Diaz: G8-Erinnerungsarbeit auf italienisch

Team Illegale 09.04.2005 03:27 Themen: Repression
Als Betroffene des Polizeiueberfalls auf die Diaz-Schule, waehrend der G8-Gipfels im Sommer 2001, besuchten wir heute gemeinsam mit einem Aktivisten des supportolegale den damaligen Ort des Geschehens und lernten die hiesige Umgangsform mit der Erinnerung kennen.
Als Betroffene des Polizeiueberfalls auf die Diaz-Schule, waehrend der G8-Gipfels im Sommer 2001, besuchten wir heute gemeinsam mit einem Aktivisten des supportolegale den damaligen Ort des Geschehens. Wir sind in Genua um am Auftakt des Prozesses gegen die 29 fuer den blutigen naechtlichen Ueberfall (“Chilenische Nacht”) zustaendigen Polizeichefs am 6. April teilzunehmen.
(Bericht siehe: www.supportolegale.org)
Zunaechst schien alles ganz relaxed. Wir sind direkt durch den Haupteingang in die Turnhalle gegangen. Dort haben wir einige Fotos gemacht und uns umgeschaut, was sich veraendert hat. Ein anwesender Schulhelfer lies uns gewaehren und auch fotographieren. Jedoch konnten wir nicht nach oben gehen, da die Tuere nach oben abgeschlossen war.
Wir gingen also zur anderen Seite zum Aufgang und namen dort den Lift um eine Etage hoeher zu kommen. Das ging ganz gut und wir schauten uns im ersten Stock um, machten ebenfalls Fotos. Ploetzlich tauchten ein paar Leute auf der anderen Seite auf und riefen uns. Sie fragten uns wer wir sind und warum wir Fotos machten. Die Stimmung wurde sofort aggresiv, als wir noch erklaerten, dass wir waehrend des G8 hier zusammengeschlagen wurden und nun den Ort anschauen wollen. Insbesondere der Hausmeister war sehr aggresiv und wollte uns gleich rauswerfen. Die Vize-Schulleiterin war auch dort und wollte das wir warten um spaeter mit ihr ueber eine Genehmigung zu reden. Wir haben darauf bestanden und wiederholt, dass wir keine Fremden oder Eindringlinge sind und dass wir uns nicht wegschicken lassen wollen. Daraufhin ist auch noch die Schulleiterin gekommen. Sie hat uns sofort bedroht und mit dem Hausmeister zusammen angeschriehen, sie wuerden die Polizei rufen um uns rauszuwerfen. Wir haben versucht Ihnen zu erklaeren, was uns hier passiert ist und ob sie nicht verstehen, dass es wohl nicht ganz angemessen ist, mit Polizei zu drohen und uns gar nicht anzuhoeren, wo wir doch nichts weiter tun. Daraufhin wurde uns gar erklaert, sie seien hier fuer die Sicherheit der Schueler zustaendig und muessten diese beschuetzen (vor wem?). Wir sagten, dass wir uns von Ihnen nicht hier rauswerfen lassen wollen, denn schliesslich sei nicht ihnen sondern uns das hier passiert und wir haetten auch ein Recht uns den Ort nochmal anzuschauen, bevor wir z.B. vor Gericht aussagen. Unser Begleiter vom Supporto betonte auch, dass er der Angestellte eines Anwalts sei und autorisiert sei, sich den Ort mit uns anzuschauen. Besonders intelligente Sprueche wie: “Das ist hier ein oeffentlicher Ort, da koennt ihr nicht einfach reingehen” gab es auch zu hoeren. Doch das half alles nichts, sie insistierten darauf, das wir sofort gehen muessten und drohten noch mehrmals mit der Polizei – vor allem der unangenehme Hausmeister. Wir gingen daraufhin die Treppe runter und trafen unten noch auf einen weiteren unangenehm auftretenden Lehrer, der sich ebenfalls ins Gespraech mischte. Er erklaerte uns wie sehr sie alle in Genua gelitten haetten unter den G8-Protesten. Er war total ueberheblich und fand sich in der Situation, uns zu erklaeren, was hier passiert waere. Wir fragten ihn, ob er wirklich glaube, dass es seine Rolle sei uns das zu erklaeren und warum er sich das anmasst, uns rauszuwerfen. Wir waren gerade im gehen, da kam ein Streifenwagen der Carabiniere auf den Hof gefahren. Kurz darauf ein weiter. Vier Carabiniere kamen also auf uns zu und fragten nach Dokumenten. Unser Begleiter erklaerte die Siuation und rief einen Anwalt an, der auch die Presse verstaendigen sollte. Die Carabiniere - in ihrer sichtlich ueberheblichen Genugtuung - namen uns die Papiere ab und hielten uns daraufhin noch einige Zeit auf dem Hof fest. Inzwischen war die Schule aus und alle Kinder verliessen die Schule direkt an uns vorbei. Viele wohl erstaunt, was die Polizei dort tat. Gefragt hat aber niemand. Wir sprachen mehrere LeherInnen an und fragten sie, ob sie wuessten, was hier gerade vor sich ginge und warum sie nichts tun oder ob sie das o.k finden, so mit uns umzugehen und uns sogar die scheiss Carabiniere noch auf den Hals zu schicken. Die stereotypen Antworten: das ist schon o.k, ihr duerft nicht einfach reingehen, ohne nach Erlaubnis zu fragen, will damit nichts zu tun haben, habe Hunger und will weg. Nach rund 15 Minuten gaben uns die Carabiniere die Papiere wieder und forderten uns auf, das Gelaende zu verlassen. Weitere Infos gab's nicht, was sie nun mit den Daten machen wollen.
Wie die Leute von Supportolegale uns spaeter im Buero bestaetigten, stellt diese Episode beispielhaft dar, wie hier mit dem Thema G8 umgegangen wird. Jeglicher Ansatz, die Ereignisse von damals zu verarbeiten oder aufzuarbeiten, wird vermieden. Die Leute fuehlen sich diffus als Opfer der Ereignisse aber sind nicht bereit, sich selbst damit auseinanderzusetzen. Dies trifft wie wir heute gemerkt haben sogar auf die Lehrer zu, die in diesem Gebaeude tagtaeglich unterrichten. Wir wurden als Stoerenfriede wahrgenommen und mussten effektiv und schnell beseitigt werden.
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