Kirche: Deutsches Prestige soll Chavez stoppen

anti-neokolonialer -atheist 18.02.2005 23:49 Themen: Soziale Kämpfe Weltweit
"Europa, insbesondere Deutschland hat viel Prestige in Lateinamerika. Das könnte man bei der Eindämmung des Revolutionärs Chávez in die Waagschale werfen, bevor es zu spät ist und das Jammern über den Ölpreis und die Renaissance des Sozialismus aus dieser Wetterecke der Welt wieder alles übertönt."
Das ist das Schlusszitat eines Artikels in der "Tagespost" 18.02.05, einer katholischen Zeitung, aus Deutschland.
 http://www.die-tagespost.de/Archiv/titel_anzeige.asp?ID=12756

Erschreckend dabei ist nicht unbedingt die oppositonelle Haltung zur Regierung von Chavez, sondern der Aufruf zu postkolonialen-"missionarischen" Einfluss deutscher (Kirchen?-) VerteterInnen in die politisch-wirtschafliche Umstrukturierung Lateinamerikas.

Nach Jahrhundertelanger Ausbeutung, durch europaeische Kolonialisten und Christinnen, befinden sich viele Regierungen Lateinamerikas angespornt durch Teile(!)sozialer Bewegungen, in einem neuen Versuch die Abhaengigkeit zur sogenannten 1.Welt, durch eine wirtschaftliche und soziale Vereinigung zu brechen und ihren Suedkontinent selbst zu verwalten.
Erstes Beispiel ist das ALBA, ein Initiative von Chavez und Fidel Castro(Kuba)und die erste praktische Alternative zur ganzamerikansichen Freihandelszone.

Es ist hier die Rede von Regierungen die diesen Umwaelzungsprozess von oben leiten, (deswegen auch ein Ausrufezeichen hinter "Teile") dabei aber einigen sozialen BewegungsaktivistInnen trotzdem in den Ruecken fallen, wie das aktuelle Beispiel der Landlosen Bewegung in Brasilien zeigt.
Dass den Regierungen, auch den sogenannten Linken, nicht blind zu trauen ist, hat die Geschichte weltweit gezeigt.

In diesem Fall jedoch jammert die katholische Kirche, die wie der Autor der Tagespost treffen feststellt, nachwievor grossen Einfluss in Lateinamerika hat,
dass sie ihren Einfluss verliert.
" Bisher haben sich aus Europa nur die Adenauer-Stiftung und die internationale Hilfsorganisation „Kirche in Not“ der Kubanisierung und schleichend wachsenden Diktatur in Venezuela zugewandt" ,selber Artikel der "Tagespost".(Anm: Stimmt nicht, die FDP ist auch schon im Boot  http://www.liberale.de/portal/?presse=1&id=39764)

Grund des KirchenGejammeres ist :"Sie (die Regierung) greift seit einem Jahr vor allem die Bischöfe an und versucht, das Volk gegen die Hirten aufzuhetzen. In öffentlichen Reden beschimpfe Chávez die Kirche als korrupt, die Bischöfe als „Schweine“ und versuche, eine eigene nationale Kirche auf die Beine zu stellen."

Was von der ChavezIdee einer nationalen Kirche zu halten ist, ist die eine Sache, dass aber deutsche Katholiker sich aufgefordert fuehlen, eine Durchsetzung deutsche-katholischer Interessen in Lateinamerika zu fordern,
ist ein historischer Skandal.
Durch das koloniale Engagement der k.Kirche, mittlerweile ueberwiegend durch transnationale Konzerne fortgesetzt, wird die ungleiche Verteilung lebenswichtiger Ressourcen von Sued nach Nord gewaehrleistet.
Betroffen davon sind nicht die Politiker in Lateinamerika, den auch dort gibt es eine Oberschicht, sondern die allermeisten armen BewohnerInnen dieses Erdteils.
Profitierend davon sind zu einem kleinen Teil alle BewohnerInnen(ausser Fluechtlingen) reicher Nordlaender, aber so wirklich auch nur die ManagerInnen, PolitikerInnen ... kurz die Oberschicht.
Der Unterschied ist, dass selbst Hartz 4 EmpfaengerInnen in Deutschland noch nicht verhungern muessen, weil die Politik, durch die "nationale" neoliberale Wirtschaft und die Steuereinnahmen, es sich noch leisten kann mit einer(immer kleiner werdenden) Abgabe an Arbeitslose und Sozialbeduerftige, diese zu beruhigen,
dieses Konzept in Lateinamerika aber nicht zieht weil die dortige Wirtschaft und Politik an den Norden verschuldet ist und selbst wenn der soziale Wille vorhanden waere, die Mittel nicht ausreichen wuerden.

Venezuela ist da ein wenig die Ausnahme weil Chavez Politik (durch Verteilung der Oeleinnahmen)sozialstaatliche Zuege annimmt.

Egal welche Haltung nun gegenueber diesen Regierungen eingenommen wird,
die Grenzen verlaufen eh eher zwischen oben und unten.
Die katholische Kirche hat keinen Grund zu jammern. Ihre Geschichte ist blutig, sie ist oben und die Konsequenz aus der Kolonisation und den Massenmord an indigenas der Americas, sich aus Angelegenheiten anderer Gegenden rauszuhalten, kann sie nicht erfuellen.
Sie klammert sich an ihren Einfluss aus Angst (nochmal das -Zitat "bevor es zu spät ist und das Jammern über den Ölpreis und die Renaissance des Sozialismus aus dieser Wetterecke der Welt wieder alles übertönt")
unwichtig und aermer zu werden und verliert dadurch einmalmehr ihre soziale Glaubwuerdigkeit.
Waehrend in Lateinamerica der soziale UmwaelzungsProzess weitergeht...
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Ergänzungen

Religion = Opium fürs Volk

erwin 19.02.2005 - 07:08
Ergänzend zum obigen Artikel & angesichts des Vergleichs des Tattergreises in Rom (Abtreibung = Holocaust)muss festgestellt werden, dass die katholische Kirche wohl die grösste, erfolgreichste & langlebigste terroristische vereinigung aller Zeiten darstellt.
Neben dem von der Kirche veranlassten kolonialen Genozid, der nun schon jahrhundertelang & bis heute alle Ecken des Globuses heimsucht muss auch deren integristische Unterdrückung jedweder Intelligenz in Europa beklagt werden.Schon seit jeher hat sich die Kirche die Unterdrückung jeglichen , mehr oder weniger emanzipatorischen Fortschritts aufs Banner geschrieben, von Galilei damals bis Chavez & Castro heute. Kehren wir, zu ihrer Unterstützung, vor unserer Haustür& jagen alle Religionen zum Teufel!

Differenzieren

ignora 19.02.2005 - 14:16
Bevor hier wieder das undifferenzierte Dreinschlagen auf die Religionen im allgemeinen beginnt, sollte man vielleicht auch bedenken, dass Teile der katholischen Kirche in Lateinamerika (die sogennante Befreiungstheologie) sich durchaus auf die Seite sozialer Bewegungen gestellt hatten und immer noch stellen (beispielsweise ist die zweitgrößte Guerilliaorganisation Kolumbiens, die ELN, auch von der Befreiungstheologie geprägt).
Die Befreiungstheologie sieht sich selbst ja nicht mehr als missionierendes Element, denen ist das Scheiß egal ob oder welche Religion man hat. Dass diese Strömung beim Papst (und beim deutschen Schleim a la Ratzinger) nicht gerade wohlgelitten ist, ist eine andere Frage... .

Also bitte nicht in Schwarz-Weiß-Denkmuster verfallen!

www.kirchenopfer.de

. 21.02.2005 - 01:05
"100.000.000 Tote

In den ersten 50 Jahren nach der Entdeckung Amerikas durch die katholischen Spanier waren bereits eine Million Indianer im karibischen Raum zugrunde gegangen - ermordet, durch Zwangsarbeit zu Tode geschunden oder an Infektionen gestorben. Nach 150 Jahren waren in ganz Amerika 100 Millionen Menschen gestorben - über 90 Prozent der Bevölkerung (Südwestpresse, 2.5.92).

Der katholische Theologe Leonardo Boff nennt die Eroberung Amerikas den »größten Völkermord aller Zeiten« (Publik-Forum, 31.5.91).

Spanier massakrierten Indianer grausamst


Die Spanier behandelten die Indianer schlimmer als Tiere und massakrierten sie auf grausamste Weise. Sie erhängten »zur Ehre der Apostel und Jesu Christi«, wie sie sagten, jeweils 13 Indianer über einem Feuer, so dass sie gleichzeitig erstickten und verbrannten. Sie trieben die Indianer in Fallgruben mit spitzen Pfählen, verstümmelten sie oder warfen ihre Kinder lebendig den Hunden vor.

Lieber in die Hölle, als mit Christen im Himmel

Der Kazike Hatuay wurde vor seiner Verbrennung gefragt, ob er sich taufen lassen wolle, um wenigstens in den Himmel zu kommen. Er fragte zurück, ob denn auch Christen in den Himmel kämen. Dies wurde bejaht. »Sogleich und ohne weiteres Bedenken erwiderte der Kazike, dort wolle er nicht hin, sondern lieber in die Hölle, damit er nur dergleichen grausame Leute nicht mehr sehen, noch da sich aufhalten dürfe, wo sie zugegen wären.« (taz, 21.2.87)"
 http://www.kirchenopfer.de/dieopfer/amerika/index.html (mit Bildern)

KAS nennt Pinochet-Putsch Aufstand d. Militär

. 21.02.2005 - 01:14
KAS nennt Putsch den von 2002 "Generalsprotest" und den Pinochet-Putsch von 1973 "Aufstand des Militärs".

"Mehr noch, General Medina nahm in voller Uniform an der Unterredung
teil und konnte anschließend als erster vor die Presse treten. Der
OAS-Generalsekretär verdeutlichte zwar seine grundsätzliche
Einschätzung zum Protest der Generäle in Uniform, weil es eine
besorgniserregende Situation mit Risiken für den Fortbestand der
Demokratie sei, er war aber „froh und beruhigt“ von Medina zu hören,
dass der Generalsprotest keinen Putsch als Ziel habe. Der Rat in
Richtung Medina war, sich für „Kaserne oder Politik“ zu entscheiden
-- eine Empfehlung für eine neue Karriere?

Die „Anerkennung“ des Generalsprotestes wird es der Regierung
schwieriger machen, den Protest als „offene Vorbereitung eines
Putsches“ zu bezeichnen und zusätzlich wird sie die internationale
Wahrnehmung des Protestes verändern."
 http://www.kas.de/publikationen/2002/1033_dokument.html


Auch der faschistische Putsch von Pinochet und das anschliessende
Blutbad ist für die KAS nur ein "Aufstand des Militärs".

"Bis zum Aufstand des Militärs im Jahr 1973 konnte
Chile auf eine lange politisch-demokratische Tradition
verweisen, in der kompetitive Wahlen in regelmäßigem
Turnus abgehalten wurden.8)"
 http://www.kas.de/db_files/dokumente/auslandsinformationen/7_dokument
_dok_pdf_4635_1.pdf

Und solche Protofaschisten bezeichnen sich auch noch als "demokratisch".


Siehe auch:
",,Generalsprotest"

CARACAS (Eigener Bericht) - Zum wiederholten Male interveniert eine
Auslandsniederlassung der deutschen Parteien in die Angelegenheiten
ihres Gastlandes. In Venezuela lässt die von der CDU geführte
,,Konrad-Adenauer-Stiftung" durch ihren Repräsentanten verlauten,
dass sie den Sturz der demokratisch gewählten Regierung des Landes in
Betracht ziehe. Der ,,Stiftungs"-Vertreter, Michael Lingenthal,
erklärte öffentlich, in Venezuela müssten Neuwahlen stattfinden;
sollte sich der venezolanische Präsident Hugo Chavez dieser Forderung
nicht beugen, ,,gefährde" er seine internationale ,,Anerkennung".

Die kaum verhüllte Drohung der deutschen ,,Stiftung" richtet sich
gegen die Verfassung Venezuelas, die vorgezogene Neuwahlen in das
Belieben des Souveräns stellt, aber nicht von der ,,Anerkennung"
ausländischer Ratgeber abhängig macht.
..."
 http://www.german-foreign-policy.com/de/news/article/1036364401.php

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