Die Verlorenen Ideale der Revolution im Iran

Omid Habibinia 15.04.2005 13:25
26 Jahre nach der Revolution im Jahre 1979 kämpfen Iraner noch immer, um deren Ziele zu erreichen.
Vor 26 Jahren dachte ich wie Millionen Jugendliche und junge Iraner, dass wir mit dem Sieg der Revolution ihre wahren Ziele, das heißt Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit und Demokratie erreichen werden. Diese Träume platzten bereits nach ein paar Tagen, denn die Willkürherrschaft des Schahs wurde sofort mit der Diktatur der Geistlichen ersetzt. Bereits in den ersten Tagen schlossen sie die Zeitungen und schalteten ihre Gegnerinnen und Gegner aus, indem sie exekutiert, ins Gefängnis geworfen oder zur Flucht aus dem Land gezwungen wurden.

Eine Revolution, die selbst von Michel Foucault (französischer Philosoph, † 1984) als "Beginn einer neuen Ära in der Geschichte der politischen Entwicklung" bezeichnet wurde, blieb vom Anfang an erfolglos. Der harte Kampf für die Demokratie im Iran musste wie in den letzten hundert Jahren weitergehen.

Zehntausende der revolutionären Generation wurden zum Tode verurteilt, in so genannten Gerichtsverhandlungen, die nur einige Minuten andauerten, deren Vorsitz ein Geistlicher hatte, und mit dem direkten Befehl des Revolutionsführers durchgeführt wurden. Weitere Zehntausende wurden inhaftiert. Millionen Menschen flohen aus dem Land, darunter die meisten Akademiker und Spezialisten, um ihr Dasein im Exil mit allen Entbehrungen und Leiden zu fristen. Viele politische Gefangene, die das Schah-Gefängnis überlebt hatten, wurden durch die islamische Regierung umgebracht. Über ein Vierteljahrhundert überschatteten Terror, Unterdrückung und religiöse Zwangsherrschaft das Land.

Die Generation, die Anfang der siebziger Jahre gegen die Diktatur des Schahs zu revoltieren anfing, hätte sich nie vorstellen können, dass die Geistlichen, die im Iran schon immer ein Teil der herrschenden Kaste waren, in so kurzer Zeit wie im Jahr 1979 die Macht ganz in die Hand nehmen und die Revolution zum Fall bringen würden.

Ende der siebziger Jahre steckte die Schah-Regierung in einer politischen, aber auch in einer wirtschaftlichen Krise. Einerseits schwankte der Erdölpreis, auf dem die kranke Wirtschaft basierte, die Inflationsrate stieg und die landwirtschaftliche Struktur wurde zunehmend vernichtet. Die industrielle Expansion war unausgeglichen und bestand zum größten Teil aus weiterverarbeitender Industrie und Montage. Andererseits stieg die Unzufriedenheit der jungen Generation, die sich hauptsächlich in intellektuellen Bewegungen und linksextremistischen Gruppierungen organisierte. Die breite Kritik der internationalen Menschenrechtorganisationen an Folter und Unterdrückung hatte die Regierung zunehmend in Misskredit gebracht. Die verbreitete Korruption in der Hof-Oligarchie vereitelte jeden wirtschaftlichen Reformversuch.

Als Gegenmaßnahme vergab die Regierung Kredite an ausländische Regierungen und beteiligte sich zunehmend an europäischer und amerikanischer Industrie, um sich mehr Festigkeit zu verleihen. Gleichzeitig verschaffte sie den schiitischen Geistlichen, den natürlichen Feinden der Kommunistinnen und Kommunisten, mehr Spielraum. Trotz dieser Maßnahmen sah sich die Regierung Anfang des Jahres 1978 jeden Tag mit großen Streiks in den Firmen, Behörden und Fabriken konfrontiert. Die AktivistInnen schlossen sich bald den öffentlichen Demonstrationen an, die scheinbar anfänglich wirtschaftlichen Ursprungs waren. Die Proteste nahmen aber schnell eine politische Form an und verwandelten sich in breite Demonstrationen gegen das Schah-Regime.

Als diese Demonstrationen zunehmend organisierter wurden, verlor der Schah die Kontrolle über die Situation und konnte selbst mit Ausgangssperre und Gewalt gegen die Bevölkerung den schnellen Sturz nicht verhindern. In diesem Moment tauchten die Geistlichen auf, die die Moscheen als Propaganda-Zentren in der Hand hatten. Sie genossen außerdem die finanzielle Unterstützung der Händler und der traditionsreichen Geldaristokraten und waren in den letzten Jahren von der Regierung in Ruhe gelassen worden. Nach den Interviews Khomeinis in Paris und den Versprechungen seiner Anhänger war es für einen Teil der Bevölkerung durchaus vorstellbar, dass der Klerus die Tradition und das Moderne vereinen könnte. Die Geistlichen nutzten die Gelegenheit und übernahmen die Macht.

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Vorwärts Nr.10(11.März 2005)siten 4 u.5

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Ergänzungen

Kritische Fragen zur iranischen Revolution

Wal Buchenberg 15.04.2005 - 21:00
Meine kritischen Fragen (zu einem Text von M. Hektmatar) stehen hier:
 http://f27.parsimony.net/forum66069/messages/7610.htm

Gruß Wal

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ich kann nur empfehlen

tagmata 15.04.2005 - 19:18
sich mal die berichte von leuten, die damals mit dabei waren und unter der zunehmenden macht des klerus flohen, erzählen zu lassen. die stimmung muß wochenlang wirklich ein anarchistisch-sozialistisches anything goes gewesen sein, soziale und wirtschaftliche experimente zuhauf, die jungen menschen konnten zum ersten mal in ihrem leben frei sein... schlimm, daß es so endete.

@Wal

a.k. 17.04.2005 - 15:15
Lass doch die iranischen KommunistInnen mit deiner Siebenschläue in Ruhe.
So von wegen denen vorzurechnen, dass "Mullah" eine "Berufsbezeichnung" sei und dass dann ja noch nichts über die Klassenzugehörigkeit gesagt sei (*kopfschüttel*).
Und dass dir deren Kritik an der BRD nicht passt und dir da der Antiamerikanimus fehlt ist auch ziemlich daneben.

Solidemos für iranische Demokratiebewegung

Günther 17.04.2005 - 21:48
Am 21. April gibt es in Frankfurt und in Berlin Solidemos für die iranische Demokratiebewegung. Hier die Aufrufe:


Anlass in Frankfurt: Iran-Tag der Industrie- und Handelskammer mit iranischem Botschafter und anderen Regimerepräsentanten

Zeit: 21. April 2005 10 – 16 Uhr
Ort: Internationale Handelskammer Frankfurt
direkt neben der Frankfurter Börse

Für Demokratie und Meinungsfreiheit

Gegen Despotismus und den islamischen Gottesstaat im Iran

26 Jahre Herrschaft des Gottesstaates im Iran. 26 Jahre Terrorherrschaft der Islamischen Republik im Iran. Vor 26 Jahren haben sich die Menschen im Iran gegen Monarchie, für Demokratie und Meinungsfreiheit entschieden und nicht für einen despotischen Gottesstaat.

Zum Jahrestag der Volksbefragung am 01. April 1979 sagen wir:

°° Nein zum islamischen Terrorregime!
°° Nein zur Verachtung der Menschenrechte!
°° Nein zur Herrschaft von Religion über alle sozialen, politischen und kulturellen Angelegenheiten!
°° Nein zu jeglicher ethnischer und religiöser Diskriminierung!
°° Nein zur Unterdrückung der Frauen und Andersdenkenden!
°° Nein zu jeglicher religiöser und ideologischer Herrschaft/ Monarchie!
°°
°° Ja zu Demokratie!
°° Ja zur Mitbestimmung!
°° Ja zur Presse- und Versammlungsfreiheit!
°° Ja zu freien und unhabhängigen Gewerkschaften!
°° Ja zur Trennung von Staat und Religion!
°° Ja zur völligen Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen mit Männern!
°° Ja zur Gleichberechtigung von ethnischen Minderheiten!
°°
°° ERHEBT EUCH UND PROTESTIERT GEGEN DIE DIKTATUR DES GOTTESSTAATES IM IRAN!
°° DEMONSTRIERT FÜR DIE FREIHEIT!
SETZT EIN ZEICHEN!

-----------------------------------------------------
Berlin:

Everyone has the right to life, liberty and security of person.
UN Deklaration für Menschenrechte, Artikel 3

Break the Silence
Gemeinsam für Demokratie und Menschenrechte im Iran

Anlässlich der in Genf tagenden UN-Menschenrechtskommission ruft das Student solidarity movement am 21. April 2005 international zu Protestdemonstrationen gegen das diktatorische Regime im Iran auf. Wir möchten auf das Schicksal tausender politischer Gefangener aufmerk-sam machen, die in iranischen Gefängnissen sitzen. Viele werden gefoltert oder an unbekanntem Ort festgehalten. Immer wieder werden Gefangene brutal ermordet, wie zuletzt die kanadisch-iranische Fotojournalistin Zahra Kazemi. Ihr Verbrechen: sie haben sich für Demokratie und Menschenrechte engagiert und die tägliche Unterdrückung und die Verbrechen des herrschenden Regimes angeprangert.
An vorderster Stelle steht bei diesen Kämpfen die iranische Studentenbewegung. Deren Mas-sendemonstrationen wurden 1999 brutal von Schlägerbanden der Obrigkeit niedergeschlagen.
Das Photo des Studenten Ahmet Batebi mit dem blutdurchtränkten T-Shirt eines Kommilitonen wurde zum Symbol für den iranischen Freiheitskampf. Batebi wurde wegen des Fotos zum Tode verurteilt. Nur internationaler Druck konnte die Vollstreckung verhindern - inzwischen ist er vorübergehend aus dem Gefängnis entlassen. Viele andere Studenten sitzen jedoch weiterhin im Gefängnis oder wurden bei den anhaltenden Protesten in den letzten Jahren verhaftet, wie z.B. Amir Abbas Fakhravar von der Confederation of Independent Iranian Students.
Ein prominentes Beispiel unter den zahlreichen Gefangenen des iranischen Regimes ist auch der israelische Pilot Ron Arad, der 1986 über dem Libanon abstürzte und von dort in den Iran ent-führt wurde. Bis heute lehnt es die iranische Regierung ab, die Welt über den Verbleib Arads aufzuklären. Das Student solidarity movement wurde ursprünglich von jüdischen Studenten gegründet. Heute finden sich in ihr international auch kurdische, libanesische, iranische u.a. Studenten aller Glaubensrichtungen. Wir möchten mit allen Menschen zusammenarbeiten, die an die Universalität der Menschenrechte und Frieden im Nahen Osten glauben. Die aufrufenden Organisationen und Einzelpersonen solidarisieren sich mit der iranischen Studentenbewegung, fordern die Freilassung aller politischen Häftlinge und ein Ende der politischen und religiösen Unterdrückung im Iran.


Demonstration und Kundgebung:
21. April 2005 um 14.00 Uhr
Von U1-Podbielskiallee zur Iranischen Botschaft

V.i.S.d.P. Bundesverband Jüdischer Studierender in Deutschland e.V.