Nazis halbherzig in den Weg gestellt

Antioxidationsmittel E224 09.03.2005 20:14 Themen: Antifa
Teils heftige Kritik aus der Bevölkerung müssen sich das bayerische Innenministerium und das unterfränkische Polizeipräsidium gefallen lassen. Der Vorwurf: Seit mehr als drei Jahren schauen die Behörden tatenlos zu, wie sich in der unterfränkischen Kleinstadt Lohr am Main eine gewaltbereite Neonaziszene formiert. Polizei und Innenministerium weisen alle Anschuldigungen zurück. Die Szene werde beobachtet, jedoch sei keine Handhabe gegen die Naziumtriebe vorhanden, vermelden die Behörden.
Teils heftige Kritik aus der Bevölkerung müssen sich das bayerische Innenministerium und das unterfränkische Polizeipräsidium gefallen lassen. Der Vorwurf: Seit mehr als drei Jahren schauen die Behörden tatenlos zu, wie sich in der unterfränkischen Kleinstadt Lohr am Main eine gewaltbereite Neonaziszene formiert. Polizei und Innenministerium weisen alle Anschuldigungen zurück. Die Szene werde beobachtet, jedoch sei keine Handhabe gegen die Naziumtriebe vorhanden, vermelden die Behörden.

Die unterfränkische Kleinstadt Lohr am Main liegt zwischen Würzburg und Aschaffenburg. Lohr wird von einem sozialdemokratischen Bürgermeister regiert. Die Stadt zählt etwa 20.000 Einwohner. Überregional ist der Ort durch die zentrale Bildungsstätte der IG-Metall bekannt.
Was Naziaktivitäten im Spessart angeht, spiegelt ein Blick in die Behördenstatistik die Situation: 69(!) Strafanzeigen sind allein heuer aufgrund von rechter Volksverhetzung, Nazipropaganda und der Verwendung nationalsozialistischer Symbole erstattet worden. 2004 wurden im bayerischen Regierungsbezirk Unterfranken 189 rechte Straftaten begangen, das waren 63 mehr, als ein Jahr zu vor. 50 von 100 aller unterfränkischen Nazistraftaten werden in Lohr am Main und im Landkreis Main-Spessart begangen.

Die Naziszene trifft sich regelmäßig im Lohrer Schlosscafe´. Vergangenen Samstag, den 05.03.2005 sind dort wieder etwa dreißig Nazis versammelt. Die Teilnehmer der Zusammenkunft kommen vorwiegend aus der Stadt Lohr und aus dem Landkreis Main-Spessart. Beobachter wissen: Anhänger der Nazis, die sich im Cafe´ in der Altstadt treffen, stammen auch aus Berlin, Frankfurt und München. In dem Ort finden an diesem Abend im Jugendzentrum ein Punk-Konzert und im Stadtteil Hombach eine Hip-Hop Party statt. Die Nazis entscheiden, das Konzert im Jugendtreff anzugreifen. Vermummt und bewaffnet zieht der braune Mob zum Punkkonzert und prügelt mit Baseballschlägern, Stöcken und Knüppeln auf die Jugendlichen ein. Die kahlgeschorenen Nazis verletzen dabei drei junge Frauen schwer. Anschließend zieht der Mob in die Fußgängerzone. Dort stellen sich etwa 70 junge Besucherinnen und Besucher des Punk-Konzerts den Nazis mutig in den Weg. Der braune Mob zertrümmert Flaschen und randaliert weiter. Die herbeigerufene Polizei lässt auf sich warten. Lohrer Bürger werfen der Polizei öffentlich vor, sich den Nazis wiedereinmal nur halbherzig in den Weg gestellt zu haben. Die Polizei dagegen berichtet, es seien drei Nazis im Alter von 17 – 25 Jahren festgenommen und nach Feststellung der Personalien wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die Party der Hip-Hoper in Hombach wird nach bekannt werden der Vorfälle abgesagt, weil befürchtet wird, dass die Nazis auch dort ungehindert Menschen verletzen.

Am 19.05.2005 wird sich die unterfränkische Naziszene in Würzburg treffen. Zuerst demonstriert der braune Mob in der Stadt, nachher treffen sich die Rechten zu einem „Kameradschaftsabend“, dessen Ort den Antifaschisten mittlerweile bekannt ist. Die Veranstalter rechnen mit mehreren hundert Teilnehmern. Auch hier schreiten die Behörden nicht schon im Vorfeld ein, obwohl die Rechten bereits in ihrem Aufruf für den 19.03.2005 Straftaten ankündigen.
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Ergänzungen

Gästebuch der Stadt Lohr

niu 09.03.2005 - 22:41
Interessant ist das Gästebuch der Stadt Lohr..........
www.lohr.de

gegen Missverständnisse

Nucker2 10.03.2005 - 13:03
Die Nazidemo in Würzburg ist am 19.03.2005, nicht wie oben unter anderem steht im Mai.

stimmt

-- 10.03.2005 - 19:37
stimmt die demo ist am 19.03.2005 - tippfehler danke für die berichtigung.

Infotelefon (ab 16.3.2005): 0160 / 910 410 80 (auch während der Demo ab 10
Uhr als Nummer des Ermittlungsausschuss)

Aktionen in Würzburg

98703 10.03.2005 - 21:14
Den Nazis in den Weg stellen:

Aktionen in Würzburg am 19.03.2005 ab 11 Uhr
Nummer des EA
0160 / 910 410 80
Amtsgericht 11 Uhr
Stadttheater 13 Uhr
Rejected Youth 14.30 Uhr am Kardinal-Faulhaber Platz
Nazi-Treffpunkt Hauptbahnhof Würzburg,
Busbahnhof (Westseite) 15:00 Uhr
Nazi-Abmarsch 15:30 Uhr

--

lohra 10.03.2005 - 22:20
Leserbrief aus der Mainpost:

Schlag ins Gesicht der Jugendlichen
Nach den Worten des Lohrer Polizeichefs hat sich bei der Polizei noch kein "Normalbürger" gemeldet, der von den Rechten angepöbelt oder bedroht worden ist.
Diese Äußerung sehe ich als Schlag ins Gesicht der Lohrer Jugend. (. . .)
Ende Januar wurden zwei junge Leute aus Lohr (. . .) von Rechten mit Stockschlägen und Fußtritten krankenhausreif geschlagen. Beide Betroffenen haben Anzeige erstattet. In der Bürgerversammlung am vergangenen Dienstag (. . .) konnte sich jeder davon überzeugen, dass es sich bei den Betroffenen sowie
bei allen anwesenden Jugendlichen um ganz normale Bürger unserer Stadt handelt, die - genau wie jeder andere Lohrer auch - das Recht haben, hier friedlich zu leben. Die Äußerung des Lohrer Polizeichefs zeigt mir jedoch ganz deutlich, dass dies von der Polizei nicht so gesehen wird. Solange wir unsere Jugend nicht als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft und "Normal-bürger" akzeptieren, sehe ich eine Lösung unseres gegenwärtigen Problems in weite Ferne gerückt.
G. Hofmann aus Lohr

Den rechten Mainstream bekämpfen

emilio zapata 12.03.2005 - 10:44
Es ist mal wieder Wochenende im beschaulichen südlichen Unterfranken.

Da wohl die ländliche Einöde nicht mehr als matschige Rübenäcker, schmutzige Feldwege und verlassene Vereinsgaststätten zu bieten hat, konzentriert sich die gesamte Jugend des Gaus zumeist auf zwei populäre Rockkonzerte an den beiden Wochenendabenden.

Seit Jahren jedoch formiert sich bei den ländlichen Konzerten eine rechte Szene, die anscheinend vom Großteil der feiernden Menge schlichtweg hingenommen und akzeptiert wird. NeofaschistInnen und Neonazis tanzen "friedlich" unter den Konzertgästen und stellen wohl eine Vorbildfunktion für viele der jungen Männer dar, denn viele, wenn auch nicht offensichtlich neofaschistisch, fühlen sich mit rechten Dresscodes wie Bomberjacke und Pit-Bull Pulli einfach "hip" und "trendy".

So handelt es sich bei den überzeugten Neonazis nicht um Unbeliebte Einzelgänger, sondern sie sind direkt im Dorfleben (mal mehr, mal weniger) des südlichen Landkreises akzeptiert und werden durch ihre aktive Vereinsarbeit in den Sportvereinen oft geschätzt und verehrt. Erschwerend hinzu kommt das Zusammengehen von fremdenfeindlichen Dorfattitüden mit der aktiven Meinung vieler Leute auf dem Dorf, die sich durch den offenen Bezug auf "Vaterland" und Patriotismus seitens der CSU vertreten fühlen und deren Intoleranz durch die bewusste Abgrenzung zum urbanen Leben entstand und entsteht.

So tanzen in den ersten Reihen aktive NeofaschistInnen des rechten Mainstreams, ohne dass sich weder seitens der Bands (denen bei all der jahrelangen Bühnenerfahrung das Neonazitum sicherlich nicht entging) noch seitens der Konzertgäste oder der Dorfpolitik Widerstand breit macht. Rechte und rechtextreme Meinungen werden wohl lieber vertreten als die Meinung des städtischen "Packs"- dem Dorf zuliebe!
Und wenn die Stimmung am besten ist, dann redet man auch wieder von den bösen "Russen", "Städtern" und "dem sonstigen Pack", die die schöne Dorfkultur zerstören wollen. Oh, wie idyllisch ist das Landleben!

Worum es mir in dieser Ergänzung geht: das wahre Ausmaß der passiven (oder teilweise auch aktiven) Unterstützung der rechtsradikalen Szene im Raum Unterfranken nicht nur auf Lohr zu beschränken, sondern es in seiner Ganzheit zu erkennen. Neonazis sind Kinder der durch und durch intoleranten Denkmuster, die seit Jahr und Tag durch alt-konservativen Katholizismus und durch die Identifizierung zum "Vaterland" und Fixierung auf das "Vaterland" hervorgerufen werden. Nur weil die NeofachistInnen im südlichen Landkreis Würzburg weniger organisiert sind bedeutet dies nicht, dass sich die AntifaschistInnen entspannt zurücklehnen können. Vielleicht bedeutet eine nicht offensichtliche, aber breit akzeptierte Szene noch viel mehr Gefahr.

Deshalb: Maul aufmachen gegen rechte Propaganda im Bierzelt! Zeigt aktiven Widerstand dort, wo der braune Sumpf am tiefsten ist! Kein Fußbreit den Faschisten!

Und gerade deshalb:
Antifaschistische Demo am 19.03, 11:00, Geschwister-Scholl-Platz unterstützen und den Mythos des ruhigen Hinterlands zersetzen!

Demo Route - NPD

ratm 17.03.2005 - 13:17
Die Demoroute der NPD soll so aussehen:
15:00 Treffpunkt Hauptbahnhof (WEST)
15.30 Abmarsch über
-> Röntgenring
-> Koelikerstraße
-> Juliuspromenade
-> Kranenkai
-> Friedensbrücke
-> Luitpoldstraße
zum Neunerplatz
Am Neunerplatz soll es dann eine Kundgebung stattfinden

Danach geht es wieder über
-> Friedensbrücke
-> Röntgenring
zurück zum Hauptbahnhof

Meldung der MAIN POST

mikesch 17.03.2005 - 20:09
In der MAIN POST (lokale Postille) stand heute, dass in etwa 300 NPD-Leutchen erwartet werden. Das klingt besser, als 1000, von denen ich anfangs gehört habe und auch danach, gar nicht so deutlich von deren geplanter Route zu reden, sondern zu versuchen, sie aus dem Bahnhof gar nicht erst rauskommen zu lassen. Heissa, das wär doch was!
c u Samstag

Artikel weg!

sucher 21.03.2005 - 12:04
Es gab hier auch mal ein Bericht zur Gegendemo, leider irgenwie wech:

 http://de.indymedia.org//2005/03/109744.shtml