Graffiti in Hamburg - Repression

Stefan Stredt 19.03.2005 00:18 Themen: Freiräume
Auch in der Hansestadt Hamburg läuft die Repression gegen mutmaßliche Sprüher auf Hochtouren. Anfang April wird in Berlin ein Kongress der "Graffiti-Jäger" stattfinden.
Bereits am Mittwoch wurden in Hamburg-Billbrookg zwei 19-jährige writer vorläufig festgenommen. Sie sollen gegen 21.30 Uhr an der Bredowstraße eine S-Bahn besprüht haben. Angestellte der Hamburger Hochbahnwache wollen beobachtet haben, dass einer der Tatverdächtigen den S-Bahnzug mit Farbe besprühte, während sein mutmaßlicher Komplize "Schmiere" stand.
Die Denunzianten verständigten daraufhin die Polizei. Noch vor dem Eintreffen der Beamten ergriffen die Jugendlichen die Flucht und rannten in Richtung der Gleise.
Beide wurden jedoch wenig später festgenommen. In ihren Rucksäcken wurden Spraydosen, Sprühköpfe, Handschuhe und ein Fotoapparat gefunden und sichergestellt. Sie wurden nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen entlassen, da keine Haftgründe vorlagen. Das "Sachgebiet Graffiti des Zentralen Ermittlungskommissariates Ost" führt die Ermittlungen fort.

Am 7. April tagt zum 1. Mal ein "internationale Kongress zur Bekämpfung von Graffiti in Städten" im Roten Rathaus in Berlin. Verantwortlich für diesen grandiosen Feldzug gegen die Schmierereien und den grausamen Vandalismus ist Karl Hennig (Berliner CDU-Rechtsaußen) mit seiner Bürgerini "Nofitti“. Schirmherr ist kein anderer als der regierende Bürgermeister Klaus Wowereit. Ziel ist die konsequente Eliminierung von Streetart und “optischer Verwahrlosung" im Stil des skandinavischen Modells der absoluten Nicht-Tolerierung von Graffiti. Hennig und seine Crew sehen sich in der väterlichern Beschützer-Rolle. Graffiti, und Hennig spricht generell als “Anwalt” für die Mehrheit der Berliner, Graffiti sei keine Kunst und würde verharmlost werden.

Aus diesem Anlaß soll am gleichen Tag in Berlin eine Demonstration gegen die Kriminalisierung der writer-szene stattfinden.
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Ergänzungen

Demo-Details

solid36 19.03.2005 - 00:31
7.April Demo gegen den Anti-Graffiti-Kongress im Roten Rathaus

„Graffiti ist Kunst, kein Verbechen!“

Am 7.April findet in Berlin ein „internationaler Anti-Grafitti-Kongress“
unter der Schirmherrschaft der Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit
statt. Über 200 Sicherheitspolitiker, Immobilienbesitzer und andere Law &
Order – Fanatiker aus den verschieden Länder wollen sich dort über
„Strategien zur Grafittibekämpfung“ austauschen und härte Strafen für
Grafittti-Aktivisten fordern. Der Verein „Nofitti.e.v.“ , einer von einem
rechten CDU-Abgeordneten ins Leben gerufene Bürgerinitative gegen “den
verharmlossten „Grafitti-Terror“, der zu dem Treffen einlädt fällt schon
seit Jahren durch unangenehme Hetze gegen Writer und – ihre Masche –
Sozialarbeiter auf. Vom Mauerpark aus wollen wir mit einer bunten
Demonstration gegen die Kriminalisierung der Writer-Szene protestieren und wieder eine legale Wand im Mauerpark fordern!

7.April | 14 Uhr | Mauerpark (P.Berg)

Graffiti-Filmfestival

Berliner 19.03.2005 - 00:54
Vom 24. bis 28.März findet im Berliner Eiszeit Kino das internationale Graffiti & HipHop-Filmfestival "Rhythm of the Line" statt. Das Filmfestival vereint die verschiedenen stilistischen und künstlerischen Ausprägungen von filmischen Bildern, die den Schwerpunkt Writing und Graffiti, aber auch Breakdance und HipHop-Musik zum Thema haben. "Graffitiwriter und Hip HopaktivistInnen aus aller Welt vor und hinter der Kamera, gestern bis heute, dokumentarisch bis fiktional, real bis fake. Blockbuster und uerillas,Highlights und Backgrounds, Styles und Skills einer urbanen Subkultur" , so das Motto des Festivals.
Das genaue Programm, einen Trailer und weitere Infos findet ihr auf der offiziellen Homepage der Veranstaltung:  http://www.rotl.de/

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kunst-liche diskussion

*tag* 19.03.2005 - 10:36
leider ist nicht jeder, der farbe auf verkehrsmittlen aufbringt,
ist ein künstler.
dass in einer gesellschaft, in der nazi-terroristen sprengstoff
im keller lagern, die politische klasse sich bundesweit gegen
sachbeschädigungen und hausfriedensbruch engagiert, das aber nur dann,
wenn es in verbindung mit farbe steht, sollte uns zu denken geben.

wenn sie uns für politische künstler erklären, dann sind wir es eben.
sie haben es selbst so gewollt.


einer der ganz grossen:  http://www.loomit.de/
der mann hat die buchstaben neu erfunden.



gegen zuviel grau!

Haha

Mig 19.03.2005 - 13:04
Besprüht eure Eigenen Häuser.Dann ist es auch kein Verbrechen. Wer aber fremdes Eigentum besprüht, zerstört dieses. Also quatscht nicht so ein Nonsens von wegen Kunst.

Zerstörer

Zerstörer 19.03.2005 - 13:52
Farbe zerstört Eigentum? Das ist ja lachhaft. Von Zerstörung könnte man reden, wenn irgendwas nicht mehr benutzbar wäre. Das ist aber bei Brcken, Häusern und ähnlichem längst nich der Fall.

Auch wenn ich selbst viel Graffiti für häßlich halte und sie lieber nicht sehen würde.

Die armen Sprüher

tzes! 19.03.2005 - 15:17
Da werden doch die armen Sprüher verfolgt, diskriminiert und denunziert! Bloß weil sie ne S-Bahn angesprüht haben. Okay, da ich weiß, dass man mit fremdem Eigentum hier nicht unbedingt landen kann, sach ich es mal so:

Wenn ich S-Bahn fahre, dann will ich aus den Fenstern schauen können! Und nicht nur gegen ne Wand aus Farbe gucken, weil irgendwelche "Künstler" sich austoben wollten. Und ich will zu vernünftigen Preisen fahren können, und nicht jedes Jahr mehr zahlen müssen, weil es so verdammt teuer ist, den Scheiß wieder von den Zügen abzukratzen.

Mag da jemand keine Kritik?

tzes! 19.03.2005 - 20:44
Tja, da hat wohl jemandem nicht gefallen, was ich geschrieben habe... Hätte nicht gedacht, dass wir hier so eine Meinungsdiktatur nötig haben.

Zusammen mit einigen anderen Postings, die dem Kontext dieses Artikels nicht ganz zustimmen, wurde heute morgen mein Posting gelöscht.

Ich habe in etwa geschrieben:
Die armen Graffitti-Sprayer! Sie werden unterdrückt, verfolgt und diskriminiert! Tun mir ganz schrecklich leid, diese Opfer eines totalitären Bullenstaats.

Naja, genaugenommen sind sie ja selbst schuld. Wer anderer Leute Sachen besprüht, muss damit rechnen, dass die damit nicht einverstanden wird. Und er/sie muss auch damit rechnen, dass er/sie dafür bestraft wird. Völlig zurecht - denn ich möchte beim S-Bahn fahren aus dem Fenster schauen können und nicht nur gegen ne Wand aus Farbe gucken. Und ich hab auch keinen Bock, alle paar Monate eine Fahrpreiserhöhung hinnehmen zu müssen, weil der Scheiß so teuer zu entfernen ist.

hey tsez

antifaschist 19.03.2005 - 22:07
erstens soltest du dich daran gewöhnen, das das hier kein komerz-projekt ist. deshalb ist die technik nicht so super und deshalb werden manchmal sachen nicht richtig oder auch ältere geladen. deshalb war deine "kritik" zeitweise nicht da.
zweitens solltest du dich mal mit kapitalismus beschäftigen, denn preiserhöhung gibts bestimmt nicht wegen der sprayer du schlaumeier.

rockt die city.
es sind unsere trains, wände,...

Antifaschist hat keine Ahnung

Indy 20.03.2005 - 01:35
Vielleicht sollte der Antifaschist sich mal mit dem Kapitalismus beschäftigen. Die Preise setzen sich aus den Kosten und dem Gewinn zusammen. Zu den Kosten zählen, Energiekosten, Personalkosten, Abschreibungen für die Maschienen (Bahnen usw.) und eben auch die Kosten die für die Beseitigung von Vandalismus aufgebracht werden müssen.
Darüber hinaus machen z.B. die Verkehrsbetriebe in Berlin (BVG) schon jahrelang Verluste und nicht mal Gewinn. Den Verlust trägt der Steuerzahler. Und zu denen zählen wir alle, denn jeder kauft ein und finanziert damit z.B. die Gewerbesteuer. Es sollte sich keiner einbilden der keine Einkommenssteuer zahlt, dass ihn das nicht angeht.
Also erzähl hier nicht so einen Nonsens von wegen man solle sich mit Kapitalismus beschäftigen. Das solltest du nämlich mal machen.

Graffitti ist Kunst

. 21.03.2005 - 12:58
Graffitti mag Kunst sein, ok, aber dann mögen sich die Künstler doch bitte auf ihren eigenen Wänden austoben.

Die Verfolgung von Schmierern als Repression zu bezeichnen hat so einen komischen Beigeschmack: so, als sei die Verfolgung und Bestrafung nicht rechtens. Ist sie aber.