DO: Nach Nazi-Mord an Punk - Demo am Samstag

Antifas 30.03.2005 17:50 Themen: Antifa
Als Reaktion auf die Ermordung eines antifaschistischen Punks durch einen Dortmunder Neonazi am Abend des 28.03. veranstalten das Bündnis Dortmund gegen Rechts (BGR) und antifaschistische Gruppen aus der Region am kommenden Samstag um 13:00 Uhr eine Gedenkkundgebung und Demonstration in der Dortmunder Innenstadt.
Mord

Am 28.03 gegen 19:00 Uhr trafen ein 17-Jähriger Dortmunder Neonazi und seine 16-Jährige Freundin in der U-Bahn Station Kampstraße mitten in der Dortmunder City auf den 32-Jährigen Punk Thomas S. Laut Aussage der Dortmunder Staatsanwaltschaft kam es dort zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung in deren Verlauf dann der Neonazi auf Thomas S. mit einem Messer einstach. Das Pärchen floh anschließend Richtung Hauptbahnhof und konnte von der Polizei verhaftet werden. Thomas S. verstarb noch am selben Abend im Krankenhaus.In ihrer Fahndungsmeldung beschrieb die Polizei den Täter wie folgt: "ca. 180 cm groß, korpulent, Glatze, 3-Tagebart, vermutlich Deutscher, schwarze Bomberjacke mit unbekantem Aufdruck, helle Jeans, klobige Schuhe". Laut Westfälischer Rundschau vom 30.März ist der Täter "der rechten Szene zuzuordnen", die Staatsanwaltschaft verschweigt auch zwei Tage nach dem Mord den politischen Hintergrund der Tat.Als erste Reaktion auf den Mord hielten etwa 70 FreundInnen und Bekannte des Ermordeten am gestrigen Nachmittag eine Gedenkkundgebung in der U-Bahnstation ab. Am Tatort erinnern Blumen und Kerzen an Thomas S. Bereits während der Kundgebung versuchten eizelne Neonazis die Trauernden zu provozieren, einem anderen posting zufolge versuchten 10-15 Neonazis in der gestrigen Nacht die Gedenkstätte zu verwüsten, sie konnten allerdings von den Anwesenden vertrieben werden.
Dass der Mord ausgerechnet in Dortmund passierte ist kein Zufall. Während der Dortmunder Staatsschutz trotz zahlreicher Aufmärsche und Übergriffe noch keine feste Neonazi-Szene entdecken konnte, bezeichnet der Verfassungsschutz NRW die Dortmunder Neonazis als die aktivste und mit bis zu 60 Personen größte Szene in NRW.

Nazi-Attacken sind Alltag

Neonazistische Übergriffe auf Punks und MigrantInnen gehören in Dortmund zum Alltag, mit polizeilich geschützten Gegenkundgebungen versuchen die Neonazis regelmäßig antifaschistische Veranstaltungen zu stören. Erst am vergangen Freitag feierte die Dortmunder Neonazi-Szene im "Deutschen Hof" auf der Mallinckrodtstraße den Gründungstag der "Borussenfront". Trotz Anwesenheit der Polizei konnten mehrere Neonazis einen Migranten verprügeln. Im späteren Verlauf des Abends wurden 21 Neonazis nach Auseinandersetzungen mit der Polizei verhaftet.

"Kameradschaft Dortmund"

Der Großteil der Dortmunder Neonazis ist in der "Kameradschaft Dortmund" organisiert, welche bundesweit bei allen wichtigen Szene-Events anzutreffen ist. Seit Jahren ist der Ex-FAPler Siegfried "SS-Siggi" Borchardt der führende Kopf der Gruppe. Ebenso wie Erich Dombrowski und Karin Lenzdorf wohnt Borchardt in unmittelbarer Nähe des "Deutschen Hof".
Ein Teil des neonazistischen Nachwuchs orientiert sich unter dem Label "Autonome Nationalisten - Östliches Ruhrgebiet" in Kleidung und Auftreten an linker Symbolik. Die Gruppe um den aus Hamm zugezogenen Kader Didi Surmann und den Anti-Antifa Fotografen Dennis Giemsch zeigt sich als besonders umtriebig und ist für mehrere gewalttätige Übergriffe auf AntifaschistInnen erantwortlich. Mit dem Szene-Laden "Buy or Die" auf der Rheinischen Straße, betrieben vom Dortmunder Rechten Peter Voss, verfügen die Neonazis zudem über einen festen Anlaufpunkt wo sie rechte Musik und Kleidung wie z.B. T-Shirts welche die britische Neonazi-Terrorgruppe "Combat 18" huldigen, erstehen können. Die Begleitmusik zu Mord und Totschlag liefert die fest in europäische Blood & Honour Strukturen eingebundene RechtsRock-Band "Oidoxie" um Marko Gottschalk aus Dortmund-Brechten, die auch schonmal das verbotene RechtsRock-Lied "Hängt dem Adolf Hitler den Nobelpreis um" anstimmt.


Totschweigen seitens der Lokalpresse

Die öffentliche Berichterstattung über den Mord in den lokalen Medien beschränkt sich in allen Zeitungen auf kleine Artikel. Die zitierte Westfälische Rundschau bildet bereits die Ausnahme, wenn sie in einem Nebensatz auf den rechten Backround des Mörders verweist. Seit einigen Jahren gibt es zwischen Polizei und Medien die Absprache neonazistische Gewalttaten und Aufmärsche zu verschweigen. Fühlen sie sich tatsächlich einmal genötigt über die Aktivitäten der Neonazis zu berichten, so wird die rechte Bedrohung verharmlost. Zum Angriff auf den Migranten am vergangenen Freitag- wie gesagt wurden 21 Neonazis im Laufe des Abends verhaftet- schafft es die Lokalpresse zu behaupten: "Zum Stand der Ermittlungen kann nicht von einem fremdenfeindlichen Hintergrund ausgegangen werden". Anstatt endlich einzusehen, dass das Beschweigen der Neonazi-Szene keineswegs dazu führt, die Aktivitäten oder die Attraktivität der Szene einzudämmen, es im Gegenteil eher zur Folge hat, dass nicht nur der Staatsschutz sondern auch der Großteil der Bevölkerung von der Bedrohung für all jene die wie Thomas S. nicht ins neonazistische Weltbild passen, nichts wissen will, wird auch im Falle des Mordes der politische Hintergrund der Tat verschwiegen.

Demonstration

In Gedenken an Thomas S., aus Wut und Trauer über den neonazistischen Mord und die lokale Ignoranz gegenüber der von Neonazis ausgehenden Gefahr in Dortmund rufen antifaschistische Gruppen und das Dortmunder Bündnis gegen Rechts daher für den kommenden Samstag zu einer Mahnwache und Demonstration in der Dortmunder Innenstadt auf.

Die Mahnwache beginnt um 12:00 UHR am Tatort an der Kampstraße. Von dort startet anschließend um 13:00 Uhr die antifaschistische Demonstration.

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Ergänzungen

Da sollte Ihr mehr tun ....

Aktivator 30.03.2005 - 20:41
hey,

ich finde es erschreckend und gleichzeitig bin ich wirklich platt. doch auch kritik kommt mir hoch. warum keine email adressen von den medien in der region ?

nicht jeder, der das hier leider lesen muss, ist aus der ecke dortmund. doch gemeinsam können wir über das internet druck auf die medien ausüben, dass sie sich des themas annehmen. nur gemeinsam ist stärke zu zeigen. der einzelne zählt nicht in der heutigen welt, leider.

es gibt ein medium, indymedia, klar. doch es gibt auch noch andere medien, die reagieren nur, wenn ihnen einige viele mächtig in den arsch treten, unangenehme fragen stellen und sie definitiv auffordern über diesen fall zu berichten.

also dortmund gebt uns mehr infos! das darf nicht in der masse der meldungen untergehen. ein mensch ist gestorben durch das messer eines nazis. ansonsten kommt der noch mit ner anzeige wegen gefährlicher körperverletzung davon. das kann und darf nicht sein, im gedenken an einen mutwillig getöten menschen .... mist

Plakat, welches rumgegeben wurde

AuswärtsAntifas 31.03.2005 - 11:21
Am 28.03 2005 um 19 Uhr 03 wurde in der Kampstraße ein Punk ermordet.

Schmuddel! Thomas Schulz

Die Täterbeschreibung lässt auf Rechtsradikale schliessen.
Es reicht! Ihr seid zu weit gegangen.
Mord als Lösung politischer Probleme? Mörder!

FASCHISMUS TÖTET

FASCHISTEN BEKÄMPFEN, AUF ALLEN EBENEN MIT ALLEN MITTELN


Wir sprechen unsere Solidarität mit dem ermordeten Punk und seinen Freunden aus!!!

demo verden

valentine 31.03.2005 - 13:53
kommt auch jemand nach verden?

@ valentine

winni poo 31.03.2005 - 14:03
wie schon gesagt: die leute aus norddeutschland werden nach verden fahren. der rest nach dortmund. und im süden alle nach münchen.

antifa heisst angriff! überall!

Nicht nur Nazis gegen Punks

Campino86 01.04.2005 - 06:18
Zu allererst gilt mein Mitleid "Schmuddel" und seinen Freunden und seiner Familie.

Zu dem Artikel ist noch zu ergänzen, dass es in Dortmund für Punks momentan relativ schwierig ist sich frei zu bewegen. Ein Freund von mir ist letztens am Bahnhof direkt von der Polizei daran gehindert worden, die Stadt zu betreten und das mit der Aussage: "Es sind schon genug von euch in der Stadt. Wir erteilen dir einen Platzverweis und wenn du dich nicht daran hälst, dann nehmen wir dich in Gewahrsam."
Meiner Ansicht nach entspricht das einem Verstoß gegen geltendes Recht, denn kein Mensch darf ohne Grund daran gehindert werden sich an öffentlichen Plätzen aufzuhalten.
Es ist traurig, dass es solche "Regeln" anscheinend von den Polizeioberen gegeben sind, aber eben diese Polizei nicht da war als "Schmuddel" sie gebraucht hätte.

An alle Waltroper oder Leute aus dem Kreis Recklinghausen:
Um 10.45 trifft sich eine Gruppe politisch engagierter, die zu der Demo fährt, am Rathaus und fährt von da aus geschlossen mit Bus und Bahn nach Dortmund. Jeder der sich uns anschließen will kann das gerne tun.

...viele ungereimtheiten...

faabtfs 04.04.2005 - 19:35
Ich habe von dieser unglaublichen Tat leider erst sehr spät erfahren, und so kurzfrüstig keine Möglichkeit mehr gefunden, samstag in dortmung gewesen zu sein... aber mir einige ...ja, "informationen" im internet gesucht...
was mir dabei besonders auffiel, dass selbst die Polzeiberichte widersprüchlich waren... nicht mal der Vorname stimmte immer so ganz - offiziell wurde Schmuddel "Thomas" genannt, und dann auf einmal "Thorsten"... und auch das Alter - mal 31, mal 31. Die Tatzeit schwankte - mal war es kurz nach 19 Uhr, wo anders liest man sogar nach 23 uhr... Die Kleidung zeigt eigentlich eindeutig, um was für eine Genesung es sich bei dem Täter gehandelt haben musste - aber nein, es war natürlich ein unpolitisches Motiv. Und auch die Tatsache, dass der Täter völlig betrunken gewesen sein soll, wird immer wieder hervorgehoben - da ist doch schon zu erwarten, wie die Strafe ausfallen wird.
Warum ermittelt die Polizei scheinbar so fehlerhaft? Was soll das? Schmuddel war ein Mensch wie jeder andere, und sollte die gleiche Ruhe finden dürfen, wie alle anderen und die Tat sollte mit derselben Intensivität wir jeder andere Mord von der Polizei behandelt werden! Es scheint ja fast so, als wäre den Bullen das nicht wert!? (ACAB!!)
Gewalttätige Gegenaktionen ändern an der traurigen Tatsache, dass Schmuddel nicht mehr widerkehren wird, auch nichts - denkt erst an ihn, und dann an euren Hass! Lasst eure Trauer nicht sofort in Hass ausschweifen, dazu ist später noch genug Zeit! Ihr solltet euch einzig und allein auf eure Trauer beschrenken, und den Angehörigen und Freunden Schmuddels versuchen zu helfen, anstatt gleich Rückschläge anzukündigen! Wie auch schon jemand vor mir sagte, es geht doch in erster Linie um den Mensch Schmuddel, und nicht um die ganze politische Sache drum rum!!

Das soll nicht heißen, dass ich was dagegen habe, die Tat zu rächen - nur ist der Zeitpunkt und die Prioritätensetzung die falsche! Außerdem ist Gewalt mit Gewalt zu bekämpfen der falsche Weg!! Schließt euch zusammen - in Trauer!!
...und lasst den Kopf frei werden für sinnvolle Gegentaktionen!!!

in gedanken bei freunden und bekannten von schmuddel!! mein beileid!!!

P.S.: war er auf dem wizo konzert in Osnabrück?

...verbesserung zur ergänzung

faabtfs 04.04.2005 - 19:50
ich meinte dass er mal 31, und ma 32 jahre jung war (in den artikeln)....

...verbesserungen

faabtfs 04.04.2005 - 19:53
und statt genesung natürlich gesinnung!!!
...bevor es zu missverständnissen kommt...

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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... — sheena

.... — ....

verstehe ich nicht — Supermann

trauer — nummi

@supermann — ...

KOMMT ALLE !!! — !!!!

Faschisten bekämpfen! — Antifa Oberhausen

NAZIS WEG! — Antifa-Hool

in sachen "staatsschutz" — muss verboten werden

Demo — Sinnlos

verden demo — valentine