Nazikundgebung gestern in Essen

AntifaschistIn aus Essen 11.03.2005 12:50 Themen: Antifa
Am gestrigen Donnerstag fand in der Essener Innenstadt eine Nazikundgebung mit ca. 50 Personen statt. Diese richtete sich gegen eine zuvor angemeldete DKP-Kundgebung, die auf den Aufmarsch der gleichen Nazis am 16.04.2005 in Essen hinweisen sollte...
Am gestrigen Donnerstag fand in der Essener Innenstadt eine Nazikundgebung statt. Diese wandte sich in ihrer Intention und vom Motto her gegen eine bereits vorher angemeldete Kundgebung der DKP auf dem Willy-Brand-Platz gegenüber des Hauptbahnhofs. Die DKP Kundgebung begann um 17:00 Uhr und war mit rund 130 TeilnehmerInnen ziemlich gut besucht. Die DKP wollte mit dieser Kundgebung gegen den groß angekündigten Naziaufmarsch am 16.04.2005 in Essen mobilisieren. Die Kundgebung dauerte genau eine Stunde und wurde dann ohne Zwischenfälle und nach einigen (zugegebenermaßen etwas wirren) Reden aufgelöst. Schon während dieser Kundgebung tauchten im Umfeld und in der Innenstadt wiederholt bekannte Nazis auf, darunter unter anderem Dennis Heims, führendes Mitglied der Essener „Kameradschaft Terboven“.
Dieser konnte recht ungestört nahezu 15 Minuten direkt am Rande der Kundgebung stehen, ohne das sich die KundgebungsteilnehmerInnen, trotz besseren Wissens, darum kümmerten.

Das „Aktionsbüro Westdeutschland“ das unter dem wirren Motto: „Gegen kapitalistische Hanglanger und Kriegstreiber – DKP verbieten (entsorgen) zu der Kundgebung aufgerufen hatte ist auch verantwortlich für den, für den 16. April angemeldeten Aufmarsch in Essen.
Die Nazis, deren Kundgebung vor dem (leerstehenden) Gebäude der ehemaligen Volkshochschule stattfand, versammelten sich ab 18:30. In kleineren Grüppchen durften sie vom Hauptbahnhof die 200 Meter zu ihrem Kundgebungsplatz über eine von Grünzeug nur so wimmelnde Straße zurück legen. Die Hollestrasse auf der Ihre Kundgebung stattfinden sollte, war hermetisch abgeriegelt und für Passanten kaum begehbar. Hinzu kommt, dass die Straße nur von riesigen leerstehenden Gebäudekomplexen auf der einen und Parkplätzen auf der anderen Seite gesäumt ist, so das die Nazis mit dem ihnen zugeteilten Platz wohl wenig Freude gehabt haben dürften. Als gegen 19:00 Uhr die Kundgebung der Nazis begann hatten sich kaum 50 Nazis (die Polizei spricht von 85 Nazis, die NRZ von nur 30) eingefunden, die zudem zwischen den Polizeifahrzeugen völlig untergingen und eigentlich kaum zu sehen waren.
Kurz nach Beginn der Nazikundgebung versuchte eine Gruppe von rund 40 AntifaschistInnen in die Nähe der Nazikundgebung zu gelangen, was jedoch an einem völlig übertriebenen Polizeiaufgebot von insgesamt 400 Polizisten scheiterte. Ohne einen Platzverweis auszusprechen, wurde ein Teil der Gruppe von der Polizei mehr schlecht als gekonnt, dafür aber mit vollem Körpereinsatz seitens der Polizei eingekesselt und festgehalten. Ironischerweise verkündete erst nach der unrechtmäßigen Einkesselung ein Polizist die Versammelung für aufgelöst. Den eingekesselten wurde weder der Grund ihres Festhaltens noch ein Verantwortlicher genannt. 22 Personen wurden von dort zur Gesa im Polizeipräsidium an der Zweigertstrasse gebracht, nach erfolgter Personalienfeststellung allerdings gegen 21:00 wieder entlassen.
Gegen 19:45 wurde eine Gruppe von 17 AntifaschistInnen im Hauptbahnhof angehalten und unter dem Hinweis, dass sie zum Teil vermummt gewesen sein ebenfalls vorläufig Festgenommen und in die Zweigertstrasse gefahren. Auch diese 17 AntifaschistInnen wurden nach „Abschluss der polizeilichen Maßnahmen“ wieder entlassen.
Die Nazikundgebung wurde um 19:50 beendet und die Nazis zum Hauptbahnhof zurückgebracht um dort in die Bahn gesetzt zu werden.

Bereits nach der großen Kesselaktion am 09.10.2004, als 151 junge AntifaschistInnen in Essen nach einer Spontandemonstration gegen einen angekündigten Naziaufmarsch in der Essener Fußgängerzone von der Polizei unrechtmäßig eingeschlossen wurden, hat sich gezeigt, dass dieses Vorgehen weder eine zu rechtfertigende Grundlage hatte, noch auch nur ein einziges Verfahren gehen diese 151 AntifaschistInnen (erfolgreich) aufgenommen wurde.
Die Repressionen der Polizei sind für uns kein Grund den Nazis die Straße zu überlassen.
Am 16.04.2005 gilt es sich den Nazis entgegenzustellen.

16.04.2005 Naziaufmarsch in Essen verhindern!
Für ein Selbstverteidigungsrecht Israels – kein Friede mit Deutschland!



Zur Dokumentation der Bericht der Polizei zum gestrigen Tage:
POL-E: DKP und rechtes Spektrum demonstrieren in Essen - Fortschreibung
11.03.2005 - 02:39 Uhr
Essen (ots) - Essen, 10.03.2005: Wie angekündigt haben heute,
Donnerstag, 10.03.2005, die DKP und das rechte Spektrum in der
Essener Innenstadt an unterschiedlichen Plätzen zeitversetzt
demonstriert. Auf dem Willy-Brandt-Platz begann die Veranstaltung der
DKP gegen 17.00 Uhr, etwa 100 Teilnehmer erschienen. Nach diversen
Redebeiträgen wurde die Kundgebung durch den Veranstalter etwa eine
Stunde später ohne Zwischenfälle für beendet erklärt. Gegen 19.00 Uhr
begann die Veranstaltung des rechten Spektrums mit etwa 85
Teilnehmern an der Hollestraße. Diese endete gegen 19.50 Uhr. Während
der Redebeiträge versuchten etwa 30 Personen des linken Spektrums,
zur Hollestraße zu gelangen. Sie wurden mehrfach durch die Polizei
aufgefordert, Abstand zum Kundgebungsort des rechten Spektrums zu
halten. Da die Personen dieser Aufforderung nicht nachkamen und
beharrlich versuchten, zum Kundgebungsort zu gelangen, wurden 23 von
ihnen zur Vermeidung einer Konfrontation in Gewahrsam genommen; sie
konnten nach erfolgter Personalienfeststellung entlassen werden. Im
Bereich des Hauptbahnhofes hielten sich gegen 19.45 Uhr 17 teilweise
vermummte Personen auf. Die Gruppe wurde mehrfach durch die Polizei
aufgefordert, die Vermummung abzulegen. Da sie dem nicht nachkam,
wurden alle Personen wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz zur
Personalienfeststellung ins Polizeipräsidium gebracht. Bei den
Durchsuchungen wurden bei einigen Personen gefährliche Gegenstände
gefunden. Insgesamt wurden 42 Personen in polizeilichem Gewahrsam
genommen. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wurden alle
entlassen. Bilanz: 19 Straf- und 17 Ordnungswidrigkeitenanzeigen
wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz.
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Ergänzungen

bilder?

antifaschistIn ausm pott 11.03.2005 - 13:58
sehr schön das da gestern 130(!) leute unter der woche auf einer kundgebung warn. was warn das fürn spektrum, viel wichtiger aber gibt´s bilder, bzw. leute die bereit sind diese zu posten (vorallem von interesse sind nazibilder). läßt sich die extrem schwankende zahl von 30-85 nazis konkretisieren?

anzahl der nazis

ruhrPotter 11.03.2005 - 14:01
da hat wohl einer nich auf gepasst wie, die anzahl der nasen is mit ca. 50 angegeben. erst lesen dann schreiben. bilder hät ich aber auch gern

bullen

zeke 11.03.2005 - 14:44
also wir standne noch zimlich lang mit ca 10 leuten 600m von den nazis entfernt und haben auf jemaden gewartet als dann die bullen wieder kammen und uns nach einer personalienfestellung einen platzverweiß erteilt haben auf die frage nach dem grund des verweises meinte eine polizistin"die führung will das so" richtig tolle wortwahl

Nazianzahl

... 11.03.2005 - 16:34
ich hatte trotz nicht unauffälliger kleidung die möglichkeit bis zu wenigen metern an die nazidemo heranzukommen.
ich schätze auf maximal 50. es wirke eher wie weniger...

"wir"

uns ;) 12.03.2005 - 15:25
also "wir" sind gegen nazis. Punkt.

der rest gehört auf diskussionsveranstaltungen, debatten etc. aber in erster linie heißt es doch am 16.04. den nazis den tag zu versauen.

Festnamen bei Nazikundgebung

Antifa 12.03.2005 - 17:58
Die Festnahme war (leider) nicht unbegründet die 30 Antifaschisten/innen sind in die polizeigruppe reingerannt, was man als gewalttätigen akt auslegen kann. Aberm solange die führung es so will is sowieso alles gut(ironie)

Und es waren höchsten 50 Nazis,eher so 30-40

Zur Festnahme

Frank Luetkemeyer 13.03.2005 - 18:29
Kurzbericht zur Antifaschistischen Demonstration auf dem Willy-Brand-Platz und im Essener Hauptbahnhof vom 10. März 2005


Da wir erst am gleichen Tag, sehr kurzfristig über die antifaschistische Aktion der DKP am Willy- Brandt- Platz informiert wurden, machten wir uns zu zweit von Dortmund aus auf den Weg zum Essener Hauptbahnhof. Für 18:30 wurde zu einer Kundgebung unter dem Motto „ DKP verbieten „ vom „ Aktionsbüro West“. direkt vor dem Essener Hauptbahnhof aufgerufen, die es zu verhindern galt.

Gegen 16:47 erreichten wir planmäßig den Essener Hauptbahnhof. Die Polizei dort war schon übermäßig zahlreich vertreten. Wir begaben uns zum Willy Brandt Platz der sich direkt gegenüber dem Essener Hauptbahnhof befindet, und nahmen dort mit ca. 150 weiteren Personen an der angemeldeten Kundgebung der DKP gegen Faschismus und Neonazismus teil.

Gegen 18:00 Uhr löste sich die Demonstration auf, und die Teilnehmer gingen Ihrer Wege. Wir bewegten uns zu zweit in Richtung Volkshochschule , wurden jedoch von zwei Uniformierten abgefangen , einer Personenkontrolle unterzogen und mit dem Hinweis eines Platzverweis für die Richtung Volkshochschule zum Willy Brandt Platz zurückgeschickt.

Dort angekommen sammelten wir uns zu einer fünfer Gruppe inklusive einem Ortskundigen, und fuhren mit der U- Bahn zum Stadtgarten, um uns vorbei an der Stadtbibliothek wieder zum Hauptbahnhof zu bewegen. Auch dieses Ziel , wurde uns durch einen weiteren Platzverweis ausgesprochen von einem der fünf Staatsdiener vorgegeben, den wir direkt auf der Brücke Hollestrasse neben der Stadtbibliothek erhielten.

Gegen 19:30 erreichten wir ein weiteres mal den Essener Hauptbahnhof, um uns genervt von staatlichen Repressionen , auf den Weg in Richtung Dortmund zu bewegen. Doch das Bild, welches sich uns am Essener Hauptbahnhof bot, liess uns anders entscheiden, und so sollte der Abend noch einige Überraschungen in sich tragen.

Einige Dortmunder Antifaschisten waren noch nachgereist die wir freudig am Bahnhof begrüßen konnten. ( Danke an Euch S&D ).
Unsere Freude wurde jedoch dadurch getrübt, dass sich ca. 15-20 Antifaschisten dicht aneinander gedrängt ,( Sardinen in einer Büchse wäre wohl der treffendere Ausdruck ), in einem Polizeikessel befanden.
So nahmen wir zuerst einmal, mit einigen anderen Zivilpersonen „Beobachterfunktion“ ein , versuchten die staatlichen Repressionen Bildhaft festzuhalten, und in irgendeiner Weise Kontakt zu den Antifas zu bekommen, die sich im Kessel befanden.
Mehrmals wurde ich von der Polizei „gebeten“ mich nicht zu nah an den Kessel heran zu bewegen.
Wissentlich der Folgen ignorierte ich diese Aufforderung ,und versuchte nach Blickkontakt mit einem Antifa und einem wissentlichen zunicken ( wir wollen hier raus ), um ca. 19:45/ 19:50 in den Kessel zu gelangen, um die rechtwidrige freiheitsberaubende Situation, herbeigeführt durch Beamte einer angeblich freiheitlich und demokratisch agierenden BRD, aufzulösen.

Dieses schien mir dann auch mehr oder weniger gelungen zu sein.
Nach dieser Aktion kam es zu meiner Festnahme seitens meiner Person und den anderen Antifas, die sich wie folgt abspielte :
Soviel Interesse an meiner Person, hätte ich diesem Staat gar nicht zugetraut, dass man mir eine derartige „ Sonderbehandlung“ zukommen liess.
Gegen 20:25 wurde ich unter Gewaltanwendung und mit Hilfe von Kabelbindern als Einziger in einen doppelt gesicherten Gefangenentransporter gestossen, während die anderen Antifas in einen „ Polizeilinienbus“ , zum Teil auch unter Gewaltanwendung „begleitet“ wurden.
Unter ständiger Beobachtung durch zwei Beamte wurden noch direkt am Hauptbahnhof Photo und Videoaufnahmen von meiner Person gefertigt.

Diese „Sonderbehandlung“ ging insofern noch weiter dass man mich ca. 15 Minuten vor der Polizeiwache stehen ließ während die mir politisch Gleichgesinnten sich noch indem Personenbus befanden. Nicht nur das man eine Gruppe von Faschisten an mir vorbeiführte, sondern auch etliche Kommentare der Beamten kamen einem Seelenmord gleich.

Auf der Wache wurde ich dann von zwei Beamten verhört, welche sich in Ihrem Arbeitswahn fast überschlugen, so dass mich gegen 22:45 zum ersten mal in die PG Zelle verfrachtete.
Während der Zeit des Verhörs sparte man nicht mit Kommentaren und subtilen Erniedrigungen, die mir zu verstehen gaben, wie Lebensunwert unser Leben als Antifaschisten eigentlich ist.
Telefonanrufe und Toilettengänge wurden mir erst nach mehrmaliger Aufforderung gewährt. Namentlich waren mir die Beamten nicht bekannt und diese waren eben auch nicht bereit mir Ihren Namen zu nennen.
Auf den Gängen des Polizeipräsidiums hörte ich jedoch die anderen Antifaschisten, welches mir Mut zur Hoffnung gab.
Man gab mir zu verstehen, dass es noch eine lange Nacht werden würde, denn schliesslich sollte ich als Letzter die Wache verlassen um nicht noch weiter „Unfrieden“ zu stiften.

Gegen 0:30 entliess man mich kurz aus der PG um mich zur ED Behandlung zu begleiten, und man mir einzureden versuchte ich hätte einer DNA Analyse zugestimmt.
Glücklicherweise war ich noch nicht erniedrigt genug um diesem Vorhaben zuzustimmen und so blieb es bei der ED Behandlung.
So hatte ich denn noch mal kurzfristig Kontakt zu meinen Gesinnungsgenossen bevor man mich nochmals in die PG Zelle steckte.
Gegen 01:45 entliess man mich denn aus dieser, und mit Glück befanden sich nebst meiner Freundin und einem Freund von mir , noch ein paar Antifas aus Oberhausen vor der Polizeiwache, die uns freundlicher Weise dann zum Bahnhof fuhren.

Züge zurück nach Dortmund fuhren entsprechend der Uhrzeit nicht mehr, und so fuhren wir in der Gefahr ein Schwarzfahrticket zu kassieren mit dem nächstmöglichen Zug einem IC und erreichten Dortmund gegen 03:47.

In diesem Sinne : „ Ein Hoch auf diesen Sozialtaat“ , der Kants kategorischen Imperativ lehrt , und sich dann aber in Zeiten von Neofaschismus und Neoliberalismus Antifaschisten gegenüber verhält als seien diese Schwerverbrecher.

Mit freundlichen antifaschistischen Grüssen

Frank Lütkemeyer

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16.4. — ooo

Motto der Demo... — antifa

... — mecke

Motto der Demo... — Unabhängiger Krieger

Zynismus... — antifa

Atomwaffen — Arndt