erwerbsarbeit zu lösen und ihr anderes entgegenzusetzen als eine - häufig leer laufende - "Freizeit". Das bekannte Paradox spricht für sich selbst: Je mehr die Arbeit auf der Erwerbsebene verschwindet, desto stärker dringt sie ins Privatleben. Von der Beziehungsarbeit über die Regenerationsarbeit bis hin zur Trauerarbeit: Es gibt kaum noch einen Intimbereich, der nicht kompensatorisch durch das Suffix "Arbeit" aufgewertet wird."

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gar nicht lustig

malocher 02.05.2005 - 23:22
Wer am 1. Mai nix besseres zu tun hat als Arbeiter und Arbeitslose zu provozieren braucht sich nicht zu wundern, wenn er irgenwann die passende Antowort erhält. Nur irgendwelche Leute mit reichen Eltern oder beamte können so einen schwachsinn verzapfen.

@ Malocher

Die Frau mit dem Schirm 03.05.2005 - 18:39
Nee, da irrste dich. Ich zum Beispiel bin auf ALG II und weder verbeamtet, noch eine reiche Erbin. Im Gegenteil hab ich mit meinen 40 Jahren und ohne abgeschlossene Ausbildung kaum noch eine Chance innerhalb dieses Systems, mal wieder was anderes als ´ne arme Schluckerin zu sein. Aber wie auch jeder vernünftige Malocher weiß ich, dass Feierabend eigentlich viel mehr Spaß macht als Lohnarbeit, und dass es deshalb ein dummer Scherz sein muss, darüber zu klagen, dass nicht genug Arbeit vorhanden sei! Pure Ideologie, und die Leute fressen das - kaum zu glauben! In Wirklichkeit ist genug zu tun, und wenn es nicht so wäre, dann könnten wir alle zusammen Reichtum ohne Arbeit genießen. Ich jedenfalls leide nicht an fürchterlicher Langeweile, nur weil mir keiner sagt, was ich tun soll. Nur die Kohle ist immer knapp...